Inhalationstherapie: Richtig inhalieren bei Asthma und COPD

Für die Wirksamkeit der Inhalationstherapie ist eine fehlerfreie Technik entscheidend. Wie Sie bei Asthma und COPD mit Medikamenten richtig inhalieren.

Inhalationstherapie

Das Inhalieren von Medikamenten ist für Patienten mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD ein alltäglicher Vorgang.

Der Vorteil: Der Wirkstoff gelangt beim Inhalieren in die Atemwege, also auf direktem Weg zum Ort der Erkrankung. Weil deshalb der Wirkstoff niedrig dosiert werden kann, ist die Inhalationstherapie eine sehr effektive und nebenwirkungsarme Therapie.

Allerdings ist die Inhalation von Medikamenten auch anspruchsvoller und fehleranfälliger als beispielsweise die Einnahme von Tabletten.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • welche Inhalationssysteme bei COPD zum Einsatz kommen
  • wie Sie häufige Fehler beim Inhalieren vermeiden und
  • wie Sie richtig inhalieren.

Die Auswahl des passenden Inhalationssystems

Dank einer steigenden Zahl an verfügbaren Modellen kann heute jeder Patient mit einem individuell geeigneten Inhalationssystem versorgt werden.

Die unterschiedlichen Systeme sind dabei mit verschiedenen Anforderungen an individuelle Fähigkeiten der Patienten verbunden. Bei Babies und Kindern ist beispielsweise die Fähigkeit eingeschränkt, aktiv zu inhalieren. Bei älteren oder schwer kranken Patienten kann die fehlende Kraft beim Einatmen eine Rolle spielen.

Kriterien für die Wahl des passenden Systems:

  1. Die Fähigkeit eines bewussten und gezielten Inhalationsvorgangs
  2. Der inspiratorische Atemfluss
  3. Die koordinativen Fähigkeiten

Die sorgfältige Auswahl eines passenden Inhalationssystems stellt deshalb die Voraussetzung für eine korrekte und wirkungsvolle Inhalation des Medikaments dar. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Inhalationssysteme sind dabei zu beachten.

Inhalationssysteme bei Asthma und COPD

Die größte Bedeutung für die Inhalationstherapie obstruktiver Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD haben die folgenden Inhalationssysteme:

1. Dosieraerosole

Ein Dosieraerosol zerstäubt flüssige Medikamentenlösung zu kleinsten Tröpfchen. Die Wirkstoffteilchen liegen entweder als Suspension (Mischung von festen und flüssigen Teilen) oder gelöst im Treibgas vor. Dosierung und Teilchengröße sind dabei unabhängig vom Inspirationsfluss des Patienten.

Entscheidend für die korrekte Anwendung von treibgasbetriebenen Dosieraerosolen ist deshalb vor allem die exakte Koordination zwischen einem Sprühstoß und der Einatmung. Diese Koordination kann erheblich durch die Benutzung einer Inhalierhilfe vereinfacht werden. Dabei wird deutlich mehr Medikament in das Bronchialsystem eingebracht:

Inhalieren mit und ohne Inhalierhilfe

2. Trockenpulverinhalatoren

Pulverinhalatoren bringen das Medikament als feinkörniges Pulver in die Atemwege ein. Die Dosierung und die Entstehung sogenannter respirabler Partikel (Wirkstoffteilchen, die effektiv eingeatmet werden können) ist dabei abhängig vom Inspirationsfluss, d.h. von der Stärke, mit der Sie das Medikament einatmen können.

Der Inspirationsfluss ist also die entscheidende Kraft und damit auch die entscheidende mögliche Fehlerquelle bei der Benutzung. Für Patienten mit einem geringen Atemfluss sind Pulverinhalatoren nicht die richtige Wahl. Zudem kann das Pulver schnell verklumpen, wenn Feuchtigkeit in das Gerät gelangt (z. B. beim versehentlichen Ausatmen in das Gerät).

3. Vernebler

Elektrische Vernebler zerstäuben flüssiges Medikament mithilfe von Ultraschall oder Druckluft. Vernebler kommen z. B. bei beatmeten Patienten zum Einsatz, die nicht oder nur teilweise selbständig atmen können. Sie können auch dann hilfreich sein, wenn Sie mit keinem der anderen Inhalationssysteme zurechtkommen.

