Atemwegsinfektionen bei COPD: Wie Sie sich vor Infekten schützen können

Atemwegsinfektionen gehören besonders für Menschen mit COPD zu den häufigsten Auslösern von Krankheitsschüben. Erfahren Sie, wie Infektionen entstehen, warum Exazerbationen nicht immer durch Erreger verursacht werden und was Sie selbst tun können, um Ihr persönliches Risiko zu senken.
 | 27.10.2026

Wie Atemwegsinfektionen entstehen

Der Mensch benötigt die gesunde Umgebung zum Leben. Gleichzeitig muss er sich aber vor ihr und Eindringlingen schützen, die ihm schaden und sein Leben gefährden könnten. Die Schutzwälle gegen die Umgebung sind Haut und Schleimhaut. Die Haut muss auch stärkeren mechanischen Belastungen trotzen. Deswegen ist sie dicker und damit weniger verletzlich. Erreger haben es schwerer, hier in den Körper einzudringen.

Die Schleimhäute sind dünner. Sie sind nicht nur Schutzwall, sondern erlauben uns gleichzeitig auch Stoffe, die wir zum Leben benötigen, durch sie hindurch aufzunehmen – z.B. Sauerstoff, Nahrung – und im Körper weiter zu verarbeiten und auch „Abfall“ – z.B. Kohlendioxyd – auszuscheiden. Damit haben es Erreger auch leichter, hier einzudringen.

Auch die unterschiedlichen Oberflächen erklären, wo die größten Gefahren lauern:

  • Haut etwa 2 m2
  • Atemwege etwa 60 – 100 m2
  • Magen-Darmtrakt etwa 200 – 400 m2

Ohne Infektion und Training kann das Abwehrsystem nicht funktionieren
An diesen Schutzwällen finden ständig Abwehrkämpfe statt, mit denen das Abwehrsystem ständig trainiert wird. Nach der Pandemie stiegen die Infektionszahlen als Beleg, dass es sich neu programmieren musste. Eine kleine Zahl von Erregern kann das Abwehrsystem abwehren. Erst eine größere Zahl überfordert es und führt zu einem Infekt.

Warum Infektionen bei COPD besonders problematisch sind

Atemwegsinfektionen lassen sich nicht vollständig vermeiden. Umso wichtiger ist es, das persönliche Infektionsrisiko zu senken und Infektionen möglichst früh zu erkennen. Das gilt besonders für Menschen mit COPD, da Infektionen häufig eine Exazerbation auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken können. Vor den gefährlichen Erregern müssen wir uns schützen, damit diese keine schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen verursachen.

Gut zu wissen: Jede Verschlechterung der COPD – AECOPD (Akute Exazerbation der COPD) beschleunigt das Fortschreiten der Krankheit, ist mit Lebensgefahr verbunden und hinterlässt in der Regel bleibende Schäden.

Allerdings ist eine Exazerbation nicht mit einer Infektion gleichzusetzen. Schon große Hitze mit „Austrocknung“ der Schleimhaut oder eine starke Luftverschmutzung kann eine Exazerbation auslösen. Ein großer Teil, nicht alle Exazerbationen werden durch einen Infekt ausgelöst. Die beste Möglichkeit, einen Teil der Exazerbationen zu verhindern, ist somit, Infektionen zu verhindern oder ihre Schwere zu mildern. Aber wie funktioniert das?

Therapeutische Maßnahmen bei COPD sind auch Schutz vor Exazerbationen

Die üblichen therapeutischen Maßnahmen in der Therapie der COPD beinhalten gleichzeitig eine Vorbeugung vor Exazerbationen:

1. Ausschalten von schädigenden Faktoren (Noxen)

Jede Schadensmöglichkeit, sogenannte Noxen (schädigende Einflüsse wie Tabakrauch, Luftschadstoffe oder Stäube), befeuert den Krankheitsprozess und ebnet den Weg für Exazerbationen und Infektionen.

Beispiel: Nikotin ist ein Nervengift, das u.a. die Flimmerhärchen in den Atemwegen für Stunden lähmt, damit das Fließband des Selbstreinigungsmechanismus stoppt und Erregern damit eine längere Verweildauer in den Atemwegen ermöglicht, ihnen damit natürlich mehr Zeit für einen Angriff schenkt.

