Akute Verschlechterung der COPD (AECOPD)

Was macht die COPD zu einer gefährlichen und heimtückischen Krankheit? In den bisherigen Beiträgen sind viele Beispiele für die Heimtücke dieser chronischen Erkrankung der Atemwege erwähnt worden. Die Fortsetzung, genauer gesagt, die Steigerung im wahrsten Sinn des Wortes ist die akute Verschlechterung, Exazerbation, AECOPD = akute Exazerbation der COPD.
von Dr. med. Thomas Hausen
 | 30.03.2026

Woran erkennen Sie eine akute Verschlechterung?

  • Das Wohlbefinden ändert sich. Der Betroffene verspürt allgemeines Unwohlsein oder die typischen Beschwerden eines Infektes.
  • Bereits bei leichterer Anstrengung als „üblich“ begrenzt Luftnot die Leistungsfähigkeit.
  • Die vorhandenen Medikamente haben an Wirkung verloren, schenken keine ausreichende Besserung mehr im Vergleich zur Zeit vor Beginn der Verschlechterung.
  • Neben Luftnot quält vermehrter Hustenreiz, möglicherweise mit vermehrter Schleimbildung.
  • Die Farbe des Auswurfes kann sich verändern. Der ehemals weiße Schleim wird gelblich bis grün.

Wichtig zu wissen: Verfärbtes Sputum ist nicht mit Bakterien gleichzusetzen. Eine Behandlung mit einem Antibiotikum muss nicht zwangsläufig hilfreich sein. Lunge und Leben sind bedroht! Erinnerung: Die dauerhaft geschädigte Schleimhaut mit Beeinträchtigung des Selbstreinigungsmechanismus (siehe früheren Beitrag) begünstigt das Angehen von Infektionen! Das System, das Schleimhaut und Körper schützen soll, der Selbstreinigungsmechanismus, ist dauerhaft geschädigt und kommt schnell an seine Leistungsgrenze.

Was löst eine Exazerbation aus?

Viren und Bakterien
Sicher sind Erreger die wichtigsten Auslöser, die bei geschädigtem „Burgwall“ – geschädigter Schleimhautoberfläche – leichter zuschlagen können. Bei Gesunden sind Viren zu 80% und Bakterien nur zu 20% die Auslöser einer Infektion der Atemwege. Anders verhält es sich bei vorgeschädigter Abwehrmauer. Bei Menschen mit COPD sind als Auslöser von Infektionen der Atemwege Bakterien häufiger, zu etwa 50% anzuschuldigen.

Überlastung der Mauer der Abwehr = Schleimhaut und Selbstreinigungsmechanismus
Die geschädigte Schleimhaut ist mit der täglichen Aufgabe, Reinigen, Anwärmen und Anfeuchten der vorüberstreichenden Luft schon gut gefordert, arbeitet im normalen Alltag an seiner Leistungsgrenze. Wird diese Schleimhaut jetzt mehr gefordert, drohen Überforderung mit der Folge von Problemen. Staub, Feinstaub, Ozon, aber bereits trockene Luft in der Kälte oder Hitze verursachen Störungen, überfordern die Schleimhaut und reizen sie, was in eine Exazerbation münden kann.

Was passiert bei einer AECOPD?

Die Muskulatur, die die Bronchien umgibt, verkrampft. Die Schleimzellen sind gereizt und bilden vermehrt Schleim, der in den Bronchien liegt. Resultat: die Atemwege werden immer enger, die Anstrengung beim Ein-, mehr noch Ausatmen und damit die Luftnot nehmen zu.

Was jetzt folgt, macht dieses Ereignis zur Lebensbedrohung.

Der Gesunde atmet aus, indem er einfach das Einatmen beendet. Die Muskulatur entspannt sich, die Rippen fallen der Schwerkraft folgend nach unten und die Elastizität der Lunge zieht diese zusammen. Der Raum im Brustkorb wird kleiner und die Luft muss entweichen. Für den Gesunden ist Ausatmen ein passiver Vorgang, d.h. er erfolgt ohne sein Zutun und ist reine Erholung zwischen zwei Einatemvorgängen.

