
Angst vor Belastung entgegenwirken
Lungensport ist eine entscheidende Therapieoption im Rahmen der nicht-medikamentösen Behandlung von Lungenpatienten. Jede Übungseinheit ist speziell auf die unterschiedlichen Belastbarkeiten und möglichen Begleiterkrankungen (wie z.B. Diabetes, Osteoporose, psychische Erkrankungen, Herzerkrankungen etc.) des Einzelnen abgestimmt. Benötigte Hilfsmittel, wie z.B. Sauerstoffgerät, Rollator, Trolley etc., stellen kein Hindernis für ein Training dar, vielmehr werden sie bei den Übungseinheiten berücksichtigt und deren Handhabung eingebunden, um mehr Sicherheit zu erlangen.
Entsprechend geschulte Übungsleiter holen jeden Teilnehmer bei seiner individuellen Leistungsfähigkeit ab. So kann sowohl einer Unterforderung und daraus resultierenden Lustlosigkeit als auch einer Überforderung/Überlastung mit Atemnot und daraus resultierenden Angst vor Belastung entgegengewirkt werden.
Lungensport ist kein Leistungssport, sondern ein dosiertes und angepasstes Training für Atemwegs- und Lungenpatienten, das sich aus den Elementen Muskelaufbau, Ausdauer- und Alltagstraining zusammensetzt.
Bewältigung des Alltags verbessern
Durch die Teilnahme am Lungensport wird die individuelle körperliche Leistungsfähigkeit verbessert. Die körperliche Leistungsfähigkeit wiederum hilft bei der selbstständigen Bewältigung des Alltags und trägt zum Erhalt der eigenen Mobilität bei. Vom Erhalt der Selbstständigkeit profitiert auch das persönliche Selbstwertgefühl.
Im Verlauf einer chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankung, wie z.B. COPD, Lungenemphysem, werden Bewegungen, Aktivitäten, Tätigkeiten, die früher völlig automatisch, ohne nachzudenken ausgeführt werden konnten, mehr und mehr zum Problem. Jede Form von körperlicher Aktivität fällt schwerer und führt nicht selten zu Atemnot und zur Erschöpfung. Vermeidungsstrategien werden daher als Lösung angesehen. Doch Bewegungsvermeidung verstärkt die Problematik nochmals deutlich und verschlechtert die Leistungsfähigkeit zunehmend.
Lungensport – und ebenso jegliche Form von körperlicher Aktivität – trägt zum Erhalt der eigenen Mobilität bei, der Grundlage, um die täglichen Anforderungen des Alltags bestmöglich meistern zu können.
Mit realistischen Zielen in eine Bewegungsroutine
Realistische Vorgaben der Trainingsziele, die immer wieder modifiziert werden müssen, haben einen hohen Stellenwert beim Lungensport. Denn erreichbare Ziele tragen maßgeblich zur erforderlichen Trainingskonstanz bei. Auch die Integration und Umsetzbarkeit in den Alltag unter Berücksichtigung der Lebenssituation des Einzelnen muss gewährleistet sein.
Im Rahmen der Trainingssteuerung bedeutet dies eine Erhebung der Schwierigkeiten und Probleme des einzelnen Patienten in seinem täglichen Alltag. Eine besondere Herausforderung für die Übungsleiterinnen und Übungsleiter im Rehabilitationssport, zumal auch persönliche Vorstellungen und Erwartungen einzubeziehen sind.

Anhand eines individuell ausgerichteten Trainingsplans werden krankheitsbedingt erschwerte Bewegungsabläufe „geübt“. Bestimmte Bewegungen können angepasst und in einzelne Bewegungssegmente aufgeteilt und mit der Atmung kombiniert werden. Dabei gilt es das anfängliche Bewegungstempo der einzelnen Übung langsam zu steigern bzw. deren Belastungsdauer zu verlängern.
Schulung und Automatisierung der Atemtechnik
Die Grundlage für ein eff ektives Training bildet zunächst eine ausführliche Schulung und Automatisierung der Atemtechnik „dosierte Lippenbremse“ – durch stetiges Wiederholen.
Mit dem Einsatz der dosierten Lippenbremse kann die körperliche Leistungsfähigkeit im Alltag nicht nur erleichtert, sondern sogar erhöht werden.
