Exazerbation bei COPD: Richtig vorbeugen, erkennen und behandeln

Wie Sie Exazerbationen vermeiden, welche Symptome typisch sind und wie Sie eine exazerbierte COPD behandeln, erfahren Sie hier.

Exazerbation bei COPD

Sicher haben Sie im Zusammenhang mit der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit schon mal von einer Exazerbation gehört. Eine exazerbierte COPD wird auch als „Lungeninfarkt“ der COPD bezeichnet. Es handelt sich um eine deutliche Zunahme der Symptome (wie Husten, Auswurf und Atemnot) in einem kurzen Zeitraum.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • wie Sie eine exazerbierte COPD erkennen,
  • was Sie tun können, um Exazerbationen vorzubeugen,
  • wie Sie sich im akuten Fall verhalten sollten und
  • wie eine Exazerbation notfallmedizinisch behandelt wird.

Definition: Was ist eine Exazerbation?

Exazerbationen (lat. für „Verschlimmerung“) sind als akute, über mindestens 2 Tage anhaltende Verschlechterung der Symptome bei chronischen Lungenkrankheiten wie Asthma und COPD definiert. Bei einer akut exazerbierten COPD (AECOPD) geht die Zunahme der Symptome über die normalen Tagesschwankungen hinaus oder hält länger als üblich an.

Exazerbationen beschleunigen das Fortschreiten der COPD und wirken sich negativ auf Ihre Lebenserwartung und Ihre Lebensqualität aus. Für einen günstigen Verlauf der Lungenkrankheit ist es deshalb wichtig, diese Verschlechterungen zu verhindern.

Vorbeugung: So vermeiden Sie Exazerbationen

Um die Zahl an Exazerbationen zu senken, werden einer bestimmten Risikogruppe unter den Patienten kortisonhaltige Medikamente verschrieben. Zu dieser Gruppe gehören Sie, wenn bei Ihnen trotz der medikamentösen Basistherapie mit bronchialerweiternden Wirkstoffen ein erhöhtes Exazerbationsrisiko vorliegt.

Aber auch Sie selbst können einiges tun, um sich vor Exazerbationen zu schützen:

Am häufigsten werden Exazerbationen von viralen oder bakteriellen Atemwegsinfekten in der kalten Jahreszeit verursacht. Impfungen gegen Grippeviren und Pneumokokken sind deshalb wichtig. Aber auch durch eine gesunde Ernährung, die regelmäßige Befeuchtung der Atemwege und häufiges Händewaschen können Sie Infekten vorbeugen.

So vermeiden Sie Exazerbationen bei COPD

Symptome: So erkennen Sie eine exazerbierte COPD

Exazerbationen treten vor allem in den fortgeschrittenen Stadien der COPD auf, sind aber auch in früheren Stadien nicht selten. Sie können sich sehr plötzlich, aber auch schleichend entwickeln und unterschiedlich stark sein.

Um ernsthafte Gesundheitsrisiken zu verhindern, ist es wichtig, dass Sie eine sich ankündigende Verschlechterung frühzeitig erkennen.

Anzeichen einer Verschlechterung:

  • zunehmende Atemnot
  • häufigerer und stärkerer Husten
  • vermehrte zähe Schleimbildung
  • gelb-grünliche Verfärbung des Schleims (Eiterbildung)
  • ein pfeifendes Atemgeräusch
  • die Entstehung von Ödemen

Behandlung einer exazerbierten COPD

Selbsthilfe: Was tun bei einer akuten Exazerbation?

Wenn Sie Anzeichen einer Verschlechterung Ihrer Symptome wahrnehmen, sollten Sie zu allererst Ruhe bewahren. Wenden Sie bei Atembeschwerden die Lippenbremse an und nehmen Sie eine atemerleichternde Körperhaltung wie den Kutschersitz ein.

