Richtig atmen bei Asthma und COPD

Über die Atmung lassen sich Körper und Geist positiv beeinflussen. Besonders Patienten mit Asthma oder COPD können profitieren!

Richtig atmen bei Asthma und COPD

Richtig atmen will gelernt sein!

Was uns auf den ersten Blick so einfach und natürlich erscheint, ist tatsächlich ein hochkomplexer Vorgang, der eng mit unserem körperlichen, seelischen und geistigen Wohlbefinden verknüpft ist.

Wenn wir einatmen – und das tun wir etwa 15 bis 20-mal pro Minute - nehmen wir über die Luft lebenswichtigen Sauerstoff auf. Etwa 20 000 Liter Luft strömen dabei Tag für Tag durch unsere Lunge. Über die sich immer kleiner verzweigenden Bronchien gelangt der Sauerstoff aus der Luft schließlich in unsere Blutbahnen, über die er jede Zelle unseres Körpers mit frischer Energie versorgt.

Kann man falsch atmen?

Unsere Atmung kennt viele Varianten – wir atmen ruhig oder schnell, tief oder flach und leicht oder schwer. Es gibt eine Bauch- und eine Brustatmung und es können unterschiedliche Muskeln an der Atmung beteiligt sein. Es gibt sogar einen eigenen therapeutischen Bereich, der sich ausschließlich mit dem Komplex der Atmung beschäftigt – die Atemtherapie.

Und das hat gute Gründe! Im Alltag passen wir unsere Atmung häufig unserer hektischen Lebensweise an und atmen unbewusst eher zu kurz und flach. Zugleich brauchen wir mehr Atemzüge, um unseren Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Kurzum: Uns bleibt schnell die Luft weg. Unser Herz wird stärker belastet. Es stellen sich Stresssymptome, Verspannungen und Müdigkeit ein.

Wenn wir hingegen tief und gleichmäßig atmen, nutzen wir unser gesamtes Lungenvolumen. Das Zwerchfell wird dabei an der Atemarbeit beteiligt und entlastet so die Herzfunktion. Wir spüren förmlich: Wenn wir richtig und bewusst atmen, versorgen wir unseren ganzen Körper mit Energie und lösen wir unsere inneren Spannungen.

Atmung bei Asthma und COPD

Mit der Atmung lässt sich also viel Positives für unsere Gesundheit erreichen. Das gilt besonders für Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD und Lungenemphysem, die unter einer Störung des Atemvorgangs leiden. Hinzu kommen nicht selten Stress und Ängste im Hinblick auf mögliche Atemnot-Attacken.

Für die Betroffenen ist es daher umso wichtiger, sich bewusst mit ihrer Atmung zu beschäftigen. Eine Kenntnis des physiologischen Atmungsprozesses und die richtigen Atemtechniken können hier zur Kontrolle und Linderung ihrer Beschwerden sowie zu mehr Lebensenergie beitragen.

Richtig atmen - So geht's

Einatmung

Falsch: Flache Brustatmung

Viele Menschen füllen beim Einatmen nur den oberen Teil der Lunge mit Luft und ziehen dabei ihre Schultern leicht nach oben. Das Zwerchfell – eigentlich unser wichtigster Atemmuskel – und der Bauchbereich sind dabei kaum an der Atmung beteiligt.

Richtig: Tiefe Bauchatmung

Ziel der Einatmung ist es, alle Atemmuskeln zu aktivieren und möglichst den gesamten Lungenraum mit Luft zu füllen. Atmen Sie dazu zunächst tief in den Bauch ein. Spüren Sie wie sich das Zwerchfell zusammenzieht und sich der Bauch dabei nach außen wölbt. Gehen Sie dann fließend dazu über, in die Brust zu atmen (ohne dabei die Schultern anzuheben) bis sich Ihr oberer Brustkorb hebt.

Ausatmung

Falsch: Kurze Ausatemphase

Nach dem Einatmen gehen wir im hektischen Alltag häufig möglichst schnell zum erneuten Luftholen über. Dabei entleeren wir jedoch nur einen Teil der Lunge.

Richtig: Länger aus- als einatmen

Ziel der Ausatmung ist es, die ganze Luft aus der Lunge zu befördern. Atmen Sie ruhig, gleichmäßig und möglichst lange aus. Spüren Sie, wie sich das Zwerchfell dabei ausdehnt und die Luft aus der Lunge presst.

Zu Übungszwecken können Sie die Sekunden beim Ein- und Ausatmen mitzählen. Zählen Sie beim Einatmen bis 3 oder 4 und beim Ausatmen bis 5 oder 6. Wer kann, atmet doppelt so lange aus wie ein, z.B. durch den Einsatz der Lippenbremse.

Tipps:

  • Die tiefe Bauchatmung können Sie immer wieder in Ihren Alltag einbauen, z.B. bei der Hausarbeit, beim Spazierengehen oder Entspannen auf der Couch.
  • Eine aufrechte Haltung begünstigt eine tiefe Atmung. Vermeiden Sie (auch im Sitzen) eine gekrümmte Haltung und vorgezogene Schultern.
  • Atmen Sie durch die Nase, um die Atemluft zu filtern und zu erwärmen. Durch den Mund müssen Sie nur bei Belastung Luft holen.
  • Lüften Sie Innenräume regelmäßig und bewegen Sie sich viel an der frischen Luft.
  • Spezielle Atemübungen stärken die an der Atmung beteiligte Muskulatur. Sie können z.B. in einer Atemschulung für Lungenpatienten oder in Lungensportgruppen erlernt werden.

Die Atmung des Menschen

Wir atmen ein, wir atmen aus – was uns ganz selbstverständlich erscheint, ist in Wahrheit ein hochkomplexer Vorgang.

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Atemübungen bei COPD

Michaela Frisch, Therapieleiterin in der Espan-Klinik in Bad Dürrheim, zeigt uns praktische Atemübungen für zu Hause.

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