Verbesserung der Zwerchfellpositionierung bei Überblähung

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Hintergründe

Bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen wie der COPD kommt es zu Verengungen der Atemwege. Dadurch kann die eingeatmete Luft häufig nicht vollständig wieder ausgeatmet werden. Nach dem Ausatmen bleibt also zu viel Luft in der Lunge zurück. Diese Folge nennt man Überblähung.

Viele Patient:innen haben subjektiv das Gefühl, nicht ausreichend einatmen oder nicht richtig durchatmen zu können. Das ist gut nachvollziehbar, da zu viel Luft in der Lunge „gefangen“ bleibt und dadurch weniger Platz für frische, sauerstoffreiche Luft zur Verfügung steht.

Wie stark die Überblähung ausgeprägt ist, hängt vom Ausmaß der Verengung der Atemwege ab. Aber auch die angewendeten Atemtechniken – vor allem bei körperlicher Anstrengung – spielen eine wichtige Rolle. Bei einer fortgeschrittenen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung lässt sich die Überblähung meist nicht vollständig verhindern. Es ist jedoch möglich, ihr Ausmaß zu reduzieren und die Luftnot zu verbessern.

Eine ausführliche Erklärung und geeignete Atemtechniken finden Sie in meinem Artikel zum Thema PEP-Atmung. In diesem Artikel geht es um die Auswirkungen der Überblähung auf die Lage Ihres Zwerchfells.

Das Zwerchfell ist ein Muskel, der die Hauptarbeit bei der Einatmung leistet. In der Abbildung ist das Zwerchfell als rote Struktur unter der Lunge dargestellt. Es liegt wie eine nach oben gewölbte Kuppel zwischen Brusthöhle und Bauchhöhle. Auf der linken Seite sehen Sie die Ruheposition des Zwerchfells. Auf der rechten Seite der Abbildung erkennen Sie, wie sich der Muskel bei der Einatmung zusammenzieht und nach unten absenkt. Dadurch strömt Luft in die Lungen. Bei der Ausatmung entspannt sich der Muskel wieder und kehrt in seine Ruheposition zurück.

Menschliche Atmung: Schaubild Einatmung und Ausatmung

Kommt es zu einer Überblähung, wird das Zwerchfell dauerhaft nach unten in Richtung Einatemposition gedrückt. Es steht dann flacher als normalerweise und bleibt selbst während der Ausatmung eher in Einatemstelung. Vereinfacht gesagt: Es befindet sich dauerhaft in einer Position wie auf der rechten Seite der Abbildung und kehrt nicht mehr vollständig in seine Ruheposition zurück.

Wie stark dieser Effekt ausgeprägt ist, hängt vom Ausmaß der Überblähung ab. Die Folge ist, dass weniger Kapazität für die Einatmung zur Verfügung steht. Das Zwerchfell kann sich nur noch begrenzt weiter absenken, und am Ende der Ausatmung verbleibt zu viel Restluft in der Lunge. Das kann die Luftnot verstärken und die Kraft des Zwerchfells verringern.

Die gute Nachricht ist: Sie können selbst aktiv etwas für die Position Ihres Zwerchfells tun.

Mit den folgenden Übungen unterstützen Sie Ihr Zwerchfell dabei, wieder in eine günstigere Ausgangsposition zu kommen. Kombinieren Sie die Übungen und Körperpositionen immer mit der PEP-Atmung, also einer Ausatmung gegen einen leichten Widerstand. Das kann zum Beispiel die Lippenbremse oder das Ausatmen durch einen Strohhalm sein. Eine genaue praktische Anleitung zu diesen Techniken finden Sie im Artikel zur PEP-Atmung.

