Atemübungen: So mobilisieren Sie Ihren Brustkorb

Ein steifer Brustkorb wirkt wie ein Korsett, das Ihre Lunge umgibt. Wie Sie Ihren Brustkorb mobilisieren können und sich damit mehr Luft verschaffen.
 | 16.06.2020

Bei chronischen Atemwegserkrankungen wie der COPD spielt sich vieles in der Lunge ab: eine übermäßige Schleimproduktion, verengte Bronchien, überblähte Lungenbläschen, usw.

Der Fokus der Behandlung liegt deshalb zurecht auf der Linderung dieser Beschwerden. An der Entstehung von Atemnot und des Engegefühls in der Brust sind jedoch eine Vielzahl von Faktoren beteiligt. Dazu gehört vor allem die direkte Umgebung der Lunge: Unser Brustkorb und die Atemmuskulatur.

Bei COPD leidet die Beweglichkeit Ihres Brustkorb

Unsere Lunge wird von unseren Rippen, der Wirbelsäule und dem Brustbein geschützt und hauptsächlich vom Zwerchfellmuskel bewegt. Sie ist von innen an den Brustkorb geheftet und durch einen immer währenden Unterdruck zwischen dem Lungen- und dem Rippenfell an ihn gebunden. Jede kleine Bewegung des Brustkorbes bewegt also auch die Lunge ein klein wenig mit.

Im Umkehrschluss führt eine eingeschränkte Beweglichkeit des Brustkorbs leider auch zu einer mangelnden Bewegung der Lunge. Die einzelnen Regionen in der Lunge können jedoch nur gut mit Luft versorgt werden, wenn der Brustkorb eine Entfaltung der Lunge zulässt. Ein steifer Brustkorb wirkt dabei wie ein Korsett. Er hindert die Lunge an einer guten und gleichmäßigen Belüftung und schränkt somit zusätzlich das Lungenvolumen ein.

Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung leiden häufig unter einer eingeschränkten Beweglichkeit. Die Gründe dafür sind ständiges Husten, mangelnde Bewegung und strukturelle Veränderungen in der Lunge. Hinzu kommt, dass die Beweglichkeit mit fortschreitendem Alter ohnehin abnimmt.

Brustkorb mobilisieren – So geht’s

Es gibt für jeden Krankheitszustand und für jedes Alter einfache Übungen mit denen man seine Beweglichkeit erhalten und auch wieder verbessern kann. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sprechen Sie mit Ihrem/-r Physiotherapeuten/-in darüber und finden Sie die für sie passenden Übungen.

Hier stelle ich Ihnen ein paar einfache Übungen vor, mit denen Sie alle Bewegungsrichtungen Ihrer Wirbelsäule verbessern können.

Hinweis: Gehen Sie mit den Übungen grundsätzlich nur so weit, wie es Ihnen angenehm ist, und führen Sie die Übungen möglichst täglich durch. Sollten Schmerzen auftreten, brechen Sie die Übung ab.

Sollten Sie akute Rückenschmerzen oder Erkrankungen der Wirbelsäule haben (z.B. einen akuten Bandscheibenvorfall oder eine kürzlich stattgefundene OP), sprechen Sie bitte zuerst mit Ihrem Therapeuten oder Arzt darüber, welche Übungen für Sie zur Zeit geeignet sind.

Übung für die Seitneigung der Wirbelsäule

1. Legen Sie sich auf den Rücken mit möglichst flachem Oberkörper. Legen Sie die Arme über den Kopf. Sollte das für Ihre Schulter nicht möglich sein, platzieren Sie ein Kissen unter dem Arm oder lassen ihn ansonsten neben dem Körper liegen.

2. Neigen Sie nun den Oberkörper soweit wie möglich zu einer Seite.

3. Bleiben Sie, wenn möglich, für 10 Atemzüge so liegen. Sie können versuchen etwas vertieft in die gedehnte Flanke zu atmen. Machen Sie dann am Ende der Einatmung eine kleine Pause und stellen Sie sicher, dass Sie die Luft vollständig wieder ausatmen, z.B. über die Lippenbremse. Wiederholen Sie die Übung im Anschluss in der entgegengesetzten Richtung.

Wenn Sie nicht flach auf dem Rücken liegen können, probieren Sie folgende Alternative im Sitzen:


Seitneigung der Wirbelsäule im Sitzen

Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl. Heben Sie die Arme über den Kopf und neigen Sie den Oberkörper gerade zur Seite ohne sich dabei nach vorne zu beugen.

Sollten Ihre Schultern das Heben der Arme nicht zulassen, verschränken Sie die Hände vor der Brust.


