
Die Atmung ist ein sensibles System. Bereits kleine Veränderungen können spürbare Auswirkungen haben. Häufig unterschätzt werden Beschwerden der oberen Atemwege – etwa der Nase oder der Nasennebenhöhlen. Sie können die ohnehin belasteten unteren Atemwege zusätzlich beanspruchen.
Ein achtsamer Blick auf die „obere Etage“ der Atmung ist daher kein Nebenschauplatz, sondern ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Atemfürsorge.
Wann sind die oberen Atemwege belastet? Symptome im Überblick
Bestimmte Anzeichen weisen darauf hin, dass die oberen Atemwege belastet sind. Sie sind keine „Nebensache“, sondern Hinweise darauf, dass eine Behandlung sinnvoll sein kann. Das gilt besonders bei Patient:innen, deren Schutzmechanismen der Atemwege bereits eingeschränkt sind – zum Beispiel bei einer chronischen Erkrankung wie COPD oder Asthma.
Routine schafft Sicherheit! Wer sich auf Notfälle vorbereitet, wird weniger überrascht und überfordert sein. Wenn Sie einen festen Ablauf einüben, können Sie im Ernstfall ruhiger und gezielter handeln und wissen bei Atemnot, was zu tun ist.
Checkliste: Erkennen Sie diese Anzeichen bei sich?
- Verstopfte Nase, dauerhaft oder nur eingeschränkt frei
- Zäher Schleim, der schlecht abfließt
- Häufiges Räuspern oder ein Schleimgefühl im Rachen
- Mundgeruch und Druckkopfschmerzen, besonders im Stirn- oder Wangenbereich
- Mundatmung in der Nacht, Sie wachen mit trockenem Mund auf
- Häufige Infekte, Sie sind anfälliger als früher
Wann sollten Sie nicht länger warten?
Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie plötzlich stärker husten, mehr Schleim abhusten als sonst, der Schleim sich gelb, grün oder bräunlich verfärbt oder Sie Fieber entwickeln. Bei COPD können solche Veränderungen ein Hinweis auf eine beginnende Exazerbation (akute Verschlechterung) sein. Frühes Handeln hilft, sie zu mildern.
Zu körperlichen Beschwerden können sich auch psychische Belastungen entwickeln. In solchen Situationen sind Stress- und Angstreaktionen häufig erhöht. Wenn zusätzlich die oberen Atemwege verengt oder verlegt sind, kann dies das Gefühl von Unsicherheit verstärken und die innere Anspannung weiter erhöhen.1
Obere und untere Atemwege als System: das „United Airways“-Konzept
Die oberen und unteren Atemwege sind untrennbar miteinander verbunden. Das Konzept der „United Airways“ (zu Deutsch: „verbundene Atemwege“) beschreibt diesen Zusammenhang treffend.
Was passiert, wenn die obere Etage belastet ist?
Entzündungen, Schleimstau oder chronische Infekte in Nase und Nasennebenhöhlen wirken sich oft auch auf die unteren Atemwege aus. Grund dafür ist die enge anatomische und funktionelle Verbindung zwischen oberem und unterem System.
Sind die oberen Atemwege belastet, kann dies Husten, Atemnot oder das Risiko für Exazerbationen (akute Verschlechterungen) ungünstig beeinflussen. Umgekehrt eröffnet die bewusste Unterstützung von Nase und Nasennebenhöhlen die Möglichkeit, die Atmung insgesamt zu entlasten und positiv zu beeinflussen.
„United Airways“: Die richtige Pflege für obere und untere Atemwege
Beim Begriff „United Airways“ denkt man vielleicht zuerst an eine Fluggesellschaft – doch mit diesem Fachwort werden die oberen und unteren Atemwege als eine Einheit zusammengefasst. Was bedeutet das genau und mit welcher Pflege kann ich hier als Patient:in am effektivsten unterstützen? Weiterlesen
Warum die Nasenatmung so wichtig ist
Die Nase erfüllt zentrale Aufgaben für Atmung und Wohlbefinden: Sie filtert, befeuchtet und erwärmt die eingeatmete Luft. Zudem unterstützt sie den natürlichen Schleimtransport und reduziert Reize für die unteren Atemwege. Über den Geruchssinn hilft uns die Nasenatmung außerdem, mögliche Gefahren frühzeitig wahrzunehmen.
Ist die Nasenatmung eingeschränkt, wird häufiger durch den Mund geatmet. Dies entspricht bereits einem dysfunktionalen Atemmuster.
Ängste können bei einer Blockade der Atemwege zunehmen und einen Teufelskreis aus überempfindlichen Bronchien und Hustenreaktion weiter begünstigen. Eine Überatmung – auch in Ruhe – kann sich anschließen.
Beachtenswert ist auch: In den Nasennebenhöhlen entsteht Stickstoffmonoxid (NO). Das ist ein körpereigenes Signalmolekül mit gefäßerweiternden Eigenschaften. Bei Nasenatmung gelangt es mit der eingeatmeten Luft in die Lunge. Experimentelle Studien zeigen, dass nasal eingeatmetes NO mit Veränderungen der Sauerstoffverteilung in der Lunge in Zusammenhang stehen kann. Die physiologische Bedeutung im Alltag wird weiterhin wissenschaftlich untersucht.2,3,4
Was ist die mukoziliäre Clearance?
