Forscher entwickeln künstliche Lunge

Wenn die Lunge von COPD-Patienten erschöpft ist, wird eine künstliche Beatmung notwendig. Ein neues Forschungsprojekt will Betroffenen mithilfe einer künstlichen Lunge eine bessere Lebensqualität und mehr Freiheiten verschaffen.

Röntgenbild Lunge

Luft und Bewegung – die vielleicht wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes, selbstbestimmtes Leben. Für viele Patienten mit COPD sind jedoch schon wenige Schritte eine große Herausforderung. Für einen Gang vor die Tür reicht ihre Luft kaum mehr aus. Wer zudem an ein stationäres Beatmungsgerät (Heimbeatmung) gebunden ist, begibt sich ungern in weite Entfernung.

Atemhilfe für schwerkranke COPD-Patienten

Besserung verspricht ein Lungenunterstützungssystem – auch künstliche Lunge genannt – das eine Forschergruppe um Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, leitender Oberarzt der Lungenklinik Köln Merheim, gerade entwickelt. Als künstliche Lunge werden Geräte bezeichnet, die den Gasaustausch für die Lunge übernehmen. Sie entziehen dem Blut Kohlendioxid und führen ihm frischen Sauerstoff zu.

Der größte Vorteil einer künstlichen Lunge gegenüber der Heimbeatmung: Es handelt sich um ein tragbares Gerät, das die Patienten direkt am Körper mit sich führen. “Daher sind dauerhafte künstliche Lungen ein Weg, um den Patienten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen”, wie es in einer Pressemitteilung der am Projekt beteiligten Universität Witte/Herdecke heißt.

Bislang gibt es allerdings noch kein solches Gerät, das sich für den dauerhaften Einsatz eignet. Die existierenden Systeme sind schwer bedienbar und gehen bei langfristigem Einsatz mit gesundheitlichen Risiken einher.

Wenn es nach den Forschern geht, wird sich das bald ändern. Das neue System soll die Risiken erheblich reduzieren und einen dauerhaften Einsatz ermöglichen. “Durch diesen Ansatz sollen Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität und Selbstbestimmung zurückgewinnen.” Das ehrgeizige Projekt wurde jüngst zu einem von zehn sogenannten Leuchtturmprojekten gewählt. Die ausgewählten Projekte erhalten erhebliche Fördermittel vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union.

Hintergrund: Heimbeatmung

Bei einer fortgeschrittenen COPD kommt die Lunge an ihre Grenzen. Verengte Bronchien, erschöpfte Atemmuskeln, aufgeblähte Lungenbläschen – all das kann dazu führen, dass die Lunge ihre Arbeit nicht mehr eigenständig verrichtet. Nach einem akuten Lungenversagen und einer intensivmedizinischen Behandlung sind die Betroffenen daher oft auf eine ständige Unterstützung der Lunge angewiesen – die sogenannte Heimbeatmung. Dabei wird den Patienten mithilfe eines Beatmungsgeräts Atemluft durch einen mechanisch erzeugten Über- oder Unterdruck zugeführt. Diese stationäre Beatmungstherapie hat den Nachteil, dass sie die Patienten gewissermaßen ans Bett fesselt und nicht während Belastungssituationen unterstützen kann.


Quellen:

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