Veränderungen von Schlaf und Atmung bei COPD und Lungenemphysem. - Was kann man tun?

Herr Prof. Dr. med. Kurt Rasche

HELIOS Klinikum Wuppertal; Klinikum der Privaten Universität Witten/Herdecke; Bergisches Lungenzentrum Klinik für Pneumologie, Allergologie Schlaf- und
Beatmungsmedizin

Symposium LungeDer 24 Stunden dauernde Tag des Menschen ist charakterisiert durch eine typische, sog. zirkadiane Rhythmik mit einem Wechsel zwischen Wach- und Schlafphase. Eine Schlafneigung ist nicht nur in der Dunkel- bzw. Nachtphase vorhanden sondern auch am frühen Nachmittag.
Der Nachtschlaf ist charakterisiert durch eine rhythmische Abfolge verschiedener Schlafstadien. Man unterscheidet anhand der Gehirnschrift, der Muskelanspannung und den Augenbewegungen Leicht-, Tief- und Traumschlafphasen.

Der Schlaf kann bei COPD-Patienten durch die auch schon tagsüber vorhandenen Atemwegssymptome wie Husten, Auswurf und Luftnot erheblich gestört sein. Hinzu kommen störende Einflüsse der typischen, meist chronisch genommenen COPD-Medikamente, aber auch von depressiven Verstimmungszuständen, die häufig beim COPD-Patienten vorkommen können. Verschiedene Ursachen führen bei Patienten mit COPD und Lungenemphysem häufig zu einem gestörten Schlaf. Die Zunahme der Atemwegsobstruktion kann zu Luftnot- und Hustenanfällen und damit auch zu Weckreaktionen führen, wodurch wiederum der Schlaf erheblich gestört wird. Durch die Atemwegsobstruktion kann es gleichzeitig aber auch zu einer Zunahme des Rückflusses von Magensäure in die Speiseröhre (sog. gastro-ösophagealer Reflux) kommen, der wiederum auch zu Weckreaktionen führt oder aber zu einer Zunahme der Atemwegsobstruktion. Dieses führt wiederum zum Auftreten von Atemwegssymptomen während des Schlafs.

Darüber hinaus sind fast alle Medikamente, die zur Behandlung der COPD angewandt werden, in der Lage, den Schlaf zu stören. Ganz besonders trifft dies für Theophyllin wie auch die ß2-Sympathomimetika zu.  Theophyllin hat Koffein-ähnliche Wirkung, ß2-Sympathomimetika können Stresshormon-ähnliche Wirkungen hervorrufen, beides also Wirkungen, die einem ungestörten Schlaf entgegenstehen können. Es verwundert daher nicht, dass Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen doppelt so häufig wie Lungengesunde Ein- und Durchschlafstörungen aufweisen. Dies führt dann häufig zu einer vermehrten Tagesschläfrigkeit mit gesteigerter Einschlafneigung. Letzteres kann dann am anderen Morgen zu morgendlichen Kopfschmerzen, allgemeinem Abgeschlagenheitsgefühl, Müdigkeit beim Aufstehen, bis Benommenheit - bei Patienten mit COPD in mehr als 30 Prozent - als Folge krankhafter, nächtlicher Sauerstoffabfälle auftreten. Als klinische Auswirkungen werden eine Verschlechterung der Schlaf- und Lebensqualität, aber auch die Förderung eines Lungenhochdrucks oder sogar eine erhöhte Sterblichkeit diskutiert.

Spezielle Schlaffragebögen, ähnlich wie bei Schlafapnoe-Patienten, lassen dann weiterhin abschätzen, wie ausgeprägt z. B. die Tagesmüdigkeit des Betroffenen ist. Durch eine in der Regel zunächst ambulant durchführbare Messung der Atmung im Schlaf kann dann entschieden werden, ob eine Schlaflaboruntersuchung erforderlich ist.

Wird eine Sauerstoffunterversorgung des Patienten im Schlaf oder sogar eine krankhafte Erhöhung des CO2-Wertes festgestellt, so können entweder eine Sauerstofftherapie und/oder eine Masken-Beatmungstherapie erforderlich werden. Eine Sauerstoffgabe im Schlaf kann bei COPD-Patienten zu einer Verbesserung des Schlafprofils führen. Hierbei muss aber auch der CO2-Wert im Blut genau überwacht werden.


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