Häufige Begleiterkrankungen der COPD

Die COPD ist eine systemische Erkrankung, die den gesamten Organismus belastet und weitere Erkrankungen nach sich ziehen kann.

COPD Symptome

80 Prozent der COPD-Patienten von weiteren Erkrankungen betroffen

Bei 8 von 10 COPD-Patienten ist mindestens eine weitere behandlungsbedürftige Krankheit (Komorbidität) vorhanden. Im höheren Alter sind es meist sogar drei oder mehrere Erkrankungen, die eine COPD begleiten.

Dies hängt vor allem mit der gesteigerten körperlichen Belastung bei COPD zusammen, die den gesamten Energiehaushalt schwächt und Folgeerkrankungen wahrscheinlicher macht. Teilweise sind es aber auch zum Erkrankungszeitpunkt bereits vorhandene Krankheiten, die möglicherweise zur Entstehung der COPD beigetragen haben.

Wie dem auch sei - es ist wichtig, dass weitere Erkrankungen nicht übersehen und bei der Behandlung berücksichtigt werden!

Herz-Kreislauf-Krankheiten bei COPD

Studien haben gezeigt, dass die COPD mit Herz-Kreislauf-Krankheiten zusammenhängt. So sind Herz-Arterien-Verkalkungen (koronare Herzkrankheit), Herzinsuffizienz (Herzschwäche) sowie Herz-Rhythmus-Störungen bei COPD-Patienten gegenüber Gleichaltrigen ohne COPD deutlich erhöht.

Herzerkrankungen werden bei COPD-Patienten häufig übersehen, weil sie ähnliche Symptome wie Atemnot und Engegefühl in der Brust verursachen können. Für COPD-Patienten mit einer Herzerkrankung ist jedoch die Einnahme von Betablockern, die zum Schutz vor Herzinfarkten verabreicht werden, wichtig: Sie senken das Infark- und damit das Sterblichkeitstrisiko nach aktueller Studienlage deutlich.

Neuere Studien haben gezeigt, dass COPD Patienten neben erhöhtem Blutdruck auch häufig einen Lungenhochruck (pulmonale Hypertonie) haben.

Diabetes bei COPD

Auch die Zuckerkrankheit Diabetes gehört zu den häufigen Folgeerkrankungen einer COPD. Die Raucher unter den COPD-Patienten haben dabei gegenüber den Nichtrauchern ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, welches mit Zunahme des Zigarettenkonsums und der Dauer des aktiven Rauchens steigt. Gefährlich ist hier, dass die Zuckerkrankheit wiederum auf die COPD zurückwirkt und den Rückgang der Atemleistung beschleunigt. Die Sterblichkeitsrate ist dementsprechend bei COPD-Patienten mit Zuckerkrankheit deutlich höher als bei Patienten ohne Diabetes.

Achten Sie also auf die typischen Symptome einer Diabetes-Erkrankung wie vermehrten Durst, vermehrtes Wasserlassen und Heißhunger. Vermeiden lässt sich eine Diabetes-Erkrankung durch den sofortigen Rauch-Stopp, viel Bewegung und einen reduzierten Zuckerkonsum.

Osteoporose bei COPD

Der häufig bei COPD-Patienten anzutreffende Bewegungsmangel erklärt den Zusammenhang von COPD und Osteoporose. Hinzu kommen häufig Faktoren, die den natürlichen Knochenaufbau hemmen und eine Osteoporose begünstigen: Rauchen, Untergewicht und die Einnahme bestimmter kortisonhaltiger Medikamente.

Der beste Schutz vor Osteoporose deckt sich mit den gängigen Maßnahmen einer COPD-Therapie: Rauchentwöhnung, ausreichend Bewegung und sportliche Aktivität, mäßiger Alkoholgenuss sowie eine mineral- und vitaminreiche Ernährung. Hier ist neben dem Vitamin D vor allem Kalzium als knochenstärkendes Mineral zu nennen. Es ist in Milch und Milchprodukten wie Käse und Joghurt enthalten, aber auch Vollkornbrot, grüne Gemüse wie Brokkoli und Spinat, Nüsse und Ölsardinen sind wichtige Kalziumlieferanten.

