Welche Behandlung hilft bei COPD?

Die Diagnose COPD ist für die meisten Menschen ein Einschnitt ins gewohnte Leben. Denn die obstruktive Lungenerkrankung ist derzeit noch nicht heilbar. Doch es gibt Hoffnung: Gerade seit einigen Jahren zeigen sich zahlreiche neue Entwicklungen, die eine COPD sehr gut kontrollierbar machen. Was also kann ich als Patient:in tun, damit ich mein Wohlbefinden erhalten oder gar steigern kann?

Arzt und Patientin im Gespräch

Patient:innen gestalten wesentlich mit

Die wichtigste Nachricht vorweg: Die COPD ist zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar. Mithilfe verschiedener Therapien können Sie Ihre Lebensqualität entscheidend beeinflussen. Doch der Schlüssel zum Erfolg einer Behandlung liegt auch bei den Betroffenen selbst.

Die besten Chancen auf einen stabilen Verlauf haben die Patient:innen, die ihre Krankheit und ihr Leben damit selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört beispielsweise, sich regelmäßig über Entwicklungen im Bereich der COPD auf dem Laufenden halten: Wie kann ich meine Behandlung noch weiter unterstützen? Was tut mir gut, was nicht? Wie fühle ich mich derzeit? Die Antworten auf diese Fragen sind wichtig für die behandelnden Lungenärzt:innen, die ihre Patient:innen im Schnitt nur alle paar Monate zu Gesicht bekommen.

Die erfolgreiche Therapie der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit setzt sich nach der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) aus mehreren Bausteinen zusammen.

Bausteine der COPD-Therapie

Die Behandlungsbausteine der COPD im Detail

1. Prävention

Akute Verschlechterungen (Exazerbationen) können den Verlauf einer COPD stark beschleunigen. Die Prävention ist daher ein entscheidender Faktor, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Aber wie?

Für Raucher:innen gilt: An erster Stelle auf dem Therapieplan steht, damit aufzuhören. Neben einer besseren Kontrolle der COPD werden Patient:innen noch weiter dafür belohnt: Nichtraucher:innen leben im Schnitt 5-10 Jahre länger. Zusätzlich zum Tabakrauch gilt es aber auch, jeglichen anderen Schadstoffen aus dem Weg zu gehen. Dazu gehören beispielsweise Feinstaub, Industrie- und Verkehrsabgase oder andere Gase, die sich an so manchem Arbeitsplatz wiederfinden können.

Wie Sie Exazerbationen bei COPD richtig behandeln

Eine weitere Form der Prophylaxe: Schutzimpfungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt neben der jährlichen Grippeimpfung unter anderem die gegen Pneumokokken. COPD-Patient:innen sollten zudem auf sich achten, weil sie aufgrund ihrer Krankheit zu Begleiterkrankungen neigen. Dazu gehören beispielsweise Herzerkrankungen, Lungenkrebs, Diabetes oder psychische Erkrankungen. Die Vorbeugung und Früherkennung dieser unerwünschten Begleiter ist daher ein wichtiger Teil der COPD-Behandlung.

Häufige Begleiterkrankungen der COPD

2. Medikamente bei COPD

Selbstverständlich bleibt eine medikamentöse Therapie der COPD in den allermeisten Fällen nicht aus. Je nach Symptomen und GOLD-Stadium gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Die Basis einer COPD-Therapie bilden Medikamente, die die Bronchien erweitern – man nennt sie auch Bronchodilatatoren. Durch ihre ausdehnende Wirkung verbessern sie die Luftzufuhr. Man unterscheidet hier in kurz- und langwirksame Präparate.

Bronchialerweiternde Medikamente:

  kurzwirksam langwirksam
Anticholinergika z. B. Ipratropium z. B. Tiotropium, Aclidinium, Glycopyrronium, Umeclidinium
Beta-2-Mimetika z. B. Salbutamol, Fenoterol, Terbutalin z. B. Formoterol, Salmeterol, Indacaterol, Olodaterol, Vilanterol

Reicht die Erweiterung der Atemwege alleine nicht aus, können inhalative Kortikoide – häufig mit ICS abgekürzt – zum Einsatz kommen. Die aktuelle Leitlinie für COPD-Patient:innen sieht sie jedoch nur vor, wenn selbst die Kombination zweier langwirksamer Bronchodilatatoren nicht mehr zum Erfolg führt.

