Wie Sie Atemnot bei körperlicher Belastung verringern

In diesem Beitrag stelle ich Ihnen nützliche Verhaltenstipps und Übungen vor, die das Entstehen von Atemnot bei Aktivitäten des täglichen Lebens reduzieren.
 | 27.09.2019

Wenn Treppensteigen oder das morgendliche Anziehen eine große Herausforderung darstellen: Bei Patienten mit COPD oder Asthma nimmt das Gefühl von Atemnot unter körperlicher Belastung typischerweise zu.

Raus aus dem Teufelskreis!

Manchmal dauert das Abklingen der Atemnot im Anschluss an eine Belastung um ein Vielfaches länger als die Belastung selbst. Um eben diesem Gefühl zu entgehen, vermeiden viele Betroffene jegliche körperliche Anstrengung – und geraten so in eine Abwärtsspirale aus körperlicher Schonung und sinkender Leistungsfähigkeit mit immer schneller auftretender Atemnot.

Wirken Sie diesem Teufelskreis effektiv entgegen! Dafür stelle ich Ihnen im Folgenden nützliche Verhaltenstipps und Übungen vor, die Ihnen helfen, Atemnot im Alltag zu reduzieren.

1. Planen und portionieren Sie anstrengende Aktivitäten

Wenn Sie anstrengende Bewegungsabläufe schnell durchführen und keine Pausen einlegen, ist eine Überlastung sehr wahrscheinlich.

Dosieren Sie deshalb Ihre Belastung! Durchdenken Sie im Vorfeld Ihre körperliche Aktivität und planen Sie Teilschritte und Pausen fest ein – und nicht erst dann, wenn Sie das Gefühl haben, mit der Luft völlig am Limit zu sein.

Beispiel: Treppen steigen

Treppensteigen

Wenn Sie z. B. über die Treppe in die 2. Etage müssen, planen Sie feste Pausen ein:

  • Dosieren und planen Sie die Pausen so wie es zu Ihrem aktuellen Zustand passt. Das kann heute anders sein als gestern.
  • Bleiben Sie z. B. nach jeder halben Etage geplant stehen und machen Sie 1–2 Zwischenatmungen.
  • Bleiben Sie auch dann stehen, wenn Sie eigentlich das Gefühl haben, noch etwas weiter gehen zu können.
  • Gehen Sie nicht bis an Ihr Luftlimit! Ziel ist es, dass Gefühl von schwerer Luftnot gar nicht erst entstehen zu lassen.

2. Kombinieren Sie körperliche Anstrengung mit PEP-Atmung

Ein Grund für Luftnot bei körperlicher Aktivität ist der Effekt der dynamischen Überblähung:

Bei gesteigerter Atemtätigkeit nimmt die Überblähung in der Lunge vorübergehend zu. Das liegt daran, dass beim Ausatmen mehr Luft in der Lunge verbleibt und Sie weniger frische, sauerstoffhaltige Luft einatmen können. Es entsteht dann das Gefühl, dass Sie nicht durchatmen können oder nicht ausreichend Luft bekommen.

In meinen letzten beiden Artikeln habe ich Ihnen gezeigt wie Sie die sogenannte PEP-Atmung mit der Lippenbremse oder einem angepassten Strohhalmstück durchführen können:

Atemtechnik bei Luftnot: PEP-Atmung und dosierte Lippenbremse

Atemübung: Ausatmen durch einen Strohhalm

Nutzen Sie diese Möglichkeit in Kombination mit körperlicher Aktivität um dynamische Überblähung und Atemnot zu reduzieren.

3. Vermeiden Sie Pressen und Luft anhalten

Bei anstrengenden Tätigkeiten neigt man schnell dazu, die Luft anzuhalten oder zu pressen. Vermeiden Sie das unbedingt! Es steigert die Atemanstrengung unnötig und erzeugt mehr Luftnot.

Versuchen Sie bei Anstrengung stattdessen, möglichst gleichmäßig weiter zu atmen. Das gelingt besser, wenn Sie bewusst eine bestimmte Bewegung mit der Ein- oder Ausatmung verbinden.