Unsere Autorin Anja Kornblum-Hautkappe zum Thema Atemphysiotherapie

Atemtechnik bei Luftnot: PEP-Atmung und dosierte Lippenbremse

Mithilfe bestimmter Atemtechniken können Sie der Atemnot effektiv entgegenwirken. Die wichtigste Atemtechnik, die sich hinter dem Kürzel "PEP" verbirgt, stelle ich Ihnen in diesem Beitrag vor. Weiterlesen

Übungen zur Verbesserung der Zwerchfellposition

Grundsätzlich kann bereits die Ausatmung gegen einen leichten Widerstand (PEP-Atmung) dabei helfen, das Zwerchfell wieder in eine günstigere Position zu bringen. Wenn es gelingt, die Überblähung zu reduzieren, kann sich das Zwerchfell leichter nach oben in Richtung seiner natürlichen Ruheposition bewegen.

Ausatmung gegen einen leichten Widerstand: Darstellung PEP Atmung

Führen Sie die folgenden Übungen daher möglichst immer in Kombination mit einer PEP-Atmung durch. Das bedeutet, dass Sie gegen einen leichten Widerstand ausatmen – zum Beispiel mit der Lippenbremse oder durch ein Stück Strohhalm. Diese Form der Ausatmung unterstützt die Entleerung der Lunge und erleichtert Ihrem Zwerchfell die Arbeit.

ÜBUNG 1

Rückenlage + Gewicht auf dem Bauch + PEP-Atmung

Liegende Frau demonstriert die PEP Atmung in Rückenlage

Ausgangsposition

Legen Sie sich – wenn möglich – flach auf den Rücken. Die Beine können Sie entweder anstellen oder ausstrecken, je nachdem, was für Sie bequemer ist.

Legen Sie ein etwa 2–5 kg schweres Gewicht mittig auf Ihren Bauch, ungefähr auf Höhe des Bauchnabels. Das können zum Beispiel Sandsäcke wie auf der Abbildung sein. Alternativ eignen sich auch Gewichtsscheiben, schwere Bücher oder andere Gegenstände, die flächig und stabil auf dem Bauch liegen bleiben.

Eine kostengünstige Möglichkeit ist Vogelsand aus dem Supermarkt oder der Drogerie. Dieser wird häufig in 2,5-kg-Beuteln angeboten. Wenn Ihnen das Gewicht zu schwer ist, können Sie einen Teil des Sands in einen Stoffbeutel umfüllen und so das Gewicht anpassen.

Übungsdurchführung

Atmen Sie ruhig durch die Nase zum Bauch ein. Dabei hebt sich das Gewicht leicht an – Ihr Zwerchfell arbeitet gegen einen sanften Widerstand und erhält so einen Trainingsreiz.

Atmen Sie anschließend langsam durch einen Strohhalm oder mit der Lippenbremse aus. Dabei sinkt das Gewicht wieder nach unten. Während der Ausatmung unterstützt das Gewicht Ihren Bauch dabei, sanft gegen das Zwerchfell zu drücken. So kann es sich besser nach oben in Richtung seiner Ruheposition bewegen.

Bleiben Sie mehrere Minuten in dieser Position liegen und atmen Sie ruhig und gleichmäßig weiter.

Tipps und Variationen

Wenn Sie nicht flach liegen können, weil sich Ihre Luftnot dadurch verschlechtert oder beispielsweise aufgrund einer Herzerkrankung, lagern Sie Ihren Oberkörper erhöht.

Probieren Sie aus, mit welchem Gewicht die Übung für Sie angenehm und gut durchführbar ist. Sie können mit einem geringeren Gewicht beginnen und dieses langsam steigern.

Wichtig: Die Übung soll entspannt sein und Ihnen das Atmen erleichtern. Wenn Sie eine deutliche Anstrengung oder sogar eine Zunahme der Luftnot bemerken, reduzieren Sie das Gewicht, erhöhen Sie Ihren Oberkörper stärker oder verändern Sie die Länge des Strohhalms.

Sollten sich Ihre Beschwerden dadurch nicht verbessern, brechen Sie die Übung ab und halten Sie – wenn möglich – Rücksprache mit Ihrer Physiotherapeutin oder Ihrem Physiotherapeuten.

Übung 2

Bauchlage auf Kissen + PEP-Atmung

Eine weitere Möglichkeit, die Position des Zwerchfells zu unterstützen, ist die Bauchlage auf einem kleinen Handtuch oder Kissen in Kombination mit der PEP-Atmung.