Neben Kortison gehört auch der PDE-4-Hemmer Roflumilast (Daxas®) in die Gruppe der antientzündlichen Medikamente. Verabreicht als Tablette, hemmt es die Produktion des schädlichen Enzyms PDE-4, welches die entzündlichen Prozesse in der Lunge fördert.

Entzündungshemmende Medikamente:

Kortisonhaltige Medikamente z.B. Budesonid, Fluticason, Beclometason
Inhalativ: Ciclesonit, Mometason
Oral als Tablette: Prednisolon, Prednison, Methylprednisolon, Fluocortolon
PDE-4-Hemmer Leukotriemrezeptor-Antagonist: Montelukast
Oral als Tablette: Roflumilast
Biologika Omalizumap (Injektion), Mepolizumap (Injektion), Reslizumap (Infusion)

Welche medikamentöse Therapie für wen geeignet ist, sollten Patient:innen zusammen mit ihren Lungenärzt:innen entscheiden. Weitere Medikamente gegen COPD werden in diesem Artikel erläutert:

Welche Medikamente helfen bei COPD?

Im Video spricht der Hamburger Arzt Dr. Johannes Wimmer über Ziele und Möglichkeiten der COPD-Therapie:

3. Behandlungsoptionen ohne Medikamente

Nutzen Sie die Chancen der nicht-medikamentösen Behandlung Für eine erfolgreiche Behandlung der COPD sind weitere Maßnahmen enorm wichtig – und hier haben Betroffene die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. So kann man Gesundheit und Wohlbefinden langfristig erhalten.

Physiotherapie: Bewegung tut Ihnen gut!

Mehrere Studien belegen, dass eine Physiotherapie bei COPD helfen kann, die körperliche Belastbarkeit zu steigern und das Fortschreiten der Lungenkrankheit zu verlangsamen oder gar zu verhindern. Daher ist physische Aktivität grundsätzlich ein wichtiger Baustein der Therapie. Doch welche Form der Bewegung ist für den oder die Einzelne:n die beste? Das sollten Patient:innen gemeinsam mit dem oder der Ärzt:in besprechen.

Häufig nehmen in den fortgeschrittenen Stadien Symptome wie Husten oder Atemnot verstärkt zu, was Bewegung wiederum anstrengender macht. Doch auch hier gibt es Möglichkeiten, aktiv zu bleiben und die eigene Fitness zu verbessern. Gibt es in Ihrer Nähe eine Lungensportgruppe? Denn diese bieten ein Programm an, das speziell auf Lungenpatient:innen abgestimmt ist.

Wege zur Physiotherapie bei COPD

Leichter atmen mit einer Atemtherapie

Eine Atemtherapie kann man sich wie eine auf Atemwegspatient:innen abgestimmte Physiotherapie vorstellen. Ziel ist es, den Teilnehmer:innen bestimmte Übungen und Techniken zu vermitteln, die ihnen das Atmen und gegebenenfalls das Abhusten von Schleim erleichtern. Die COPD-Leitlinie empfiehlt zudem die Anwendung von bestimmten Atemtherapiegeräten. So löst das Training mit diesen Geräten (beispielsweise RC-Cornet PLUS®, Flutter VRP1®) zähen Schleim in den Bronchien, reduziert die Atemnot und erleichtert das Abhusten.

Richtig ernähren bei COPD

Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit reichlich Energie und Nährstoffen. Dabei ist die spezielle Situation von vielen COPD-Patient:innen zu beachten: Aufgrund vermehrter Anstrengung bei der “Atemarbeit” haben sie grundsätzlich einen erhöhten Energiebedarf. Zudem ist die richtige Ernährung stark von der individuellen Ausgangssituation abhängig – übergewichtige Patient:innen benötigen einen ganz anderen Ernährungsplan als untergewichtige. So kann den Auswirkungen einer COPD optimal entgegengesteuert werden.

Ernährungstherapie: Richtig ernähren bei COPD

Sauerstofftherapie: Der Schlauch, der beim Atmen hilft

Was für Laien aussieht wie ein kleiner Rucksack mit einem Schlauch, kann COPD-Patient:innen große Erleichterung bringen: Etliche von ihnen leiden darunter, dass ihr Körper mit Sauerstoffe unterversorgt wird. Ihnen könnte eine Sauerstofftherapie helfen, wieder leichter zu atmen.

Wer profitiert von einer Sauerstofftherapie?