Das weitere Vorgehen hängt vom Schweregrad der COPD und vom Ausmaß der Verschlecherung ab:

  1. Leichte Exazerbationen bei geringem COPD-Schweregrad (I oder II) können Sie gut selbst behandeln, indem Sie den Einsatz Ihres Notfallmedikaments (kurzwirksamer Bronchodilatator) etwas intensivieren und körperliche Anstrengung vermeiden. Suchen Sie umgehend einen Arzt auf, wenn trotz dieser Maßnahmen keine Besserung eintritt.
  2. Bei mittelschweren Exazerbationen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen, der über weitere Maßnahmen wie die orale Gabe von Kortison oder Antibiotika entscheiden kann. Auch eine zusätzliche Sauerstofftherapie kann bei schwerer COPD angezeigt sein.
  3. Bei schweren Exazerbationen mit massiver Atemnot sollten Sie sich möglichst rasch ins nächste Krankenhaus einweisen lassen. Hier kann entschieden werden, ob eine stationäre oder gar eine intensivmedizinische Behandlung notwendig ist oder die Behandlung auch ambulant fortgesetzt werden kann.

Was tun im Notfall?

Als Patient im fortgeschrittenen COPD-Stadium sollten Sie sich eines bewusst machen: Wenn eine Exazerbation mit schwerer Atemnot einhergeht, ist Ihre Handlungsfähigkeit beschränkt. Es ist für Sie deshalb sehr empfehlenswert, sich vorab mit dieser Situation zu beschäftigen.

Gut vorbereitet stehen Sie einem Notfall keineswegs hilflos gegenüber! Erstellen Sie mithilfe Ihres Arztes einen Notfallplan und lassen Sie sich ein Set mit Ihrem Notfallmedikament und Anweisungen für Ersthelfer zusammenstellen.

Atemnot bei COPD: Was tun im Notfall?

Die notfallmedizinische Behandlung der exazerbierten COPD

Wenn Sie mit einer exazerbierten COPD in der Klinik vorstellig werden, muss die Entscheidung für eine stationäre oder ambulante Behandlung erfolgen. Röntgenbild und Ultraschall liefern erste Hinweise für eine genauere Diagnose. Entscheidend für das weitere Vorgehen ist jedoch die Blutgasanalyse. Sie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Sauerstoffdruck, der Kohlendioxiddruck und der ph-Wert sind.

Sind diese Werte normal, dann wird die medikamentöse COPD-Therapie fortgesetzt und/oder auch eine Sauerstofftherapie angeordnet. Geben die Werte im Anschluss an eine Exazerbation trotz der medikamentösen Behandlung jedoch Grund zur Besorgnis, dann wird eine intensivmedizinische Behandlung bis hin zu einer nicht-invasiven Beatmung notwendig.

Gründe für eine Einweisung in die stationäre klinische Behandlung:

  • schwere Atemnot
  • ein fehlendes Ansprechen auf die Notfall-Therapie
  • ein Wert der Einsekundenluft von unter 30 %
  • Begleiterkrankungen der COPD wie Herz-Rhythmus-Störungen
  • hohes Alter
  • eine unzureichende häusliche Betreuung, z. B. wenn Sie alleine leben

Nachbehandlung einer Exazerbation extrem wichtig!

Wenn Ihr Gesundheitszustand stabil ist und keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen vorliegen, ist eine ambulante Behandlung nach einer Exazerbation grundsätzlich möglich. Die COPD-Therapie wird dann meist zunächst stationär intensiviert und bei Besserung der Symptome werden Sie nach Hause entlassen.

Für den weiteren Verlauf der COPD ist es wichtig, dass Sie sich spätestens jetzt mit der Vorbeugung von Exazerbationen beschäftigen, denn: Jede Exazerbation macht ein weiteres derartiges Ereignis wahrscheinlicher und auch das Herzinfarktrisiko ist im Anschluss an eine schwere Exazerbation deutlich erhöht.

Nach einer Exazerbation mit Krankenhausaufenthalt ist es daher sehr wünschenswert, dass Sie an einer pneumologischen Rehabilitation teilnehmen. Im Rahmen dieser Reha sollten Sie sich mit effektiven Maßnahmen zur Vorbeugung von Exazerbationen befassen und einen Notfallplan erstellen.

Wie Sie eine Rehabilitation  beantragen, erfahren Sie im Artikel „Reha bei COPD – Werden Sie selbst aktiv!

 


Quellen:

Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

Agusti, A. (et al.): Characterisation of COPD heterogeneity in the ECLIPSE cohort. In: Respiratory Research, 2010, 11:122.

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