
Ein Hustenanfall an der Supermarktkasse, ein Nieser beim Spaziergang – und plötzlich ist es passiert. Wer beim Husten ungewollt Urin verliert, fühlt sich oft allein mit dem Problem. Manche trauen sich kaum noch vor die Tür. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Mehr als die Hälfte aller COPD-Patient:innen ist betroffen. Die gute Nachricht: Mit gezieltem Training und einfachen Techniken lässt sich viel erreichen.
Mehr als die Hälfte ist betroffen
Von Harninkontinenz, umgangssprachlich auch Blasenschwäche genannt, spricht man, wenn Betroffene den Zeitpunkt des Urinlassens nicht gezielt steuern können. Nicht nur Husten, auch Niesen, Lachen oder Treppensteigen können den ungewollten Harnverlust auslösen. Für viele Menschen ist dies ein Tabu-Thema, über das sie nur sehr ungerne sprechen. Dabei ist die offene Kommunikation darüber – gerade mit dem oder der Ärzt:in des Vertrauens – der erste Schritt zur Besserung.
Dazu kommt, dass Harninkontinenz mittlerweile zu einer Art Volkskrankheit erklärt wurde – und gerade für Lungenpatient:innen eine häufige Begleiterkrankung darstellt. Man geht von etwa neun Millionen Betroffenen in Deutschland aus, darunter mehr Frauen als Männer. Wieso? Das liegt vor allem an dem breiteren Becken, das Frauen von Natur aus haben – und zusätzlich steigern (vergangene) Schwangerschaften das Risiko, inkontinent zu werden.
Warum gerade COPD-Patient:innen betroffen sind
Beim Husten entsteht im Bauchraum ein hoher Druck. Kommt dazu eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, kann der Urin nicht mehr gehalten werden. Fachleute sprechen dann von einer Belastungsinkontinenz.
Dass COPD-Patient:innen besonders häufig betroffen sind, zeigt eine Untersuchung der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften: Rund 59 Prozent der befragten COPD-Patient:innen berichteten über Inkontinenz-Symptome. In der Allgemeinbevölkerung liegt der Anteil bei etwa 12 Prozent. Befragt wurden über 400 Patient:innen, gemeinsam mit der Patient:innenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland und der Ruhrlandklinik Essen.
Sind auch Männer betroffen? Ja. Die Studie untersuchte ausdrücklich Männer und Frauen mit COPD. Der Bundesverband der Pneumologen weist darauf hin: Zwei Drittel der COPD-Patient:innen leiden unter Belastungsinkontinenz. Frauen sind zwar häufiger betroffen, doch gerade Männer verschweigen das Problem oft aus Scham.
Belastungsinkontinenz – was ist das?
Bei einer Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz) geht ungewollt Urin ab, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Typische Auslöser sind Husten, Niesen, Lachen oder schweres Heben. „Stress“ meint hier keine seelische Belastung, sondern körperliche Anstrengung. Daneben gibt es die Dranginkontinenz: ein plötzlicher, starker Harndrang, der sich kaum zurückhalten lässt. Beide Formen können auch gemeinsam auftreten.
Der Hustendreh – so schonen Sie Ihren Beckenboden beim Husten
Husten lässt sich bei COPD nicht vermeiden. Aber die Art, wie man hustet, macht einen Unterschied. Diese Hustentechnik kann den Druck auf den Beckenboden deutlich verringern.
So funktioniert der Hustendreh im Stand:
- Das Becken bleibt ruhig und unbewegt.
- Den Oberkörper zur Seite drehen und ein leichtes Hohlkreuz bilden.
- In dieser gedrehten Haltung husten.
Durch die Drehung wird der Oberkörper gegen den Unterkörper verdreht. Der Druck beim Husten richtet sich so gegen die Bauchwand statt auf den Beckenboden.
Im Sitzen funktioniert der Hustendreh ähnlich: Aufrecht sitzen, die Füße unter den Knien abstellen. Dann den Oberkörper drehen und über die Schulter husten. Wichtig: Den Oberkörper dabei nicht nach vorn beugen. Denn Vorbeugen erhöht den Druck auf den Beckenboden zusätzlich.
Die größte Herausforderung: sich im Moment des Hustens daran erinnern. Doch wer es einmal geschafft hat, den Urinabgang mit dieser Technik zu verhindern, wird den Hustendreh mit etwas Übung verinnerlichen.
