Lungenvolumenreduktion – Das bringen Lungenventile, Coils & Co.

Eine Verkleinerung des Lungenvolumens kann die Luftzufuhr von COPD-Patienten mit Emphysem verbessern — wann das hilft, welche Verfahren es gibt und wo sie durchgeführt werden.

Arzt schaut auf Röntgenbild einer Lunge

Eine Lungenvolumenreduktion kann bei COPD helfen, wenn die Patienten unter einer überblähten Lunge leiden und die konventionellen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind.

Überblähte Lunge: Die Luft muss raus

Viele COPD-Patienten können als Folge einer gestörten Atmung die eingeatmete Luft nicht vollständig abatmen – es kommt also mehr Luft in die Lunge hinein als hinaus. Im weiteren Verlauf blähen sich Teile der Lunge auf und es entsteht ein sogenanntes Emphysem.

Ein Lungenemphysem erschwert das Atmen für die Patienten. Die überblähten Bereiche sind nämlich für den Gasaustausch unbrauchbar. Stattdessen drücken sie auf das gesunde Lungengewebe und stören so die Atemarbeit.

Durch eine Verkleinerung des Lungenvolumens – z.B. durch den Einsatz von Lungenventilen oder Coils – kann man dem Prozess der Lungenüberblähung entgegenwirken und die Atemnot der Patienten lindern. Je nach Verteilung des Emphysems in der Lunge kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz.

Verfahren der Lungenvolumenreduktion

Das Ziel einer Lungenvolumenreduktion ist es, die überblähte Lunge von Emphysempatienten zu verkleinern und damit den Gasaustausch wieder zu verbessern. Dies kann auf verschiedenen Wegen erfolgen:

1. Chirurgische Lungenvolumenreduktion

Bei einer chirurgischen Volumenreduktion werden stark überblähte Bereiche der Lunge mit dem Skalpell entfernt. Der Eingriff hat das Ziel, dem gesunden Teil der Lunge die Atemarbeit zu erleichtern und so die Atemnot zu lindern.

Studien haben gezeigt, dass im ersten Jahr nach einer solchen Operation die Sterblichkeitsrate im Vergleich zu konventionell therapierten Patienten leicht erhöht ist. 5 Jahre nach der Lungenverkleinerung hat sich die Lebensqualität der Betroffenen jedoch stark verbessert.

2. Bronchoskopische Verfahren

Hier handelt es sich um minimalinvasive Eingriffe, die im Vergleich zum chirurgischen Verfahren weniger Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringen.

Lungenventile

Lungenventile werden mithilfe eines Bronchoskops in die Atemwege der überblähten Bereiche eingesetzt. Sie verschließen sich beim Einatmen, um sich beim Ausatmen wieder zu öffnen. So kann keine neue Luft in die überblähten Bereiche einströmen und die alte Luft entweicht langsam.

Durch den Einsatz der Lungenventile wird das Lungenvolumen reduziert und die gesunden Lungenteile können wieder ungestört arbeiten. Die Patienten können mit einer deutlich verbesserten Lungenfunktion und körperlichen Belastbarkeit rechnen.


Das folgende Video der Essener Ruhrland Klinik zeigt die Lungenvolumenreduktion mit Lungenventilen bei Emphysempatienten:


Spiralen (Coils)

Coils sind Spiralen aus Nitinol, die in gestrecktem Zustand in die mit Luft gefüllten Bronchien eingesetzt werden. Wenn sie anschließend wieder ihre Spiralform annehmen, zieht sich auch das umgebende Lungengewebe zusammen.

Der Einsatz von Coils

  • vermindert die Verdrängung von gesundem Lungengewebe
  • verbessert die Elastizität der Lunge
  • steigert die Beweglichkeit der Atemmuskulatur.

Weitere Verfahren

Es gibt weitere bronchoskopische Verfahren zur Lungenvolumenreduktion, für die bislang noch keine hinreichenden Vorteile nachgewiesen werden konnten.

Dazu gehören der Einsatz von

  • Heißdampf zur Schrumpfung von Lungengewebe (thermische Dampfablation)
  • speziellem Gelschaum (Polymerische Lunngenvolumenreduktion)
  • Airway-Bypass-Stents

Hier finden Sie eine Übersicht aller Verfahren der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion.

Wann hilft eine Lungenvolumenreduktion?

Nicht alle Emphysempatienten profitieren in gleicher Weise von einer Lungenvolumenreduktion. Bei Patienten mit einem FEV1-Wert von über 50 % ist zum Beispiel keine Verbesserung zu erwarten. Eher ungeeignet sind zudem Patienten mit häufigen Infektionen und viel Auswurf. Aktives Zigarettenrauchen stellt ein Ausschlusskriterium dar.

Zudem bedarf es einer guten Voruntersuchung, um festzustellen, welches Verfahren im Einzelfall sinnvoll ist. Dabei spielen vor allem die Verteilung der überblähten Lungenbereiche und die sogenannte kollaterale Ventilation eine Rolle:

Verteilung des Emphysems

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer gleichmäßigen (homogenen) und einer ungleichmäßigen (heterogenen) Verteilung der überblähten Lungenteile. Je stärker der Grad der heterogenen Verteilung ist, desto besser sind Lungenventile oder eine chirurgische Lungenvolumenreduktion geeignet. Bei einer weitestgehend homogenen Verteilung sind Coils die bessere Wahl.

Kollaterale Ventilation

Die kollaterale Ventilation bezeichnet ein Phänomen, das bei vielen Emphysempatienten auftritt. Bei ihnen werden verschlossene Atemwege über neu entstehende Querverbindungen zu eigentlich abgetrennten Bereichen belüftet. Sind solche Verbindungen bei einem Patienten vorhanden, kann mithilfe von Lungenventilen kein Erfolg erzielt werden.

An wen wende ich mich?

Generell muss betont werden, dass sich die hier vorgestellten Methoden noch am Anfang ihrer Entwicklung befinden und optimalerweise in Fachzentren mit entsprechender Ausstattung und speziellem Know-How durchgeführt werden sollten. Eine Lungenvolumenreduktion kann nur dann langfristige Erfolge erzielen, wenn sie in ein Behandlungskonzept eingebettet ist und durch weitere Maßnahmen wie z.B. Lungensport ergänzt wird.

Ansprechpartner für Sie als Patient sind Ihr Lungenfacharzt oder die Fachzentren für die Emphysembehandlung.

Quellen:

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Verfahren zur Lungenvolumenreduktion beim schweren Lungenemphysem. Abschlussbericht vom 7.2.2017
  • Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

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