Die pneumologische Rehabilitation bei COPD

Bei COPD haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen alle 4 Jahre Anspruch auf eine Reha. Ihren Antrag sollten Sie gut begründen!

Rehabilitation bei COPD

Werden Sie selbst aktiv!

Eine pneumologische Rehabilitation bei COPD verbessert die Lebenserwartung, verringert Ihre Atembeschwerden und steigert Ihre Belastbarkeit. Trotz der wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die positiven Langzeiteffekte einer Reha, wird sie von ärztlicher Seite recht selten angeordnet. Ihre Eigeninitiative ist hier also gefragt!

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • wann und wie oft Sie Anspruch auf eine Reha haben,
  • wie Sie einen erfolgreichen Antrag einreichen,
  • wie eine Reha für COPD-Patienten abläuft und
  • wo Sie als COPD-Patient eine Reha machen können.

Voraussetzungen & Anspruch auf Reha

Laut Sozialgesetzbuch (SGB IX, § 1) soll eine Rehabilitation die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit chronischen Beschwerden fördern und eine drohende Behinderung abwenden.

Welche grundsätzlichen Voraussetzungen gibt es?

Wenn Sie in Deutschland sozialversichert sind, haben Sie grundsätzlich einen Anspruch auf eine Reha. Privatversicherte müssen in den individuell vereinbarten Konditionen nachschauen, inwieweit eine Kostenübernahme Teil der Versicherung ist.

Die Voraussetzungen:

  • Sie sind rehabilitationsbedürftig. Das ist der Fall, wenn Sie unter chronischen Beschwerden leiden, die Ihre Belastbarkeit im Alltag einschränken oder Ihre Erwerbsfähigkeit bedrohen.
  • Sie sind rehabilitationsfähig. Das ist der Fall, wenn Sie in der körperlich und geistig ausreichend in der Lage sind, an einer Reha teilzunehmen. Sauerstoffpatienten und beatmete Patienten sind damit ausdrücklich nicht von einer Reha ausgeschlossen!
  • Sie haben eine positive Rehabilitationsprognose. Das ist der Fall, wenn sich die im Antrag formulierten Ziele realistischerweise durch eine Reha erreichen lassen.

Wann haben Sie bei COPD Anspruch auf eine Reha?

Eine Reha können Sie als COPD-Patient vorsorglich machen, etwa um einer drohenden Verschlechterung der Symptome vorzubeugen und den richtigen Umgang mit der Erkrankung zu erlernen. Oder Sie machen eine Reha als Anschlussheilbehandlung z. B. nach einer Exazerbation oder einer OP.

Gründe für eine Reha bei COPD:

  • Sie fühlen sich durch die Erkrankung in Ihrem Alltag eingeschränkt.
  • Ihre Erwerbsfähigkeit ist bedroht.
  • Ihre Symptome haben sich deutlich verschlechtert.
  • Sie hatten aufgrund einer exazerbierten COPD einen längeren Krankenhausaufenthalt.
  • Sie leiden unter den psychosozialen Folgen der Erkrankung (Depressivität, Rückzugstendenzen, Isolation).
  • Ihnen droht die Pflegebedürftigkeit.

Wie oft können Sie eine Reha beantragen?

Sie können ganz grundsätzlich höchstens alle 4 Jahre eine Reha machen. Wenn bei Ihnen allerdings dringende Gründe dafür sprechen, ist eine erneute Rehabilitation auch früher möglich. Ein solcher Grund könnte z. B. eine deutliche Verschlechterung der Symptome, ein Krankenhausaufenthalt oder eine neu hinzugekommene Erkrankung sein.

Im folgenden Video erklärt Tessa Schneeberger von der Philipps-Universität Marburg die Vorzüge der pneumogischen Rehabilitation für COPD-Patienten:

Wer übernimmt die Kosten?

Natürlich haben Sie immer die Möglichkeit, eine Reha als Selbstzahler auf eigene Kosten zu buchen. Wenn Sie aber Ihren Anspruch auf eine Kostenübernahme geltend machen wollen, kommen hauptsächlich zwei Kostenträger in Frage:

  1. Die Gesetzliche Krankenversicherung, wenn Sie nicht mehr erwerbstätig sind und z. B. eine Pflegebedürftigkeit abgewendet werden soll.
  2. Die Gesetzliche Rentenversicherung, wenn Sie noch erwerbstätig sind und eine Frühverrentung verhindert werden soll.

Die Kostenübernahme schließt die Kosten für die Reise, Verpflegung und Unterkunft mit ein. Je nach Versicherung kann eine Zuzahlung von maximal 10 Euro pro Rehatag von Ihnen verlangt werden.

Wo können Sie eine pneumologische Rehabilitation machen?

Eine Reha kann ambulant oder stationär in einer zertifizierten Klinik durchgeführt werden. Im Hinblick auf Art, Ort und Dauer der Reha hat der Kostenträger das letzte Wort.

Sie haben aber die Möglichkeit, ein Wunsch- und Wahlrecht auszuüben und den Ort der Reha selbst vorzuschlagen. Begründen Sie in Ihrem Antrag, warum die Klinik Ihrer Wahl und die dort angebotenen Leistungen besonders für Ihre Situation geeignet sind.

