Neue Studie: COPD-Leitlinie in Deutschland auf dem Prüfstand

Einer neuen Studie zufolge werden viele COPD-Patienten in Deutschland medikamentös über- bzw. untertherapiert.

Arzt und Patientin im Gespräch

Als COPD-Patient sollten Sie das folgende Prozedere kennen:

  1. Im Rahmen der Diagnose bestimmt Ihr Lungenfacharzt anhand der GOLD-Klassifikation den Schweregrad der Erkrankung. Die Bestimmung der Patientengruppe A–D (früher: GOLD I–IV) ist abhängig von verschiedenen Kriterien, u. a. von den erzielten Werten des Lungenfunktionstests.
  2. Anschließend verordnet der Arzt Ihnen die für Ihre Gruppe in der Leitlinie empfohlenen Medikamente.

Soweit die Theorie – aber werden diese Empfehlungen in der Praxis tatsächlich leitliniengerecht umgesetzt? Mit dieser Frage hat sich eine nun veröffentliche Studie befasst.

Studie prüft medikamentöse COPD-Therapie in Deutschland

Veröffentlichung: Deutsches Ärzteblatt

Teilnehmer: 2.281 COPD-Patienten

Methode: Zunächst bestimmten die Forscher die Patientengruppe A-D jedes Teilnehmers. Anschließend verglichen sie die nach dem GOLD-Report 2017 empfohlene Medikation mit den tatsächlich verordneten Medikamenten.

Ergebnisse: In allen Patientengruppen ist eine Über- bzw. eine Untertherapie den Ergebnissen zufolge nicht selten.

Entgegen den Empfehlungen erhielten

  • 66 % der Patienten der Gruppen A und B inhalative Kortikosteroide (ICS)
  • etwa 10 % der Patienten der Gruppe B weder einen kurz- noch einen langwirksamen Bronchodilatator (LABA/LAMA)
  • 10–20 % der Patienten der Gruppen C und D keinen langwirksamen Bronchodilatator (LAMA)

Die COPD leitliniengerecht therapieren

Die Leitlinie COPD, die sich am GOLD-Report orientiert, gibt Ärzten einheitliche Empfehlungen auf Basis der aktuellen Studienlage an die Hand. Ziel ist es, jedem einzelnen Patienten die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie zu verschaffen.

Als medkamentöse Basistherapie sieht die Leitlinie für alle Patienten einen Stufenplan vor: Je nach Patientengruppe erhalten die Betroffenen

  • kurzwirksame Bronchodilatatoren (SABA oder SAMA),
  • langwirksame Bronchodilatatoren (LAMA oder LABA) und
  • inhalative Kortikosteroide (ICS).

Welche Präparate im Einzelfall verordnet werden, ist u. a. abhängig von den individuellen Symptomen, auftretenden Wechsel- oder Nebenwirkungen und weiteren Erkrankungen.

Wenn Sie grundsätzliche Fragen bezüglich der medikamentösen Therapie haben, ist Ihr Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Veränderungen der Medikation sollten Sie in jedem Fall nur in Absprache mit Ihrem Lungenfacharzt vornehmen.

Quellen:

Graf, J. (et al.): Medikamentöse Therapie der COPD: Analyse der leitliniengerechten Verordnung in einer großen nationalen Kohorte (COSYCONET). In: Deutsches Arzteblatt, Int 2018; 115(37): 599-605. (Online-Veröffentlichung)

Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

COPD: Medikamente im Überblick

Welche Medikamente helfen bei COPD? Die medikamentöse Therapie ist bei COPD wichtiger Bestandteil einer umfassenden Behandlung der Lungen-krankheit.

mehr

Folgen Sie uns auf Facebook!

Besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite und bleiben Sie rund um die COPD immer auf dem Laufenden.

Jetzt folgen!

mehr

Zurück