COPD 4 – Das Endstadium der COPD

Eine COPD 4 wird nach GOLD als "sehr schwere" COPD klassifiziert – es handelt sich um das Endstadium der Lungenkrankheit. Lesen Sie hier, welche Behandlungsmöglichkeiten in diesem Stadium die Lebensqualität verbessern.

COPD Stufe 4

Eine COPD im Stadium 4 nach GOLD – dem Endstadium der Lungenkrankheit – ist in der Regel mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden. Für viele Betroffene steht die Frage nach der Lebenserwartung und den Behandlungsoptionen im Fokus.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • welche Symptome und Beschwerden typisch für eine COPD GOLD 4 sind
  • welche Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind und
  • wie Sie Ihren Alltag erleichtern können.

Symptome im Stadium COPD GOLD 4

Für die Betroffenen ist eine COPD im Stadium 4 typischerweise mit folgenden Symptomen verbunden:

  • Schwere Atemnot hervorgerufen durch einen Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) zeigt sich teilweise auch im Ruhezustand. Patienten in diesem Stadium sind chronisch mit Sauerstoff unterversorgt. Ihre körperliche Leistungsfähigkeit ist stark eingeschränkt.
  • Husten und Auswurf treten bei den meisten Patienten auf. Vielen bereitet vor allem das morgendliche Abhusten von zähem Schleim aus den Bronchien Probleme.
  • Herz-Kreislauf-Probleme wie Schwindel, Herzklopfen oder Herzstolpern deuten darauf hin, dass auch andere Organe vom Sauerstoffmangel betroffen sind. Lassen Sie diese Beschwerden unbedingt von einem Arzt untersuchen.
  • Eine bläuliche Verfärbung von Teilen der Haut und der Lippen (Zyanose) kann als Folge der mangelnden Sauerstoffversorgung auftreten.

Das folgende Diagramm zeigt Ihnen den Verlauf der COPD-Stadien in Abhängigkeit vom Wert der Lungenfunktion (FEV1). Im Endstadium liegt die Lungenfunktion bei weniger als 30 % des Normalwerts:


COPD-Stadien - Verlust der Lungenfunktion

Weitere mögliche Symptome:

  • vermehrte Lungenentzündungen
  • pfeifende oder rasselnde Geräusche beim Atmen
  • Appetitmangel
  • Müdigkeit und Fatigue
  • Ängste und Depressivität

Behandlungsmöglichkeiten im Endstadium

Im Endstadium der COPD kann es sein, dass Ihnen die bronchialerweiternden Basismedikamente nicht mehr die gewohnte Erleichterung verschaffen. Trotzdem ist es wichtig, diese Medikamente weiterhin einzunehmen. Ebenso wichtig werden in dieser Situation weitere Therapieansätze, die bis hin zu operativen und palliativen Maßnahmen reichen können.

1. Behandlung von Exazerbationen

Nach der neuesten GOLD-Klassifikation ist für die Wahl der therapeutischen Mittel neben dem Stadium auch die Anzahl der akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) entscheidend.

Akute Verschlechterungen der COPD können im Endstadium lebensgefährlich sein. Die Vorbeugung und Behandlung von Exazerbationen spielt im Stadium 4 nach GOLD deshalb eine große Rolle.

Wie Sie Exazerbationen bei COPD richtig behandeln

2. Kortisonhaltige Medikamente

Patienten mit mehr als 2 Exazerbationen im Jahr, die trotz der medikamentösen Basistherapie mit bronchialerweiternden Präparaten unter vermehrten Exazerbationen leiden, kommen sogenannte Glukokortikoide zum Einsatz. Diese kortisonhaltigen Medikamente reduzieren das Exazerbationsrisiko.

Grundsätzlich werden kortisonhaltige Medikamente genau wie Bronchodilatatoren inhaliert. Durch das Inhalieren wirkt das Medikament direkt in der Lunge und mögliche Nebenwirkungen können so reduziert werden. In Tablettenform wird Kortison nur vorübergehend bei schweren Exazerbationen verabreicht.

3. Atemphysiotherapie

Viele Patienten im Endstadium der COPD leiden unter festsitzendem Schleim in den Bronchien. Atemtherapeutische Methoden sollen die Betroffenen in die Lage versetzen, den Schleim zu lösen und abzuhusten. Dazu zählen bestimmte Hustentechniken, Atemübungen und der Einsatz von Atemtherapiegeräten.