Beispiel: Aufstehen vom Stuhl

Atmen Sie durch die Nase kurz ein und stehen Sie während der Ausatmung mit PEP (Lippenbremse oder Strohhalmstück) auf. Halten Sie nicht die Luft an!

Auftstehen

4. Nutzen Sie atemerleichternde Positionen

In den Pausen oder nach der Belastung eignen sich Haltungen, die Ihnen die Atmung erleichtern. Sie helfen Ihnen, Ihre Atmung schneller wieder zu beruhigen und eine evtl. entstandene Luftnot zu reduzieren.

Beispiel: Brustkorb entlasten

Ihren Brustkorb können Sie um das Gewicht des Schultergürtels und der Arme entlasten, indem Sie sich abstützen, z. B. an einem Geländer. Kombinieren Sie diese Haltungen mit der Lippenbremse oder einem angepassten Strohhalmstück.

Atemerleichterung

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36 Kommentare
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Alex
9 Monate zuvor

Hallo Ardnas,

ich habe einen RC-Cornet® PLUS zur Atemtherapie. Darauf kann man einen Salzvernebler aufstecken. Mir tut das sehr gut. Es lindert die Symptome. Ich möchte dieses Teil nicht missen.

LG Alex

Ardnas
9 Monate zuvor

Ach da fällt mir noch ein, habe meinen Mann extra gebeten nach Atemtherapiegeräten zu fragen. Der Pneumologe sagte aber, da gibt es nichts, das hilft.
Aber stolpere doch immer wieder über Geräte….

Ardnas
9 Monate zuvor

Frohe Weihnachten an Alle…

Hallo zusammen, bin gerade auf diese Seite gestoßen und muss Mal paar Sätze loswerden.
Mein Mann 53J hat seit diesem Sommer COPD Grad 3 mit FEV1 32% diagnostiziert bekommen. Emphysemthorax. Scheiße ej. Oh Gott, ich bin fix und fertig und er verliert kein Wort darüber. Wir haben drei kleine Kinder, haben uns erst ein Haus gekauft und die Zukunftspläne sind gerade total durcheinander in meinem Kopf.
Mein Mann hat bis vor 5 Jahren stark geraucht und vor einem Jahr ganz aufgehört. Er hatte über 10kg abgenommen (erst schon sehr schlanker Typ) und zunehmende Atemnot beim Treppensteigen und halt diesen typischen Raucherhusten. Aber dass der FEV1 Wert sooo schlecht ist, haut mich richtig um. Seit Medieinnahme isst er endlich viel mehr,vllt zwingt er sich auch. Hat 15 kg zugenommen in 6 Monaten und sieht wieder gesünder aus.
Ich achte ständig nur noch auf seine Atmung.Er kann nicht Mal unser Baby die Treppen hochtragen, ohne danach total außer Puste zu sein. Ach Gottchen.
Lese mich immer Mal wieder im Internet etwas schlauer zum Thema.
Vor paar Tagen war er beim Pneumologen, finde es ja super traurig, dass dort so gar keine Aufklärung oder iwas in der Art stattgefunden hat. Notfallmedikamente verschrieben und fertig. Neuer Termin in einem halben Jahr.
Was kann man machen ? Gesunde Ernährung, Ausdauersport, Lippenbremse, Grippeimpfung, Pneumokokkenimpfung, kein Corona bekommen und dann einfach hoffen es bleibt alles so und wird nicht schlimmer. Oh man.
Wie gerne hätte ich jmd, der mir sagt, es kann lange gut so weiter gehen. Lese somoft von anderen mit wesentlich besseren FEV 1 Werten, die doch ziemliche Probleme aber haben :/.