Vergleichbare Schädigungsmöglichkeiten beinhalten alle Noxen. Dadurch erklärt sich u.a. die Neigung zu Infektionen der Atemwege bei Patienten mit COPD.

2. Impfungen

Gut zu wissen: Impfen ist die einzige Möglichkeit, sich vorsorglich vor einer Krankheit zu schützen, gegen die wir keine Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung besitzen.

Beim Impfen regen wir die körperliche Abwehr an, indem wir den Körper mit abgeschwächten, abgetöteten oder inaktivierten oder Teilen von Erregern in Kontakt bringen. Beim späteren Kontakt mit dem „intakten“ Erreger ist er dann bereits für den Abwehrkampf vorbereitet, kennt den Erreger, und kann ihn ohne Zeitverlust zu bekämpfen beginnen.

Welche Impfungen sind für Patienten mit COPD ratsam?

  • Influenza-Impfung einmal pro Jahr vor dem Winterhalbjahr
  • Pneumokokken-Impfung = im Volksmund Impfung gegen „Lungenentzündung“ -, einmal mit Auffrischung je nach Erstimpfstoff
  • RSV-Impfung – nach aktuellem Kenntnisstand mit Schutz für drei Jahre
  • Keuchhusten-Impfung einmal – vorzugsweise als Vierfachimpfung mit Tetanus, Diphtherie und Polio
  • Corona-Impfung mit Nachlassen der Gefährlichkeit des Virus nur noch in speziellen Ausnahmefällen

3. Körperliche Betätigung

Eine regelmäßige körperliche Betätigung stärkt den Körper allgemein und speziell das Immunsystem und ermöglicht ihm auf diese Weise, mit Belastungen, wie auch Infektionen, leichter fertigwerden zu können.

4. Medikamente

Die zwei unterschiedlich wirkenden Bronchodilatatoren lindern Beschwerden und sind auch in der Lage, Exazerbationen zu verhindern. Sollten sie das Ziel „ausnahmsweise“ nicht erreichen, kann ein zusätzlicher Versuch mit Kortison zur Inhalation oder einem Biologikum gemacht werden.

5. Atemwege feucht halten und die Selbstreinigung unterstützen

Sorgen sie für Erhalt und Unterstützung des Selbstreinigungsmechanismus. Wiederholtes Befeuchten der Atemwege verbessert die Funktion des Selbstreinigungsmechanismus der Schleimhaut und senkt damit das Infektionsrisiko, mildert den Verlauf und verkürzt die Dauer einer Infektion. Das gelingt mit:

  • Mehrfachem Einsprühen von Kochsalz in die Nase
  • regelmäßigen Spülungen der Nase mit Kochsalzlösung
  • Inhalation von Kochsalz über einen Vernebler

Gut zu wissen: Das funktioniert nur mit einem Vernebler! Mit einem Kochtopf und heißem Wasser mit Zusatz von Kochsalz gelingt das nicht. Das Wasser verdunstet und das Kochsalz bleibt im Kochtopf zurück.

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6. Atemtherapie zur Schleimlösung

Gerade bei Menschen mit COPD kann zäher Schleim die natürliche Selbstreinigung der Atemwege beeinträchtigen. Atemtherapeutische Maßnahmen können helfen, Schleim zu lösen und den Abtransport von Krankheitserregern zu unterstützen. In Kombination mit einer Feuchtinhalation kann die Reinigung der Atemwege zusätzlich gefördert werden.

Ein Beispiel hierfür ist das RC-Cornet PLUS. Das oszillierende Atemtherapiegerät für die unteren Atemwege unterstützt die Schleimlösung und kann in Verbindung mit einer Feuchtinhalation angewendet werden. So werden Atemtherapie und Feuchtinhalation miteinander kombiniert.

Ansteckungsrisiken im Alltag verringern

Bevor wir diese Frage beantworten können, ist es unerlässlich zu wissen, wie es zu einer Infektion der Atemwege kommt.

