Häufige Begleiterkrankungen der COPD

Eine COPD kommt selten alleine – denn es handelt sich dabei um eine systemische Erkrankung, die den gesamten Organismus belastet. Doch womit genau müssen Patient:innen rechnen und was können sie tun, um möglichst lange gesund zu bleiben?

Begleiterkrankungen der COPD

Die Diagnose COPD kann alleine schon einschüchternd auf Patient:innen wirken. Doch im Zusammenhang mit der chronischen Lungenkrankheit gibt es noch andere, sogenannte Begleiterkrankungen, also häufig auftretende zusätzliche Beschwerden. Doch was bedeutet das für die Betroffenen? Und was können sie tun, um ihre Gesundheit frühzeitig zu fördern?

80 Prozent der COPD-Patienten von weiteren Erkrankungen betroffen

Bei 8 von 10 COPD-Patient:innen ist mindestens eine weitere behandlungsbedürftige Krankheit (Komorbidität) vorhanden. Je fortgeschrittener das Alter, umso mehr dieser Begleiterkrankungen treten in der Regel auf – im Schnitt sind es dann drei oder mehr, so lautet das Ergebnis einer Studie mit rund 6.000 COPD-Patient:innen. Doch woran liegt das?

Vor allem hängt dies damit zusammen, dass die COPD für den Körper eine höhere Belastung darstellt. Die Folge: Der Energiehaushalt ist permanent geschwächt, was Folgeerkrankungen wahrscheinlicher macht. Manchmal ist es aber auch umgekehrt: Dann entsteht eine COPD dadurch, dass andere Krankheiten den Körper davor geschwächt haben. Doch unabhängig von der zeitlichen Reihenfolge ist es wichtig, dass weitere Erkrankungen nicht übersehen und bei der Behandlung berücksichtigt werden. Untersuchungen belegten sogar, dass eine Verbesserung der COPD sich auch positiv auf andere Begleiterkrankungen auswirken kann.

Herz-Kreislauf-Krankheiten bei COPD

Mit die häufigsten Begleiterkrankungen bei COPD-Patient:innen betreffen das Herz-Kreislauf-System. Dazu zählen beispielsweise die koronare Herzkrankheit, bei der die Arterien sprichwörtlich „verkalken” – oder die Herzinsuffzienz, die auf eine Schwäche des Herzens zurückzuführen ist. Gegenüber Gleichaltrigen ist das Risiko, eine solche Erkrankung zu bekommen, für COPD-Patient:innen deutlich erhöht und so leiden über die Hälfte der Betroffenen unter einer kardiovaskulären Begleiterkrankung.

Zudem werden diese leicht übersehen. Doch woran liegt das? Ganz einfach: Herzerkrankungen rufen ähnliche Symptome wie die COPD hervor. Dazu gehören beispielsweise Atemnot, ein Engegefühl in der Brust oder Kurzatmigkeit. Hier lohnt es sich also, einen zweiten Blick auf die Herz-Kreislauf-Organe zu werfen. Wenn die Diagnose dann erteilt ist, ist es wichtig, dass Patient:innen mit einer solchen Doppelbelastung medikamentös gut eingestellt sind, beispielsweise durch Betablocker. Diese senken das Herzinfarkt-Risiko deutlich – und damit das Risiko eines tödlichen Ausgangs. Einige Studien haben zudem gezeigt, dass COPD-Patient:innen neben erhöhtem Blutdruck auch häufig unter Lungenhochruck (pulmonale Hypertonie genannt) leiden.

Diabetes bei COPD

Auch die sogenannte „Zuckerkrankheit” Diabetes mellitus gehört zu den häufigen Folgeerkrankungen einer COPD, ganz besonders bei starken Raucher:innen. Woran das liegt? Durch den gestörten Stoffwechsel werden Organe weniger gut durchblutet – darunter auch die Lunge. Je mehr Zigaretten Raucher:innen konsumieren und je länger sie das bereits tun, umso höher ist ihr Risiko, zur COPD auch noch Diabetes zu bekommen. Besonders gefährlich an dieser Kombination ist, dass die beiden Krankheiten sich gegenseitig negativ beeinflussen: Der Rückgang der Atemleistung wird durch die COPD beschleunigt. Die Sterblichkeitsrate ist dementsprechend bei COPD-Patient:innen mit „Zuckerkrankheit” deutlich höher als bei Patient:innen ohne Diabetes.

Sie sollten daher besonders auf die typischen Symptome eines Diabetes achten. Dazu zählen beispielsweise vermehrter Durst und damit verbundenes Wasserlassen, Heißhunger oder häufige Müdigkeit. Um das Risiko für diese Begleiterkrankung zu vermeiden, empfehlen sich viel Bewegung, reduzierter Zuckerkonsum und natürlich: Der sofortige Rauch-Stopp.

Osteoporose bei COPD

Viele COPD-Patient:innen bewegen sich zu wenig – was wiederum den Zusammenhang zwischen Osteoporose und der Lungenkrankheit erklärt. Hinzu kommen häufig Faktoren, die den Knochen eher Schaden zufügen und eine Osteoporose begünstigen: Rauchen, Untergewicht und die Einnahme bestimmter kortisonhaltiger Medikamente.

Der beste Schutz vor Osteoporose deckt sich mit den gängigen Maßnahmen einer COPD-Therapie: Rauchentwöhnung, ausreichend Bewegung und sportliche Aktivität, mäßiger Alkoholgenuss sowie eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung. Hier ist neben dem Vitamin D vor allem Kalzium als knochenstärkendes Mineral zu nennen. Es ist vorwiegend in Milchprodukten wie Käse und Joghurt enthalten, aber auch Vollkornbrot, grüne Gemüse wie Brokkoli und Spinat, Nüsse und Ölsardinen sind wichtige Kalziumlieferanten.