Übung für die Beugung und Streckung der Wirbelsäule

Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und verschränken Sie die Arme vor der Brust. Strecken und beugen Sie die gesamte Wirbelsäule, indem Sie sich abwechselnd ganz rund machen und wieder aufrecht strecken.

Sie können die Übung gut mit der Atmung kombinieren: Atmen Sie ein, wenn Sie sich strecken, und atmen Sie über die Lippenbremse aus, wenn Sie die Wirbelsäule rund machen. Versuchen Sie 10 Wiederholungen durchzuführen.


Übung für die Drehung der Wirbelsäule

  • Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und verschränken Sie die Arme vor der Brust.
  • Atmen Sie ein.
  • Drehen Sie nun mit der Ausatmung langsam den Oberkörper zur Seite.
  • Kommen Sie mit der nächsten Einatmung wieder zur Mitte zurück.
  • Führen Sie die Bewegung mit der nächsten Ausatmung langsam zur anderen Seite aus.
  • Versuchen Sie 10 Wiederholungen pro Seite zu machen.

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87 Kommentare
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Biggi
1 Jahr zuvor

Hallo Anne, vielen Dank für Deinen lieben Kommentar – er hat mich richtig aufgebaut. Mein LuFa meinte ja, ich hätte eine riesige Entzündung, die müssten wir bekämpfen, dann ging es mir besser. Und meine Hausärztin sagte, dass sich mein Stoffwechsel erst einmal sortieren müsste. Bei meinem nächsten LuFa-Termin werde ich Onkel Doc mal auf eine Reha ansprechen.
Lieben Gruß, Biggi

Anne
1 Jahr zuvor

Hallo Biggi, Deine Verzweiflung kann ich gut verstehen. Ich war in der gleichen Situation wie Du. Im Dezember 2011 hab ich aufgehört mit dem Rauchen. Ab März 2012 fingen bei mir die Probleme an. Ich hatte eine Lungenentzündung nach der anderen. Wie bei Dir gab es Kortison oder Antibiotika. Mein Arzt sagte damals auch, das hängt mit der Umstellung des Stoffwechsels zusammen. Dazu kam meine Angst vor dieser Krankheit. Ich bekam dann eine Reha genehmigt, bei der ich sehr viel über COPD + Lungenemphysem gelernt habe und man mir meine Angst nehmen konnte. Die Medikamente wurden noch einmal umgestellt und seither geht es mir gut. Je mehr ich über diese Krankheit weiß, umso besser kann ich damit umgehen. Ich habe COPD III.
Alles Gute und immer viel Luft für Alle
Anne

Biggi
1 Jahr zuvor

Hallo Ursel,
Danke für Deine lieben Worte, sie haben mir Mut gemacht. Ich kann nicht direkt sagen, dass sich mein LuFa nicht kümmert, er meint halt, dass meine jetzigen starken Beschwerden mit einer Entzündung zusammenhängen, die bekämpft werden muss (daher das Kortison) und dass es mir dann wieder viel besser gehen würde. Und so ähnlich meint meine Hausärztin auch. Sie meinte noch, dass dies mit dem Rauchstopp zusammenhinge, mit Stoffwechsel usw. Ich habe mir aber gedacht, dass ich mir die nächsten Tage mal ein Notfallköfferchen packe und wenn es nicht besser wird, gehe ich in die Notfallambulanz in einem hiesigen Krankenhaus.
Für mich wäre halt noch interessant zu wissen, ob hier noch jemand im Forum ist, der die gleichen Probleme nach Rauchstopp hatte.
Lieben Gruß, Biggi

Ursel
1 Jahr zuvor

Guten Morgen Biggi,

ich erhielt meine Diagnose vor 5 Jahren. Sehr unempathischer Lufa gewesen, Aufklärung gleich null, infauste Prognose, Zukunftsaussichten mäßig. Unterstützung vom HA ebenfalls Fehlanzeige. Konnte und wollte es so nicht hinnehmen oder mich damit abfinden. Habe dann einen Termin in einer Uniklinik zur Einholung einer Zweitmeinung organisiert. Ohne Einweisung oder Überweisung, habe mich selbst darum gekümmert und dort direkt meine Krankenkassenkarte vorgelegt. (Mein damaliger Lufa und mein HA verweigerten mir seinerzeit auch eine entsprechende Überweisung.) Hat problemlos funktioniert. Wurde dort sehr gut betreut, komplett neu eingestellt, Medikamentenwechsel, etc..
Heute habe ich so gut wie keine Einschränkungen mehr. Von der anfangs gestellten Diagnose COPD III hat sich mein Stadium bei einer II bis I eingependelt. Ich bin der festen Überzeugung, hätte ich die Behandlung vor fünf Jahren einfach so hingenommen, sähe es heute wesentlich schlechter bei mir aus. Mir ging es damals richtig mies, inkl. Zukunftsängste bis zur End-of-Life Stimmung. Alles nicht eingetroffen. Was ich damit sagen möchte ist einfach nicht aufgeben und notfalls auf eine EW bzw. ÜW bestehen oder eben selbst organisieren – es geht! Viel Erfolg und gute Besserung.
VG Ursel

