Sauerstofftherapie (LOT)

Sauerstoff macht mobil! Eine Sauerstofftherapie reduziert Atemnot und erhöht Ihre Lebenserwartung bei chronischen Lungenkrankheiten wie COPD. Wer profitiert?

Sauerstofftherapie

Viele Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD und Lungenemphysem leiden an einer mangelnden Sauerstoffversorgung. Sinkt dabei der Sauerstoffgehalt im Blut unter einen gewissen Wert, kann Ihnen eine Sauerstofftherapie helfen, wieder leichter zu atmen.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • welchen Nutzen eine Sauerstofftherapie für Sie hat,
  • wann eine Sauerstofftherapie für Sie in Frage kommt und
  • was Sie über den Ablauf und mögliche Nebenwirkungen wissen müssen.

Was ist eine Sauerstofftherapie?

Chronische Lungenerkrankungen wie COPD und Lungenemphysem können die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigen. Wenn der eingeatmete Sauerstoff nicht mehr ausreicht, um die Organe und Zellen des Körpers zu versorgen, drohen eine stark eingeschränkte Belastbarkeit und schwere gesundheitliche Folgeschäden.

Im Rahmen einer Langzeit-Sauerstofftherapie (LOT = long-term oxygen therapy) wird Patienten mit chronischem Sauerstoffmangel an mindestens 16 Stunden pro Tag mit Sauerstoff angereicherte Luft zugeführt. Schon in den 80er Jahren haben zahlreiche Studien die positiven Effekte der Therapie nachgewiesen.

Mit einer Sauerstofftherapie können die Betroffenen

  • Atemnot reduzieren
  • ihre Belastbarkeit erhöhen und
  • ihre Lebenserwartung deutlich verbessern.

Konkret heißt das zum Beispiel, dass die Patienten wieder längere Strecken zurücklegen, an sozialen Aktivitäten teilnehmen und sich weitgehend selbständig versorgen können.

Das Video zeigt Ihnen die Umsetzung der Sauerstofftherapie im Alltag von Patienten mit COPD und Lungenemphysem:

Medizinische Voraussetzungen für eine Sauerstofftherapie

Wenn Sie Atemnot schon bei geringer körperlicher Belastung (z. B. beim Treppensteigen) verspüren, dann profitieren Sie möglicherweise von einer Langzeit-Sauerstofftherapie. Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin muss dafür ein schwerer chronischer Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) vorliegen:

  • Das ist dann der Fall, wenn der Sauerstoff-Partialdruck (PaO2) im Ruhezustand innerhalb von 4 Wochen mehrfach im kritischen Bereich unter 55 mmHg liegt.
  • Bei Patienten mit zusätzlicher Polyglobulie (Bluteindickung) oder pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck) ist eine Sauerstofftherapie schon bei einem PaO2-Wert unter 60 mmHg angeraten.
  • Für Patienten, bei denen der Sauerstoffgehalt nur nachts oder unter Belastung auf niedrige Werte absinkt, ist eine situative Sauerstoffgabe möglich.

Der PaO2-Wert wird mittels einer Blutgasanalyse vom Lungenfacharzt festgestellt.

Mögliche Ursachen für chronischen Sauerstoffmangel

  • COPD und Lungenemphysem
  • Bronchiektasie
  • Lungenembolien
  • Lungenfibrose
  • Mukoviszidose
  • Sklerodermie
  • Muskel- und Wirbelsäulenerkrankungen
  • schwere Herzerkrankungen
  • Tumore
  • u.v.m.

Wie funktioniert eine Sauerstofftherapie?

Im Rahmen der Sauerstofftherapie wird Ihnen mit Sauerstoff angereicherte Luft über ein Sauerstoffsystem zugeführt. In die Atemwege gelangt der Sauerstoff über eine Nasenbrille, also einen dünnen Schlauch, den Sie mithilfe eines Nasenstegs in Ihre Nasenlöcher einführen.

Die Sauerstofftherapie sollten Sie täglich mindestens 16 Stunden, optimalerweise aber rund um die Uhr durchführen. Gerade während körperlicher Aktivität ist der zusätzliche Sauerstoff wichtig. Hier stehen tragbare Sauerstoffsysteme zur Verfügung, die eine durchgehende Versorgung auch unterwegs ermöglichen.

Sauerstoffbrille

Sauerstoffbrillen

Die zusätzliche Zufuhr von Sauerstoff über eine Nasenbrille steigert die körperliche Belastbarkeit der Patienten. Die Wahl der richtigen Sauerstoffbrille ist entscheidend, um Hautreizungen zu vermeiden.

Welche Sauerstoffsysteme gibt es?

Bei einer Sauerstofftherapie wird Ihnen konzentrierter Sauerstoff mithilfe spezieller Systeme zugeführt. Heute gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Sauerstoffgeräten, die jeweils mit Vor- und Nachteilen verbunden sind. Sie unterscheiden sich z. B. in stationäre und mobile Systeme sowie nach der verwendeten Sauerstoffart (flüssig oder gasförmig).

