Monika Tempel

Kopfsache

Bewältigungsstrategien für Lungenpatienten

Um die mutige und selbstbewusste Bewältigung von chronischen Lungenkrankheiten geht es in diesem Blog. Dazu motiviert die Ärztin Monika Tempel Patienten und Angehörige mit gesundheitsfördernden Methoden.

Meine Kraftquellen für mehr Wohlbefinden trotz Krankheit

Für die einen ist es der Hund, die Musik oder die Erinnerung an schöne Reisen, für die anderen sind es die Enkelkinder oder gute Freunde. Setzen Sie Ihre persönlichen Kraftquellen für die Bewältigung von chronischen Lungenerkrankungen sinnvoll ein!

Kraftquellen, Ressourcen – viel genannt, doch leider wenig genutzt

Als Kraftquelle (Ressource) kann alles dienen, was ein Patient in einer bestimmten Situation als wertvoll oder hilfreich erlebt. Trotz der vielen Arten von Kraftquellen gibt es doch einige typische Merkmale:

  • Jede Herausforderung durch die Krankheit verlangt andere Kraftquellen.
  • Kraftquellen können sich von Krankheitsphase zu Krankheitsphase wandeln.
  • Manchmal kann eine Kraftquelle auch eine Belastung sein.

Bevor Sie zu Ihren individuellen Kraftquellen aufbrechen, stellen Sie sich vielleicht die Frage:

Warum sind Kraftquellen für mich so wichtig?

Auf diese berechtigte Frage gibt es keine simple Antwort. Ich hoffe, Sie sind bereit für ein klein wenig Theorie?

Wegweisende Erkenntnisse, warum Kraftquellen so wichtig sind:

  • die Psychoneuroimmunologie weist nach, dass unsere Gefühlslage einen messbaren Effekt auf unser körpereigenes Immunsystem hat.
  • die Positive Psychologie zeigt zudem, dass unsere Gefühlslage unsere Wahrnehmung lenkt.

Das Wichtigste bei beiden Befunden ist die Erkenntnis, dass wir unsere Gefühlslage durch Kraftquellen beeinflussen können:

  • Bereits die Erinnerung an angenehme Dinge aus unserem Leben aktiviert im Gehirn die Zentren für positive Stimmung. Dadurch wird unsere Immunreaktion verstärkt.
  • Unser Gehirn kann nicht einerseits angenehme Erfahrungen aktivieren und gleichzeitig durch unangenehme Gefühle überflutet werden.
  • Angenehme Gefühle erweitern unsere Wahrnehmung in Richtung umfassendes Wohlbefinden (Geist – Körper – Psyche – Beziehungen).

Ein ziemlich dichter Theorie-Dschungel, durch den Sie sich schlagen mussten, bevor wir uns nun den Kraftquellen nähern. Es erscheint aber wichtig, die Ressourcen-Arbeit fachlich solide zu begründen. Sonst wird sie leicht mit Esoterik-Methoden oder Positivem Denken in einen Topf geworfen.

Wie sieht Kraftquellen-Arbeit konkret aus?

Es gibt inzwischen mehrere ausgearbeitete Konzepte zur therapeutischen Ressourcen-Stärkung. Am bekanntesten sind:

  • das TRUST-Konzept (Diegelmann und Isermann)
  • das Zürcher Ressourcen Modell (Storch und Krause)
  • die Systematische Ressourcenaktivierung (Flückiger und Wüsten)

Für die Selbsthilfe bei chronischen Lungenerkrankungen lassen sich aus diesen Konzepten hilfreiche Impulse ableiten. Ich habe für Sie eine TOP TEN-Liste zur Kraftquellen-Arbeit erstellt:

  1. ABC des Wohlbefindens
  2. Kraftquellen-Imagination
  3. Ressourcen-Vorbilder
  4. Wunderfrage
  5. Die Bäume meines Lebens
  6. BERLIN-Ressourcen-Checkliste
  7. Dankbarkeits-Tagebuch
  8. Ja-und-Nein-Tage
  9. Krisen-ABC
  10. Sätze vollenden

Auf dem „Merkzettel für die Kühlschranktür“ finden Sie diesmal meinen Favoriten zur Ressourcen-Stärkung. Ich bin neugierig, ob er auch für Sie zur täglichen Kraftquelle wird…

Übung: ABC des Wohlbefindens

Wählen Sie einen beliebigen Buchstaben aus dem Alphabet aus, zum Beispiel „S“

Überlegen Sie 3 bis 5 Dinge, die mit „S“ beginnen und für Sie mit angenehmen Erinnerungen und Wohlbefinden verbunden sind, zum Beispiel:

  • Sauerstoff
  • Seeluft
  • Sommertage mit den Enkelkindern
  • Schaumkrone auf dem Bier ...

Sie können auch einen Satz bilden: Schön langsam mit meiner Frau spazierengehen…

Der Trick: Es kann schwierig sein, 3 bis 5 positive Begriffe zu finden. Durch diese positive Anstrengung wird unser Gehirn von „Streß“ umgeschaltet auf „Vorfreude“.

Der Effekt: Das negative Gedanken-Karussell wird angehalten – die positiven Netzwerke im Gehirn werden gestärkt.

