Wann soll ich zum Lungenfacharzt gehen?

Interview mit Tanja Wagner und Jennifer Schulte von der ​pneumologischen Gemeinschaftspraxis Dr. med. Margraf und Dr. med. Alter in Dernbach​.
| 16.02.2021

Von einem akuten Infekt über Heuschnupfen und Asthma bis zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und Mukoviszidose – es gibt enorm viele Atemwegserkrankungen. Klar ist: Je früher eine eventuelle Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung oder Verbesserung. Doch immer wieder kommt es dazu, dass Patienten erst sehr spät zum Lungenfacharzt gehen, wenn ihre Erkrankung schon fortgeschritten ist. Wir haben nachgefragt: Warum ist das so? Und wie können Patienten besser einschätzen, wann der beste Zeitpunkt ist, einen Lungenarzt aufzusuchen?

Wann genau ist es die richtige Entscheidung den Pneumologen aufzusuchen?

Tanja Wagner: Das ist spätestens dann angebracht, wenn Patienten erste Symptome wahrnehmen: Dazu gehören beispielsweise Reizhusten oder der sogenannte produktive Husten, bei dem Schleim zu Tage gefördert wird. Aber auch bei Luftnot und Engegefühl in der Brust empfiehlt es sich, einen Lungenarzt aufzusuchen. Manche Patienten merken, dass etwas nicht stimmt, wenn sie nicht mehr die gleiche körperliche Belastung aushalten wie sonst, also beispielsweise beim Treppensteigen Atemnot verspüren.

Allergiker merken meist, dass etwas nicht stimmt, wenn sie sich häufig räuspern müssen oder die Lunge sich gereizt anfühlt. Dabei sind es gar nicht immer Hausstaub und Pollen, die Symptome auslösen – manche Allergiker verspüren diese auch, wenn sie starke Düfte wie Parfüm einatmen oder gar Dampf, Nebel oder Rauch.

Und dann gibt es natürlich auch sehr bedrohliche Situationen, beispielsweise wenn Patienten spüren, dass sie im Schlaf Atemaussetzer haben. Dann ist in jedem Fall ein Lungenarzt zu konsultieren.

Muss ich erst zum Hausarzt oder kann ich direkt zum Facharzt?

Jennifer Schulte: Wenn Sie zum ersten Termin zu uns in die Praxis kommen, müssen Sie keine Überweisung mitbringen. Sie bekommen nach ihrem Termin und der Untersuchung schließlich einen Arztbrief mit. Den können Sie dann ihrem Hausarzt oder Facharzt geben.

Grundsätzlich kann also jeder ohne Überweisung zum Facharzt kommen. Allerdings empfehlen wir, eine Betreuung gemeinsam mit dem Hausarzt zu gestalten: Er kennt seine Patienten am besten und auch über mögliche Vorerkrankungen eher Auskunft geben.

Ob direkt oder in der kooperativen Zusammenarbeit mit dem Hausarzt: aus welchen Gründen kommen die Menschen nicht oder zu spät zum Pneumologen?

Tanja Wagner: Die meisten Patienten nehmen eine gelegentliche Atemnot nicht als sonderlich schlimm war, gerade wenn sie sich mit der Zeit daran gewöhnen, weniger Luft zu bekommen, wie das beispielsweise bei COPD der Fall ist. Oft wird die Atemnot dann auch auf andere Gründe geschoben, wie beispielsweise Übergewicht. Das ist ja prinzipiell nicht falsch, aber auch übergewichtige Patienten können zusätzlich Atemwegskrankheiten bekommen, die man behandeln sollte.

Raucher kommen unserer Erfahrung nicht gerne zum Lungenarzt, weil dieser ihnen selbstverständlich empfehlen würde, damit aufzuhören. Diese Konfrontation möchten sich viele sparen, was aber langfristig dazu führen kann, dass andere oder durchs Rauchen verursachte Krankheiten unentdeckt bleiben.

Wenn ich das erste Mal komme, worauf soll ich achten und wie viel Zeit muss ich einplanen?

Jennifer Schulte: Sie sollten auf jeden Fall Ihre Krankenversicherungskarte und eine Übersicht der Medikamente mitbringen, falls Sie bereits welche einnehmen. Das Gleiche gilt für eventuelle Krankenhausberichte, aktuelle Röntgenbilder oder Berichte anderer Fachärzte – je mehr wir über die Patienten wissen, umso leichter ist es, eine Diagnose zu stellen.

Für den ersten Besuch sollten Sie außerdem etwa zwei Stunden einrechnen. Denn hier werden wir Sie sprichwörtlich auf Herz und Nieren testen: Lungenfunktionsprüfung, Messung des Blutsauerstoffgehalts sowie weitere Testverfahren sind hier vorgesehen. Falls es Anzeichen auf eine Allergie gibt, machen wir zudem häufig einen Prick-Test, bei dem Hautreaktionen auf bestimmte Stoffe getestet werden. Wenn nötig, fertigen wir auch ein Röntgenbild an.

Das Team der pneumologischen Gemeinschaftspraxis in Dernbach​

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Verhaltensregeln, um einer Erkrankung der Atemwege vorzubeugen?

Tanja Wagner: Falls Sie rauchen, empfehlen wir natürlich schon, damit aufzuhören. Darüber hinaus sollten Sie aber darauf achten, Ihre Rückenmuskulatur gut zu trainieren, beispielsweise durch regelmäßige Übungen, um den Brustkorb und die Atmung zu unterstützen. Je mehr man sich bewegt – am besten an der frischen Luft – umso besser, auch um Übergewicht zu vermeiden. Auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung trägt dazu bei, dass Ihr Immunsystem stark und resistent bleibt.

In Zeiten von Corona haben Atemwegserkrankungen eine ganz neue Dimension und Bedeutung bekommen. Bei ​Husten​ und ​Atemnot​ denken wir direkt an Corona – wie soll ich mich verhalten, wenn genau diese Symptome das erste Mal bei mir auftreten?

Jennifer Schulte: Bei Corona spielen ja mehrere Symptome eine Rolle, wie zum Beispiel trockener Reizhusten und Atemnot, Fieber, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen sowie ein Druck- und Engegefühl in der Brust.

Wenn Sie diese Symptome teilweise bei sich spüren, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Hausarzt kontaktieren und schon vorsichtshalber auf Abstand zu Ihren Mitmenschen gehen.

Ein positiver Blick nach vorne: wenn ich erkrankt bin – wo bekomme ich Unterstützung?

Tanja Wagner: Wir versuchen unseren eigenen Patienten natürlich auch in dieser Zeit immer zu helfen. Sie können uns jederzeit per Telefon oder E-Mail kontaktieren und wir rufen dann zurück oder melden uns persönlich.

Was möchten sie unseren Lesern gerne noch auf den Weg mitgeben?

Jennifer Schulte: Da gilt das Sprichwort: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Viele Erkrankungen lassen sich umso besser behandeln, je früher sie erkannt werden. Gerade COPD im frühen Stadium kann man dann sehr gut behandeln und dementsprechend im Zaum halten. Natürlich ist hier auch eine gute Mitarbeit des Patienten wichtig und nötig. Jedem sollte seine eigene Gesundheit am wichtigsten sein.

Vielen Dank Frau Wagner und Frau Schulte für das Gespräch.

Gemeinschaftspraxis für Pneumologie am Herz-Jesu Krankenhaus Dernbach
Dr.med. Jan Birger Margraf / Dr. med. Hans-Bernhard Alter
Südring 8, 56428 Dernbach
Tel.: 02602/959680
Fax: 02602/959685
Email: margraf-alter@telemed.de

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