Beckenboden stärken – Übungen für den Alltag
Regelmäßiges Beckenbodentraining ist die wirksamste Maßnahme gegen Belastungsinkontinenz. Die Beckenbodenübungen lassen sich leicht in den Alltag einbauen. Der erste Schritt: die Beckenbodenmuskulatur überhaupt wahrnehmen.
Den Beckenboden spüren lernen: Am besten setzt man sich aufrecht auf einen Stuhl. Nun stellt man sich vor, den Harndrang bei einer vollen Blase zurückzuhalten. Dabei spannt sich der Beckenboden an. Genau dieses Gefühl gilt es zu trainieren.
Eine einfache Grundübung:
- Den Beckenboden bewusst anspannen, als wolle man Harn oder Darmluft zurückhalten.
- Die Spannung ein bis zwei Sekunden halten, dann bewusst loslassen.
- Beim Anspannen ausatmen, beim Loslassen einatmen.
- Zehnmal wiederholen, dreimal am Tag.
Wichtig: Dabei nicht mit den Bauch-, Gesäß- oder Beinmuskeln pressen. Denn Pressen erhöht den Druck im Bauchraum und kann die Inkontinenz verschlimmern.
Der Beckenboden-Trick beim Husten
Wer spürt, dass ein Hustenanfall kommt, kann den Beckenboden kurz vorher bewusst anspannen. Dieses mehrmalige kurze Anspannen vor und während des Hustens vermindert den ungewollten Harnverlust.
In der Atemphysiotherapie wird empfohlen, den Beckenboden auch beim Ausatmen in ein Atemtherapiegerät bewusst zu aktivieren. Geeignet ist zum Beispiel das RC-FIT® CLASSIC, das Atemmuskeltraining mit sanfter Oszillation (feine Schwingungen, die Schleim lösen können) verbindet. So lässt sich das Beckenbodentraining leicht mit der täglichen Atemtherapie verbinden.
Was ein Miktionsprotokoll bringt und wie Sie es führen
Ein guter erster Schritt ist, sich selbst eine Übersicht zu verschaffen. Wie oft gehe ich zur Toilette? In welchen Situationen verliere ich Urin? Ein Miktionsprotokoll (= Blasentagebuch) hilft dabei, genau das herauszufinden.
So führen Sie ein Miktionsprotokoll
Notieren Sie über zwei bis drei Tage:
- Uhrzeit jedes Toilettengangs
- Trinkmenge und Art der Getränke
- Zeitpunkt und Situation von ungewolltem Urinverlust (zum Beispiel beim Husten, Treppensteigen oder Lachen)
Als Orientierung gilt: Empfehlenswert ist eine Trinkmenge von etwa zwei Litern pro Tag. Sieben bis acht Toilettengänge tagsüber und ein bis zwei in der Nacht sind normal. Weichen die eigenen Werte deutlich davon ab, ist das ein wichtiger Hinweis für das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt.
Das Protokoll macht außerdem Zusammenhänge sichtbar. Zum Beispiel, ob der Harnverlust vor allem morgens auftritt oder nach bestimmten Getränken. Diese Informationen helfen Fachleuten, die passende Behandlung zu empfehlen.
Wann zum Arzt – und welche Fachrichtung hilft
Viele Betroffene sprechen aus Scham nicht über ihre Inkontinenz. Studien zeigen: Bis zu 77 Prozent der COPD-Patient:innen mit Harninkontinenz haben deswegen noch nie ärztlichen Rat gesucht. Dabei lässt sich gerade im frühen Stadium viel erreichen.
Ein Arztbesuch ist besonders sinnvoll, wenn:
- der Urinverlust regelmäßig auftritt
- Alltagsaktivitäten wie Einkaufen oder Spaziergänge eingeschränkt werden
- Schutzeinlagen allein nicht mehr ausreichen
Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Von dort aus kann eine Überweisung erfolgen: an eine urologische oder gynäkologische Praxis zur genauen Abklärung. Für das gezielte Beckenbodentraining sind Physiotherapeut:innen mit Zusatzausbildung im Bereich Beckenboden die richtigen Ansprechpersonen.
Auch Hilfsmittel können den Alltag erleichtern. Spezielle Inkontinenz-Einlagen bieten mehr Schutz als herkömmliche Slipeinlagen. Sie sind über Sanitätshäuser erhältlich und können von der Ärztin oder dem Arzt verordnet werden.
Mittlerweile gibt es auch spezielle Trainingsgeräte und Apps für den Beckenboden. Die Kosten werden teilweise von der Krankenkasse übernommen.