Merkzettel für die Kühlschranktür als PDF

Stöbern Sie nach weiteren Anleitungen im Netz

Jeder sollte für sich selbst herausfinden, aus welcher Kraftquelle er schöpfen möchte. Für die meisten Übungen finden Sie brauchbare Anleitungen im Internet. Stöbern Sie ein wenig und probieren Sie aus, was für Sie passt. Dabei sollten Sie folgende Schritte beachten:

  • Vorhandene Kraftquellen wahrnehmen und stärken
  • Frühere und ungenutzte Kraftquellen aufspüren und wiederbeleben
  • Neue Kraftquellen entdecken und aufbauen.

Sollten Sie sich für eine Übung aus der TOP TEN-Liste besonders interessieren und keine Informationen dazu finden, so können Sie gerne per Mail eine Anleitung bei mir anfordern: info@monikatempel.de

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Kommentare:

Kommentar von leichter-atmen Team |

Beitrag gelöscht.

Auszug aus unseren Richtlinien für Kommentare:

"(Eigen-)Werbung bzw. kommerzielle Inhalte haben nichts in den Diskussionen zu suchen.

Kommentar von Kurt schrems |

Ich hatte ein Schlüsselerlebnis in althofen (österreichische Reha Einrichtung in Kärnten).
Bei der Aufnahme meinte die pulmologin während der Anamnese:
Bei ihnen besteht keine körperliche Abhängigkeit. Da habe ich mir gedacht, dann kann es ja nicht so schwer sein und habe ab diesem Zeitpunkt keine Zigarette mehr angerührt. Ich zweifelte zwar an mir, ob ich das durchhalte, immerhin habe ich 50 Jahre lang 20 bis 40 Zigaretten geraucht, aber ich hielt ohne größere Anstrengung durch. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her. Natürlich habe ich gelegentlich noch Appetit, besonders nach einem guten Essen zu Kaffee und Cognac. Aber das ist auch rasch Vorbei. Damit bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich das rauchverlangen, wie so oft behauptet wird, in unseren Köpfen abspielt.
Gottseidank habe ich mich auch nicht, wie so viele, zu einem militanten Nichtraucher entwickelt.

Kommentar von leichter-atmen Team |

Hallo Martina,

es ist gut, dass du erkannt hast, wie wichtig ein Rauch-Stopp für dich wäre - das ist ein erster Schritt!

Wie Gundula schreibt, sind für viele Raucher E-Zigaretten ein Weg, um von den Zigaretten loszukommen. Im Artikel "E-Zigaretten: Ist Dampfen besser als Rauchen?" erfährst Du mehr zu diesem Thema.

Empfehlenswert sind vor allem therapeutisch betreute Entwöhnungsprogramme - solche Programme werden in manchen Arztpraxen oder Kliniken, z.B. im Rahmen einer Reha, angeboten - hier ist die Erfolgsquote besonders hoch. Mehr Infos dazu findest du im Artikel "Rauch-Stopp! - Nichtraucher werden".

Wir wünschen dir viel Mut und Erfolg auf deinem Weg!

Kommentar von Gundula Rupp |

Hallo, Martina
Dein Problem ist mir bestens bekannt. Auch ich konnte lange Zeit nicht davon lassen.
Habe täglich zwischen 50 und 60 Zigaretten geraucht. Mit Unterstützung von E-Zigarette
konnte ich meinen Konsum auf 15 bis 20 Zig. reduzieren. Ich dampfte ein starkes
Tabak-Aroma mit einigen Tropfen Minze. Das Ganze aber ohne Nikotin. Vor ca. 6 Wochen
war ich auf 3 Zigaretten täglich. Drei Jahre lang wurde ich von meinem Enkel (heute 15
Jahre) durch Gespräche unterstützt. Vor 6 Wochen meinte er, daß ich mit dem Rauchen ganz einfach aufhören könnte indem ich ihm verspreche niemals mehr zu rauchen. Ich gab ihm das Versprechen und rauchte heimlich meine 3 Zigaretten. Nach 3 Tagen sprach mich meine Tochter an und sagte, daß Denis mir niemals verzeihen würde, wenn er herausbekam, daß ich weiterrauche. An dem Tag rauchte ich meine letzte Zigarette. Mein nächstes Ziel ist mich von den E-Zigaretten zu entwöhnen.
Mein Rat an Dich: versuche Dir kleine Ziele zu setzen und diese mit der Familie und/Freunden zu besprechen. Wähle Dir ein Kind, am besten ab 2-3. Schuljahr, dem Du die Versprechen gibst und stell Dir das Strahlen des Kindergesichts vor, wenn Du Dein Versprechen hälst. Ich wünsche Dir alles Gute und vor allem die Kraft zum Durchhalten.
LG Gundula

Kommentar von Martina Sennewald |

Ich leide seit längerem an COPD und schaffe es nicht vom Rauchen los zu lassen, alle Versuch sind bisher gescheitert. Was kann ich tun?

Kommentar von leichter-atmen Team |

Hallo Petra,

unter folgendem Link findest Du einige Infos zu den Besonderheiten des Krankheitsbildes: http://www.leichter-atmen.de/acos-asthma-copd-overlap-syndrom

Alles Gute!

Kommentar von petra |

intressesiere mich für informationen, leide an ACOS, danke

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