Liebe Grüße

Koutsouraki, Anastasia
2 Monate zuvor
Reply to  Ardnas

Ich fühle mit dir! So geht es mir seit Jahren. Bin seit 2017 nur am Lesen. Vorhin mitgeteilt daß seine Werte sich beim Ausatmen verschlechtert haben. Morgen CT. Hoffe das alles gut geht. Ich habe Angst um meinen Mann. Ich könnt schreien. Es ist grauenvoll. Ich weiß was du durchmachst. Alles Liebe von Herzen. Befolge Tipps wir du es ihm leichter machen kannst mit dem Atmen.

susanne
9 Monate zuvor

Liebe Leidensgenossen!
WÜNSCHE UNS ALLEN SCHÖNE, GESEGNETE WEIHNACHTEN
Susanne 72a, Copd3-4, Emphysem, Sauerstoff

Samuel
9 Monate zuvor

Hallo Kay,

hast du dich operieren lassen? Wie geht es dir jetzt? Ich habe auch die gleichen Symptome, Mukoviszidose wurde per Schweißtest und Gentest ausgeschlossen und ich war mir 100% sicher wie du dass dies der Grund war für meine Beschwerden. PCD schließe ich ebenso aus (wäre viel früher entdeckt worden). Melde dich wenn es Neuigkeiten gibt. Alles Gute

Angelika Johanna Schiruska
10 Monate zuvor

Hallo,
ich habe COPD im Endstadium, die Angst sitzt mir im Nacken weil die Luft jeden Tag weniger wird. Ich rauche seid 24 Monaten nicht mehr, mache Übungen die mir gezeigt wurden, im November 2019 wurde ich als Studienpatient in der Torax Klinik in Heidelberg aufgenommen und es wurden Ceuls in beide Lungenflügel gesetzt, keine Besserung.
Was kann ich jetzt noch machen um ein wenig Lebensqualität zu haben.
Mfg A.Schiruuska

Nicole Höfer
1 Jahr zuvor

Hallo Annemarie!

Es ist egal an welchem Finger wir messen. Der Wert ist überall gleich.

LG Nicole

Annemarie Gessner
1 Jahr zuvor

Hallo Bettina,

als langjährige, zuletzt Stressraucherin, konnte ich Dank Nicorette mit dem Rauchen aufhören. Anfangs hat noch immer wieder der Kopf in Stresssituationen geraucht, aber nur der Kopf. Inzwischen ist auch diese Phase überwunden und ich bin seit Jahre dieses Laster los. Ob du die hau Ruck Methode anwendest oder es langsam versuchen solltest kann man so nicht sagen, da jeder Mensch anders ist.
Einen Facharzt solltest du auf jeden Fall aufsuchen. Die Untersuchungen sind genauer und sie können Fragen besser beantworten. Ganz wichtig finde ich auch die COBRA Schulung, die sie anbieten.
Gruß Annemarie

Annemarie Gessner
1 Jahr zuvor

Hallo Nicole,

nimmt deine Mutter immer den gleichen Finger zum messen. Ich habe bei mir schon öfters festgestellt, dass es inzwischen zu starken Abweichungen kommt.
Gruß Annemarie

nicole
1 Jahr zuvor

Hallo erstmal. Bei meiner Mutter ist COPD Gold IVdiagnostiziert. Seid 6 Wochen verringert sich laut pulsoximeter der sauerstoffgehalt auf 86 und bei belastung teilweise 72 trotz Sauerstoffgabe.
Was ist passiert das so plötzlich ihre Stabilität ihrer Erkrankung verloren gegangen ist?
Sie hat Angst selbst auf Toilette zu gehen, möchte aber ihre Situation jedoch gerne ändern. Vor 6 Wochen noch Treppen hoch jetzt geht nichts…

Peter Schacht
1 Jahr zuvor

Hallo an Roswitha Wentzke,
Sie fragen an, ob es normal sei, bei COPD GOLD IV nur 2 Medikamente am Tag zu nehmen. Habe auch diesen Grad der COPD, FEV 1 Wert 21 %.
Diverse Lungen OP`s(Volumenreduktion etc)
Ich nehme Foster und Spiriva schon sehr viele Jahre.Bei leichten Anzeigen von Infekten(habe ich selten) kommt Prednisolon ins Spiel.
Da ich aber teilweise angespannt bin, dadurch Atemnot entsteht, nehme ich Citalopram, manchmal Atosil Tropfen zum Entspannen.Diese Tropfen kamen letztes Jahr hinzu als ich mit einer ersten Exazerbation in der Klinik war. Danach bekam ich einen stationären und mobilen Sauerstoffkonzentrator
Fahre gut damit.Aber es ist ja bei jedem Menschen anders, so etwas kann man nicht pauschal benennen.Dies muss der Lungenfacharzt mit einem besprechen.
Alles Gute weiterhin
Peter

