Monika Tempel

Kopfsache

Bewältigungsstrategien für Lungenpatienten

Um die mutige und selbstbewusste Bewältigung von chronischen Lungenkrankheiten geht es in diesem Blog. Dazu motiviert die Ärztin Monika Tempel Patienten und Angehörige mit gesundheitsfördernden Methoden.

Die Exazerbation: Atemnot und Seelennot für Patienten und Angehörige

Wenn es rund läuft, denkt man als COPD-Patient nicht gerne an den nächsten akuten Krankheitsschub. Doch gerade in einer stabilen Phase ist es sinnvoll, hilfreiche Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Exazerbation und Psyche zu sammeln.

So erleben Patienten und Angehörige Exazerbationen

Die COPD von Patient A verläuft anders als die von Patientin B. Das gilt ebenso für die Verläufe bei Asthma, Lungenfibrose usw. Erst recht trifft das zu für das individuelle Erleben einer akuten Verschlechterung bei chronischen Lungenerkrankungen.

Bei aller Verschiedenheit nennen Patienten jedoch bestimmte Themen besonders häufig, wenn man nach psychischen Erfahrungen im Zusammenhang mit Exazerbationen fragt:

  1. Angst und Panik bei Exazerbationen

    Das „Atemnot-Monster“ kennen die meisten leider aus eigener Erfahrung. Gerade bei Exazerbationen reagieren Patienten auf Luftnot häufig mit wachsender Angst und verstärkter Atemnot. Daraus kann sich rasch ein Zustand von Panik und Hilflosigkeit entwickeln. Ein Teufelskreis!

  2. Einfluss von Angehörigen und Gesundheitsdiensten

    Kümmerer sind wichtig an der Seite der Patienten. Die Erfahrungen mit dem Verhalten von Angehörigen in akuten Krisensituationen werden jedoch sehr unterschiedlich beurteilt. Die meisten Patienten schildern hilfreiche Beruhigung und sinnvolle Unterstützung. Manche leiden jedoch unter den nervenden Ratschlägen oder der Kopflosigkeit ihrer Angehörigen, die alles noch schlimmer zu machen scheint.

    Umso mehr verlassen sich Patienten bei akuten Verschlechterungen auf die medizinischen Fachkräfte. Von ihnen erwarten sie rasche und kompetente Unterstützung. Das kann bis zu einer Art von „Notaufnahme-Abhängigkeit“ führen.

  3. Psychische Belastungen nach Exazerbationen

    Vor allem ältere Patienten klagen über mannigfaltige psychische Probleme nach akuten Krankheitsschüben. Dazu zählen eingeschränkte geistige Leistungsfähigkeit (schlechtes Kurzzeitgedächtnis, reduzierte Merkfähigkeit) und Stimmungsschwankungen.

    Auch Angehörige berichten mitunter von eigenen psychischen Belastungen. Depressive Stimmungen treten bei Angehörigen nicht selten mit Verzögerung nach den Exazerbationen der Patienten auf.

    Es gibt also viel zu beachten und zu lernen, um angemessen mit akuten Krankheitsschüben umzugehen und auf Dauer stabiler zu werden.

Gut gerüstet mit Aktionsplänen für Körper und Seele

In allen ambulanten Schulungsprogrammen und in der stationären Pneumologischen Rehabilitation werden Ihnen Aktionspläne für den Umgang mit Exazerbationen vermittelt. Für jeden Patienten ist es sinnvoll, einen solchen Plan zu kennen und im Ernstfall umzusetzen.

Noch wirkungsvoller wird ein solcher Aktionsplan, wenn er Ihre individuellen psychischen Begleitumstände berücksichtigt. Dazu sollten Sie gemeinsam mit Ihren Kümmerern zunächst die eigenen Erfahrungen im Zusammenhang mit akuten Verschlechterungen analysieren. Der persönliche „Check“ ist entscheidend, weil Patient A im Notfall anders reagiert als Patientin B.

Diese individuelle Check-Analyse ergibt erste Hinweise, wie sich Ihre Selbstwirksamkeitserwartung stärken läßt. Denn darauf kommt es für den Umgang mit belastenden und kritischen Situationen an: Die Gewissheit zu stärken, auch schwierige Herausforderungen aus eigener Kraft oder mit Hilfe von anderen erfolgreich bewältigen zu können.

Stärken Sie Ihre Selbstwirksamkeitserwartung!