Gut zu wissen: Grundsätzlich gilt, dass wir uns kaum vor einer Virusinfektion schützen können!

Beispiel: Die Erreger von Kinderkrankheiten haben keine spezielle Fähigkeit, sich besonders auf Kinder „stürzen“ zu können. Diese Viren sind nur so hochgradig ansteckend, dass ihnen ein Heranwachsender kaum entrinnen kann, und deswegen früh im Leben daran erkrankt. So sind diese Krankheiten zu ihrem Namen „Kinderkrankheiten“ gekommen.

Warum sollte ich mich vor einer Infektion schützen?

Es ist sicher gut verständlich, dass die Schwere einer Infektion von der Zahl der Erreger abhängt, die den Schutzwall überwinden und in den Körper eindringen können. Ziel unserer Bemühungen muss es deswegen sein, die Zahl der Erreger, möglichst klein zu halten.

Mit wenigen Erregern wird unser Abwehrsystem spielend fertig. So kann die Infektion vielleicht sogar ausbleiben. Erst wenn eine bestimmte Zahl überschritten ist, ist das System überfordert und Erreger schaffen es, den Schutzwall zu überwinden und krank zu machen. Unsere vorsorglichen Maßnahmen müssen demnach sein:

  1. Wenn möglich, einem Infekt aus dem Weg zu gehen!
  2. Versuchen, die Zahl der Erreger, vornehmlich Viren möglichst klein zu halten, die es in unseren Körper schaffen!

Wie verbreiten sich Atemwegsinfektionen?

Die Erreger schweben nicht so einfach in der Umgebungsluft herum, wie oft fälschlicherweise geglaubt wird. Für die Verbreitung einer Infektion müssen Krankheitserreger von einem Infizierten zu einem neuen, noch gesunden Opfer gelangen. Erreger findet man deswegen dort, wo sich Infizierte aufhalten oder aufgehalten haben.

Gut zu wissen: Einer der Effekte von Impfungen, Infektionen können sich „nur“ von einem Ungeimpften auf den nächsten Ungeimpften verbreiten.

Je mehr Menschen durch vorausgegangene Infektion oder Impfung geschützt sind, desto schwerer ist die Ausbreitung einer Infektion. Diese Feststellung gilt nicht uneingeschränkt, bieten die meisten Impfungen doch keinen vollständigen Schutz vor einer Infektion. Manchmal reicht es aber schon, dass Impfungen die Infektion mildern können.

Während der Corona-Pandemie haben wir Oberflächen und Hände desinfiziert. Dabei besteht praktisch keine Gefahr sich bei Kontakt mit Flächen zu infizieren. Sind Viren oder Bakterien auf einer Fläche „gelandet“, haben sie kaum mehr Chancen, von der Fläche wieder in die Luft zu gelangen. Und über die Haut ist eine Infektion nur möglich, wenn eine Lücke, Verletzung die Schutzwand verletzlich gemacht hat, und ein Eindringen eines Erregers ermöglicht.

Husten macht Angst, ist aber selten ein Risiko

Menschen haben in der Pandemie sofort Aufmerksamkeit erregt, wenn sie gehustet haben. Die Menschen haben Abstand zu ihnen genommen, aus Angst vor einer Ansteckung. Dabei ging von ihnen kaum Gefahr aus.

Beim Husten und Niesen reißen in Mund und Nase große Tropfen von der Schleimschicht ab, die aber wegen ihres großen Gewichtes schnell zu Boden fallen. Die Infektionsgefahr bei darin befindlichen Erregern ist somit eher klein.

Aerosole als Transportmittel für Viren

Die Infektion erfolgt still und heimlich, ohne dass wir die Gefahr erkennen und davon etwas mitbekommen können. Selbst der Infizierte weiß oft nicht, dass er ansteckend ist.

Viren können den Sprung zum nächsten Opfer nicht „nackt“ schaffen. Sie benötigen für den „Flug“ ein Raumschiff, das Aerosol. Das sind ultrafeine Partikel, um ein Vielfaches kleiner als ein Millimeter, im Fall der Atemwege kleinste „Tröpfchen“.

Wo und wie entsteht das Aerosol?

