Medizinische Trainingstherapie und Atemphysiotherapie bei COPD
Frau Dr. med. Karin Taube; Jan Kaufmann
Atem-Reha Hamburg GmbH; Ambulante ganztägige pneumologische Rehabilitation
Körperliches Training und Atemphysiotherapie sind bei Erkrankungen der Atmungsorgane eine unverzichtbare Komponente der Behandlung insbesondere im Sinne einer Langzeittherapie. Bei COPD sind die nützlichen Wirkungen vielfach wissenschaftlich nachgewiesen worden.
Warum-Wie-Wo sind die drei Schlüsselfragen zur erfolgreichen Umsetzung.
Die COPD wird heute nicht mehr als lokalisierte Erkrankung der Lungen aufgefasst, sondern sie geht einher mit entzündlichen Veränderungen und deren Auswirkungen in anderen Organsystemen wie z. B. der gesamten Körpermuskulatur. Husten, Auswurf, Atemnot und Leistungsbeeinträchtigung sind die Hauptsymptome. Der Krankheitsverlauf ist gekennzeichnet durch eine Abwärtsspirale mit atemnotbedingter Inaktivität, zunehmender Dekonditionierung, Immobilität und Depression.
Ein Eckpfeiler der nichtmedikamentösen Maßnahme ist dabei das körperliche Training, denn allein dadurch können die krankhaften Veränderungen der Muskulatur gebessert werden. Bei bis zu 70 Prozent der COPD-Kranken besteht eine reduzierte Muskelmasse und -kraft. Bei der Durchführung von körperlichem Training muss zum einen die Einschränkung der kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit und zum anderen die krankhaft veränderte Funktion der Muskulatur berücksichtigt werden. Als Trainingskomponenten spielen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination eine Rolle. Günstige Ausdauersportarten für den COPD-Kranken sind Gehen, Walken, Laufen, Gehen mit Stockeinsatz und Fahrrad-, Laufband- und Handkurbelergometer. Bei der „Dauermethode“ wird ca. 20 Minuten trainiert. Die Intensität soll 50 – 70 Prozent der im Belastungstest erreichten Spitzenleistung betragen. Bei der „Intervallmethode“ wechseln mehrere kurze Belastungen mit Erholungspausen. Dadurch kann mit höheren Intensitäten trainiert werden, ohne dass die Lunge verstärkt überbläht. In der Praxis spielt die Atemphysiotherapie eine wichtige Rolle. Dies insbesondere bei der Sekretretention, bei der in drei Schritten eine Verbesserung über eine Sekretverflüssigung, Sekretmobilisation und Sekretelimination zu erzielen ist.
Husten kann viele Ursachen haben und ist unbedingt abzuklären. Bleibt aber ein quälender, unproduktiver (ohne Auswurf) Reizhusten bestehen, so können hustenvermeidende Selbsthilfetechniken eingesetzt werden. Einfache Methoden sind die Ausatmung gegen ein Taschentuch oder die Verlangsamung der Luftströmung durch die leichte Einengung der Nasengänge mit den Fingern.
Eine übermäßige dynamische Überblähung der Lunge, kann durch die sog. dosierte Lippenbremse, bei der gegen die locker aufeinander gelegten Lippen ausgeatmet wird, verhindert werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Ausatmung gegen ein Strohhalmstück. Beide Techniken können die Ausatmung sowohl in Ruhe als auch bei Belastung erleichtern und Atemnot mindern. In Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich durch den Einsatz solcher Techniken auch die Sauerstoffsättigung des Blutes verbessert. Zur Minderung von Atemnot kommen sogenannte „atemerleichternde Körperstellungen“ (Kutschersitz, Torwarthaltung, Abstützen gegen eine Mauer) zum Einsatz. Das Abstützen der Arme ermöglicht einen besseren Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, während eine Oberkörpervorneige im Sitz die Zwerchfellfunktion verbessert.