Leichter atmen mit einer Atemphysiotherapie bei COPD

4. Sauerstofftherapie

Im Rahmen einer Sauerstofftherapie (LOT) wird COPD-Patienten mit einer niedrigen Sauerstoffsättigung im Blut (respiratorische Insuffizienz) Sauerstoff über eine Nasenbrille zugeführt. Dadurch erhöht sich nicht nur die Belastbarkeit, sondern auch die Lebenserwartung der Betroffenen.

5. Nicht-invasive Beatmungstherapie (Heimbeatmung)

Die nicht-invasive Beatmung (NIV = Non-Invasive Ventilation) wird Patienten mit einem chronisch erhöhten Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut (Hyperkapnie) verschrieben. Sie entlastet die Atemmuskeln, verbessert den Gasaustausch und vermindert die Exazerbationsrate.

Im Rahmen der NIV wird den Patienten mithilfe eines Beatmungsgeräts Atemluft durch einen mechanisch erzeugten Über- oder Unterdruck zugeführt. Diese Druckbeatmung erfolgt über eine abnehmbare Atemmaske idealerweise für mehrere Stunden in der Nacht und kann zu Hause durchgeführt werden.

6. Operative Methoden bei sehr schwerer COPD

Für einige Patienten besteht auch die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Es muss jedoch betont werden, dass die folgenden Maßnahmen nur für bestimmte Patientengruppen in Frage kommen:

  • Verschiedene Verfahren der Lungenvolumenreduktion (z. B. der Einsatz von Ventilen in die Lunge) wirken der bei COPD mit Emphysem üblichen Lungenüberblähung entgegen.
  • Bei einer Lungentransplantation werden Teile der beschädigten Lunge oder das ganze Organ durch eine Spenderlunge ausgetauscht.

7. Behandlung von schwerer Atemnot

Viele Patienten mit starker Atemnot quält im Endstadium der COPD die Angst vor dem Ersticken. Dank der modernen Medizin ist diese Angst unbegründet: Von Morphin bis hin zu einer palliativen Sedierung stehen heute wirksame Optionen zur Verfügung, um selbst heftigste Atembeschwerden für die Betroffenen zu lindern.

Im Video erklärt Prof. Dr. Sven Gottschling vom Universitätsklinikum des Saarlandes warum dank der modernen Medizin niemand einen qualvollen Erstickungstod sterben muss:

Den Alltag erleichtern

Eine COPD im Stadium 4 nach GOLD ist in der Regel mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden. Was kann Ihnen in dieser Situation Erleichterung verschaffen?

  1. Pflegestufe beantragen

    Wenn Sie Ihren Alltag (z. B. Ernährung, Körperpflege und Mobilität) nicht mehr selbstständig bewältigen können, haben Sie die Möglichkeit, eine gesetzliche Pflegestufe zu beantragen. Damit soll gewährleistet werden, dass sie so lange wie möglich in den eigenen 4 Wänden leben können.

    Pflege bei COPD - Das müssen Sie wissen

  2. Behindertenausweis beantragen

    Ein Schwerbehindertenausweis ist für Sie mit verschiedenen finanziellen Erleichterungen und bestimmten Sonderrechten verbunden. Mit dem Ausweis ist z. B. die Benutzung von öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie Bussen und Bahnen kostenlos und man hat Anspruch auf eine zusätzliche Woche bezahlten Urlaub sowie auf einen Behindertenpauschalbetrag.

    Schwerbehindertenausweis bei COPD

  3. Hilfsmittel besorgen

    Viele medizinische Hilfsmittel unterstützen Sie im Alltag. Dazu gehören z. B. Gehhilfen, Inhalier-, Mess- und Therapiegeräte. Sie erleichtern alltägliche Handlungen, liefern wichtige Messwerte oder lindern die Symptome. Da sie mitunter sehr hilfreich für den Erfolg der Behandlung sind, werden die Kosten vieler Hilfsmittel für COPD-Patienten von den Krankenkassen teilweise oder vollständig erstattet.

    Diese Hilfsmittel helfen Ihnen bei COPD

Quelle: Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

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