Bettina Ehrig
1 Jahr zuvor

Hallo,
Ich habe die Diagnose COPD erst seit kurzem und dachte mir, dass der Austausch mit anderen Betroffenen gut wäre! Leider gibt es bei mir vor Ort keine Selbsthilfegruppe oder ähnliches! Da ich auch kein Auto habe und auf den ÖPNV angewiesen bin, kommen weiter entfernte auch nicht in Frage. Deshalb meine Frage an alle Betroffenen aus Kiel: Wer hätte Interesse an Gesprächen, telefonisch, per Mail oder auch persönlich zwecks Austausch, moralischer Unterstützung, oder einfach mal eine Runde quatschen mit jemandem, der einen versteht! Falls Interesse besteht, einfach eine Mail senden an: bettinaehrig@yahoo.de
Zur Info: Ich bin 55 J., Nachtwache in der Altenpflege und versuche gerade erstmal die Nachricht von der Diagnose zu verdauen
Würde mich sehr freuen, von Euch zu hören!
Bettina

leichter-atmen Team
1 Jahr zuvor

Liebe Bettina,

die Fragen die du stellst, sind genau die richtigen in deiner Situation! Wir möchten mit 3 Links antworten:

Zum Thema Diagnose und Lungenfacharzt: https://www.leichter-atmen.de/copd-diagnose
Zum Thema Rauch-Stopp: https://www.leichter-atmen.de/nichtraucher-werden
Zum Thema Atemtherapiegeräte: https://www.leichter-atmen.de/atemtherapiegeraete
Schau dir diese Beiträge in Ruhe an und am allerwichtigsten: Sammle weiter Informationen zu deiner Erkrankung und der Behandlung, denn Aufklärung in eigener Sache ist der beste Weg gegen die Angst anzukämpfen.

Dafür und natürlich für die Rauchentwöhnung wünschen wir dir viel Kraft und Erfolg!

Bettina Ehrig
1 Jahr zuvor

Hallo, habe seit kurzem die Diagnose COPD durch meinen Hausarzt! Deshalb bin ich jetzt stark verunsichert, wie es weiter gehen soll, ehrlich gesagt hab ich sogar etwas Angst! Könnte mir jemand ein paar meiner Fragen beantworten? Zur Info: Ich bin 55 J., Raucherin und arbeite als Altenpflegerin! Sollte ich einen Facharzt aufsuchen? Wie sinnvoll sind diese neuartigen Geräte zur Atemtherapie? Ist es besser langsam oder ruckartig mit dem Rauchen aufzuhören, hab ein bisschen Angst wegen dem Entzug!? Das waren nur die Fragen, die mir jetzt spontan eingefallen sind, es werden bestimmt mehr! Ich hoffe, es sind nicht nur dumme Fragen, aber im Moment bin ich ziemlich fertig!
Danke & Gruß Bettina

Annemarie Geßner
1 Jahr zuvor

Vielleicht hat hier jemand Erfahrung damit.

Mein Problem ist, dass vor ein paar Jahren bei mir eine Uveitis aktiv wurde. Da sie chronisch ist und ständig aufflammte, musste ich MTX spritzen, was meine COPD nicht mochte. Inzwischen wurde versuchsweise auch das Cortison abgesetzt und ich muss nur noch Augendrucksenker nehmen.
Leider ist auch vom Senker die COPD ( inzwischen der 5te in einem halben Jahr) nicht begeistert, aber leider gehen alle die ich bis jetzt hatte nicht gut für die Lunge.

Nun meine Frage.
Hat jemand Erfahrung damit bzw. wie kann ich die Atemnot weg bekommen.

Gruß A. Geßner

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