Ergänzt wird die Lippenbremse durch das Erlernen von situationsangepassten atemerleichternden Körperpositionen (z.B. Kutschersitz, Torwartstellung, Wandstütz, Treppenstütz etc.) und der damit verbundenen Entlastung der Atem(hilfs)muskulatur.
Durch den korrekten Einsatz der atemerleichternden Stellung erfolgt eine Gewichtsentlastung des Brustkorbs (je nach Statur ca. 5-8 Kilogramm) sowie einer damit verbundenen Entlastung der Atem(hilfs)muskulatur.
Aktivitäten des Alltags als Trainingsinhalt
Für die Lungensport Trainingsinhalte sind ADL-Aspekte bestens geeignet. Als ADL werden abgekürzt die Aktivitäten des täglichen Lebens bezeichnet. Werden zunehmend die täglichen und auch häuslichen Aktivitäten, wie z.B. Hausputz, Schuhe binden, Anziehen, Treppensteigen etc. schwerer, können diese Abläufe als simulierte Trainingselemente beispielsweise im Rahmen eines ADL-Zirkels trainiert werden. Allerdings nicht mit dem Ziel, eine möglichst große Anzahl an Wiederholungen zu erreichen, sondern vielmehr eine vorgegebene Zeitdauer ohne Atemnot und ohne Ermüdungserscheinungen zu ermöglichen – auch unter Zuhilfenahme der atemerleichternden Positionen.
Tipps für die Lungensportverordnung
- Durch die Zuhilfenahme von Alltagsgegenständen bzw. adäquaten Trainingsgeräten während des Lungensports kann der erforderliche Transfer der Übungen in den Alltag gelingen. Denn einmal pro Woche Lungensport reicht als Training leider nicht aus.
- Eine regelmäßige Teilnahme bietet die Chance auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu bleiben.
- Um dem Teufelskreis der Reduzierung der körperlichen Leistungsfähigkeit zu entkommen, ist ein konsequentes Training an der Belastungsgrenze erforderlich. Um negative Erfahrungen zu vermeiden, ist der Übungsleiter als „Sicherheitsrahmenbedingung“ wichtig, um eine Überforderung zu vermeiden.
- Die psychische Komponente des „Gruppenzwangs“ spornt zu konsequenter Teilnahme an, d.h. das gruppendynamische Konstrukt einer Lungensportgruppe unterstützt, um auch in belasteteren Phasen am Trainingsziel weiter dranzubleiben.
- Der Austausch unter den Betroff enen ist eine wichtige Komponente zur Motivationssteigerung.
- Erforderliche Auffrischungen von Schulungselemente (wie z.B. Sekretmobilisation, Hilfsmittelanwendung zur Sekretolyse, Notfallverhalten etc.) im Lungensport, um die eigene Erkrankung auch bei sich verändernden Krankheitssymptomen und Begleiterkrankungen selbstständig managen zu können.
- Im Falle eines erforderlichen Widerspruchs, diesen immer in den eigenen Worten formulieren, keine Muster-Standardschreiben verwenden.
- Niemals den Begriff Lungensport-Verlängerung, sondern die Bezeichnung Weiter- oder Neuverordnung verwenden.
Mehr Bewegung für weniger Atemnot und mehr Mobilität
Nutzen Sie jede Möglichkeit im Alltag zu trainieren. Jedes Alltagsgerät eignet sich zum Training, der eigenen Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Jede Minute, jeder Schritt, jede Treppenstufe ist wichtig für Ihre Lebensqualität, Ihre Mobilität und Ihre soziale Teilhabe. Realistische, erreichbare Ziele helfen, den inneren Schweinehund zu reduzieren. Auch die tägliche Dokumentation z.B. mit einem Aktivitätenprotokoll ist hilfreich zur Sichtbarwerdung und Motivation des Erreichten.
Quellen:
– Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der Zeitschrift Atemwege & Lunge eine Patientenbibliothek. Unsere Redaktion hat den Text für die Veröffentlichung aufbereitet.
– Patientenzeitschrift COPD in Deutschland (Patienten-Bibliothek), Ausgabe 3 | 2025






0 Kommentare