Informieren Sie sich also rechtzeitig darüber, welche Kliniken eine pneumologische Rehabilitation anbieten und Ihren Vorstellungen in Bezug auf Rehaprogramm, Lage und Service am ehesten entsprechen:

Nordseeklinik Westfalen

Reha-Kliniken für COPD-Patienten

Alle Reha-Kliniken für COPD- und Emphysempatienten in Deutschland im Überblick.

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Der Reha-Antrag

Nicht immer wird ein Antrag auf eine stationäre Reha auch bewilligt. Das kann viele Gründe haben. Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihren Antrag mithilfe Ihres Arztes wohl begründen.

So beantragen Sie eine Reha

  • Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt oder Facharzt. Mit ihm klären Sie die Frage, ob für Sie eine Reha grundsätzlich in Frage kommt. Wenn Sie noch im Beruf sind, benötigen Sie einen ärztlichen Befundbericht für den Antrag bei der Rentenversicherung. Wenn Sie nicht mehr berufstätig sind, kann Ihr Arzt Ihnen eine Reha über die Krankenkasse verordnen.
  • Füllen Sie das Antragsformular aus. In diesem Formular sollten Sie Ihre Gründe für den Antrag genau beschreiben. Antragsformulare erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse, Ihrem Lungenfacharzt oder auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung.
  • Nachdem Sie den Antrag eingereicht haben, wird die Rentenversicherung prüfen, ob die medizinischen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Reha erfüllt sind.

Tipps für einen erfolgreichen Antrag

  1. Stimmen Sie die Argumentation im Antragsformular mit der ärztlichen Verordnung ab. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, warum eine stationäre Reha für Sie notwendig ist und welche therapeutischen Ziele Sie mit der Maßnahme erreichen wollen. Die beschriebenen Symptome und Ziele der Rehamaßnahme sollten in den Dokumenten übereinstimmen.
  2. Seien Sie konkret! Entscheidend für den Erfolg ihres Antrags sind weniger medizinische Diagnosen und Symptome als vielmehr die konkreten Folgen für Ihren Alltag. Wenn Sie unter Atemnot leiden, dann schildern Sie, wie Sie das z. B. in Ihrem Beruf belastet oder am Erledigen Ihrer Hausarbeit hindert.
  3. Seien Sie ausführlich! Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Situation sowie die eigenen Erwartungen und Ziele ausführlich zu beschreiben. Denn auch das ist wichtig: Die realistische Aussicht auf eine Besserung der beschriebenen Beschwerden durch die Rehabilitation.
  4. Holen Sie sich zusätzliche Unterstützung! Sollten Sie Schwierigkeiten beim Ausfüllen haben, helfen Ihnen die Mitarbeiter in den Beratungsstellen des Kostenträgers gerne. Auch viele ehrenamtlich tätige Menschen in Selbsthilfeorganisationen haben viele Erfahrungen beim Beantragen einer Reha. Zudem unterstützen Sozialverbände wie der VdK oder der Sozialverband Deutschland ihre Mitglieder in allen sozialrechtlichen Fragen.
  5. Legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein, wenn Ihr Erstantrag abgelehnt wird. Hartnäckigkeit zahlt sich sehr oft aus!

Der Ablauf einer pneumologischen Reha

Eine stationäre Rehabilitation dauert in der Regel drei Wochen, in denen Sie an einem strukturierten Programm teilnehmen. Das betreuende Reha-Team besteht aus verschiedensten Fachleuten wie zum Beispiel Fachärzten, Physiotherapeuten, Psychologen und Ernährungsberatern.

Am Anfang steht eine Eingangsuntersuchung durch einen Lungenfacharzt. Mit ihm legen Sie gemeinsam die Ziele und Inhalte der Rehabilitation fest.

Mögliche Ziele einer Reha bei COPD sind u. a.:

  • Rauchentwöhnung
  • Verbesserung der Atemnot
  • Verbesserung der Belastbarkeit
  • Verminderung von Depressivität
  • Erlernen von Notfallstrategien
  • Erlernen von Atem- und Hustentechniken
  • Inhalationssysteme korrekt anwenden
  • Ernährungsumstellung
  • Reduktion von Auswurf

Um diese Ziele zu erreichen, können Sie an verschiedensten Kursen, Schulungen und Therapien teilnehmen und dabei viel über den Umgang mit einer COPD lernen. Von dem Wissen, dass die Patienten im Verlauf einer Reha ansammeln, profitieren sie langfristig in Bezug auf Lebensqualität und Lebenserwartung.

Wichtige Bestandteile des Reha-Programms bei COPD:


Quellen:

Fischer, J. (et al.): Rehabilitation von Patienten mit Chronisch Obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW). Pneumologie 2007, 61: 233 - 248.

Gloeckl, R. (et al.): Pulmonary rehabilitation and exercise training in chronic obstructive pulmonary disease. In: Deutsches Ärzteblatt 2018; 115 (8): 117–23.

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