Ganz anders beim Patienten mit COPD. Das Atmen, vor allem das Ausatmen gegen den Widerstand der jetzt stärker verengten Atemwege wird zur anstrengenden Schwerstarbeit. Die Luft kann nicht vollständig ausgeatmet werden. Mit der geballten Kraft von Atem- und Atemhilfsmuskulatur versucht der Betroffene auszuatmen, um möglichst schnell und viel Luft einatmen zu können. Der Schuss geht leider nach hinten los. Der erhöhte Druck von außen auf die Bronchien bringt diese zum Kollabieren. Die Luft kann nicht mehr entweichen, die Luft ist gefangen und die Lunge aufgebläht. Wertvoller Raum für die Ausdehnung der noch gesunden Lunge entfällt.

Es gelangt nicht mehr genug „frische“ Luft in die Alveolen und damit immer weniger Sauerstoff ins Blut. Die Zellen schreien nach Sauerstoff! Das Resultat ist Luftnot. Gleichzeitig steigt die Konzentration von Kohlendioxyd (CO2) im Blut an. Der Betroffene ist immer mehr eingeschränkt in seiner Leistungsfähigkeit. Normale Tätigkeiten des täglichen Lebens, wie Essen, Trinken, Bewegen usw. werden fast unmöglich.

Die Exazerbation – Verschlechterung – schlägt auch außerhalb der Lunge zu!

Entzündung, Überblähung und Sauerstoffmangel triggern, lösen andere Probleme aus: Die Entzündung geht einher mit einer Neigung zu Blutgerinnung. Thrombosen, d.h. Blutgerinnselbildung in Blutgefäßen – drohen! Patienten mit COPD erleiden öfter Embolien = Blutgerinnsel reißen sich los, schwimmen im Blutstrom mit und verstopfen Blutgefäße, wenn die Blutgefäße zu eng werden. Die Überblähung erhöht den Druck in den Gefäßen der Lunge (pulmonale Hypertonie). Auch der Sauerstoffmangel (Hypoxie) begünstigt eine Druckerhöhung in den Lungengefäßen. Das sympathische Nervensystem, unser „Überlebensnerv“, ist überaktiv, was wiederum den Sauerstoffverbrauch steigert und auch zu Herzrhythmusstörungen führen kann.

Selbstverständlich gibt es auch je nach Ausgangslage Unterschiede in der Schwere dieser Verschlechterung. Von ein wenig mehr Einschränkung bis zur lebensbedrohlichen Gefahr ist alles möglich.

Was sind die Folgen? Gefahren für Gesundheit und Leben mit COPD

Bekannt ist, dass Patienten mit einer COPD ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben. Ob als gemeinsamer Nenner für COPD, Embolie und Herzinfarkt das inhalative Rauchen anzuschuldigen ist, oder welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

Auch wenn inhalatives Rauchen nicht der einzige Grund für eine COPD darstellt, ist es doch auch allgemein für Gefahren bekannt. Bekannt ist auf jeden Fall, dass inhalatives Rauchen das Verklumpen von Blutplättchen in Blutgefäßen begünstigt und damit den plötzlichen Verschluss eines Blutgefäßes. Wer mit COPD weiter raucht, steigert die genannten Gefahren somit. Jede AECOPD – akute Exazerbation (Verschlechterung) der COPD – ist mit ernsten Problemen verbunden:

  • Jede Verschlechterung, egal ob leicht oder schwer, lässt die Flammen der Entzündung höher schlagen.
  • Die Lebensbedrohlichkeit einer schweren Exazerbation bei COPD ist mit der Lebensbedrohung eines Herzinfarktes zu vergleichen.
  • Egal, ob leicht oder schwer, jede Exazerbation hinterlässt einen bleibenden Schaden in der Lunge, raubt Lungenvolumen. Der Verlust an Lungenvolumen ist unwiderruflich, die Lunge kann sich davon nicht mehr erholen.
  • Das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung ist über die Dauer der Exazerbation hinaus erhöht, ist am stärksten bis zu einem Monat nach dem Ereignis und normalisiert sich erst innerhalb eines Jahres
  • Das Risiko für eine Exazerbation nimmt mit jeder durchgemachten Exazerbation zu.

Wie erfolgt die Behandlung einer AECOPD?

