COPD: Atemnot lindern mit Morphin?

COPD-Patienten mit schwerer Atemnot könnten in Zukunft verstärkt mit dem Betäubungsmittel Morphin behandelt werden. Einer kanadischen Studie zufolge überwiegen die lindernden Effekte die Risiken einer möglichen Überdosierung deutlich.

Bei der kanadischen Studie, die im kleinen Rahmen durchgeführt wurde, wurden zehn Patienten mit schwerer COPD und Atemnot mit dem Opiat Morphin behandelt. Eine anschließende Befragung der Patienten und ihrer pflegenden Angehörigen ergab ein durchweg positives Bild. Alle Patienten berichteten von einer deutlich erleichterten Atemarbeit und wünschten eine Fortsetzung der Behandlung mit dem Betäubungsmittel.

Bislang wurden COPD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium nur in wenigen Ausnahmefällen mit Morphin behandelt, was mit der schwierigen Medikation zusammenhängt. Im Falle einer Überdosierung kann die Gabe von Morphin zu einer sogenannten Atemdepression führen.

Bei einer Atemdepression wird das Symptom der Atemnot derart unterdrückt, dass die Atemfrequenz auf  weniger als 10 Atemzüge pro Minute sinkt. Weil die Patienten durch die Betäubung keine Atemnot wahrnehmen, kann die Folge ein massiv gestörter Gasaustausch mit weiteren Komplikationen sein. Die Gabe von Morphin ist deshalb auf den stationären Bereich beschränkt.

Nach Einschätzung der durchführenden Ärzte der Studie wird die Gabe von Morphin in der Behandlung von Patienten mit geringer Lebenserwartung in Zukunft eine größere Rolle spielen als bislang.

Quelle: Graeme Rocker (et al.): Perspectives of patients, family caregivers and physicians about the use of opioids for refractory dyspnea in advanced chronic obstructive pulmonary disease. CMAJ 2012. DOI:10.1503/cmaj.111758 (Online-Veröffentlichung vom 23.04.2012)

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