
Mit COPD verbinden Betroffene und Behandler vor allem die AHA-Symptome Atemnot, Husten und Auswurf. An Schmerzen denkt kaum einer – obwohl etwa die Hälfte aller COPD-Patienten unter ihnen leidet. Höchste Zeit, dieses Problem genauer unter die Lupe zu nehmen.
COPD und Schmerzen
Wie häufig?
Üblicherweise werden COPD-Patienten im Praxis- und Klinikalltag nicht nach Schmerzen gefragt. Das ist erstaunlich, denn in den bekanntesten Studien zum Thema berichten 32 bis 82 Prozent der COPD-Patienten über mittlere oder sogar starke Schmerzen. Damit liegen sie gleichauf mit Herzkranken, die allerdings regelmäßig nach ihren Schmerzen gefragt werden.
Wo genau empfinden COPD-Patienten ihre Schmerzen?
Am häufigsten beschreiben sie Schmerzen im Brustbereich und im Rücken:
- Bei den Rückenschmerzen überwiegen offenbar die Schmerzen im unteren Rückenbereich gegenüber Schulter- und Nackenschmerzen. Eine nicht geringe Zahl von COPD-Patienten leidet unter Kopfschmerzen oder Schmerzen in den Beinen.
- Die Schmerzen im Brustbereich werden meist als drückender, einengender Schmerz beschrieben. Schmerzen mit anderen Lokalisationen sind eher ziehend oder brennend.
Wie intensiv sind die Schmerzen?
Auf die Frage nach der Schmerzintensität berichten COPD-Patienten von mittleren bis starken Schmerzen.
Dieser knappe Faktencheck macht bereits klar: Das Thema „Schmerzen bei COPD“ ist alles andere als leichte Kost. Doch der Mut zur Auseinandersetzung mit den Hintergründen wird belohnt…
Schmerzursachen bei COPD – ein noch ungelöstes Puzzle
In der Fachliteratur werden viele mögliche Ursachen für die Schmerzen bei COPD diskutiert. Weil an dieser Stelle der Umgang mit der Krankheit und der Alltag von COPD-Patienten im Vordergrund stehen sollen, konzentrieren wir uns auf die wichtigsten möglichen Schmerzursachen.

Ursachen für Schmerzen allgemein bei COPD:
- Systemische Entzündungsreaktion
- Psychische Belastung
Ursachen für Brustschmerzen bei COPD:
- Akute Exazerbation (Notfall)
- Pneumothorax (Notfall)
- Muskelschmerzen durch schweres Husten, Atemanstrengung
- Thoraxverformungen
- Reflux von Magensäure (GERD)
Ursachen für Rückenschmerzen bei COPD:
- Osteoporose
- Übergewicht
- Muskelschmerzen durch Atemanstrengung
Ursachen für Schulter- und Nackenschmerzen bei COPD:
- Muskelschmerzen durch vermehrte Beanspruchung der Atemhilfsmuskulatur
- Muskelverspannung durch Angst, Depression
Ursachen für Kopfschmerzen bei COPD:
- Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut)
- Spannungskopfschmerz durch Streß, Angst, Depression
Ursachen für Beinschmerzen bei COPD:
- „Unruhige Beine“ (Restless Legs Syndrome)
- Übergewicht
Einflussfaktoren: Geschlecht, Psyche und Lebensstil
Die meisten Studien zu Schmerzen bei COPD berichten folgende allgemeine Ergebnisse:
- Schmerzen sind bei COPD-Patientinnen häufiger und stärker als bei COPD-Patienten.
Erklärungsmodell: neuroimmunologische, hormonelle, genetische und psychische Faktoren - Schmerzen sind bei COPD-Patienten mit Angst oder Depression häufiger und stärker als bei Patienten ohne diese psychischen Störungen.
Erklärungsmodell: gemeinsame neuronale Verarbeitungswege von Angst, Atemnot und Schmerz - Schmerzen sind häufiger und stärker bei COPD-Patienten mit niedrigerem Einkommen, mit aktivem Raucherstatus, mit Bewegungsmangel.
Erklärungsmodell: Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Fakten, Rauchen und körperlicher Aktivität.
Das sind immerhin einige Erkenntnisse mit wichtigen Ansatzpunkten für die Praxis. Einzelheiten dazu finden Sie im praktischen Teil dieses Beitrages.
Wechselwirkungen mit typischen Krankheitsfaktoren
Welche Wechselwirkungen zeigen sich beim Thema Schmerzen und COPD? Auf diese Frage gibt es keine einfachen Antworten. Am ehesten wirken sich die folgenden Krankheitsfaktoren einer COPD ungünstig auf das Schmerzempfinden der Betroffenen aus – und umgekehrt:
- COPD-Symptome: Atemnot und Husten
- Psychische Faktoren: Angst und Depression
- Folgekrankheiten (v. a. Osteoporose)
- Nebenwirkungen von Medikamenten
- Lebensstil: Bewegungsmangel und Rauchen

Eine zentrale Bedeutung spielt offenbar der Faktor „Bewegung“. Wie Atemnot, so führen auch Schmerzen zu einem Teufelskreis aus Vermeidungsverhalten, Bewegungsmangel und Schmerzverstärkung.
Wie bei Atemnot, so helfen auch hier psychopneumologische Interventionen beim Ausstieg aus dem Teufelskreis. Im Grunde kann man an jeder Stelle aussteigen. Am besten gelingt das über Bereitschaft (Akzeptanz) – dosierte Belastung – Schmerzlinderung.
„Puzzle-Teile“ für den Umgang mit Schmerzen
Auf das ungelöste Puzzle der Schmerzursachen und das Geflecht der wechselseitigen Auswirkungen antwortet dieser Beitrag im praktischen Teil mit therapeutischen „Puzzle-Teilen“ (siehe unten: „Merkzettel für die Kühlschranktür“)!
Das erste Puzzle-Teil ist dabei das wichtigste: Sprechen Sie als COPD-Patient/in Ihre Behandler aktiv auf Ihre Schmerzen an, falls Sie nicht danach gefragt werden. Es ist ein wichtiges Thema, denn Schmerzen bei COPD beeinflussen wesentlich die Lebensqualität – das haben Sie spätestens durch diesen Beitrag erfahren!
Zudem gibt es weitere hilfreiche Bausteine für den Umgang mit Schmerzen (anklicken und mehr erfahren):
| Lungensport | Atemtherapie | Hustentechniken |
| Rauchentwöhnung | Osteoporose-Vorbeugung | Pneumologische Rehabilitation |
| Umgang mit Atemnot | Umgang mit Ängsten | Umgang mit Depression |
Stellen Sie sich aus den Angeboten Ihr ganz persönliches „Hilfe-Puzzle“ zusammen. Dabei unterstützt Sie der „Merkzettel für die Kühlschranktür“.
Merkzettel für die Kühlschranktür
Der „Merkzettel für die Kühlschranktür“ ist diesmal eine Vorlage für Ihr persönliches „Hilfe-Puzzle“ gegen Schmerzen bei COPD.





Liebes Leichter Atmen Team, gibt es eine Möglichkeit die Beiträge anders zu sortieren. Es befindet sich nämlich ein Beitrag vom 30.12.2025 geschrieben von Doris Bremer zwischen Beiträgen vom November 2021.
Direkt darauf Antworten geht nicht, da es die Antworten Funktion darauf nicht gibt.
Danke