Atemnot bei COPD – Was tun im Notfall?

Atemnot kann sich im fortgeschrittenen Stadium der COPD schnell zum Notfall steigern. Ein Notfallplan bringt Betroffenen mehr Sicherheit im Alltag.

Frau mit Atemnot

Unter den Symptomen der COPD wirkt sich Atemnot am stärksten auf das psychische Wohlbefinden der Betroffenen aus. Umfragen zeigen, dass besonders im fortgeschrittenen Stadium die Angst vor Atemnot bzw. körperlicher Belastung den Alltag vieler Patienten stark beeinflusst.

Doch auch im Nottfall stehen Sie der Atemnot keinesfalls hilflos gegenüber!

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • welche Ursache die Atemnot bei COPD hat,
  • was im Notfall gegen Atemnot hilft und
  • wie Sie einen Notfallplan erstellen.

Ursache der Atemnot – Das passiert in der Lunge

Geschwollene Schleimhäute, die einen zunehmend zähen Schleim bilden, und Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur führen im Verlauf der COPD zu einer Verengung der Bronchien.

Die Betroffenen können die eingeatmete Luft nicht mehr vollständig ausatmen, so dass Luft in der Lunge zurückbleibt. Das Gefühl der Atemnot entsteht dann, wenn – z. B. bei körperliche Belastung – nicht mehr ausreichend frische Luft in die überblähte Lunge einströmen kann, um den Sauerstoffbedarf zu decken.

Zudem kann eine psychische Komponente bzw. die Angst vor einem Notfall direkt an der Entstehung von Atemnot beteiligt sein. Für die erfolgreiche Behandlung der Atemnot liegt hier ein vielversprechender Ansatz (siehe unten).

Verengung der Atemwege bei COPD

Was tun im Notfall? So können Sie die Atemnot kontrollieren

Routine schafft Sicherheit! Bereiten Sie sich auf den Notfall vor und planen Sie eine feste Abfolge von Maßnahmen, die sich schnell durchführen lassen:

  1. Ruhe bewahren

    Zunächst ist es wichtig, auch im Notfall einen kühlen Kopf zu bewahren. Öffnen Sie ein Fenster und versuchen Sie, tief durchzuatmen und nicht in die Schnellatmung zu verfallen. Wenn Sie in Hektik verfallen, steigert das die Atemnot und verhindert die Konzentration auf die notwendigen Maßnahmen.
  2. Notfallmedikamente einnehmen

    Halten Sie jederzeit ein kurzwirksames bronchialerweiterndes Medikament und Ihre Inhalierhilfe griffbereit, um bei Atemnot schnell reagieren zu können. Inhalieren Sie 2 Hübe und warten Sie bis die Wirkung eintritt - das kann einige Minuten dauern. Tritt nach 5-10 Minuten keine Besserung ein, inhalieren Sie erneut 2 Hübe und nehmen Sie eine Kortisontablette ein (40-50 mg).
  3. Atmungserleichternde Körperhaltung einnehmen

    Kutschersitz oder Torwartstellung erleichtern das Atmen, indem Sie den Oberkörper stützen und dem Brustkorb möglichst viel Platz verschaffen.
  4. Atemtechniken anwenden

    Atemtechniken wie die Lippenbremse können helfen, die Atemnot zu kontrollieren. Eine Anleitung durch Fachpersonal im Rahmen einer Patientenschulung ist für alle Patienten mit COPD und Lungenemphysem sehr empfehlenswert.
  5. Kühler Luftzug lindert Atemnot

    Ein kühler Luftzug hilft vielen Betroffenen, Luftnot schneller in den Griff zu bekommen - der Effekt wurde auch schon in einer Studie nachgewiesen wurde. Den Luftzug können Betroffene ganz leicht mit einem kleinen, tragbaren Handventilator erzeugen, den Sie bei akuter Atemnot anschalten und direkt auf Nase und Mund richten.
  6. Notarzt rufen

    Vermehrte Symptome wie schwere Atemnot, starker Husten, blau verfärbte Lippen und Schwellungen können auf einen akuten Krankheitsschub (Exazerbation) hindeuten. Wenn auch nach Umsetzung der oben genannten Maßnahmen keine Besserung eintritt, sollten Sie möglichst bald einen Arzt aufzusuchen oder einen Notarzt rufen.

    Exazerbation bei COPD - Was tun?

Notfallplan, Hausnotruf und Patientenverfügung

So erstellen Sie einen Notfallplan

Ein Notfallplan leitet Ersthelfer und Sanitäter an, was zu tun ist, wenn der Patient sich nicht mehr selbst helfen kann. Ein solcher Plan, den man mithilfe des Hausarztes erstellt, sollte schriftlich festgehalten werden. Er enthält folgende Angaben:

  • Name und Nummer des Hausarztes
  • Name und Anwendung des Notfallmedikaments
  • Informationen über Atemtechniken und atemerleichternde Körperhaltungen

Wie Sie ein Notfallset zusammenstellen

Stellen Sie sich ein kleines Notfallset zusammen, dass Sie immer griffbereit und gut sichtbar für Ersthelfer mit sich führen. Das Set sollte die wichtigsten Medikamente, Ihre Inhalierhilfe und den Notfallplan enthalten.



Melden Sie sich für den Hausnotruf an

Das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen bietet Senioren und Schwerkranken einen sogenannten Hausnotruf an. Mithilfe eines Senders, den man auch am Körper tragen kann, wird per Knopfdruck ein Signal an den nächsten Rettungsdienst gesendet.

Patientenverfügung erstellen

In einer Patientenverfügung können Sie therapeutische Richtlinien festlegen. Diese Richtlinien sind für den Arzt bindend, wenn Patienten sich selbst nicht mehr erklären können, z.B. wenn sie mit schwerer Atemnot eingeliefert werden.

Halten Sie wichtige Anwendungen und Informationen wie das Notfallmedikament, die Patientenverfügung, den Notfallplan und Ihren Sauerstoffpass immer bereit. Für den behandelnden Notfallarzt stellen Sie wichtige Indizien für die weitere Behandlung dar.

Die Angst vor Atemnot bewältigen

Im Video spricht der Hamburger Arzt Dr. Johannes Wimmer über die Angst vor Atemnot:

Wer Atemnot aus eigenem Erleben kennt, weiß um den beängstigenden Charakter dieser Erfahrung. Das hat den ungünstigen Effekt, dass die Angst vor dem Notfall die Atemnot verstärken kann – bis hin zu dem Punkt, an dem sich Panikreaktion und körperliche Überbelastung als Auslöser von Atemnot kaum voneinander unterscheiden lassen.

Der Umgang mit Angstgefühlen und die Bewältigung von Atemnot-Ängsten zählt deshalb zu den wesentlichen Herausforderungen von Patienten im fortgeschrittenen COPD-Stadium. Im Bereich der Gesprächs- und Verhaltenstherapie liegen deshalb große Chancen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Hilfreiche Strategien zur Bewältigung von Atemnot-Ängsten vermittelt Ihnen Psychopneumologin Monika Tempel in Ihrem Blogbeitrag „Das Atemnot-Monster zähmen“.


Quellen:

Bausewein, C.: Therapie von Atemnot, Angst und Depression bei fortgeschrittenen Lungenerkrankungen. In: Der Pneumologe, 2016, Ausgabe 3: 166-173.

Frey, M.: COPD und Co. – Wie lässt sich die Dyspnoe lindern? In: Der Allgemeinarzt, 2016, 38 (18), 42-49.

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