Tag der Rauchentwöhnung: E-Zigarette besser als ihr Ruf?

Am 31. Mai ist Tag der Rauchentwöhnung. Schon seit Jahrzehnten existieren zahlreiche Methoden, die beim Rauch-Stopp helfen sollen – manche mehr, manche weniger umstritten. Doch um kaum ein Entwöhnungsmittel ranken sich mehr Mythen als um die E-Zigarette.
 | 31.05.2021

Der von der WHO ausgerufene Thementag hatte selten eine höhere Relevanz als in diesem Jahr: Das Thema Lungengesundheit ist durch die Corona-Pandemie allgegenwärtig. Wenig erstaunlich: Rauchen ist als vermeidbarer Faktor Nummer Eins für die Entstehung von zahlreichen Lungenkrankheiten bekannt, unter anderem die COPD. Trotzdem rauchen in Deutschland etwa 25% der Erwachsenen. Dabei ist ein Rauch-Stopp nicht nur empfehlenswert – heute stehen einem auch diverse Mittel zur Verfügung, vom “Glimmstengel” loszukommen. Darunter: Die elektronische Zigarette, meist Vape oder E-Zigarette genannt.

Was unterscheidet E-Zigarette von normaler Zigarette?

Doch wie funktioniert die E-Zigarette überhaupt? Hier wird nikotinhaltige Flüssigkeit, die man auch als Liquid bezeichnet, im Tank des kleinen Geräts verdampft und über ein Mundstück eingeatmet. Es findet daher keine Verbrennung von Tabak statt, wodurch theoretisch weniger Giftstoffe als beim Rauchen herkömmlicher Zigaretten entstehen. Hauptbestandteile der E-Zigaretten sind das Verneblungsmittel, Wasser, Ethanol, Nikotin und die charakteristischen Aromastoffe, die dem Dampf seinen Geruch verleihen. Selbst nikotinfreie Liquids sind im Handel erhältlich. Klingt auf den Blick undramatisch – doch was sagt dies nun über ihre Schädlichkeit aus, gerade im Vergleich zur “normalen” Zigarette?

Wer noch Zweifel hat, ob der Entzug sich lohnt: Bereits nach 12 Stunden nach der letzten Zigarette ist der Kohlenmonoxidspiegel im Blut von Raucher:innen mit dem von Nichtraucher:innen vergleichbar. Nach zwei bis zwölf Wochen sind erste positive Auswirkungen auf Herz-Kreislauf- und Lungenfunktion messbar. Gerade langfristig profitieren Ex-Raucher:innen durch deutlich niedrigere Risiken für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfälle und diverse Krebserkrankungen.

Fakt ist: Weil die E-Zigarette erst seit einigen Jahren auf dem Markt ist, sind deren langfristige Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht. Ob sie allerdings geeignet ist, um mit dem Rauchen herkömmlicher Zigaretten aufzuhören, ist nicht leicht zu beantworten. Denn einerseits enthalten die elektronischen Alternativen weniger Schadstoffe und die Menge an Nikotin ist häufig geringer, was den Entzug schrittweise erleichtern kann. Doch gesundheitlich unbedenklich ist die elektronische Variante deswegen keineswegs. Gerade das Einatmen der starken Duftstoffe und deren Nebenwirkungen sind wenig erforscht. Insbesondere vorbelastete Lungen wie die von COPD- und Asthma-Patient:innen könnten darauf mit Reizungen reagieren.

E-Zigarette: Fluch oder Segen?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ein weiterer Faktor, der daher beim Thema E-Zigarette als Rauchentwöhnungsmittel häufig aufkommt: Durch den Umstieg auf E-Zigaretten greifen Raucher:innen immer noch regelmäßig zu einem Gegenstand, der ihre Sucht befriedigt. Die Folge: Man steht trotzdem in der Raucher:innenecke – und bei Stress wird nicht zu Schokolade und Co. gegriffen, sondern man raucht einfach etwas anderes. Die übliche Verhaltensweise der oder des typischen Raucher:in ändert sich daher kaum. Eine Studie unter 886 Raucher:innen aus Großbritannien zeigte jedoch kürzlich: Wer schon lange Jahre mindestens 15 Zigaretten täglich rauchte, schaffte durch den Umstieg auf die E-Zigarette doppelt so häufig den Entzug wie mit anderen Nikotin-Ersatzpräparaten wie Pflaster und Co. – ein überraschendes Ergebnis.

Kann man die E-Zigarette als Rauchentwöhnungsmittel unter’m Strich nun empfehlen? Um diese Frage beantworten zu können, muss noch mehr geforscht werden: Ob sie eine weniger gesundheitsschädliche Alternative ist, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Doch wer einen schrittweisen Entzug plant, sieht in ihr vielleicht einen hilfreichen Ersatz, um dem Rauchen endgültig zu entsagen. Letztlich ist es jedem und jeder Raucher:in selbst überlassen, welchen Weg er oder sie wählt, um der Sucht zu entkommen und ein gesünderes Leben zu führen – die Lunge und die allgemeine Gesundheit werden es danken.

Quellen:
– Deutsche Krebshilfe (2021): Qualmst du noch? – Ich hör auf! Veröffentlicht unter: www.krebshilfe.de
– Rauchfrei-info.de (2019): Elektrische Zigaretten. Veröffentlicht unter: www.rauchfrei-info.de
– Ärzteblatt (2019): E-Zigaretten: Mit Volldampf zum Rauchstopp. Veröffentlicht unter: www.aerzteblatt.de
– Kompakt Pneumologie, Januar/Februar 2014
– Foto: Dragana Gordic / shutterstock.com

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