Folgende Fragen spielen für die Selbstwirksamkeitserwartung bei Exazerbationen eine wichtige Rolle:

  • Was ist geschehen, bevor ich das letzte Mal wegen einer akuten Verschlechterung in die Klinik musste?
  • War ich allein, als die ersten Probleme mit dem Atmen auftraten? Falls nein: Wer war bei mir? Was hat der Betreffende getan?
  • Was habe ich während der Zeit vom Auftreten der ersten starken Atemnot bis zum Eintreten der Besserung gefühlt (angespannt? ängstlich? panisch? verwirrt?...)
  • Hatten diese Gefühle eine Auswirkung auf meine Atemnot?
  • Gibt es etwas, das ich selbst oder ein Angehöriger gegen die Atemnot tun kann? Falls ja: Was kann ich selbst tun? Was können Angehörige tun? Auf welche Art und Weise hilft es mir?
  • Wer hat den Arzt oder den Rettungsdienst informiert?
  • Wie habe ich mich gefühlt: bei der Ankunft von Arzt oder Rettungsdienst?
  • Hatte die Ankunft des Arztes/Rettungsdienstes Einfluss auf meine Atmung (unmittelbar? nach einiger Zeit?...)
  • Warum und wie bin ich in die Klinik gekommen?
  • Was geschah, als ich dort eintraf?
  • Wie habe ich mich bei der Ankunft in der Klinik gefühlt?
  • Hatte die Ankunft in der Klinik Einfluss auf meine Atmung (unmittelbar? nach einiger Zeit?...

Merkzettel für die Kühlschranktür

Nach dieser Vorarbeit erkennen Sie möglicherweise bereits ein individuelles Verhaltensmuster bei sich und Ihren Angehörigen. Sie können aussortieren, was nicht hilfreich war und ausbauen, was sich als wirksam erwiesen hat. Und Sie können Ihre ganz persönliche Checkliste „Exazerbation und Psyche“ ausfüllen.

Diese Checkliste finden Sie hier als „Merkzettel für die Kühlschranktür“ zum Ausdrucken:

Checkliste „Exazerbation und Psyche“ für Patienten und Kümmerer

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Kommentare:

Kommentar von Elke höfer |

Endlich habe ich eine Gruppe gefunden wo ich Gleichgesinnte habe . Ichhabe copd 4 war schon mit Depressionen in der nervenklinik muss 24 Stunden am sauerstoff sein nachts brauch ich ein Gerät wegen den Aussetzer womit ich garnicht kĺar komme. Sodas war erst mal alles für den Anfang mit freundlichen Grüßen eh

Kommentar von Monika Tempel |

Guten Tag,

Heidis Anfrage klang recht dringend. Trotzdem habe ich mit meiner Antwort bis heute gewartet, denn oft kommen von den anderen Forums-Teilnehmern alle notwendigen Informationen. Inzwischen haben Brigitte und Anton bereits Ermutigungen und hilfreiche Tips für Heidi gepostet. Unterstützen möchte ich Brigittes Hinweis auf die Listung zur Lungen-Transplantation – falls diese Möglichkeit angeboten wird und man sich diesen Weg für sich selbst vorstellen kann.

Liebe Heidi,
der Sommer macht gerade mal eine Verschnaufpause – hoffentlich geht es Ihnen dadurch auch etwas besser beim „Schnaufen“…

Es klingt schon recht eingeschränkt, Ihr Leben mit der fortgeschrittenen COPD. Ich gehe mal davon aus, daß Sie eine angemessene Therapie entsprechend dem COPD-Therapie-Stufenplan erhalten. Selbst bei optimaler Therapie kann leider in fortgeschrittenen Stadien – trotz Langzeit-Sauerstoffgabe – die Atemnot für Patienten belastend sein.

Der Werkzeugkoffer der Psychopneumologie enthält für diese Fälle vor allem Instrumente zum Umgang mit der begleitenden Angst bereit. Die Angst kann ja die Atemnot verschlimmern. Vielleicht finden Sie in der Atemnot-Angst-Broschüre (Download: Ängste bei Atemnot – Wege aus dem Teufelskreis) oder auf meiner Website (www.monikatempel.de) ein paar brauchbare Tips.

Haben Sie schon mal von der Atemnot-Ambulanz an der LMU München gehört? Auf der Website der LMU finden Sie wichtige Infos und einen detaillierten Flyer (zum Herunterladen). Vielleicht ist das eine Perspektive für Sie?

Falls eine Überweisung in die Atemnot-Ambulanz für Sie nicht realistisch ist, fasse ich in Stichworten das Angebot zusammen:

1. Nicht-medikamentös

Allgemein: Aktivitäten einteilen, Tagesrhythmus beachten, Hilfsmittel nutzen, Aktions-Plan bei Atemnot einsetzen…

Physiotherapie (evtl. Hausbesuch): atemerleichternde Körperhaltungen und Techniken verinnerlichen…

Handventilator gezielt einsetzen (Effekt wissenschaftlich begründet!)

