Hilfsmittel für Atemwegspatienten

Der ganz normale Alltag kann für einen Lungenpatienten ein paar Hürden enthalten, die andere Menschen nicht kennen. Gerade Patienten mit einer COPD kennen das: Schon Treppensteigen oder ein kurzer Spaziergang ist manchmal mühevoll. Doch neben der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten gibt es noch weitere Möglichkeiten, die eigene Gesundheit positiv zu beeinflussen.

Was ist ein Hilfsmittel?

So gibt es eine Vielzahl an Therapiegeräten und Instrumenten – sogenannte Hilfsmittel, die von der Krankenkasse teilweise oder ganz erstattet werden. Für Atemwegspatienten besonders relevant sind hier unter anderem Inhalationsgeräte, Atemtherapiegeräte, Diagnoseinstrumente, Gehilfen oder Hilfsmittel bei der Sauerstofftherapie. Grundsätzlich lassen sich diese Hilfsmittel verschiedenen Gruppen zuordnen:

Inhaliergeräte

Inhalierhilfen

Inhalierhilfen, auch Spacer oder Chamber (dt. Kammer) genannt, verbessern die Anwendung von Dosieraerosolen (Medikamentensprays) und reduzieren die Nebenwirkungen der Wirkstoffe. Inhalierhilfen sind auf Rezept erhältlich und bei COPD erstattungsfähig.

Vernebler

Die Inhalation mit Kochsalzlösung – oder entsprechender vom Arzt verordneter Medikamente – befeuchtet die Atemwege, löst Schleim und schützt vor Erregern und Infekten. Ultraschall- oder Düsenvernebler (z.B. Pari Boy SX) vernebeln die Lösung vor der Inhalation zu kleinsten Tröpfchen, die tiefer in die Atemwege eindringen als das bei der einfachen Dampfinhalation der Fall ist.

Messgeräte

Peak Flow Meter

Mit einem Peak-Flow-Meter (z.B. Peak-Flow-Meter Personal Best® FR, Peak-Flow-Meter Universal) lässt sich der Grad der Atemwegsverengung von COPD-Patienten überwachen. Gemessen wird der Peak-Flow, also die maximale Geschwindigkeit, mit der ein Patient Luft aus seiner Lunge pusten kann. Messgeräte sind auf Rezept erhältlich und bei COPD erstattungsfähig.

Lungenfunktionstests

Ein digitaler Lungenfunktionstest, auch LUFU genannt, dient der täglichen Kontrolle der COPD (z.B. RC-Test COPD, Vitalograph COPD 6). Gemessen werden verschiedene Werte wie z.B. die Einsekundenluft (FEV1) und der Peak-Flow-Wert. Auch diese Geräte sind auf Rezept erhältlich und erstattungsfähig.

Pulsoximeter

Mit einem Pulsoximeter (z.B. Linde Pulsoximeter MD300D) lässt sich die arterielle Sauerstoffsättigung im Blut messen. Diese Messung ist einfach und schmerzfrei und durch die kleine Größe des Gerätes praktikabel zu Hause oder unterwegs durchführbar.

Atemtherapie

Es gibt eine Reihe von Trainingsgeräten, die mit der Atmung arbeiten. Die regelmäßige Anwendung dieser Geräte lindert die Symptome und/oder verbessert Kraft und Ausdauer der Atemmuskeln.

Atemtherapiegeräte

In den COPD-Leitlinien wird COPD-Patienten explizit das Training mit OPEP-Systemen (RC-Cornet®, RC-Cornet® PLUS, Flutter VRP1®) empfohlen. Beim Ausatmen in diese Geräte entstehen positive Druckschwankungen, die sich auf die Atemwege übertragen.

Die regelmäßige Anwendung erweitert die Bronchien, mobilisiert festsitzendes Sekret und erleichtert das Abhusten. PEP-Systeme sind auf Rezept erhältlich und bei COPD erstattungsfähig.

Doppelt effektiv bei Erkrankungen der Atemwege
Optionale Verbindung von Atemtherapie und Feuchtinhalation:

Atemtherapie obere Atemwege

Oft geht eine COPD mit einer chronischen Erkrankung der oberen Atemwege einher, einer Rhino-Sinusitis. Hier kann durch ein PEP-System z.B. mit dem RC-Cornet® PLUS NASAL Abhilfe geschaffen werden. Darüber hinaus ist die Verneblung von Kochsalzlösung z.B. mit dem Pari Sinus eine sinnvolle Ergänzung. Über ein Verneblersystem können auch entsprechend vom Arzt verordnete Medikamente inhaliert werden.

