Monika Tempel

Kopfsache

Bewältigungsstrategien für Lungenpatienten

Um die mutige und selbstbewusste Bewältigung von chronischen Lungenkrankheiten geht es in diesem Blog. Dazu motiviert die Ärztin Monika Tempel Patienten und Angehörige mit gesundheitsfördernden Methoden.

Ihr Gesundheitsteam für mutige Entscheidungen

Die Kommentare zum ersten Blogbeitrag „Diagnose COPD – was nun?“ zeigen: COPD-Betroffen engagieren sich nach dem ersten Schock entschieden und kreativ für ihr Wohlergehen. Der zweite Beitrag stellt weitere Anregungen für eine gute Zukunft mit COPD vor.

Das Berufsgeheimnis guter Ärzte

Albert Schweitzer hat nicht nur ein Urwald-Hospital gegründet und den Friedensnobelpreis erhalten – ihm wird auch folgendes Zitat zugeschrieben:

„Eigentlich ist es ein Berufsgeheimnis, aber ich will es Ihnen trotzdem verraten. Wir Ärzte tun nichts. Wir unterstützen und ermutigen nur den Arzt im Innern des Menschen.“

Wenn Sie diesem Geheimnis Glauben schenken, können Sie Ihren Arzt im Innern durch ein ganz individuell zusammengestelltes Gesundheitsteam beraten lassen. Versammeln Sie dazu in Ihrer Vorstellung alle Unterstützer um einen Runden Tisch der Gesundheit.

Wer sollte als Unterstützer an diesem Runden Tisch der Gesundheit Platz nehmen?

1. Mein Äußeres Gesundheits-Team

Für Ihr Äußeres Gesundheits-Team wählen Sie alle kompetenten Therapeuten aus, z.B.:

  • Ihren bewährten Hausarzt
  • den Lungenfacharzt Ihres Vertrauens
  • Ihre (Atem-)Physiotherapeutin
  • Ihren erfahrenen Lungensport-Übungsleiter
  • Ihre patente Ernährungsberaterin

Als Auswahl-Kriterien für das Äußere Gesundheits-Team gelten folgende Grundsätze:

  • Suchen Sie Unterstützer, die sich wirklich für Sie interessieren. Das können neben „schulmedizinisch“ orientierten Behandlern auch solche aus dem Bereich der „Komplementärmedizin“ sein.
  • Vertrauen Sie sich Behandlern an, die gut und gerne mit anderen Experten zusammenarbeiten. Alle Mitglieder Ihres Äußeren Gesundheitsteams sollten zu einem respektvollen Miteinander bereit sein, sonst führen widersprüchliche Empfehlungen möglicherweise zu Verunsicherung und Risiken.
  • Achten Sie darauf, daß alle Behandler Ihre Erfahrungen, Ihre Rückmeldungen, Ihre Wünsche und Ihre Intuition als COPD-Patient respektieren.
  • Denken Sie stets daran: Sie sind es wert, die bestmögliche Behandlung zu bekommen! Dafür müssen Sie möglicherweise immer wieder nachhaken, Verantwortung übernehmen, eventuell sogar einiges aus eigener Tasche bezahlen – aber, was ist wichtiger als Ihr Wohlergehen?

Gehen Sie nun in Gedanken nacheinander die Unterstützer Ihres Äußeren Gesundheitsteams durch: Falls er noch nicht mit an Ihrem Runden Tisch der Gesundheit sitzt, sollten Sie spätestens jetzt einen einfühlsamen psychologischen Experten dazu einladen. Denn der kann Ihnen bei der Zusammenstellung und bei der Moderation Ihres Inneren Gesundheitsteams gute Dienste leisten.

2. Mein Inneres Gesundheitsteam

Ihre Zukunft mit COPD ist ein zentrales Thema. Gerade bei lebenswichtigen Anliegen bestimmen jedoch nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch unsere inneren Anteile den weiteren Verlauf. Bei der Suche nach Unterstützern melden sich in Ihrem Inneren meist verschiedene Stimmen, zum Beispiel:

  • der Ansporner („Einmal pro Woche Lungensport – das schaffe ich!“)
  • der Zweifler („Sekretmanagement- wie soll das mir denn helfen?“)
  • der Verdränger („Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“)
  • der Sicherheitsfanatiker („Lieber nichts riskieren, sonst wird die Atemnot noch schlimmer.“)
  • der Hoffnungslose („Inhalation, Bewegung, Selbsthilfe-Gruppe: hat doch alles keinen Zweck.“)
  • und so weiter …

Diese inneren Stimmen entscheiden über Erfolg oder Nicht-Erfolg Ihrer Therapien – das zeigt die klinische Erfahrung und das belegen Studien über Krankheitswahrnehmung und Bewältigungsverhalten. Wie geht man also am geschicktesten mit den Mitgliedern des Inneren Gesundheitsteams um?

Beweisen Sie Teamgeist. Wie bei einem realen Team gilt auch für das Innere Gesundheitsteam: Jede Stimme wird angehört; jede Stimme zählt gleich viel.

Beachten Sie die „Typen“ des Inneren Gesundheitsteams. Es gibt Früh- und Spätmelder, laute und leise Stimmen, willkommene und unwillkommene Mitglieder. Ein psychologischer Experte kann hilfreich sein, um leise, unwillkommene Spätmelder nicht zu überhören. Er kann Sie auch bei der Suche nach möglichst treffenden „Namen“ für jedes Teammitglied unterstützen – das ist wichtig für den nächsten Schritt.

Moderieren Sie Ihr Inneres Gesundheitsteam. Wenn alle Mitglieder einen treffenden Namen haben, müssen sie gemeinsam in die Unterstützung einbezogen werden. Wenn Sie nämlich die unangenehmen, peinlichen Stimmen verdrängen, kommen Sie später „durch die Hintertür“ zurück und sabotieren den Behandlungserfolg.

Übernehmen Sie die Führungsrolle. Bestimmen Sie einen inneren Teamchef. Er sollte folgende Prinzipien beherrschen: innere Quälgeister identifizieren und deren Beiträge ins Positive wenden; zu laute Stimmen dämpfen – zu leise ermutigen; für eine gute Mischung des inneren Stimmenkonzertes sorgen.

Jetzt haben Sie sich ein optimales persönliches Gesundheitsteam für Ihre Zukunft mit COPD zusammengestellt. Bei allen wichtigen Anliegen, die Ihr Wohlergehen betreffen, bei allen Fragen im Hinblick auf Ihre Erkrankung, bei der Wahl der besten Behandlungsmöglichkeiten können Sie sich von Ihrem Gesundheitsteam in Ihrer Vorstellung und in der Realität beraten lassen.

Merkzettel für die Kühlschranktür

Sie sind fast am Ziel dieser Übung angelangt. Hilfreich ist es, Ihren individuellen Runden Tisch der Gesundheit bildhaft darzustellen. Dazu können Sie wieder einen „Merkzettel für die Kühlschranktür“ benutzen, etwa so:

Runder Tisch der Gesundheit (66,4 KB)

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