Welche medizinischen Möglichkeiten stehen aktuell zur Behandlung der COPD und des Emphysems zur Verfügung mit Blick in die Zukunft?

Herr Prof. Dr. med. Adrian Gillisen

Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin, Klinikum Kassel

Symposium LungeDie primäre und bei weitem wichtigste aller therapeutischen Maßnahmen bei der COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ist die Vermeidung des krankmachenden Auslösers. In den allermeisten Fällen heißt das, nicht mehr zu rauchen. Alle medikamentösen Ansätze wirken schlechter als die Abstinenz von der Zigarette! Schon eine chronische Bronchitis, die als chronischer Husten mit meist morgendlichem Auswurf definiert ist, gilt als erstes Zeichen, dass der inhalierte Zigarettenrauch zu einer Entzündung in den Atemwegen geführt hat, aus der sich später eine COPD entwickeln kann. Bronchialerweiternde Medikamente, die s. g. langwirksamen ß2-Mimetika (Salmeterol,, Formoterol, Indacaterol), das Tiotropiumbromid und das Theophyllin bilden die Basis der medikamentösen Langzeittherapie der COPD. Für den Notfall und bei einer akuten Zunahme der Luftnot stehen s. g. kurzwirksame Medikamente zur Verfügung wie Fenoterol, Terbutalin, Salbutamol oder Ipratropiumbromid, die bei Bedarf eingenommen werden können.

Alle diese bronchialerweiternden Medikamente werden primär inhaliert. Nur das Theophyllin steht als Tablette zur Verfügung. Der Vorteil der inhalativen Anwendung ist, dass die Medikamente an den Ort des Geschehens, nämlich in die Atemwege gelangen, ohne im Körper zu wesentlichen Nebenwirkungen zu führen. In fortgeschritteneren Erkrankungsstadien können diese Medikamente auch kombiniert eingesetzt werden. Wenn gehäuft Notfälle, die s. g. Exazerbationen auftreten, kann ihr Arzt zusätzlich zu einem bronchialerweiternden Pharmakon auch ein inhalierbares kortisonhaltiges Präparat verordnen. Von einer dauerhaften Gabe von Kortisontabletten wird wegen des fehlenden Wirksamkeitsnachweises und den vielen damit zusammenhängenden Nebenwirkungen, wenn man einmal  von Ausnahmen absieht, abgeraten.

Eine Lungenoperation mit chirurgischer Entfernung eines Lungenemphysems, einer großen Emphysemblase oder die Lungentransplantation sind nur bei ganz wenigen und sehr selektionierten Patienten sinnvoll. Ergänzt werden alle diese therapeutischen Möglichkeiten durch Gabe von Sauerstoff, sofern eine durch die COPD und das Lungenemphysem bedingte Sauerstoff-unterversorgung des Körpers vorliegt und eine vielstündige tägliche nasale O2-Gabe diesen Mangel nachweisbar ausgleichen kann. Zudem sollte eine medikamentöse Therapie idealerweise durch weitere Maßnahmen wie z. B.  Rehabilitation, Lungensport, Ernährungsoptimierung, Physio- inkl. Atemtherapie flankiert werden.


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