Monika Tempel

Kopfsache

Bewältigungsstrategien für Lungenpatienten

Um die mutige und selbstbewusste Bewältigung von chronischen Lungenkrankheiten geht es in diesem Blog. Dazu motiviert die Ärztin Monika Tempel Patienten und Angehörige mit gesundheitsfördernden Methoden.

Die Menschen an meiner Seite

Niemand ist alleine krank. Das gilt auch für Menschen mit einer chronischen Lungenerkrankung. Bei der gemeinsamen Bewältigung greift ein Rädchen fast automatisch ins andere.

Kümmerer: Familie, Freunde und Kollegen als „Unterstützungs-Apparat“

Hoppla, das klingt so technisch! In der Tat läßt sich die wertvolle Unterstützung durch Familie und Freunde jedoch ganz treffend mit den Elementen einer gut funktionierenden Maschine vergleichen. Schauen wir uns diese Elemente – Bedienungsanleitung, Thermostat, Ventil – genauer an.

Familie und Freunde als „Bedienungsanleitung“

Wie eine brauchbare Bedienungsanleitung kommen Kümmerer im Laufe der Erkrankung immer wieder zum Einsatz, wenn es rumpelt und quietscht:

  • Sie besorgen Informationen und helfen verunsicherten Patienten, die COPD besser zu verstehen (zum Beispiel nach der Diagnose oder bei Verschlechterung).
  • Sie unterstützen bei den notwendigen Therapien (zum Beispiel ganz praktisch bei Inhalationen, Sauerstofftherapie oder Beatmungsmaske).
  • Sie begleiten zu Arztterminen, hören genau zu und „übersetzen“ die Fachausdrücke in die Sprache ihrer kranken Angehörigen.
  • Sie vermitteln bei Konflikten zwischen Patienten und Behandlern oder Pflegepersonal.
  • Sie deuten Warnsignale und handeln kompetent bei Krisen (zum Bespiel bei Exazerbationen und Notfällen).

Sie finden gewiß noch viele andere Einsätze, bei denen Freunde und Familie Ihnen wie eine „Bedienungsanleitung“ zum besseren Umgang mit der Krankheit verhelfen.

Kümmerer als „Gefühlsthermostat“

Leben mit COPD ist eine Herausforderung – und manchmal auch eine Überforderung. Dann nämlich, wenn die Bewältigungsfähigkeiten überschritten werden. Dann entsteht Streß.

Plötzlicher oder dauerhafter Streß wiederum löst emotionale Reaktionen aus, die das seelische Gleichgewicht gefährden. In diesen Situationen wirken Familie und Freunde als „Gefühlsthermostat“, indem sie Patienten dabei helfen, die streßauslösenden Gefühle wahrzunehmen, auszudrücken, zu regulieren und als Signale zu verstehen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Wenn Patienten ihre Krankheit verdrängen oder verleugnen, respektieren Kümmerer einerseits die Rückzugstendenzen, halten sich aber andererseits als verständnisvolle Zuhörer bereit. Sie geben nicht vor, was die Patienten tun oder fühlen sollten, sondern warten geduldig auf günstige Gelegenheiten für vorsichtige Konfrontationen mit der Wirklichkeit.
  • Wenn Patienten wütend sind, wissen Familie und Freunde, daß die Wut nicht auf sie gerichtet ist, sondern auf die Situation. Sie halten – eventuell für eine gewisse Zeit – Abstand, ohne den Patienten im Stich zu lassen.
  • Wenn Patienten sich schämen oder sich selbst im Zusammenhang mit der Krankheit beschuldigen, würdigen Kümmerer diese Gefühle. Sie weisen darauf hin, daß Vergangenes nicht ungeschehen gemacht werden kann – aber sie helfen dabei, Unerledigtes zu ordnen und die Gegenwart gesundheitsförderlich zu gestalten.
  • Wenn Patienten traurig sind, vermitteln Familie und Freunde eine realistische Einschätzung – ohne Bagatellisierung und ohne Katastrophendenken.
  • Wenn Patienten verwirrt sind, bleiben Kümmerer gelassen. Sie versichern dem Patienten, daß sie die schwierige Zeit gemeinsam mit ihm durchstehen werden.
  • Wenn Patienten ängstlich oder panisch sind, bleiben Familie und Freunde ruhig und erinnern den Patienten an seine „Notfallpläne“.

Ganz schön vielseitig – dieser „Gefühlsthermostat!“ Doch manchmal reicht selbst er nicht aus. Dann muß einfach „Dampf abgelassen“ werden.

Familie und Freunde als „Überlaufventil“

Es kann für Patienten befreiend sein, ab und zu die aufgestauten Emotionen in einem Ausbruch herauszulassen. Gelegentlich können Kümmerer durchaus einmal als „Überlaufventil“ herhalten. Falls sie jedoch mit allzu häufigen Gefühlsausbrüchen der kranken Angehörigen überfordert sind, sollte der Patient sich dafür einen sicheren Ort suchen – zum Beispiel einen Therapeuten, der professionell mit emotionalen Ausbrüchen umgehen kann.

Wichtig für Helfer: „Wartung“ und Wertschätzung

Damit Familie und Freunde ihre wertvolle Unterstützung für den Patienten auf Dauer leisten können, benötigen auch sie „Pflege“. Die regelmäßige „Wartung“ dient der Bestandsaufnahme. Hier klären Kümmerer ihre Themen, um weiter als Helfer wirken zu können – zum Bespiel:

  • Was ist mir wichtig? - persönliche Grenzen, Bedürfnisse, Werte, Ziele, Prioritäten
  • Wie sichere ich Stabilität? – Balance zwischen Akzeptieren und Verändern, Hingabe und Fürsorge, Strukturieren und flexibel Sein, Verantwortung übernehmen und abgeben
  • Wie gelingt das Helfen im Miteinander? – Kommunikation, Störungen im Miteinander, äußere Störfaktoren

Entscheidend für die gemeinsame Krankheitsbewältigung ist auch der Mut zum Austausch – zum Beispiel über:

  • den Krankheitsverlauf und die eigene Rolle als Helfer
  • veränderte Rollen und Aufgaben im Miteinander
  • Körper und Pflege, Nähe und Intimität
  • Veränderungen im Wesen und in der Persönlichkeit
  • Abschied und Verlust, die verbleibende gemeinsame Zeit

Zu guter Letzt: Bei einer so stark beanspruchten „Maschine“ darf man das "Schmieröl" nicht vergessen! Ein aufrichtiges, herzliches „Danke“ macht vieles leichter.

Merkzettel für die Kühlschranktür

Wofür Sie als Patient Ihrer Familie und Ihren Freunden im einzelnen danken möchten, können Sie auf dem  „Merkzettel für die Kühlschranktür“ zusammentragen. Ich bin sicher, Sie finden immer wieder neue Gründe …

  Dankzettel für meine Kümmerer (170,3 KB)

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Kommentare:

Kommentar von Fischer |

hier mit bestätige ich das sie mich über E-Mail benachrichtigen dürfen

Kommentar von Fischer |

ich lese ihre Artikel Regelmässig bei mir wurde COPD Stadium Gold IV (D)
bei heterozygotem Alpha-1 Antritrypsinmangel mit großbullösem Lungenemphysem
und Tracheomlazie es wurde lange rumgedoktert jetzt nehm ich oramorph 10mg/
5 ml oramorph nehme ich wenn ich schwer luft bekomme nach 3-5 Minuten geht es
einigermaßen danach noch 10 tropfen Atosil so Komme ich langsam über den Tag
Mit freundlichen Gruß Jürgen Ficher

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