Atemtherapie bei Asthma und COPD

Die drei Buchstaben AHA kennen Atemwegspatient:innen nicht erst seit Corona – denn sie stehen für ihre täglichen Begleiter Auswurf, Husten und Atemnot. Doch eine physiotherapeutische Atemtherapie kann zu leichterem Atmen verhelfen.
 | 23.08.2022

Richtig husten, leichter atmen!

Als Asthma- oder COPD-Patient:in kennt man dies zur Genüge und als Teil des Alltags: Beschwerden der Atemwege wie Husten, Auswurf und Atemnot. Doch es gibt eine gute Nachricht: Mit den Übungen und Techniken der physiotherapeutischen Atemtherapie kann man diesen Beschwerden effektiv entgegenwirken und die Bronchien bei ihrer Arbeit unterstützen. Doch wie geht das? Indem man ein Trainingsprogramm unter fachlicher Anleitung erstellt – und individuell zu Hause durchführen kann.

Dieser Beitrag beleuchtet…

  • wie man von einer Atemtherapie profitieren kann,
  • wo man eine Atemtherapie machen kann und
  • welche atemtherapeutischen Übungen man zu Hause durchführen kann.

Atemtherapie – Was ist das?

Vorweg muss man wissen: Obstruktive Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD sind mit einer gestörten Atmung und häufig mit festsitzendem Sekret in den Bronchien verbunden. Es gilt also, Schleim effektiv abzuhusten und zu einer leichteren Atmung zu gelangen.

Eine Atemtherapie kann man sich wie eine auf Lungenpatient:innen abgestimmte Physiotherapie vorstellen. Ziel der physiotherapeutischen Behandlungstechniken ist dabei immer, die individuellen Atembeschwerden zu verbessern.

Mit den richtigen Übungen und Techniken kann man bei Asthma und COPD viel erreichen:

TechnikZiel
AtemtechnikenAtemnot lindern
HustentechnikenEffektiv und schonend abhusten,
zähen Schleim nach oben befördern
DehnübungenBeweglichkeit steigern, beispielsweise des Brustkorbs)
Gymnastische AtemübungenKraft- und Ausdauertraining
Belastbarkeit steigern
Atemmuskulatur stärken
InhalationstechnikenInhalationssyteme richtig anwenden
AtementspannungAtembewusstsein entwickeln
Stress abbauen
Atemtherapiegeräte (OPEP)Bronchien von Schleim befreien

Wege zur Atemtherapie

Wie läuft eine Atemtherapie nun ab? Zu Beginn einer Atemtherapie steht die Zusammenarbeit von Patient:in und Therapeut:in im Mittelpunkt. Zum Hintergrund: Atemphysiotherapeut:innen sind Physiotherapeut:innen mit einer speziellen Zusatzausbildung, die sich mit bestimmten Atem-, Husten– und Inhalationstechniken beschäftigt. Doch wie gelangt man nun an eine solche Therapie?

Anbieter für eine fachlich angeleitete Atemphysiotherapie

Zum Einstieg in ein atemphysiotherapeutisches Training ist eine Schulung durch einen oder eine Therapeut:in sehr empfehlenswert.

Atemtherapeutische Schulungen werden angeboten von

Die Atemwegsliga bietet auf ihrer Website eine Suche nach Physiotherapeut:innen an, die sich im Bereich der Atemtherapie fortgebildet haben. Die Suchmaske findet man hier.

Verordnung und Kostenübernahme

Im nächsten Schritt braucht man eine Verordnung durch den oder die behandelnde Lungenfachärzt:in. In einigen Fällen kann das auch die Hausärzt:innen-Praxis erledigen. Doch wer zahlt die Therapie? Für Lungenpatient:innen mit Asthma und COPD übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten. Bei einer Erstverordnung werden gewöhnlich sechs Therapieeinheiten zu je 20 Minuten verschrieben. Weitere Verordnungen sind möglich. Grundsätzlich besteht sogar die Möglichkeit, eine „Langfristgenehmigung“ für die Atemphysiotherapie zu beantragen. Wird diese bewilligt, können Patient:innen für mindestens ein ganzes Jahr atemtherapeutische Leistungen in Anspruch nehmen. Doch auch unabhängig davon kann man sich mit fachkundiger Begleitung einen Trainingsplan für Atemwege und Muskulatur erstellen lassen – um anschließend zu Hause eigenständig für sich zu trainieren.