Atemmuskeltrainer

Sowohl die Einatemmuskeln als auch die Ausatemmuskeln können in punkto Kraft und Ausdauer trainiert werden. Bei COPD verspricht ein inspiratorisches Muskeltraining der Einatemmuskeln (IMT) in Kombination mit einem gesamtkörperlichen Kraft- und Ausdauertraining den besten Effekt. Trainiert wird mit speziellen Geräten, die der Einatmung des Patienten einen Widerstand entgegensetzen. Dadurch werden die Einatemmuskeln gekräftigt, der Sauerstoffbedarf bei Belastung sinkt und die Belastbarkeit der Patienten nimmt zu.

Vor Trainingsbeginn sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden, um die grundsätzliche Eignung für ein Atemmuskeltraining zu überprüfen. Diese kann anhand eines Lungenfunktionstests (Spirometrie) und dem Ausschluss einiger Kontraindikationen festgestellt werden.

Hilfsmittel für Sauerstoffpatienten

Folgende Hilfsmittel ergänzen die Grundausrüstung von Sauerstoffpatienten sinnvoll:

  • Verschiedene Sauerstoffnasenbrillen bieten einen verbesserten Tragekomfort
  • Mobile Sauerstoffsysteme ermöglichen eine durchgehende Sauerstoffversorgung für unterwegs
  • Mit speziellen Rucksäcken und Rollatoren lassen sich Sauerstoffsysteme angenehmer transportieren

Bewegung und Kraft

Körperliche Aktivität und Kraftübungen sind gute Mittel, um ihre Lungenfunktion zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Auch hierfür eignen sich verschiedene Hilfsmittel:

  • E-Bikes unterstützen den Radfahrer mit Elektroantrieb
  • Ergometer sind ideale Geräte für ein dosiertes Herz- und Kreislauftraining
  • Therabänder dienen der allgemeinen Kräftigung und Aufrichtung des Körpers

Zudem sollten sich COPD –Patienten einer Lungensportgruppe anschließen. Hier können Sie bestimmte Atemtechniken erlernen, die Ihnen wieder zu leichterem Atmen verhelfen. Ziel ist der langsame Aufbau von Muskulatur, Kondition und Belastbarkeit.

Mobilität und Hilfestellung im Alltag

Je nach körperlichem Zustand der Patienten bieten sich ebenfalls verschiedene Hilfsmittel an, um die Mobilität und Selbständigkeit im eigenen Haushalt so lange wie möglich zu erhalten. Dazu gehören vor allem

  • Rollatoren (fahrbare Gehhilfen)
  • Treppenlifte
  • Rollstühle
  • Greifarme
  • Duschhocker und Wannenlifte.

Viele dieser Hilfsmittel können vom Arzt verschrieben werden und die Kosten werden teilweise oder vollständig erstattet.

Vielleicht haben Sie beim Lesen festgestellt, dass es zahlreiche Hilfsmittel zur Unterstützung gibt, die Ihren Alltag erleichtern können. Dann gilt: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann Rezepte für geeignete Hilfsmittel ausstellen, die direkt in der Apotheke bzw. Sanitätshäusern erhältlich sind – oder einen speziellen Antrag einreichen, den die Krankenkasse anschließend genehmigen soll.

Was kann ich noch tun?

Zu einer erfolgreichen Therapie gehört ein aktiver und selbständig handelnder Patient. Wer sich im Alltag selbst zu helfen weiß, bleibt geistig fit und unabhängig!

Neben den zahlreichen Hilfsmitteln gibt es natürlich noch weitere Wege, sich und seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Kennen Sie schon unsere Buch-Tipps? Wer sich selbstständig über seine Krankheit informiert, wird bald spüren, was ihm am meisten hilft. Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Lungenpatienten oder beispielsweise den Newsletter von leichter-atmen.de. Viele Krankenkassen und einige Facharztpraxen bieten auch Patientenschulungen an, um besser mit seiner Krankheit umgehen zu lernen.

Es existieren viele Wege, sich und seiner Gesundheit unter die Arme zu greifen. Ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Lungenarzt kann vieles bewirken, besonders in Kombination mit wirkungsvoller Selbsthilfe.

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