Handelt es sich um eine leichte Verschlechterung und ist der Patient gut informiert, besitzt vielleicht sogar einen Notfallplan, kann er sich in Eigenregie behandeln. Auf jeden Fall sollte der behandelnde Arzt oder sogar ein Krankenhaus aufgesucht werden, wenn:

  • Bisherige Exazerbationen wiederholt schwer verlaufen sind und mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden waren.
  • Von Beginn an schwere Beschwerden oder
  • eine zunehmende Verschlechterung ohne, oder trotz Therapie nach Vorgaben, keine Besserung zeigt.
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Was macht der Arzt?

Jeder Arzt muss vor Beginn einer Behandlung entscheiden, ob der Patient ambulant behandelt werden darf, oder in ein Krankenhaus eingewiesen werden muss. Zählt der Patient zu denjenigen, die zu Exazerbationen neigen und in der Vergangenheit immer wieder im Krankenhaus behandelt werden mussten, bleibt in der Regel kaum eine Alternative. Kann eine Behandlung ambulant erfolgen, besteht die Therapie in:

  • Steigerung der bisherigen Dauerbehandlung.
  • Einer kurzzeitigen Behandlung mit Kortison. Erklärung: Für kurze Zeit ändert sich die Form der Entzündung und kann die Gabe von Kortison hilfreich sein.
  • Kortison als Feuerlöscher der Entzündung. Besitzt Kortison in Tabletten in der Dauerbehandlung der COPD „nur“ Risiken und Gefahren, kann es jetzt ausnahmsweise diese vorübergehend andere Entzündungsform positiv beeinflussen. Kortison wird zum dringend notwendigen MUSS! Effekt: Die Entzündung nimmt ab, die Schwere der Exazerbation wird gemildert, der Verlauf günstig gemildert und der Dauerschaden begrenzt. In der Regel reicht hier eine Behandlung mit etwa 50 mg Kortison über 5 Tage vollkommen aus und kann sofort beendet werden.
  • Therapie mit einem Antibiotikum. Bei Menschen mit gesunden Atemwegen werden Infektionen der Atemwege zu 80% durch Viren und NUR zu 20% durch Bakterien verursacht. Auch wenn bakterielle Infektionen bei Patienten mit COPD etwas häufiger, nämlich in etwa 50% zu finden sind, rechtfertigt das keinen routinemäßigen Einsatz von Antibiotika.

Was können Sie selbst tun, um einer Exazerbation vorzubeugen?

  • Denken Sie an die Impfungen gemäß Empfehlung (s. Beitrag zu Therapie)
  • Führen Sie Ihre Therapie regelmäßig durch! Achten Sie auf korrekte Inhalation, damit in den Bronchien möglichst viel Medikament ankommt. Bitten Sie Ihren Arzt regelmäßig, Ihre Inhalationstechnik zu überprüfen und eventuell zu korrigieren und schauen Sie sich die korrekte Inhalationstechnik auf der Seite der Deutschen Atemwegsliga an. Unter: www.atemwegsliga.de finden Sie für die gängigen Inhaliergeräte kleine erklärende Videos.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport in einer Lungensportgruppe oder in Eigenregie. Es ist nachgewiesen, dass regelmäßige sportliche Betätigung bei COPD nicht nur die Luftnot und damit Leistungsfähigkeit bessert, sondern auch die Häufigkeit von Exazerbationen und Krankenhausaufenthalten reduziert. Zusätzlich kann ein trainierter Körper starke Belastungen besser verkraften als der Untrainierte mit COPD.
  • Atmen Sie möglichst überwiegend durch die Nase. So wird die Luft „klimatisiert.“ Bei erkennbaren Gefahren – staubbelastete oder trockene Luft im Winter oder Sommer – kann schon die bewusste Atmung durch die Nase und die Befeuchtung der Atemwege helfen, die Gefahr abzuwenden. Denken Sie an die regelmäßige Befeuchtung der Atemwege mit Inhalation von Kochsalz über einen Vernebler. Wichtig zu wissen: Über einen Kochtopf mit heißem Salzwasser geht das nicht. Schon das regelmäßige Befeuchten der Nasenschleimhaut mit Kochsalz-Nasenspray, besonders auch auf langen Flügen oder in „schlechter“ Luft kann helfen (s.o.).

