Juttas Blog

Hier bloggt COPD-Patientin und Lungentrainerin Jutta. Ihr Leben von der Diagnose COPD bis hin zur Lungentrainerin ist voller praktischer Erfahrungen, die sie im Blog mit uns teilen möchte.

Wie die COPD uns verändert

Eine COPD-Erkrankung verändert uns und die Beziehungen zu den Menschen in unserem Umfeld. Wie wir damit umgehen, ist für den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend.

Für jeden von uns stellt eine COPD-Erkrankung einen einschneidenden Moment im Leben dar: Neue Belastungen treten auf den Plan und bewirken Veränderungen auf allen Ebenen.

Davon bleibt auch die Beziehung zu Partner und Freunden nicht unberührt:

  • Gemeinsame Pläne werden unter Umständen erstmal über den Haufen geworfen.
  • Manche Hobbies, Ausflüge und Reisen sind plötzlich nicht mehr so einfach möglich oder erfordern mehr Planung und Rücksichtnahme.
  • Auch Stimmungsschwankungen, die angesichts der neuen Beschränkungen auftreten, können unsere Beziehungen belasten.

Auf diese veränderte Situationen gibt es auf Seiten von Partnern und Freunden unterschiedliche Reaktionen: Viele reagieren äußerst rücksichts- und verständnisvoll, manche mit Hang zur Übervorsorge. Andere reagieren eher enttäuscht und stellen die Beschwerden insgesamt in Frage („Stell dich nicht so an, dir geht es doch gut!“).

Zwei Patiententypen und ihr Umgang mit der COPD

Wie man als Betroffener mit all diesen Veränderungen umgeht, ist bei jedem von uns sehr verschieden. Immer wieder beobachte ich zwei grundsätzlich unterschiedliche Reaktionen:

  1. Der eher passiv verschlossene Patiententyp redet nicht gern über seine Beschwerden und Ängste. Er trauert früheren Möglichkeiten nach und ist im Hinblick auf die Behandlungschancen eher pessimistisch. Auf Hilfsangebote reagiert er ablehnend. Treten Konflikte mit Partner und Freunden auf, zieht er sich vorzugsweise zurück.
  2. Auf der anderen Seite gibt es den offenen proaktiven Patiententyp, der schnell lernt, die Erkrankung und die damit verbundenen Grenzen zu akzeptieren. Er nimmt die Herausforderungen an und erkennt Möglichkeiten, sein Leben zu verbessern. Gegenüber Partnern und Freunden geht er offen mit seinen Schwächen und der Erkrankung um. Auftretenden Konflikten begegnet er konstruktiv und kompromissbereit.

Natürlich handelt es sich hier um eine sehr pauschale Einteilung. Niemand lässt sich eindeutig einer dieser Kategorien zuordnen. Und noch viel wichtiger: Niemand ist auf einen bestimmten Typus festgelegt!

4 Tipps zur Krankheitsbewältigung

Eine Erkrankung ist – wie ganz allgemein das Älterwerden – ein Prozess, den wir resignativ geschehen lassen, aber auch selbst aktiv beeinflussen können. Entscheidend ist die Entwicklung einer inneren Haltung, mit der wir Widerständen begegnen.

Dabei helfen die folgenden Tipps:

    1. Offen bleiben

      Auch wenn es schwer ist, die eigenen Schwächen zuzugeben: Sprecht offen und ehrlich mit Partner und Freunden über eure Sorgen und Nöte. Rücksichtnahme können wir nur erwarten, wenn wir bereit sind, über unsere Gefühle zu sprechen. Haltet an Freundschaften fest und werbt um Verständnis, wenn ihr mal nicht an einem geplanten Ausflug teilnehmen könnt. Auch die anderen müssen erstmal verstehen, was eine Erkrankung wie die COPD bedeutet.
    2. Neue Wege suchen

