Physiotherapie bei COPD

Physiotherapie bei COPD kann Ihnen helfen, im Alltag aktiver zu bleiben. Dabei lernen Sie Übungen, Atemtechniken und bei Bedarf passende Hilfsmittel kennen, die Ihre Belastbarkeit verbessern und Atemnot verringern können.
 | 25.08.2026

Mehr bewegen – trotz COPD?

Für viele Patient:innen ist das eine große Herausforderung: Wie können Sie sich mehr bewegen oder Sport treiben, wenn bereits alltägliche Aufgaben Husten oder Atemnot auslösen? Eine berechtigte Frage! Doch im Bereich der Physiotherapie liegen für Sie große Chancen, die eigene Belastbarkeit zu steigern und den Verlauf Ihrer Belastbarkeit zu steigern und besser mit den Folgen der COPD umzugehen.

Egal in welchem Stadium Sie sich befinden – für viele COPD-Patient:innen gibt es Wege zu einer individuell angemessenen Physiotherapie. Ihre Chancen und Möglichkeiten möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen,

  • warum regelmäßige Bewegung bei COPD so wichtig ist,
  • was Sie vor dem Trainingsbeginn beachten sollten,
  • die Wege zur Physiotherapie bei COPD,
  • wie Atemtherapie- und Atemtrainingsgeräte unterstützen können und
  • wie Sie auch im Alltag aktiv bleiben können.

Raus aus der Abwärtsspirale!

Wer nach einer körperlichen Anstrengung kaum noch Luft bekommt, wird verständlicherweise versuchen, die auslösende Situation in Zukunft zu vermeiden. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, führt jedoch auf direktem Weg in eine körperliche Abwärtsspirale. Denn übertriebene Schonung und Vermeidungsverhalten verstärken das Problem, indem Ihre Belastbarkeit weiter sinkt und Atemnot immer früher auftritt.

Aus dieser Abwärtsspirale gibt es einen Ausweg: Die Physiotherapie bei COPD bietet Ihnen Möglichkeiten, sich auf angemessene Weise körperlich zu belasten. Das kann auch bei fortgeschrittener COPD gelingen.

Regelmäßiges Training kann:

  • Ihre körperliche Belastbarkeit verbessern
  • Atemnot verringern
  • Muskeln und Ausdauer erhalten
  • Ihnen mehr Sicherheit im Alltag geben

Lungensport kann dabei eine gute Unterstützung sein. In einer Gruppe üben Sie Bewegung und Atemtechniken unter fachlicher Anleitung.

Was Sie vor dem Trainingsbeginn beachten sollten

Wer sich gut vorbereitet, kann die körperliche Belastung besser einschätzen. Klären Sie vorher ab, was zu Ihnen passt:

1. Lassen Sie sich medizinisch untersuchen

Bevor Sie ins Bewegungsprogramm einsteigen, sollten Sie eine medizinische Voruntersuchung in Ihrer haus- oder lungenfachärztlichen Praxis durchführen lassen.

Mögliche medizinische Untersuchungen können z.B. sein:

  • eine körperliche Untersuchung
  • eine Lungenfunktionsprüfung
  • eine Blutgasanalyse (in Ruhe und unter Belastung)
  • ein EKG (in Ruhe und unter Belastung)
  • eine Röntgenthoraxaufnahme
  • eine Analyse der Leistungsfähigkeit

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüft Ihre Beschwerden, Ihre Belastbarkeit und mögliche Begleiterkrankungen. Je nach Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Manche Erkrankungen sprechen gegen ein körperliches Training. Fachleute nennen sie Kontraindikationen, also Gegenanzeigen. Ob Einschränkungen notwendig sind, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der persönlichen Gesundheitssituation.