2. Medikamentös

Opioide (Keine Angst vor Abhängigkeit!)

Mirtazapin (erste wissenschaftliche Nachweise auf Wirksamkeit bei Atemnot auch ohne Depression!)

Liebe Heidi, hoffentlich ist in der Fülle der Infos ein wirklich hilfreiches Angebot dabei, das genau Ihre Symptome erleichtert – damit Sie Luft haben für die Dinge, die Ihnen trotz COPD am Herzen liegen.

Ihre Monika Tempel

Kommentar von Ziegenbein, Karin-Renate |

Hallo Heidi,
Hier begrüßt Dich eine Mitleidende. Hänge seit 13 Jahren mit COPD mit Emphysem auf dieser Welt.
2014 Sauerstofftherapie 24 Std. Auch austherapiert, aber medikamentös gut eingestellt Um nun das Beste aus meinem Leben zu machen. Die Hitze hat mich bald umgebracht.Nun geht es auch da wieder.
Wenn du Tips brauchst helfe ich Dir gern.
Einen schönen Tag und alles Liebe und Gute lG Karina

Kommentar von Pengl Anton |

Hallo Heidemarie,das es dir so schlecht geht tut mir leid.Habe auch COPD/Asthma
Gold 4 30%lugenfunktion 24 Std. Sauerstoff 100% behindert.Stoffwechsel stimmt
bei mir nicht ,nehme auch Cortison 5mg.tägl. beiExazerbation bis 30mg zur Stoßtherapie
ca 14Tage dann langsam ausschleichen lassen.zusätzlich inhaliere ich 3-4 täglich
isotonische Kochsalzlösung um besser abhusten zu können.Für die Knochen nehme ich
morgens Calzium ,Magnesium für Krämpfe,Vitamin B/Vitamin C sowie vitamin D für das
Immunsystem.Meine Nebennierenrinde pruduziert kein Hormon mehr deshalb tägl.
Hydrocordison 10mg.morg. 5 mg.mitt. Fühle mich daher zur Zeit den Umständen recht gut.Habe meine COPD seit 9Jahren und 8Jahre Sauerstoff rund um die Uhr.
Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen und alles Liebe und Gute wünscht dir Anton Pengl
kämpfe weiter und positiv denken das hilft manchmal auch.Machs Gut !!!!!!!!

Kommentar von Brigitte |

Liebe Heidi,

ja, das muss alles sehr schlimm sein.
Trotzdem, bitte nie die Hoffnung aufgeben.
Und zum Glück ist es ja in diesen Tagen nicht mehr so sehr heiß,
jedenfalls bei mir nicht.

Ich selbst hoffe immer, dass es irgendwann mal bessere Medikamente gibt,
oder das mit Stammzellen eine Erneuerung stattfinden kann.

Sind Sie bei Spenderlungen angemeldet?

Gute Besserung
Liebe Grüße Brigitte

Kommentar von Heidemarie Thomann |

Hallo guten Morgen
Ich bin vor 14 Tagen aus einer Lungenklinik entlassen worden da ich wieder einen schweren Rückschlag der Lungenentzündung mit Nierenversagen hatte .Ich habe COPD Gold 4 D und es wurde innerhalb von einer Woche zwei Bronchokopieen gemacht wo man den festen und zähen Schleim der eitrig innerhalb von einer Woche wieder war den ich trotz Antibiotika und hoch Dosiert Cortison nicht aus der Lunge bekomme weil sich Dieser bei mir sofort wieder verfestigt und nur raus geholt werden kann .Leider hat mir das alles nichts gebracht und die Lunge hat sich sofort wieder eitrig entzündet .Jetzt nehme ich schon wieder Antibiotika und hoch dosiert Cortison was für mich auch nicht gut ist da ich eine schlimme Knochenerkrankung habe und das Cortison die Knochen immer noch schneller zerstören tut . Vielleicht weiss Jemand von Euch was ich noch tun kann um ein wenig besser Luft zu bekommen .Ich muss 24 Stunden an die Sauerstoffgeräte um überhaupt noch ein wenig Sauerstoff in die Lunge zu bekomme. Die Fachärzte in der Klinik und mein Lungenarzt sagen Sie könnten nichts mehr für mich tun als nur noch die Synthome zu lindern um das ich das alles aushalte .Jetzt bei der Hitze ist es besonders schlimm so das ich schon sehr oft ohne Luft da stand und bei der kleinsten Anstrenung auch keine Luft mehr bekomme .Ich würde mich sehr über eine Antwort von Euch freuen und wünsche Allen einen schönen Tag , Heidi

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