      Gleichzeitig ist es wichtig, alternative Beschäftigungen und neue Bekanntschaften zu suchen: Wer nicht mehr lange Wanderungen unternehmen kann, macht einen täglichen Spaziergang. Je nach Neigung lassen sich auch weniger anstrengende Hobbies finden, die Freude machen: Schachspielen, Stricken, Kochen, Lesen, um nur einige zu nennen. Wer aktiv bleibt, dem fällt es leichter, sich an den vorhandenen Möglichkeiten zu erfreuen, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was nicht mehr möglich ist.
    3. Mit anderen Betroffenen austauschen

      Der Erfahrungsaustausch spielt eine besondere Rolle bei der Krankheitsbewältigung: In Selbsthilfe- oder Lungensportgruppen findet man Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und viel Verständnis für die Erkrankung. Nicht zuletzt erhält man durch die gesammelten Erfahrungen anderer Betroffener viele wertvolle Informationen, die es in dieser Form nur hier gibt.
    4. Hilfe annehmen

      Partner und Freunde, die uns ermutigen, aktiv zu bleiben und die erkrankungsbedingten Widerstände zu überwinden, sind goldwert. Auf ihre Angebote sollten wir aufgeschlossen reagieren und sie nicht aus falschem Stolz zurückweisen.

      Im Falle einer tiefer liegenden Depression ist auch professionelle Hilfe bedenkenswert, um Mittel und Wege aus einem Tief zu finden. Wer also feststellt, dass er alleine nicht aus einem seelischen Tief herausfindet, sollte sich seinem Hausarzt anvertrauen.

Schritt für Schritt zu einem lebenswerten Alltag

Na klar: Jeder braucht Zeit, um mit der Situation klarzukommen und neuen Mut zu schöpfen. Dass man bei aller Herausforderung auch mal den Kopf hängen lässt, ist bei einer chronischen Erkrankung sicherlich nicht weiter verwunderlich.

Doch der schrittweise Rückzug vom Leben ist der falsche Weg!

In jedem von uns steckt die Möglichkeit, sich zu ändern und Schritt für Schritt zu lernen, eine chronische Lungenkrankheit zu bewältigen. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wer es schafft, den Schalter umzulegen, macht den ersten Schritt auf dem Weg zu einem lebenswerten Alltag!

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Kommentare:

Kommentar von Andrée Zeimes |

Guten Tag,

ich bin Luxemburgerin und lebe auch in Luxemburg.

In meinem Land gibt es keine Lungensportgruppe, nicht eine einzige.

Bei einem Kinesytherapeuten habe ich richtig atmen gelernt, bezahlt habe ich selbst, keine Krankenkasse uebernimmt das. Das richtige Atmen hilft mir gut. Ansonsten lese ich Jutta's Block.

Wenn ich mit jemanden ueber meine Krankheit sprechen will, werde ich abgeblockt. In den Augen meiner Bekannten und meiner Familie bin ich stark und basta. Mein Mann hilft mir ueberhaupt nicht bei schwereren Arbeiten. Ich fuehle mich total allein gelassen und verloren.

Die Lungenaerzte hier im Land nehmen sich 15 Minuten Zeit pro Patient, mehr ist nicht drin, da es nicht genug Lungenaerzte gibt.

Ich waere sehr froh ueber die Adresse eines guten Lungenarztes in der Naehe von Luxemburg, der etwas mehr Zeit hat um meine Fragen zu beantworten. Seit man die Krankheit bei mir diagnostiziert hat, sitze ich in einem tiefen Loch. Ich nehme Antidepressiva, das hilft ein bisschen. Aber es gibt Tage, so wie heute, da kann ich einfach nicht mehr.

Ich bin mir voll bewusst, dass ich hier nur geklagt habe, aber irgendwie muss das einmal raus.

Kommentar von Brigitte |

Bei der vorletzten Untersuchung hatte ich nur 21% Lungenvolumen.
Das hatte mein Arzt mir aber nicht gesagt. Er meinte nur, es hätte sich
etwas verschlechtert. Nach drei Monaten, die ich mit singen und dem neuen
Atemtherapiegerät verbracht habe bin ich nun 11% weiter. Das gibt doch Mut.
Dafür singt man doch gerne täglich eine halbe Stunde und dreimal mit dem
Atemtherapiegerät.