Die Inhalation dauert mit ca. 15 Minuten relativ lang – mit Dosieraerosolen und Trockenpulverinhalatoren können die Patienten die erforderliche Menge des Wirkstoffs wesentlich schneller in das Bronchialsystem einbringen.

Ein Vorteil: Wer einen Ultraschall- oder Druckluftvernebler besitzt, kann damit auch isotonische Kochsalzlösung inhalieren. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel „Salzinhalation: Richtig inhalieren bei Asthma und COPD“.

4. Respimat®

Der Respimat® arbeitet mit einer Kartusche, die eine Medikamentenlösung enthält. Er ist besonders für Patienten mit einer schweren Atemwegsverengung und Koordinationsproblemen empfehlenswert.

So vermeiden Sie häufige Anwendungsfehler

Für den Behandlungserfolg ist es wichtig, dass Sie das Ihnen verordnete Gerät korrekt anwenden. Nur bei korrekter Durchführung gelangt das Medikament tief in Ihre Atemwege und kann dort seine Wirkung optimal entfalten. Eine fehlerhafte Inhalationstechnik wirkt sich hingegen ungünstig auf die Wirkung des Medikaments aus.

Achten Sie auf die Besonderheiten Ihres Inhalators

Informieren Sie sich im Beipackzettel des jeweiligen Inhalators über die richtige Anwendung, denn die richtige Technik ist stark vom verwendeten Inhalationssystem abhängig:

  • So ist beim Inhalieren mit Dosieraerosolen eher ein langsames, aber stetiges Einatmen richtig. Schütteln Sie das Dosieraerosol vor jeder Anwendung. Beginnen Sie mit dem Inhalieren kurz bevor Sie den Sprühstoß auslösen.
  • Bei der Anwendung von Pulverinhalatoren ist ein schneller und kräftiger Atemzug notwendig, um das Medikament in die Atemwege einzubringen.
  • Die Inhalation mit Verneblern ist am wenigsten fehleranfällig, aber aufgrund des hohen Wartungsaufwands und der langen Dauer relativ aufwendig.

Üben Sie die richtige Inhalationstechnik

Grundsätzlich ist die Anleitung durch einen Fachmann sinnvoll. Die korrekte Anwendung von Inhalatoren ist zum Beispiel fester Bestandteil von Patientenschulungen, die von vielen Arztpraxen angeboten werden.

Lassen Sie sich aber in jedem Fall von Ihrem Arzt die richtige Anwendung des verschriebenen Systems zeigen und üben Sie die Inhalation bei mehreren Arztbesuchen gemeinsam ein. Bestehen Sie zudem in der Apotheke darauf, dass Ihnen das verordnete Gerät (und nicht etwa ein Alternativprodukt) ausgehändigt wird.

6 Tipps zum richtigen Inhalieren

Unabhängig vom Inhalationssystem gibt es auch einige grundsätzliche Empfehlungen:

  1. Inhalieren Sie zu festen Tageszeiten.
  2. Halten Sie sich an die ärztlichen Therapievorgaben und inhalieren Sie nicht häufiger oder seltener als verordnet.
  3. Halten Sie Ihren Oberkörper beim Inhalieren aufrecht, atmen Sie langsam und entspannt aus und achten Sie darauf, dass Sie nicht in das Mundstück des Inhalationssystems ausatmen.
  4. Halten Sie den Atem nach dem Inhalieren für fünf bis zehn Sekunden an, damit das Medikament in den Bronchien genügend Zeit hat, seine Wirkung zu entfalten.
  5. Spülen Sie anschließend Ihren Mund mit Wasser aus.
  6. Inhalierhilfen vereinfachen die Anwendung von Dosieraerosolen und minimieren Nebenwirkungen, die vor allem bei kortisonhaltigen Medikamenten eintreten (Pilzbefall im Mund- und Rachenraum).

Quellen:

Dr. med Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Med. Klinik III mit Schwerpunkt Pneumologie, Allergologie, Zentrum für Schlaf- und Beatmungsmedizin im Interdisziplinären Lungenzentrum am Krankenhaus Bethanien in Moers. Vortrag auf dem Symposium Lunge am 7.5.2011 in Hattingen.

J. de Zeuuw: Inhalationstechnik (Editorial). In: Kompakt Pneumologie, 04/2017, 1-3.

I. van Beerendonk (et al.): Assessment of the inhalation technique in outpatients with asthma or chronic obstructive pulmonary disease using a metered-dose inhaler or dry powder device. In: Journal of Astma, 1998, 35(3), 273-279.

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