Beim Husten Urin verlieren: Sie können etwas dagegen tun
Beim Husten Urin zu verlieren ist kein Grund, sich zu schämen. Es ist ein weit verbreitetes Problem, das sich behandeln lässt. Harninkontinenz ist vielen Menschen peinlich. Doch je öfter über das Thema gesprochen wird, desto mehr lässt sich dagegen tun. Der Hustendreh, gezieltes Beckenbodentraining, um den Beckenboden zu stärken, und ein offenes Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sind erste Schritte, die sich lohnen. Der Austausch mit Fachleuten und anderen Betroffenen kann zusätzlich helfen. Sie sind damit nicht allein, und es gibt gute Wege, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Quellen:
– Köhler, B. et al.: Prävalenz und Symptomschwere von Harninkontinenz (HI) bei Männern und Frauen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). In: Pneumologie 2013, 67
– Köhler, B. (2013). Harninkontinenz bei COPD. COPD-Deutschland e.V., 6. Symposium Lunge. https://www.copd-deutschland.de/links-von-startseite/harninkontinenz-bei-copd (abgerufen am 15.03.2026)
– Bundesverband der Pneumologen (BdP) (2016). Beckenbodentraining kann COPD-Patienten mit Harninkontinenz helfen. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/ratgeber-archiv/meldung/beckenbodentraining-kann-copd-patienten-mit-harninkontinenz-helfen/ (abgerufen am 15.03.2026)
– Foto: diephosi / istock.com







Das kenne ich auch nur zu gut. Habe COPD Stufe 4 mit Emphysem. Nach einer Untersuchung bei der Frauenärztin wurde mir auch eine OP empfohlen, die dann aber vom Narkosearzt wegen der Lunge abgelehnt wurde. Also wieder Schutzeinlagen. Das hält mich dann natürlich oft davon ab überhaupt raus zu gehen.
Ich kann euch nur empfehlen Physiotherapeuten bei Physio Pelvica für den Beckenboden und bei der Deutschen Atemwegsliga Atemtherapeuten zu suchen und gleichzeitig euch Elektrotherapie mit Stimulation für den Beckenboden verordnen zu lassen.
Vielleicht bieten eure Physiotherapeuten auch Präventionskurse bzw. Fortlaufende Kurse für Beckenboden-Training an.
Gibt nicht auf, sondern bleibt mit regelmäßigem Lungensport und Beckenboden-Training dran.
Hallo
Bis jetzt ist es mir Heute beim gang zum Einkaufen das 2 mal passiert das ich plötzlich wieder einmal Atemnot bekam wobei ich einen sehr starker drang zum Urinieren bekam den ich wieder nicht aufhalten konnte. Gott sei dank war es nur 300 Meter bis nach Hause. Beim ersten mal blieb die Luft weg und ich spürte sofort den drang und ging in eine kleine Gasse rein als ich auf die Knie ging und es lief sofort das war Abends im dunklen ca. 150 Meter von zu Hause. Ich fahre kein Auto oder Bus mehr weil die Leute schauen wegen den laute Atemgeräusche und die Husten. Ich bin schon früher wenn der Husten kam ausgestiegen und dann mit dem nächsten Bus weitergefahren.
Ich habe Copd im fortgeschrittenen Stadium.
Jetzt habe ich bei Atemnot druck auf die Blase und muß sofort
auf die Toilette.
Heute könnte ich zum 1. mal das Wasser nicht mehr halten.
Das ist mir sehr peinlich,weill ich Angst habe,daß es mir unterwegs passiert.
Liebe Frau Hildegard Fink , das kenne ich nur all zu schmerzlich. Ich habe auch CoPD Stufe 3 nach Gold , bin in meiner Not zu meiner Gynäkologin und fragte um Rat. Sie schrieb mir ein Rezept für einen Sanitätsdienst für Vorlagen aus. Da rief ich an und man fragte mich intensiv wie oft bei welcher Gelegenheit und schickte mir Proben verschiedener Stärken von Vorlagen zu . Das half mir einen langen Zeitraum weiter und gab mir Sicherheit. Ich konnte mich schützen. Diese Vorlagen gibt es natürlich auch für Männer die unter unkontrollierten Urinabgang leiden.
Inzwischen habe ich mich aber überwunden und die Kontrolluntersuchung im Krankenhaus machen zu lassen und es Operativ regeln zu lassen. Alles Gute und gute Luft..Julchen
Erstickungsanfälle bei gleichzeitig unkontrolliertem Harnabgang, meist bei Änderung der Körperlage.