Monika Tempel

Kopfsache

Bewältigungsstrategien für Lungenpatienten

Um die mutige und selbstbewusste Bewältigung von chronischen Lungenkrankheiten geht es in diesem Blog. Dazu motiviert die Ärztin Monika Tempel Patienten und Angehörige mit gesundheitsfördernden Methoden.

Diagnose COPD – was nun?

Die Diagnose einer COPD stellt einen einschneidenden Moment für die Betroffenen dar, aber keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken!

Erinnern Sie sich noch?

  • Weil Husten und Auswurf immer schlimmer wurden …
  • Weil Atemnot jede Treppenstufe zur Qual machte …
  • Vielleicht auch, weil Ihre Frau / Ihr Mann keine Ruhe ließ …

… deshalb sitzen Sie nun beim Arzt und warten nervös auf den Befund der Untersuchungen. Da ruft der Doktor Sie ins Sprechzimmer und sagt mit ernster Miene: „Sie haben COPD.“ Kurze Erleichterung – und dann der niederschmetternde Satz: „COPD ist eine chronische Krankheit und bisher nicht heilbar.“ Der Rest des Gesprächs rauscht an Ihnen vorbei.

Zum Abschluss drückt Ihnen der Arzt noch eine Informations-Broschüre über COPD und einen Flyer zur Nikotin-Entwöhnung in die Hand. Danach beginnt die Achterbahn der Gefühle ... und die Recherche im Netz. „Doktor Google“ weiß jede Menge über COPD: fortschreitende Atemnot – 4 Krankheitsstadien - ungewisse Prognose! Wie soll man sich in diesem Chaos zurechtfinden?

Die gute Nachricht: Neben all den Hiobsbotschaften, gibt es ein paar hilfreiche Wegweiser, die Orientierung im Gefühls- und Gedankenchaos bieten!

1. „Die schlimmste Krankheit ist die Diagnose.“ (Karl Kraus)

Studien zeigen, wie sich die Diagnose einer chronischen Krankheit auswirkt: Die Worte „chronisch“ und „unheilbar“ lösen häufig Gefühle von Angst und Niedergeschlagenheit aus und beeinflussen den weiteren Verlauf negativ. Doch ganz egal, wie Ihnen die Diagnose COPD mitgeteilt wird – ob schonungslos oder einfühlsam, verständlich oder nebulös - für Sie als „Neukranker“ gilt vom ersten Augenblick an: Wohlbefinden und Lebensqualität stärken – trotz Erkrankung!

2. „Selbst-Fürsorge ist die erste Patientenpflicht.“

Ihre Gefühle von Angst, Schmerz, Einsamkeit, Kummer, Ärger, Schuld, usw. können und sollen Sie nicht unterdrücken. Sie sind diesen Gefühlen jedoch nicht hilflos ausgeliefert:

  • Entwickeln Sie Selbst-Fürsorge (statt sich mit Selbst-Vorwürfen zu quälen).
  • Gehen Sie so freundlich mit sich um, wie Sie mit Ihrer liebsten Freundin oder Ihrem besten Freund in einer solchen Situation umgehen würden.
  • Nehmen Sie bewusst den gegenwärtigen Augenblick wahr (statt sich in düsteren Zukunftsvisionen zu verlieren).

3. „Wer den Kopf in den Sand steckt, bekommt erst recht keine Luft.“

Vielleicht sind Sie eher der Typ „Verdränger und Vermeider“? Dann erleben Sie zwar nach der Diagnose keine Achterbahn der Gefühle – Studien deuten aber darauf hin, dass sich Verdrängung und Vermeidung langfristig ungünstig auf Wohlbefinden und Lebensqualität auswirken. Dagegen hilft nur eines: Fassen Sie Mut!

Mut bedeutet nach der Diagnose COPD:

  • Bekämpfen Sie mögliche Ursachen (v. a. Nikotin-Entwöhnung)
  • Stehen Sie zur Krankheit (ohne Scham- und Schuldgefühle)
  • Vermeiden Sie soziale Isolation (durch gemeinschaftliche Aktivitäten, z. B. Lungensport)

4. „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“

Wenn Ängste das Ruder übernehmen, kommen Sie leicht vom Kurs ab. Da hilft ein guter Kompass beim Gegensteuern. Als Kompass eignet sich beispielsweise:

  • ein weiteres Gespräch mit Ihrem Arzt (Bereiten Sie sich gut darauf vor. Schreiben Sie die wichtigsten Fragen auf. Lassen Sie nicht locker, bis Sie alles verstanden haben.)
  • der Antrag auf eine Pneumologische Rehabilitation (Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, ob eine „Reha“ für Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt hilfreich ist. Patientenschulungen in der „Reha“ vermitteln Kenntnisse und Fertigkeiten für das Leben mit COPD.)
  • die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe (Nur Mut: Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Bitten Sie um erprobtes Informationsmaterial und – wenn notwendig – um praktische Unterstützung.)

