Physiotherapie bei COPD

Wie Sie bei COPD Übungen und Maßnahmen der Physiotherapie in Ihren Alltag integrieren, um Ihre Belastbarkeit zu steigern und Atemnot zu reduzieren.

Physiotherapeutin übt mit COPD-Patientin

Mehr bewegen – trotz COPD?

Viele Patienten stellt das vor eine schwere Aufgabe: Wie können Sie sich mehr bewegen oder gar Sport treiben, wenn Ihnen schon das Verrichten der alltäglichen Aufgaben vermehrte Symptome wie Husten und Atemnot verursacht?

Eine berechtigte Frage! Doch im Bereich der Physiotherapie liegen für Sie große Chancen, die eigene Belastbarkeit zu steigern und den Verlauf Ihrer COPD positiv zu beeinflussen.

Egal in welchem Stadium Sie sich befinden – für jeden COPD-Patienten gibt es Wege zu einer individuell angemessenen Physiotherapie. Ihre Chancen und Möglichkeiten möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • warum regelmäßige Bewegung bei COPD so wichtig ist,
  • was Sie vor dem Trainingsbeginn beachten sollten,
  • die Wege zur Physiotherapie bei COPD und
  • wie Sie auch im Alltag aktiv bleiben können.

Raus aus der Abwärtsspirale!

Wer nach einer körperlichen Anstrengung kaum noch Luft bekommt, wird verständlicherweise versuchen, die auslösende Situation in Zukunft zu vermeiden. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, führt jedoch auf direktem Weg in eine körperliche Abwärtsspirale. Denn übertriebene Schonung und Vermeidungsverhalten verstärken das Problem, indem Ihre Belastbarkeit weiter sinkt und Atemnot immer früher auftritt.

Aus dieser Abwärtsspirale gibt es einen Ausweg: Die Physiotherapie bei COPD bietet jedem Patienten Möglichkeiten, sich auf angemessene Weise körperlich zu belasten. Gerade im fortgeschrittenen Stadium können Sie dadurch Ihre Belastbarkeit spürbar steigern!

Regelmäßiges Training

  • stärkt Ihre Lungenfunktion
  • erhält und verbessert Ihre körperliche Belastbarkeit und
  • reduziert Atemnot.

Im folgenden Video werden die Effekte der Bewegungstherapie bei COPD am Beispiel des Lungensports vorgestellt:

Was Sie vor dem Trainingsbeginn beachten sollten

Wer sich gut vorbereitet, muss die körperliche Belastung nicht fürchten. Teil einer gewissenhaften Vorbereitung sind die folgenden Schritte:

1. Lassen Sie sich medizinisch untersuchen

Bevor Sie ins Bewegungsprogramm einsteigen, sollten Sie eine medizinische Voruntersuchung durch Ihren Lungenfacharzt durchführen lassen.

Zu den medizinischen Untersuchungen vor dem Trainingsbeginn gehören:

  • eine körperliche Untersuchung
  • eine Lungenfunktionsprüfung
  • eine Blutgasanalyse (in Ruhe und unter Belastung)
  • ein EKG (in Ruhe und unter Belastung)
  • eine Röntgenthoraxaufnahme
  • eine Analyse der Leistungsfähigkeit

Ausschlusskriterien von der Physiotherapie sind z. B.:

  • Erkrankungen des Herzens (z. B. Koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Herz-Rhythmus-Störungen)
  • arterielle Hypertonie
  • Lungenhochdruck
  • eine akut exazerbierte COPD

2. Wählen Sie eine angemessene Trainingsform

Stellen Sie mithilfe Ihres Lungenfacharztes fest, welche Art des Trainings und welcher Grad der Belastung für Sie geeignet sind. Grundsätzlich ist hierfür Ihr COPD-Schweregrad und das Ergebnis der medizinischen Untersuchung entscheidend.

Mit Ihrem Arzt sollten Sie auch besprechen, ob ein Training unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollte. Dafür könnte z. B. eine geringe ventilatorische Kapazität, eine gestörte Atemmuskelfunktion oder ein eingeschränkter Gasaustausch sprechen.

Unser Tipp: Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit, sich durch geschultes Personal im Rahmen einer Reha-Maßnahme, einer Lungensportgruppe oder einer Atemphysiotherapie an das Training heranführen zu lassen. Dabei lernen Sie unter fachlicher Aufsicht, sich angemessen einzuschätzen und zu belasten. Mehr Informationen dazu finden Sie im Abschnitt „Wege zur Physiotherapie“.

3. Erlernen Sie Atem- und Selbsthilfetechniken

Bereiten Sie sich auf den Fall der Fälle vor: Wenn Atemnot auftritt, können Sie mithilfe verschiedener Maßnahmen die Symptome lindern und die Kontrolle zurückgewinnen. Atemtechniken wie die Lippenbremse und das richtige Verhalten im Notfall können Sie übrigens auch im Rahmen einer Reha, einer Lungensportgruppe oder einer Atemphysiotherapie einüben.

Atemnot bei COPD – Was tun im Notfall?