Gewichtsverlust bei COPD

Der oft zu beobachtende Gewichtsverlust bei COPD-Patienten im fortgeschrittenen Stadium hat gesundheitliche Konsequenzen, die das Fortschreiten der Erkrankung drastisch beschleunigen können. Als Ursache für diese Gewichtsabnahme wird eine verminderte Nahrungszufuhr aufgrund krankheitsbedingter Appetitlosigkeit angenommen. Zudem wird vermehrt Energie beim Atmen wegen der verengten Bronchien benötigt.

Der Gewichtsverlust führt zudem auch zu einem Verlust an Muskelmasse, zur Abnahme der Knochendichte (Osteoporose) und zu einer Erhöhung der Insulinresistenz, die den Blutzucker steigen lässt. Eine Ernährungstherapie mit hochkalorischer Nahrung kann dem Gewichtsverlust gezielt entgegenwirken.

Harninkontinenz bei COPD

Eine neuere Studie aus 2013 zeigt, dass mehr als die Hälfte aller COPD-Patienten unter Harninkontinenz leidet. D.h. sie können den Zeitpunkt des Urinlassens (z.B. bei Belastung) nicht mehr gezielt steuern. Ursache dieser auffälligen Häufung ist wohl der für die Lungenkrankheit typische Husten, der den Druck im Bauchraum erhöht. Kommt eine schwache Beckenbodenmuskulatur hinzu, kann der Urin nicht mehr gehalten werden. 

Obwohl Inkontinenz gut behandelbar ist, meiden viele der Betroffenen den Gang zum Arzt. Beispielsweise durch spezielle Gymnastikübungen sind die Probleme jedoch oft relativ einfach in den Griff zu bekommen. Der Gang zum Arzt ist bei entsprechenden Beschwerden deshalb sehr empfehlenswert.

Bronchiektasen bei COPD

Bronchiektasen sind kleine, sackartige Ausweitungen, die sich meist als Folge von chronischen Entzündungsprozessen in den kleinsten Bronchien bilden. In den so entstehenden Hohlräumen setzt sich Sekret ab, das von Bakterien besiedelt wird. Bronchiektasen sind deshalb mit einem ständigen Risiko neuer bzw. verstärkter Infektionen verbunden.

Besonders für COPD-Patienten ist diese Entwicklung gefährlich: Bronchiektasen erhöhen bei ihnen die Zahl der Krankheitsschübe und verstärken Symptome wie Husten und Atemnot. Zu Vorbeugung sind Maßnahmen, die das Abhusten erleichtern, sehr empfehlenswert.

Erfolgreich behandeln lassen sich bestehende Bronchiektasen mit speziellen Antibiotika, die gezielt gegen bestimmte Keime eingesetzt werden. In einigen Fällen kommt auch eine chirurgische Entfernung in Frage. In jedem Fall ist eine Diagnose äußerst wünschenswert, weil die Folgen einer Bronchiektasie durch die Behandlung gut eingedämmt werden können.

Depressionen bei COPD

Auch Depressionen gehören zu den ernstzunehmenden Folgeerkrankungen der COPD. Etwa 40 Prozent der COPD-Patienten leiden unter depressiven Zuständen. Sie verschlechtern nicht nur die Lebenserwartung, sondern wirken sich auch negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen aus. Eine psychotherapeutische Behandlung sollte deshalb ein fester Bestandteil der COPD Therapie sein!

Quellen:

Brian Lipworth (et al.): Underuse of β-blockers in heart failure and chronic obstructive pulmonary disease. In: Heart 2016; 102:1909-1914.

Zöckler, N., Rief, W., Kühl, K. & Kenn, K. (2012): Krankheitsbezogene Ängste und depressive Symptome bei COPD Patienten. In: Pneumologie, 66(5), 290-296.

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