Patient:innenschulung: Den Erfolg bestimmen Sie mit

Wer als Patient:in mitdenkt und selbstständig an sein Wohl denkt, profitiert wesentlich stärker von Therapien der COPD. Dazu gibt es speziell strukturierte Schulungsprogramme, die dabei helfen sollen, Kompetenz in Sachen COPD zu erwerben – und damit die eigene Lebensqualität zu steigern und das Exazerbationsrisiko deutlich zu senken.

Wer Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, kann häufig über die Hausarztpraxis eine Teilnahme an einem sogenannten Disease-Management-Programm (DMP) beantragen. Die Links zu den Programmen einiger Kassen finden Sie hier:

Patientenschulung bei COPD

Beatmungstherapie: Unterstützt erschöpfte Atemmuskeln

Wer einen chronische erhöhten Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Blut hat (Hyperkapnie), profitiert häufig von einer Beatmung zu Hause. Dies betrifft zumeist Patient:innen mit einem Lungenemphysem – denn ab einem gewissen Stadium sind die Lungen von der erschwerten Atmung so angestrengt, dass die Atemmuskeln ermüden.

Solchen Patient:innen kann ein mechanisches Beatmungsgerät helfen, indem es ihnen frische Atemluft über eine Maske zuführt. Sie wird idealerweise über mehrere Stunden, teilweise sogar die gesamte Nacht hindurch getragen. Diese Therapie entlastet die Atemmuskeln, erleichtert das Atmen und erhöht damit die allgemeine Belastbarkeit der Betroffenen.

Wann hilft eine Beatmungstherapie?

Operationen

Einige COPD-Patient:innen entwickeln im Laufe der Erkrankung ein Lungenemphysem. Dabei blähen sich Teile der Lunge krankhaft auf, was die Arbeit der gesunden Bereiche erschwert und die Sauerstoffversorgung des Körpers blockiert. Um ein Emphysem zu entfernen oder zu behandeln, gibt es verschiedene Operationsmethoden:

Bullektomie

In der Lunge von betroffenen Patient:innen bilden sich mit Luft gefüllte Blasen (lat. bullae = Blase), die gesundes und leistungsfähiges Lungengewebe verdrängen. Weil besonders große Blasen im weiteren Verlauf eine Reihe von Komplikationen verursachen können, werden sie im Rahmen einer Bullektomie chirurgisch entfernt.

Lungenvolumenreduktion

Bei einer Lungenvolumenreduktion werden die durch das Emphysem überblähten Bereiche verkleinert, um die Sauerstoffversorgung der Patient:innen zu verbessern. Welches operative Verfahren hier genau verwendet wird, kommt auf den betroffenen Bereich der Lunge an. So ist zum Beispiel der Einsatz von Ventilen eine Möglichkeit, die Atmungsorgane zu “entblähen” und somit die Luftnot der Patient:innen zu lindern.

Lungenvolumenreduktion – Das bringen Lungenventile, Coils & Co.

Lungentransplantation

Wenn alle Optionen der medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapie ausgeschöpft sind, bleibt für einige wenige Patient:innen nur noch eine Behandlungsmöglichkeit: Die Lungentransplantation, also das Austauschen der kranken durch eine gesunde Spenderlunge. Doch die Eignungsvoraussetzungen für eine Transplantation sind sehr hoch.

Lungentransplantation – Wer kommt in Frage?

Begleiterkrankungen vorbeugen

Die COPD ist eine systemische Krankheit, die das Risiko weiterer Erkrankungen stark erhöht. Häufige Begleiterkrankungen der Lungenkrankheit – wie z. B. Herzerkrankungen, Lungenkrebs, Diabetes und psychische Leiden – rücken deshalb immer mehr in den Fokus der Therapie. Die Vorbeugung und Früherkennung solcher Erkrankungen gehört deshalb unbedingt zu einer umsichtigen Therapie.

Häufige Begleiterkrankungen der COPD

 

Über eine COPD-Diagnose freut sich niemand. Doch wer sich mit seiner Krankheit befasst und ein gutes Gefühl für seinen eigenen Körper hat, kann ihm echte Linderung verschaffen. So erhält man sich auch bei fortschreitendem Alter ein angenehmes Wohlbefinden – und tut seinem Gesundheit etwas Gutes.

 


Quelle:

Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

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Die Physiotherapie bei COPD

Eine Physiotherapie gehört zu den erfolgversprechendsten Maßnahmen bei COPD. Auch für das Training zu Hause stehen den Patienten Möglichkeiten zur Verfügung.

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