Wege zur Physiotherapie bei COPD

Wenn keine Ausschlusskriterien bei Ihnen vorliegen, können Sie mit Ihrem Arzt das weitere Vorgehen besprechen. Je nach Schweregrad und allgemeiner Belastbarkeit kommen verschiedene Einstiegsmöglichkeiten für Sie in Frage.

  1. Ausdauer- und Breitensport

    Nach den Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga können Patienten mit leichtgradiger COPD und einem FEV1 von über 80% Ihres Sollwertes je nach persönlicher Verfassung Ausdauersport betreiben oder das Breitensportangebot örtlicher Sportvereine nutzen. Grundsätzlich sind Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen, Walken, Wandern, Tanzen, Fahrradfahren oder Spielsportarten ohne Wettkampfcharakter besser geeignet als Kampf- oder Kraftsportarten.

  2. Lungensport

    Patienten mit mittelschwerer COPD und einem FEV1 von über 60% des Sollwertes können eine auf Atemwegspatienten abgestimmte Physiotherapie in Lungensportgruppen durchführen.

    Lungensport wird in ganz Deutschland von Sportvereinen oder Reha-Einrichtungen angeboten. Zum Training gehören gezielte Übungen zur Stärkung der Atemmuskulatur ebenso wie das Üben von Atemtechniken, die das Atmen erleichtern.

    Zur Teilnahme ist eine Verordnung durch Ihren Haus- oder Lungenfacharzt notwendig. Die Kosten für viele Kurse werden anteilig oder komplett von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Praktische Anleitungen für Atemübungen mit Therapeutin Michaela Frisch

  3. Rehabilitation

    Als chronischer Patient haben Sie – insofern die Krankheit Ihren Alltag behindert – alle 4 Jahre ein Recht auf Reha. Den Großteil der Kosten übernimmt in diesem Fall z. B. die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung.

    Ein physiotherapeutisches Bewegungsprogramm ist in der Regel fester Bestandteil jeder Reha für Atemwegspatienten. Dazu gehören Lungensport, eine gerätegestützte medizinische Trainingstherapie und eine Atemphysiotherapie. Vor allem für Patienten mit schwerer COPD und starker Atemnot ist dies eine gute Möglichkeit, um unter ärztlicher Aufsicht an eine angemessene Physiotherapie herangeführt zu werden.

    Wie Sie eine Reha beantragen

  4. Atemphysiotherapie

    Atemphysiotherapeuten arbeiten mit chronischen Atemwegspatienten stationär in Kliniken und Rehabilitationszentren oder ambulant in der eigenen Praxis. Eine Atemphysiotherapie bei COPD kann Ihnen Ihr Haus- oder Lungenfacharzt verordnen (in der Regel 6 Einheiten zu je 20 Minuten, bis zu 5 Folgeverordnungen sind möglich).

    Hauptziel der Atemphysiotherapie ist es, den Patienten Atem- und Hustentechniken zu vermitteln, um die Atemnot zu reduzieren, festsitzenden Schleim in den Bronchien zu lösen und das Abhusten zu erleichtern.

    Zum Blog „Atemphysiotherapie – Richtig husten, leichter atmen“

Atemtherapiegeräte für COPD-Patienten

Atemtherapiegerät RC-Cornet® PLUS

Zu einer Atemphysiotherapie gehört auch das Training mit speziellen Atemtherapiegeräten, sogenannten PEP-Systemen (z. B. RC-Cornet® PLUS oder VRP1®-Flutter). Sie werden von Fachgesellschaften empfohlen und sind erstattungsfähig.

Beim Ausatmen in diese Geräte entsteht ein positiver Druck, der sich auf Ihre Bronchien überträgt und dort festsitzenden Bronchialschleim löst. Die Anwendung eignet sich vor allem für Patienten mit zäher Verschleimung und Problemen beim Abhusten.

Diese Atemtherapiegeräte helfen bei Asthma und COPD

So bleiben Sie auch im Alltag aktiv!

Damit Sie langfristig von den vorgestellten Maßnahmen profitieren, ist es entscheidend, dass Sie das Gelernte in Ihren Alltag überführen. Denn durch regelmäßiges Training lassen sich die Effekte der Physiotherapie deutlich steigern.

Ein tägliches Training von mindestens 20–30 Minuten ist weitaus effektiver als z. B. nur einmal pro Woche körperlich aktiv zu sein. Tun Sie also möglichst jeden Tag etwas für Ihre Ausdauer, führen Sie Kraft- und Atemübungen durch und schließen Sie sich einer Lungensportgruppe an!

Um die Ausdauer zu trainieren bieten sich z. B. Treppensteigen, ein täglicher Spaziergang, eine Runde Schwimmen oder Fahrradfahren an. Die Kraft- und Atemübungen, die Sie im Lungensport, in der Reha oder in der Atemphysiotherapie gelernt haben, lassen sich mitunter auch leicht zu Hause durchführen.

Was auch immer Sie tun: Bewegung tut Ihnen gut!


Quellen:

Worth, H. (et al.): Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga zum Sport und körperlichen Training bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen. In: Pneumologie 2000; 54(2): 61-67.

Vogelmeier, C. (et al.): S2k - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). Pneumologie 2018; 72: 253–308.

RC-Cornet

Atemtrainer RC‑Cornet® PLUS

Löst Schleim, reduziert Husten und Atemnot bei chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD.

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