Sollten Angst und Niedergeschlagenheit nach der Diagnose COPD über Wochen oder gar Monate anhalten, so zögern Sie nicht, sich psychologische Unterstützung zu suchen. In der Regel allerdings beruhigt sich das Chaos durch umsichtiges Verhalten (wie oben empfohlen) nach einiger Zeit.

Merkzettel für die Kühlschranktür

Merkzettel bieten Orientierung, indem sie uns an Dinge erinnern, die wir uns fest vorgenommen haben. Den heutigen Merkzettel können Sie sich gleich hier als PDF herunterladen.

Wenn Ihnen das ein oder andere Motto gefällt, drucken Sie den Zettel einfach aus, setzen Sie ein großes Ausrufezeichen vor Ihr Motto und kleben Sie ihn an Ihren Kühlschrank. Oder erstellen Sie selbst einen „Merkzettel“ mit Ihrem persönlichen Motto.

Merkzettel für den Kühlschrank (57,5 KiB)

Wie ist es Ihnen ergangen?

Ich bin natürlich interessiert zu erfahren, wie es Ihnen nach der Diagnose COPD ergangen ist. Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie,

  • was Sie erlebt haben
  • was Sie belastet hat
  • wie Ihr „Motto" lautet
  • oder auch: wer oder was Ihnen geholfen hat, mit der Diagnose COPD leben zu lernen.

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Kommentare:

Kommentar von Christa Rolle |

Hallo zusammen, mein Mann hatte vor acht Jahren einen Schlaganfall, da haben wir beide sofort aufgehört zu rauchen. Dann bekam ich immer schlechter Luft ( ich frage mich, was alles in den Zigaretten ist ) und es wurde Copd festgestellt. Ich habe Stufe 4 und ein Lungenemphysem. Weder Ventile noch Stunts sind möglich. Daheim kann ich ausser kochen und auf dem Sofa sitzen, nichts mehr tun. Aus dem Haus gehe ich nur noch, wenn ich unbedingt muss, Arzttermin o.Ä. Jede körperliche kleinste Anstrengung geht bei mir auf den Darm, darum traue ich mich nicht mehr aus dem Haus und wenn es sein muss, nur mit einer Windel, wenn nicht in unmittelbarer Nähe ein WC ist. Bin nicht unglücklich, da ich einen sehr lieben Mann habe, bin aber manchmal etwas traurig, kein einkaufen, kein essen gehen , wenn Treppen vorhanden oder WC im Keller. aber trotzdem denke ich jeden Tag, wie gut es mir doch geht, das ich keine Schmerzen habe. Es gibt so viele Menschen, die täglich Schmerzen leiden, Menschen die Hunger oder Krieg haben, da geht es mir doch noch gut.

Kommentar von Anne |

Hallo,
nachdem ich die Diagnose COPD erhalten habe, brach für mich erstmal meine Welt ein. Von meinem Arzt bin ich - nach heutigem Wissen- nicht genug aufgeklärt worden. Die Angst vor den nahen Tod war zu präsent. Dann bin ich 2013 in eine Reha gekommen und erst dort so richtig über diese Krankheit aufgeklärt worden. Zum Beispiel, dass man mit COPD durchaus alt werden kann. Das hat mir sehr viel Mut gemacht und ich habe mich mehr und mehr mit der Krankheit auseinandergesetzt und letztlich habe ich sie angenommen. Natürlich gibt es immer wieder mal Situationen, in denen man in eine Depri fällt. Ich lasse sie für eine Zeit lang zu, dann aber muss man sich wieder "zusammenreißen" um weiter zu machen.
Meiner Meinung nach ist die Patientenschulung bei COPD sehr sehr wichtig, um den Erkrankten die Angst zu nehmen.

Schöne Grüße
Anne

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