
Bei Erkrankungen der Lunge, insbesondere auch bei COPD, sind Bewegung und Atemschulung wesentliche Therapiebausteine. Die Yogatherapie ist dabei eine noch relativ unbekannte Möglichkeit.
Yoga stammt ursprünglich aus Indien, wo es seit Langem gezielt auch zur Unterstützung bei Erkrankungen eingesetzt wird. In den westlichen Ländern verbinden viele Menschen Yoga mit fitten, jungen und beweglichen Übenden. Das kann eine Hemmschwelle sein, wenn Sie selbst nicht zu dieser Gruppe gehören. Tatsächlich sind „normale“ Yogalehrer:innen nicht unbedingt geschult, mit schweren Erkrankungen sinnvoll umzugehen. Auch die Integration betroffener Menschen in einen typischen Kurs ist anspruchsvoll.
Was ist Yogatherapie? Yoga gezielt für Lungenerkrankte
Die Yogatherapie geht gezielt auf die Bedürfnisse von Menschen mit Lungenerkrankungen ein. Das unterscheidet sie vom klassischen Yogaunterricht.
Im Westen am bekanntesten sind die Körperübungen des Yoga. Sie heißen āsanas. Yoga umfasst aber weit mehr als das. Im eigentlichen Sinne ist es eine vielfältige Lebensgestaltung.
Dazu gehören:
- Atemübungen
- Konzentrationsbildung und Meditation
- Maßvolle und gesunde Ernährung
- Eine bewusste Lebensführung
- Die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen
Mit der Zeit haben sich viele Stilformen und praktische Übungen entwickelt. Besonders die Verbreitung in westlichen Ländern hat dazu beigetragen. Die gesundheitlichen Aspekte der āsanas sind sehr vielseitig. Sie beziehen sowohl den Körper als auch das Bewusstsein des Menschen mit ein.
Wichtig ist mir dabei:
Eine Körperübung umfasst mehr als ihren unmittelbaren Nutzwert für die Gesundheit.
Jeder Übung liegt eine Vorstellung zugrunde, eine bestimmte Charakteristik. Dieses Wesenhafte einer Übung kennenzulernen, im Bewusstsein zu erleben und über den Körper eigenständig zu gestalten, erzeugt eine lebendige, kreative und freudige Auseinandersetzung.
Das Nervensystem beruhigt sich dabei einerseits. Andererseits erlebt es sich in einem lebendigen, anregenden Gestaltungsprozess. Sie trainieren dabei Vorstellungskraft und Konzentrationsfähigkeit.
Auch Ihr Atem beruhigt und vertieft sich. Rücken und Wirbelsäule richten sich besser auf. Das stärkt zugleich die Atemmuskulatur.
Beispielübung:
Eine die Flanken öffnende Bewegung
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt die folgende einfache Übung. Sie öffnet die Flanken, also die seitlichen Bereiche des Brustkorbs. Dadurch kann sie Ihre Atmung erleichtern.
Stellen Sie sich eine bogenförmige Linie vor, die von unten nach oben aufsteigt. Diese Linie zeichnen Sie anschließend mit der Hand nach.

Übungsanleitung: Die Flanken öffnen
- Beginnen Sie in einem natürlich aufrechten Stand. Stehen Sie ohne Anspannung und ohne Zwang.
- Halten Sie Nacken und Schultergürtel während der gesamten Übung möglichst entspannt.
- Sie können die Übung auch im Sitzen ausführen.
- Stellen Sie sich vor dem Beginn die bogenförmige Linie vor. Ihre Charakteristik ist bedeutsam: bogenförmig, von unten nach oben aufsteigend.
- Stellen Sie sich diese Linie ganz lebendig und bewusst vor.
- Gleiten Sie nun mit Ihrer Hand an der gedachten Linie entlang. Folgen Sie der Bewegung wenn möglich mit den Augen.
- Zeichnen Sie die Linie förmlich von unten nach oben in die Luft und von oben nach unten wieder zurück.
- Bewahren Sie dabei die gedankliche Ausrichtung und Vorstellung.
- Wiederholen Sie die Bewegung einige Male. Lassen Sie den Arm möglichst leicht durch den Raum aufsteigen.
- Praktizieren Sie die Übung anschließend auf der anderen Seite.
- Bewahren Sie nach der Ausführung die gedankliche Vorstellung noch einen Moment lebendig im Bewusstsein.
Die Wirkung der Übung
Beim Üben werden Sie in Ihrer Vorstellungstätigkeit aktiv und kreieren eine Form, die vorher nicht vorhanden war. Durch das Nachzeichnen der Linie erleben Sie diese noch einmal intensiver. Sie führen Ihre Aufmerksamkeit weg von sich selbst in den Raum und zur geschaffenen Form.
Denken, Empfinden und Handlung bilden eine harmonische Einheit.
Die Wirbelsäule kommt auf natürliche Weise in eine sich aufrichtende Bewegung. Die Flanke öffnet sich, dadurch erhält der Atem mehr Raum und die Flankenatmung wird angeregt. Seitliche und untere Lungenabschnitte werden besser belüftet. Die Atmung vertieft sich. Sie wird zugleich ruhiger und leichter.
Erfahrungen meiner Patient:innen haben gezeigt: Selbst bei akuter Luftnot können Angst und Enge zurückweichen. Voraussetzung ist eine ruhige, geordnete Ausführung der Übung. Auf feine Weise wachsen Selbstwirksamkeit und Selbsterkraftung.
Fazit zu Yoga bei COPD: Bewegung, Atem, Selbstwirksamkeit
Yoga bei COPD ist mehr als sanfte Gymnastik. Die Yogatherapie verbindet Bewegung, Atem und Bewusstsein zu einer Einheit, die Sie selbst gestalten. Schon eine einfache Übung kann Ihre Atmung vertiefen, die Flanken öffnen und Ihnen in Momenten der Luftnot Halt geben. So entsteht ein Stück Selbstwirksamkeit. Und ein neuer Zugang zu Ihrer eigenen Atmung.
Quellen: Foto bereitgestellt von Linda Waßmuth







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