Biggi
1 Jahr zuvor

Hallo Christoph, Deine Medikamente haben scheinbar die gleichen Wirkungen wie mein Brimica und mein Berotec. Meine beiden Ärzte, LuFa und Hausärztin, meinen, es hängt mit dem Rauchstopp zusammen. Seit dem Cortison habe ich nur Atemnot beim Laufen oder körperlicher Anstrengung oder Treppensteigen. Aber wenn ich in Ruhe Atemnot bekäme, ginge ich eh in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Habe gelesen an Deinem Gruß, dass Du im gesunden Norden lebst. Super, das hilft Dir sicherlich auch enorm. Ich lebe in der Rheinebene und hier ist nicht die beste Luft. Wenn wir im Norden Urlaub machen, geht es mir nach ein paar Tagen immer besser – lach. Ich werde meinen Doc eh mal ansprechen auf eine Reha, bin gespannt, was er meint.
Gruß, Biggi

Christoph Pfaffenhoff
1 Jahr zuvor

Moin Biggie, ich habe in 02.2016 mit dem Rauchen aufgehört und COPD wurde bei mir genau 1 Jahr später festgestellt. Du brauchst vom Lungenfacharzt keine Einweisung, das kann auch der Hausarzt. Ich nehme alle 12 Stunden 2 Hub Foster und 1 mal Abends Braltus, auch Spiriva oder Srivasso genannt. Wenn Du Atemnot hast, in die Notaufnahme. Ich würde 2017 mit RTW und NEF eingeliefert., ausgelöst durch Japanisches Heilöl. Gute Besserung.

Biggi
1 Jahr zuvor

Hallo Christoph, danke für Deine Antwort. Mein LuFa müsste mir da eine Einweisung schreiben, macht er aber nicht, weil er der Meinung ist, die Bronchien sind entzündet und diese Entzündung muss eben bekämpft werden, danach ginge es mir besser. Die genannten Medikamente nehme ich schon drei Jahre und bin ganz gut damit zurechtgekommen. Meine Verschlechterung muss mit dem Rauchstopp zusammenhängen, weil es mir ja die ersten Tage ganz gut ging. Meine Hausärztin meinte, das wäre bei vielen zunächst so nach Rauchstopp. Darum wollte ich wissen, welche Erfahrungen ihr damals damit hattet.
Gruß, Biggi

Christoph Pfaffenhoff
1 Jahr zuvor

Hallo Biggie, Du solltest Dich ins Krankenhaus begeben und Dich auf die richtigen Medikamente einstellen lassen, so blöd das ist. Und danach am besten noch eine REHA. Gruß und gute Besserung
Christoph

Biggi
1 Jahr zuvor

Hallo liebe Leute,
bin neu hier und habe im Moment ein dickes Problem. Ich habe COPD, habe es endlich geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören (vor 37 Tagen), und 3 Tage nach Rauchstopp fing es an, mir viel schlechter zu gehen, ich bekam keine Luft mehr. War bei Hausärztin und Lungenfacharzt, bekam Kortison für 10 Tage, da ging es mir besser, Kortison weg und drei Tage später hatte ich noch mehr Probleme. Nehme jetzt seit 9 Tagen wieder Kortison und dieses Mal länger, aber ich habe das Gefühl, da wird überhaupt nichts besser. Gegen die Verschleimung inhaliere ich. Bisher bin ich mi8t Brimica und 1 x am Tag mit einem Hub Berotec ausgekommen, jetzt bräuchte ich viel mehr. Ist aber wirklich so schlimm geworden nach Rauchstopp. Meine Frage an Euch: wie war es bei Euch die ersten Wochen nach Rauchstopp? Würde mich freuen, wenn ich von Euren Erfahrungen lesen könnte. Dank!
Gruß, Biggi