Die Wahl der passenden Versorgunsgart ist dabei abhängig von Faktoren wie der Flussrate, der Größe, der Stromversorgung, dem Gewicht, der Reichweite und der Lautstärke des jeweiligen Systems – aber auch von der Mobiltität bzw. der familiären und sozialen Situation des Patienten.

Sprechen Sie mit Ihrem Lungenfacharzt über das richtige Sauerstoffsystem. Zudem bieten viele Hersteller und Fachkliniken Patientenschulungen zum Umgang mit den Geräten an, die Sie unbedingt nutzen sollten.

Grundsätzlich unterscheiden kann man zwischen 3 Gerätetypen:


1. Sauerstoffkonzentratoren

Strombetriebene Sauerstoffkonzentratoren filtern den Sauerstoff aus der Umgebungsluft, so dass der Sauerstoffgehalt der über die Nasenbrille zugeführten Luft bis zu 96 % steigt. Sauerstoffkonzentratoren haben den Vorteil, dass sie nicht nachgefüllt werden müssen. Ein Nachteil ist die Abhängigkeit von einer Stromquelle.

Es gibt stationäre und mobile Sauerstoffkonzentratoren:

  • Stationäre Konzentratoren sind vor allem für die nächtliche Versorgung geeignet, weil sie einen zuverlässigen Betrieb garantieren und ohne das zwischenzeitliche Aufladen eines Akkus auskommen.
  • Mobile Sauerstoffkonzentratoren sind kleinere, tragbare Geräte für unterwegs, deren Akku z. B. über den Zigarettenanzünder im Auto aufgeladen werden kann.

2. Flüssigsauerstoffsysteme

Mit Flüssigsauerstoffsystemen können die Patienten Sauerstoff aus einem häuslichen Tank in kleine Behälter abfüllen.

Vorteil: Flüssigsauerstoffsysteme sind ideal für unterwegs: Sie funktionieren ohne Strom und die leichten Behälter (2–6 kg) können problemlos auf Ausflügen und Reisen mitgenommen werden.

Nachteil: Die Tanks müssen alle 1–2 Wochen vom Versorger nachgefüllt werden. Weil dafür ein Dienstleister zu den Patienten nach Hause kommen muss, erzeugen Flüssigsauerstoffsysteme einen höheren Kostenaufwand als Sauerstoffkonzentratoren.


3. Gasdruckflaschen

Viele Krankenkassen stellen immer noch Gasdruckflaschen zur Verfügung. Die schweren Behälter müssen regelmäßig vom Dienstleister ausgetauscht oder an Füllstationen aufgefüllt werden.

Welche Nebenwirkungen hat die Sauerstofftherapie?

Mögliche Nebenwirkungen einer Sauerstofftherapie spielen sich vor allem im Nasenraum ab. Zum einen besteht die Gefahr, dass die Schleimhäute der Nase austrocknen, besonders bei höheren Flussraten. Zum anderen sind durch Sauerstoffbrillen hervorgerufene Hautreizungen oder allergische Reaktionen am Naseneingang nicht selten.

Davon abgesehen ist die Sauerstofftherapie frei von Nebenwirkungen, wenn die Patienten die Vorgaben des Arztes befolgen.

So vermeiden Sie die Nebenwirkungen:

  1. Der Sauerstoff kann vor der Zuführung mit Wasser befeuchtet werden, um die Schleimhäute vor dem Austrocknen zu schützen. Geschlossene Sterilwassersysteme, die ein keimfreies Wasser garantieren, eignen sich hier am besten.
  2. Pflegende Nasensprays und Salben halten die Nasenschleimhäute zusätzlich feucht und schützen sie vor dem Austrocknen.
  3. Die Wahl der richtigen Sauerstoffbrille ist entscheidend, um Hautreizungen zu vermeiden. Hier stehen verschiedene Modelle zur Verfügung, die für jedes Problem eine Lösung anbieten.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kosten für eine Sauerstoff-Langzeittherapie übernehmen grundsätzlich die Krankenkassen, wenn sie von einem Lungenfacharzt verordnet wurde. Dies gilt auch für eventuell anfallende Stromkosten beim Betrieb eines Sauerstoffkonzentrators.


Quellen:

Report of the Medical Research Council Working Party: Long−term domiciliary oxygen in chronic cor pulmonale complicating chronic bronchitis and emphysema. Lancet 1981; 1: 681-685.

Leach, Davidson, Chinn (et al.): Portable liquid oxygen and exercise ability in severe respiratory disability. Thorax 1992; 47: 78-789.

Magnussen, Goeckenjan, Köhler (et al.): Leitlinien zur Sauerstoff−Langzeit−Therapie. Pneumologie 2001; 55: 454-464.

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