Allen die hier lesen wünsche ich eine schöne Adventszeit und frohe Weihnachten.

Kommentar von Martin Tiemann |

Nachdem ich realisiert hatte, dass ich ernsthaft und dauerhaft erkrankt war und auch weiterhin seien werde, bin ich erst einmal in ein Loch gefallen. Ich habe dann zuerst mit dem Rauchen aufgehört, eine Zeit lang noch ein bisschen gedampft und dann war ich plötzlich ohne Entzugserscheinungen clean, weg von der Droge Tabak. Dann habe ich Gewichtsmäßig gut zugelegt mit einer entsprechenden negativen Auswirkung auf mein Wohlbefinden. Nun reiße ich mich am Riemen und nehme wieder ab. Die Bewegungen fallen mir nun wieder leichter, es geht wieder aufwärts, langsam aber stetig. Dass ich nun 58 Jahre alt bin, COPD habe und mit jüngeren nun nicht mehr mithalten kann ist eine Lehre die ich gezogen und akzeptiert habe. Aber es hätte auch alles viel schlimmer kommen können. denn schlimmer geht immer.

Kommentar von Heidi Krayer |

Hallo Gabi,
deine Mitteilung das du dich immer mehr einigelst, hat mich schockiert.
Ich hab eine sehr schwere COPD und lernen müssen damit umzugehen. Der größte Fehler ist sich zurück zu ziehen. Anstatt aufzugeben solltest du lernen wie man der Atemnot entgegentritt, wie man die Lippenbremse benutzt, wie man Babyschritte beim Spazieren gehen macht, wie man lernt mit der Panik umzugehen. Wie man sich durchsetzt um ein mobiles Atemgerät bekommt. Deine Katzen würden sich freuen.
Gruß Heidi p.s. Ich hab auch 2 Katzen und ein Hund zum Gassi gehen...

Kommentar von gladbach |

Sehr hilfreich für mich ist, Mundharmonika zu blasen


Das ständige Ein- und Ausatmen ermöglicht kurz danach eine Absonderung von zähem Schleim.

Kommentar von Klaus-Dieter Sucherdoll |

Mir geht es ähnlich wie Gaby,nur das zusätzlich noch ein Herzinfarkt bei mir war.
Zur Lungensportgruppe gehe ich auch nicht mehr.Eine Reha lohnt sich auch nicht mehr,wurde mir im Krankenhaus gesagt. Was soll ich machen?

Kommentar von Gaby Dakmak |

Liebe COPDler,
ich kann es komplett nachvollziehen.
Ich ziehe mich immer mehr zurück,habe Angst vor körperlicher Betätigung und finde immer neue Ausreden nur um die Wohnung nicht zu verlassen. Ich steiger mich so stark darein das ich schlecht Luft bekomme und Panikattacken bekomme. Zum Glück habe ich noch meine Katzen
Liebe Grüsse
Gaby

Kommentar von Irene |

Liebe COPDler,

ich finde die Tipps von Jutta sehr ermutigend. Ich kann bestätigen dass je nach Tagesform unterschiedliche Befindlichkeiten vorherrschen. Wichtig ist auch für mich unter Menschen zu gehen und Angebote wahrzunehmen. Ich gehe sehr gerne zur Lungensportgruppe die sehr motivierend und positiv beeinflußt. Auch die Erkenntnis das es manchen sehr viel schlechter geht und ich dankbar bin noch vieles erleben zu können.
Mir wurden im Frühjahr Ventile eingesetzt die ich leider nicht vertragen habe und 2 mal einen Pneumothorax verursachten. Umsomehr schätze ich heute mein Leben.
Ich habe geheiratet, Reisen gebucht, sind in meine Traumwohnung umgezogen und
heute liebe und lebe ich jeden Tag, auch wenn mich negative Gedanken beschleichen..
Gebt nicht auf , und lebt eure Möglichkeiten
Liebe Grüße
Irene

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