Nach all diesen Überlegungen sollte klar geworden sein: Verhinderung einer Exazerbation ist immer besser als deren Therapie! Für die COPD gilt deswegen als vorrangiges Ziel: Exazerbationen möglichst verhindern! Jede der oben genannten vier Säulen der Therapie ist in der Lage, das Risiko und die Schwere von Exazerbationen zu reduzieren. Deswegen ist es auch so wichtig, die Therapie der COPD nicht nur auf die Therapie mit Medikamenten zu beschränken!

Dr. med. Thomas Hausen

Über den Autor

Dr. Thomas Hausen

Arzt für Allgemeinmedizin und Sportmedizin

Dr. med. Thomas Hausen war über 30 Jahre lang als Arzt für Allgemein- und Sportmedizin in Essen-Werden tätig. Er publizierte zahlreiche Artikel, Bücher und Fortbildungsbeiträge zu chirurgischen und internistischen Themen, insbesondere zu Asthma, COPD, Atemwegsinfektionen und Inhalationstherapie. Heute bringt er seine Erfahrung weiterhin in Fachkreisen, Fortbildungen und wissenschaftlichen Projekte ein.

Quellen:
– Foto: Authentic Source / istock.com

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8 Kommentare

  1. Hallo Sabine, ich wohne in Schönberg und mache in der Ostseeklinik Lungensport. Früher habe ich in St. Peter-Ording gearbeitet und kann beide Kliniken empfehlen, wobei an der Nordsee der Salzgehalt in der Luft höher ist. Die Ostseeklinik ist recht modern und liegt direkt an der Ostsee, Schönberg, als kleiner Ort, nur 2 km entfernt. St.Peter an der Nordsee ist auch ei schöner Kurort, also musst Du Dich entscheiden…..Nur zu…komm ins schönste Bundesland…hier bist Du willkommen……LG Kirsten

    Antworten
  2. Zur Vorsorge gegen Exazerbationen fehlt mir hier der Hinweis, besonders während der Erkältungssaison, in Menschenansammlungen, Wartezimmern und ähnlichen Situationen einen Mundschutz in Form einer FFP2-Maske zu tragen.

    Antworten
  3. Frohe Ostern!
    Meine Frage lautet: wie kann ich den Nasen-bzw. Rachenschleim, hauptsächlich in der Nacht loswerden? Anhusten kann ich garnicht! Ich habe offiziell 16 Jahre COPD.

    Antworten
    • Gleich am Morgen Nasenspülung mit Meersalz. Getrennt: links, dann rechts. „Mutig“ hochziehen. Da kommt der – nächtliche- Schlotter runter, respektive rauf…Wiederholen tagsüber. Guten Erfolg! Hans

  4. Leicht gesagt „Regelmäßig Sport treiben“. Ich bekomme ja trotz Sauerstoffkonzentrator beim Gehen schon kaum Luft.

    Antworten
    • Guten Morgen, ich möchte eine Reha beantragen, kann mir jemand über die Klinik Ostseeklinik Schönberg-Holm und St. Peter-Ording etwas sagen?

    • Ja leicht daher gesagt. Ich soll auch Sport treiben. Dabei habe ich nur ein wenig COPD, Parkinson, Gicht, Bluthochdruck und ein bisschen Herzrhythmusstörungen. Tag und Nacht hänge ich am Schlauch um 2 Liter Flüssigsauerstoff zu atmen. Für den Rest gibt es ja die Pillen. Ich soll auch joggen. Kein Problem. Nach 5 Treppen ist die Luft raus. Garten umgraben geht nicht. Nach dem ersten Spatenstich ist die Luft raus. Es macht kein Spass.
      Gruß

      Günter

    • Servus Christel.
      Ich habe COPD Gold vier. Hatte auch das Problem beim gehen mit Kurzatmigkeit. Habe mir deshalb vor drei Jahren ein E-Bike angeschafft und muss sagen, es hilft mir sehr. Ich bin an der frischen Luft kann wieder klare Gedanken fassen. Auch mit der Kurzatmigkeit beim gehen, ist es ein bisschen leichter geworden.

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