Gewichtsverlust bei COPD

Gewichtsverlust selbst ist zwar keine Krankheit, doch er symbolisiert eine schlechte Gesundheit – erst recht, wenn er nicht geplant ist. Gerade in fortgeschrittenen Stadien zehrt die COPD oft so viel von der Energie der Patient:innen, dass ein Gewichtsverlust nahezu unvermeidbar wird – was wiederum Folgeerkrankungen begünstigt. Als Ursache für eine ungewollte Abnahme wird eine verminderte Nahrungszufuhr angenommen, vermutlich aufgrund der krankheitsbedingten Appetitlosigkeit. Zudem benötigt der Körper vermehrt Energie beim Atmen, denn die Bronchien verengen immer weiter.

Der Gewichtsverlust führt zudem auch zu einem Verlust an Muskelmasse, zur Abnahme der Knochendichte (was wiederum mit der Osteoporose zusammenhängt) und zu einer Erhöhung der Insulinresistenz, die den Blutzucker steigen lässt. Eine Ernährungstherapie mit hochkalorischer Nahrung kann dem Gewichtsverlust dagegen gezielt entgegenwirken.

Harninkontinenz bei COPD

Eine Studie aus 2013 zeigt, dass mehr als die Hälfte aller COPD-Patient:innen unter Harninkontinenz leidet. Das bedeutet, sie können den Zeitpunkt des Harnlassens nicht mehr gezielt steuern, was zu unangenehmen Situationen führen kann. Ursache dieser auffälligen Häufung ist wohl der für die Lungenkrankheit typische Husten, der den Druck im Bauchraum erhöht, ähnlich wie es beim Lachen der Fall ist. Kommt eine schwache Beckenbodenmuskulatur hinzu, kann der Urin nicht mehr gehalten werden.

Obwohl Inkontinenz gut behandelbar ist, meiden viele der Betroffenen den Gang zum Arzt. Dabei gibt es spezielle Gymnastikübungen, die den Beckenboden trainieren sollen und daher gut Abhilfe verschaffen können. Der Gang zum Arzt oder der Ärztin ist bei entsprechenden Beschwerden deshalb sehr empfehlenswert – unter anderem, weil mit zunehmender Zahl an Begleiterkrankungen auch die Anzahl der eingenommenen Medikamente steigt. Um unerwünschte Wechselwirkungen auszuschließen, sollte man daher regelmäßig seinen Medikamentenplan checken lassen.

Bronchiektasen bei COPD

Bronchiektasen sind kleine, sackartige Ausweitungen, die sich meist als Folge von chronischen Entzündungsprozessen in den Bronchien bilden. In den so entstehenden Hohlräumen setzt sich Sekret ab, das von Bakterien besiedelt wird. Bronchiektasen stellen daher ein ständiges Risiko dar, dass Infektionen sich verstärken oder neu auftreten.

Besonders für COPD-Patient:innen ist diese Entwicklung sehr gefährlich: Durch die ständigen Bakterienherde erhöhen Bronchiektasen bei ihnen die Zahl der Krankheitsschübe und verstärken Symptome wie Husten und Atemnot. Doch wie kann man dagegen vorgehen und seinem Körper etwas gutes tun?

Ratsam sind vor allem Maßnahmen, die das Abhusten erleichtern. Logisch, denn dadurch verringert sich die Anzahl der Keime. Auch spezielle Antibiotika können hier helfen – oder ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung der Ausweitungen. Ob man an Bronchiektasen leidet und was man gezielt dagegen tun kann, findet man am besten gemeinsam mit einem oder einer Lungenfachärzt:in heraus.

Depressionen bei COPD

Nicht zu vergessen, zählen auch Depressionen zu den ernstzunehmenden Folgeerkrankungen der COPD. Man geht davon aus, dass etwa 40 Prozent der Betroffenen unter depressiven Zuständen leiden. Doch woran merkt man, dass man unter dieser Volkskrankheit leidet? Typische Symptome sind der Rückzug aus dem Sozialleben, Antriebslosigkeit und eine schlechte Grundstimmung. Doch gerade heutzutage muss sich niemand mehr für diese Symptome schämen – und sollte den Gang zur Psychotherapie unternehmen. Denn sie kann hier große Abhilfe verschaffen, speziell für COPD-Patient:innen.

Wer unter COPD leidet, hat es nicht leicht – gerade im Hinblick auf mögliche Begleiterkrankungen. Dabei gibt es so viele Mittel und Wege, wie man diese Risiken minimieren, manchmal sogar eliminieren kann. Es lohnt sich, sich selbst etwas Gutes zu tun – für die Gesundheit und ein langfristiges Wohlbefinden.

Quellen:

Brian Lipworth (et al.): Underuse of β-blockers in heart failure and chronic obstructive pulmonary disease. In: Heart 2016; 102:1909-1914.

Zöckler, N., Rief, W., Kühl, K. & Kenn, K. (2012): Krankheitsbezogene Ängste und depressive Symptome bei COPD Patienten. In: Pneumologie, 66(5), 290-296.

Deutsches Zentrum für Lungenforschung: COPD und ihre Begleiterkrankungen: Neue Erkenntnisse durch die COSYCONET-Kohortenstudie. Pressemitteilung vom 7. Januar 2019

Worth H et al. The 'real-life' COPD patient in Germany: The DACCORD study. Respir Med 2016;111:64-71

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