Monika Eggers
1 Jahr zuvor

Hallo Andrea,
das Toilettenproblem rückt bei mir auch näher. Habe COPD 4 mit Emphysem. Ich habe das Gefühl das man die ganze Kraft und Konzentration auf die Atmung konzentriert.
Mache seit einiger Zeit zwischendurch immer einige Übungen für den Beckenboden.
Man kann auch einfache Übungen anwenden. Im sitzen,stehen oder liegen einfach becken während 2-3 atemzügen anspannen und wieder locker lassen. Das einfach immer mal so zwischendurch. Vielleicht hilft’s.
LG Monika

leichter-atmen Team
1 Jahr zuvor

Lieber Hans-Jürgen,

gegen Auswurf gibt es eine Reihe von Therapien und Mitteln. Das fängt bei der richtigen Hustentechnik an. In diesem Beitrag erfährst du mehr: https://www.leichter-atmen.de/abhusten-von-schleim

Hans-Jürgen Wurm
1 Jahr zuvor

Was kann man tun um den Auswurf zu behandeln, oder für immer zu heilen?

Christoph Pfaffenhoff
1 Jahr zuvor

Richtigstellung meiner Medikation : Nicht 2 mal am Tag Spiriva, Foster natürlich – Morgens und Abends je 2 Hub.

Hannelore Vetter
1 Jahr zuvor

Hallo, Bronchien sind ständig entzündet.Da ich unter Stress stehe fällt mir das Rauchen aufhören sehr schwer.
Es ist wahrscheinlich das ich auch unter COPD leide. Da ich Angst habe irgendwann zu ersticken will ich es irgendwie schaffen mit dem Rauchen aufzuhören.

M. Meichßner
1 Jahr zuvor

Hallo!
Zum Beitrag „Maskenpflicht für alle?“.
Das Mund-Nasen-Bedeckungen (Masken) nicht mit einen Widerstand beim Atmen verbunden sind kann ich nicht nachvollziehen!
Meine Erfahrungen, die meiner Reha-Lungen-Sport Gruppe und diverser anderer
Mitmenschen ohne Atemerkrankungen zeigen das es sehr wohl einen Atemwegswiderstand gibt!
Schwierigkeiten lediglich auf psyschiche Faktoren zurück zuführen finde ich doch
sehr gewagt.
Gruß M. Meichßner

Christoph Pfaffenhoff
1 Jahr zuvor

Hallo zusammen, ich habe 2017 mit 53 COPD diagnostiert bekommen. Rauchen hatte ich schon vor 4 Jahren aufgehört.
Ich mache täglich meine Flutter Übungen und nehme konsequent, immer zur selben Zeit Spiriva ( Morgens und Abends je 2 Hub) und Abends Braltus. Ich bin nachwievor Berufstätig, anderer Arbeitsplatz, gehe mit meinem Hund spazieren, fahre Rad und Nordic Working. Man muss ständig an sich arbeiten, die Parameter täglich überprüfen und notieren ( Lufu, 1 Sek. Test, Sauerstoffsättigung). Impfen lassen, jährlich auch gegen Pneumokokken, Rehas machen so oft es geht. Meine 1. Sek. Test liegt zwischen 70 u 73. Grüße von der Weser.

Gerdc Renz
1 Jahr zuvor

Guten Tag
Ich habe COPD 3-4

Wieweit spielt Übergewicht bei der COPD eine Rolle.

Hat jemannd erfahrungen nachdem das Gewicht stark redutiert wurde?
Ist der Zustand danach deutlich besser?

Grünewald, Christiane
1 Jahr zuvor

Hallo Rainer. Beim Treppen steigen die Atemtechnik mit der Lippenbremse einsetzen. Durch die Nase tief einatmen und dann ein paar Stufen hoch aber dabei mit der Lippenbremse ausatmen. Stehen bleiben und das alles wiederholen bis du oben angekommen bist. Diese Atmung setze ich sehr oft ein z.b.bei Witterungswechsel,da habe ich auch Probleme trotz Sauerstoff.
Alles gute

Petra Ratey
1 Jahr zuvor

Auch bei mir ist es wie bei Andrea .kaum noch belastbar ..im sitzen ist alles gut ..aber wohlwissend das es sich dadurch noch mehr verschlechtert ..Es ist ein grausames Gefühl innerlich zu ersticken und diese Angst lässt einem nicht mehr klar denken überhaupt wenn man alleine ist

Gottschall Andrea
1 Jahr zuvor

Guten Tag, Ich habe COPD.
Ich mache Atemübungen und habe auch einen Inhalator, welchen ich mit Kochsalz und bei bedarf mit Berodual anwende. Ich bin aber kaum noch belastbar, die kleinste Anstrengung macht mir schon sehr zu schaffen, ganz schlimm finde ich, das ich bei Atemnot sofort zur Toilette muss, danach geht es wieder, ist das normal?
Danke im Voraus für Ihre Antwort
Liebe Grüße A.Gottschall

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