Mukoziliäre Clearance ist das natürliche Reinigungssystem der Atemwege. Auf den Schleimhäuten sitzen feine Flimmerhärchen (Zilien). Sie schwingen in einem dünnen Schleimfilm und transportieren Staub, Keime und Sekret nach außen.
Damit das System funktioniert, brauchen die Schleimhäute zwei Dinge: ausreichend Feuchtigkeit und gute Belüftung.
Was können Sie selbst für Ihre oberen Atemwege tun?
Bei Atemtherapie denken viele zuerst an die Lunge und die unteren Atemwege. Tatsächlich profitieren aber unsere „United Airways“ – also die verbundenen oberen und unteren Atemwege – von einer gezielten Pflege der nasalen Atemwege. So lässt sich das Atemsystem ganzheitlich stabilisieren und beruhigen. Im Sinne der Selbstfürsorge lohnt es sich, entsprechende Maßnahmen bewusst in den Alltag einzubinden.
5 bewährte Maßnahmen für den Alltag
Neben der ärztlich und therapeutisch begleiteten Behandlung gibt es bewährte Maßnahmen, mit denen Sie Ihre oberen Atemwege im Alltag unterstützen können:
Checkliste
- Bewusst durch die Nase atmen, in Ruhe und in alltäglichen Routinen
- Nase regelmäßig pflegen, zum Beispiel mit einer Nasendusche und isotoner Salzlösung
- Inhalieren, denn feuchter Nebel beruhigt die Schleimhäute und löst zähen Schleim
- Atemtherapie nutzen, besonders zur Sekretlösung, angepasst an Ihre Möglichkeiten
- Schleimhäute feucht halten, also ausreichend trinken, im Winter Luftbefeuchter, an der frischen Luft bewegen
OPEP und Inhalation – eine sinnvolle Kombination
In der Praxis hat sich die Kombination aus Inhalation und OPEP-Therapie bewährt. OPEP steht für „Oscillating Positive Expiratory Pressure“ – ein Atemtherapie-Verfahren, das beim Ausatmen feine Vibrationen erzeugt:
- OPEP: kann durch Vibration und Druckwechsel Sekret lösen, mobilisieren und die Atemwege offen halten.
- Inhalation: befeuchtet die Atemwege und unterstützt dabei, zähes Sekret zu verflüssigen.
Dieser Ablauf nutzt die physiologischen Mechanismen optimal: Zuerst wird das Sekret gelockert, dann verflüssigt und schließlich der Abtransport erleichtert.

Tipp – 2-in-1-Kombitherapie
Die 2-in-1-Kombitherapie verbindet Atemtherapie und Feuchtinhalation in einem Schritt. So wirkt das Medikament besser und die Therapie geht schneller.
Möglich ist die Kombination zum Beispiel mit dem verordnungsfähigen RC-Cornet® PLUS NASAL für die oberen Atemwege. Wer das RC-Cornet® PLUS bereits nutzt, kann mit einem Umbauset erweitern. Das Gerät passt zu allen ISO-genormten Verneblern. Alternativ gibt es elektronische Systeme wie den PARI SINUS.
Fazit: Obere Atemwege als Teil ganzheitlicher Atemfürsorge
Atemfürsorge kennt keine Etagen. Ein ganzheitlicher Blick auf das Atemsystem lohnt sich: Die oberen Atemwege sind kein isolierter Bereich, sondern Teil eines sensiblen Zusammenspiels. Wer Nase und Nasennebenhöhlen bewusst einbezieht, kann dazu beitragen, auch die unteren Atemwege zu entlasten.
Nasenatmung kann zudem das sogenannte parasympathische Nervensystem aktivieren – also den Teil unseres Körpers, der für Ruhe und Entspannung zuständig ist. Das hilft, Stress zu regulieren und zur Ruhe zu kommen.
Kleine, regelmäßige Maßnahmen im Alltag eröffnen die Möglichkeit, die Atmung insgesamt ruhiger und stabiler zu gestalten – und Ihren oberen Atemwegen die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der Zeitschrift Atemwege & Lunge eine Patientenbibliothek. Unsere Redaktion hat den Text für die Veröffentlichung aufbereitet.
Quellen:
1 Akkoca, Özlem & Oguz, Haldun & Ünlü, Ceren & Aydın, Emine & Ozdel, Kadir & Kavuzlu, Ali. (2020). Association Between Nasal Obstruction Symptoms and Anxiety. Ear, Nose & Throat Journal. 99. 448-452. 10.1177/0145561319900747.
2 Lundberg JO, Weitzberg E, Gladwin MT. The nitrate–nitrite–nitric oxide pathway in physiology and therapeutics. Nat Rev Drug Discov. 2008;7(2):156–167. doi:10.1038/nrd2466
3 Weitzberg E, Lundberg JO. Humming greatly increases nasal nitric oxide. J Intern Med. 2002;251(5):408–412. doi:10.1046/j.1365-2796.2002.00973.x
4 Lundberg JO, Farkas-Szallasi T, Weitzberg E, et al. High nitric oxide production in human paranasal sinuses. Thorax. 1996;51(4):411–414. doi:10.1136/thx.51.4.411
– Patientenzeitschrift COPD in Deutschland (Patienten-Bibliothek), Ausgabe 3 | 2025
– Illustration: Ivanna Oliinyk / istock.com









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