Ausgangsposition

Legen Sie sich – wenn möglich – flach auf den Bauch. Platzieren Sie ein gefaltetes Handtuch oder ein kleines Kissen mittig unter Ihrem Bauch.

Legen Sie den Kopf entspannt zur Seite oder auf die Stirn ab. Die Arme können Sie entweder neben dem Körper oder rechts und links neben dem Kopf ablegen – so, wie es für Sie angenehm ist.

Übungsdurchführung

Atmen Sie ruhig durch die Nase zum Bauch ein. Atmen Sie anschließend langsam und entspannt durch einen Strohhalm oder mit der Lippenbremse vollständig aus.

Die Schwerkraft sowie der sanfte Widerstand durch die Unterlage und das Handtuch bzw. Kissen unterstützen Ihr Zwerchfell dabei, sich während der Ausatmung wieder besser in Richtung seiner Ruheposition zu bewegen.

Versuchen Sie, mehrere Minuten in dieser Position zu bleiben und ruhig sowie gleichmäßig weiterzuatmen.

Tipps und Variationen

Wenn Sie nicht gut vollständig auf dem Bauch liegen können oder diese Position ungewohnt ist, beginnen Sie zunächst mit der halben Bauchlage. Dafür rollen Sie sich aus der Seitenlage nur etwa bis zur Hälfte in Richtung Bauchlage und bleiben in dieser Zwischenposition. Platzieren Sie ein Kissen nah vor Ihrem Bauch, an dem Sie sich abstützen können. Mit der Zeit können Sie versuchen, schrittweise in die vollständige Bauchlage zu wechseln.

Auch diese Übung soll sich ruhig und entlastend anfühlen und Ihnen das Atmen erleichtern. Wenn Sie während der Übung eine deutliche Anstrengung oder eine Zunahme der Luftnot bemerken, wechseln Sie in die halbe Bauchlage.

Sollte sich Ihre Atmung dadurch nicht verbessern, brechen Sie die Übung ab und führen Sie stattdessen die zuvor beschriebene Übung in Rückenlage durch.

Viel Freude beim Üben!

Ihre Anja Kornblum-Hautkappe

Anja Kornblum-Hautkappe

Über die Autorin

Anja Kornblum-Hautkappe

Physiotherapeutin und M.A. Erwachsenenbildung 

Anja Kornblum-Hautkappe ist Physiotherapeutin am Universitätsklinikum Essen und Dozentin an der Schule für Physiotherapie der Universitätsmedizin Essen. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen in der Inneren Medizin und der Pädiatrie. Außerdem ist sie als Referentin zu verschiedenen atemphysiotherapeutischen Themen in der AG Atemphysiotherapie im ZVK (Physio Deutschland) tätig. Darüber hinaus verfügt sie über einen Masterabschluss im Bereich Erwachsenenbildung. 

Quellen:
– Mayer, Anamaria Fleig, et al. “Effects of Acute Use of Pursed-Lips Breathing during Exercise in Patients with COPD: A Systematic Review and Meta-Analysis.” Physiotherapy, vol. 104, no. 1, Mar. 2018, pp. 9–17. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.1016/j.physio.2017.08.007.
– Steier, J., et al. “Kardiorespiratorische Effekte der Atmung mit Lippenbremse während des 6-Minuten-Gehtests bei Patienten mit schwerer COPD.” physioscience, vol. 4, no. 03, Sept. 2008, pp. 120–24. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.1055/s-2008-1027682.
– Weise, Sabine, et al. Empfehlungen Zur Atemphysiotherapie. 3. erweiterte Auflage, Dustri Verlag, 2019.
– Yamaguti, Wellington P., et al. “Diaphragmatic Breathing Training Program Improves Abdominal Motion During Natural Breathing in Patients With Chronic Obstructive Pulmonary Disease: A Randomized Controlled Trial.” Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, vol. 93, no. 4, Apr. 2012, pp. 571–77. DOI.org (Crossref), https://doi.org/10.1016/j.apmr.2011.11.026.

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