Prävention, frühzeitige Diagnose und stadiengerechte Therapie von COPD und Lungenemphysem: Welche Untersuchungen und Maßnahmen sind medizinisch sinnvoll?

Herr Prof. Dr. med. Helmut Teschler

Westdeutsches Lungenzentrum, Ruhrlandklinik Universitätsklinikum Essen

Symposium LungeCOPD – diese vier Buchstaben stehen für eine Krankheit, in der nach einer großen Erhebung im Jahre 2007 mehr als 6 Millionen Deutsche im Alter von mehr als 40 Jahren leiden. Dies sind ungefähr 13 Prozent dieser Personengruppe. Die vier Buchstaben sind die Abkürzung für den aus dem Englischen kommenden Begriff „chronic obstructive pulmonary disease“ (chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Es handelt sich um eine chronische Erkrankung der Lunge, die die Atemwege (Bronchien) und das Lungengewebe (Lungenbläschen) betrifft. Diese Erkrankung beginnt meist schleichend und die charakteristischen Symptome (Husten, Auswurf, Atemnot bei Belastung) sind genauso unspezifisch wie die klinischen Zeichen (Giemen, Pfeifen, Brummen, Auswurf, verlängerte Ausatemdauer). Deshalb verwundert es nicht, wenn die Erkrankung COPD entweder erst in weit fortgeschrittenen Stadien oder nur durch Zufall diagnostiziert wird. Weltweit wird die COPD bereits in 10 Jahren die dritthäufigste Todesursache darstellen – nach Herzkranzgefäßerkrankungen und Schlaganfall.

Wie kommt es zu dieser Erkrankung? Für die COPD gibt es eindeutig einen Hauptverursacher – das inhalative Zigarettenrauchen. Für 75 – 90 Prozent der Fälle von COPD wird Zigarettenrauch verantwortlich gemacht. Nur für 10 - 30 Prozent sind Luftverschmutzung am Wohnort und insbesondere am Arbeitsplatz, häufige Entzündungen der Atemwege, geboren werden als Frühgeburt sowie die Vererbung eines genetischen Defektes (Alpha 1-Antitrypsinmangel) hauptsächlich verantwortlich.

Und wie wird die COPD diagnostiziert? Hinweisend für diese Erkrankung ist das Alter über 40 Jahre, eine bestimmte Zahl an gerauchten Zigaretten, der Charakter des Hustens, insbesondere mit Produktion von schleimigem Sekret, das vorwiegend morgens ausgehustet wird. Eine allgemeine Überempfindlichkeit der Atemwege, die zum Beispiel den Asthmatiker auszeichnet, ist bei vielen Patienten mit COPD nicht vorhanden. Die chronische Bronchitis ist zu einer COPD geworden, wenn die oben beschriebenen Prozesse zu einer Obstruktion (Einengung der Atemwege) der Bronchien und Bronchiolen beigetragen haben.

Um das nachweisen zu können, bedarf es einer Durchführung einer Lungenfunktionsprüfung und bei Nachweis einer Obstruktion ferner eines Medikamententestes. Mit der Lungenfunktionsprüfung wird das Ausmaß der Enge der Atemwege bestimmt, der Medikamententest in Form der Gabe eines rasch wirkenden Bronchienweiters soll die Frage beantworten, ob diese Verengung der Atemwege rückbildbar – wir nennen dies reversibel – ist und ob diese Rückbildung vollkommen oder nur teilweise ist. Besteht eine nur teilweise oder gar keine Rückbildung, so ist die Diagnose einer COPD bei Verringerung des Atemausstoßes anhand der Lungenfunktion zu stellen. Steht das Emphysem – also der Lungenbläschenschwund – im Vordergrund der Erkrankung, so hört man charakteristischer Weise über den Lungen ein nur sehr leises Atemgeräusch. Nicht sonderlich aussagekräftig ist die Befragung des Patienten im Hinblick auf die Symptome der COPD (Husten, Auswurf, Atemnot). Während die chronische Bronchitis durch Husten und Auswurf eindeutig charakterisiert ist, ist das Hauptsymptom der COPD die Luftnot unter körperlicher Belastung.

Man muss sich immer wieder bewusst sein, dass jeder Vierte über 70 Jahre von der COPD betroffen ist, dass aber nur die Hälfte der Erkrankten (merke: 50 Prozent!) wirklich diagnostiziert und behandelt ist.

Die COPD erhält zunehmende Bedeutung, vor allem als Todesursache und als Kostenfaktor im Gesundheitssystem. Schwergradige Erkrankungen schränken die Lebensqualität des Patienten extrem ein, führen zu Arbeitsunfähigkeit, Krankenhaus-aufenthalten, vorzeitiger Berentung.

 

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