Aerosole werden ständig beim normalen Atmen gebildet. Beim Ausatmen kollabieren die ganz kleinen Atemwege. Wenn sie beim Einatmen wieder geöffnet, auseinandergerissen werden, reißen kleinste Partikel aus dem Schleim ab. Dabei entstehen die sehr kleinen Tröpfchen, das Aerosol. Wegen ihrer „Kleinheit“ bleiben sie lange in der Schwebe.

Gut zu wissen: Diese Partikel sind meist sehr klein, oft im Submikrometerbereich. Genau deshalb bleiben sie lange in der Luft schweben. Je kleiner sie sind, desto tiefer im Bronchialbaum liegen ihre Entstehungsorte.

Aerosol ist gut mit Zigarettenrauch zu vergleichen. Der Rauch bleibt lange in der Luft und verteilt sich schnell und gut. Wird in einem Raum geraucht, riecht man das schnell bis in die entfernteste Ecke. Wegen dieser Eigenschaften konnten sich Menschen in einem Restaurant infizieren, obwohl sie weit weg von einem Infizierten gesessen hatten.

Jeder Mensch atmet mit jedem Atemzug Aerosolteilchen. Deren Zahl nimmt bei einem Infekt deutlich und bei den so genannten Superspreadern noch einmal massiv zu. In diesen Aerosolteilchen sind die Viren enthalten, werden dann von anderen Menschen eingeatmet und können zu einer Erkrankung führen. Der Infizierte muss sich nicht einmal krank fühlen, von seiner Ansteckungsgefahr nicht einmal wissen und auch die Opfer haben keine Chance, die Gefahr zu erkennen.

Warum Innenräume besonders relevant sind

Im Freien geht vom Aerosol praktisch keine Gefahr aus. Die warme Atemluft steigt im Freien schnell auf und verteilt sich. Dabei trocknen die Aerosolteilchen sehr schnell aus. Die Gefahr lauert in Innenräumen. Je kleiner die Räume und je mehr Menschen sich dort längere Zeit aufhalten, desto größer ist die Gefahr einer Ansteckung.

So können Sie Ihr Risiko verringern

  • Meiden Sie Menschen, die krank sind oder krank wirken.
  • Meiden Sie den Aufenthalt in kleinen Räumen, vor allem mit vielen Menschen, aber auch ohne oder halten diesen so kurz wie möglich.
  • Lüften Sie Ihre eigenen Räume oder wo sich die Gelegenheit bietet in regelmäßigen kurzen zeitlichen Abständen
  • Tragen Sie eine Mund-Nasen-Maske in jeder aus Ihrer Sicht gefährlichen Situation.

Worauf Sie bei Masken achten sollten

Gut zu wissen: Masken können nicht absolut vor Eindringen von Viren schützen. Es geht vor allem darum, die Zahl der Viren zu verringern, die die Atemwege erreichen können.

  • Je dichter das Maskenmaterial, desto besser der Schutz
  • Achten Sie auf guten Sitz, d.h. enges Anliegen der Maske, sonst gelangen die Viren an der Maske vorbei in ihre Atemwege und können anstecken.
  • Wer mit einer Maske nur den Mund bedeckt und die Nase freilässt, hat schon verloren!
  • Setzen Sie die Maske ab, wenn keine Gefahr mehr besteht. So bleibt die gute „Filterfunktion“ länger erhalten.

Denken Sie an die Impfungen, passen Sie auf sich auf und kommen Sie gut über den Winter!

Dr. med. Thomas Hausen

Über den Autor

Dr. Thomas Hausen

Arzt für Allgemeinmedizin und Sportmedizin

Dr. med. Thomas Hausen war über 30 Jahre lang als Arzt für Allgemein- und Sportmedizin in Essen-Werden tätig. Er publizierte zahlreiche Artikel, Bücher und Fortbildungsbeiträge zu chirurgischen und internistischen Themen, insbesondere zu Asthma, COPD, Atemwegsinfektionen und Inhalationstherapie. Heute bringt er seine Erfahrung weiterhin in Fachkreisen, Fortbildungen und wissenschaftlichen Projekte ein.

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