Atemübungen: So erstellt man sich ein eigenes Übungsprogramm

Hinweis: Bevor man eigenständig mit dem Training beginnt, sollte man unbedingt mit dem oder der Lungenfachärzt:in die grundsätzliche Eignung dafür abklären – das gilt besonders für Patient:innen mit fortgeschrittener COPD.

  1. Kraft- und Dehnübungen

    Mit Atembeschwerden können schon alltägliche Aktivitäten wie Einkaufen, Putzen oder Waschen zur Belastung werden. Mit regelmäßigen Trainingseinheiten, die man in den Alltag einbaut, kann man Kraft und Ausdauer trainieren – und dadurch die Dinge des alltäglichen Lebens leichter bewältigen. Atemtherapeutin Michaela Frisch stellt in ihrem Blog einige Übungen vor.
  2. Husten- und Atemtechniken

    Für Patient:innen mit Asthma oder COPD, die chronisch husten, ist es wichtig, die Bronchien regelmäßig von Schleim zu befreien. Denn unkontrollierter Husten schädigt die Flimmerhärchen, die eigentlich für die natürliche Reinigung der Lunge zuständig sind – und kann dem Lungengerüst auf Dauer die Stabilität nehmen. In ihrem Blog stellt die Atemphysiotherapeutin Anja Kornblum-Hautkappe Techniken vor, die den Husten so schonend und effektiv wie möglich machen.
  3. Atementspannung

    Chronische Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD bringen aber auch andere, zusätzliche Belastungen mit sich. Diese können Auslöser von innerer Unausgeglichenheit, Verspannung und Stress sein. Als Ausgleich bieten sich Entspannungsübungen an, die gezielt mit der Atmung arbeiten. Die Übungen können dabei helfen, Abstand vom Alltagsstress zu nehmen und ein besseres Atembewusstsein zu entwickeln.
  4. Atemtherapiegeräte für Lungenpatienten

    Eine sinnvolle Unterstützung zu Atemtechniken können auch Atemtherapiegeräte sein. Sie helfen unter anderem dabei, Sekret zu lösen – denn zäher Schleim, der sich in den Bronchien festsetzt und die Atemwege verengt, verursacht chronischen Husten und verstärkt die Atemnot vieler Atemwegspatient:innen. Das Abhusten muss daher unbedingt erleichtert werden – und genau hierfür wurden sogenannte PEP-Systeme entwickelt. Sie übertragen einen positiven Druck auf die Atemwege, der beim Ausatmen in das Gerät entsteht. Dadurch wird zäher Schleim von den Bronchialwänden gelöst und leichter abtransportiert beziehungsweise abgehustet. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als würde man eine Ketchup-Flasche aus Glas schütteln – woraufhin dieser sich von den Wänden löst. Bestimmte PEP-Systeme (z.B. RC-Cornet®, Flutter VRP 1®) werden in der Patient:innen-Leitlinie von COPD und Lungenemphysem empfohlen und sind in der Regel auch erstattungsfähig.

04.04.2020

Atemtherapiegeräte für Lungenpatienten

Welche Atemtherapiegeräte für den häuslichen Gebrauch helfen Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten wie Asthma und COPD? Weiterlesen

Buchtipps: Anleitungen zur Atemphysiotherapie

Die folgenden Bücher führen leicht verständlich in die Atemtherapie ein, geben hilfreiche Tipps und stellen konkrete Übungen anschaulich vor:

Gut leben mit COPD

Der Lungenexperte Dr. med. Peter Hannemann erklärt verständlich, welche Optionen zur Therapie von COPD aktuell zur Verfügung stehen und was Patienten aktiv zum Therapieerfolg beitragen können.
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Die kleine Atemschule bei COPD und Asthma

Eine umfassende Anleitung zu atemtherapeutischen Kraft-, Dehn- und Entspannungsübungen, die Ihnen das Atmen effektiv erleichtern.
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Endlich durchatmen

Wirksame Atem- und Sporttherapie bei Asthma, COPD und Lungenemphysem – das Team der Lungenfachklinik Schillerhöhe hat die besten Atemübungen für die Anwendung zu Hause zusammengefasst.
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Luft nach oben

Dem Autor Lungenfacharzt Dr. Michael Barczok geht es vor allem um eines: Das Verständnis für das wichtigste Atmungsorgan zu vertiefen und sie in die Lage zu versetzen, ihre Lungengesundheit zu verbessern.
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Quellen:
– Weise, S. (et al.): Empfehlungen zur physiotherapeutischen Atemtherapie (2. Aufl.). Oberhaching/München, 2008.
– Vogelmeier, C. (et al.): S2k – Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.
– Foto: Rido / Shutterstock.com

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