2. Wählen Sie eine angemessene Trainingsform

Nicht jede Bewegungsform passt zu jeder Person. Wichtig sind Ihre Beschwerden, Ihre bisherige Aktivität und Ihre persönlichen Ziele. Klären Sie gemeinsam mit Ihrer haus- oder lungenfachärztlichen Praxis, welche Art des Trainings und welcher Grad der Belastung für Sie geeignet sind. Grundsätzlich ist hierfür Ihr COPD-Schweregrad und das Ergebnis der medizinischen Untersuchung entscheidend.

Besprechen Sie auch, ob ein Training unter ärztlicher Aufsicht stattfinden sollte. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn Ihre Lunge weniger leistungsfähig ist, die Atemmuskeln nicht ausreichend arbeiten oder der Sauerstoffaustausch beeinträchtigt ist.

Unser Tipp: Lassen Sie sich von qualifizierten Fachpersonen an das Training heranführen. Das geht in einer Reha, in einer Lungensportgruppe oder in der Atemphysiotherapie. Dabei lernen Sie, sich angemessen einzuschätzen und zu belasten. Mehr Informationen dazu finden Sie im Abschnitt „Wege zur Physiotherapie“.

3. Erlernen Sie Atem- und Selbsthilfetechniken

Atemnot kann verunsichern. Bereiten Sie sich auf den Fall der Fälle vor: Wenn Atemnot auftritt, können Sie mithilfe verschiedener Maßnahmen die Symptome lindern und die Kontrolle zurückgewinnen. Atemtechniken wie die Lippenbremse und das richtige Verhalten im Notfall können Sie übrigens auch im Rahmen einer Reha, einer Lungensportgruppe oder einer Atemphysiotherapie einüben.

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Wege zur Physiotherapie bei COPD

Wenn keine Ausschlusskriterien bei Ihnen vorliegen, können Sie in Ihrer Praxis das weitere Vorgehen besprechen. Je nach Schweregrad und allgemeiner Belastbarkeit kommen verschiedene Einstiegsmöglichkeiten für Sie in Frage.

  1. Ausdauer- und Breitensport

    Bei guter Belastbarkeit kann Ausdauer- und Breitensport möglich sein. Die Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga nennen dafür bei COPD unter anderem einen FEV1-Wert von über 50 Prozent des Sollwerts. FEV1 steht für die Einsekundenkapazität. Sie beschreibt die Luftmenge, die Sie mit größter Kraft in einer Sekunde ausatmen können.

    Die Empfehlung nennt außerdem eine Spiroergometrie von über 80 Prozent der maximalen Sollleistung. Eine Spiroergometrie ist ein Belastungstest. Dabei werden unter anderem Atmung und Herz-Kreislauf-Reaktion gemessen. Der FEV1-Wert allein entscheidet also nicht darüber, welche Bewegung zu Ihnen passt. Geeignet sind beispielsweise Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen. Auch Krafftraining kann ein sinnvoller Bestandteil eines Trainingsprogramms sein.

    Unser Tipp: Wählen Sie eine Bewegungsform, die Ihnen Freude macht. Beginnen Sie langsam und steigern Sie die Belastung Schritt für Schritt.
  2. Lungensport

    Lungensport ist ein Gruppentraining speziell für Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Er kommt infrage, wenn Ihre Belastbarkeit stärker eingeschränkt ist. Die Zuordnung erfolgt heute über das Ergebnis Ihres Belastungstests, nicht mehr über einen festen Lungenfunktionswert. Lungensport wird in ganz Deutschland von Sportvereinen oder Reha-Einrichtungen angeboten. Zum Training gehören gezielte Übungen zur Stärkung der Atemmuskulatur ebenso wie das Üben von Atemtechniken, die das Atmen erleichtern. Die Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga raten zu Lungensport mindestens einmal pro Woche. Bewegung und Übungen zu Hause ergänzen das Gruppentraining sinnvoll. Für Lungensport als Rehabilitationssport brauchen Sie eine ärztliche Verordnung. Die gesetzliche Krankenkasse oder ein anderer Rehabilitationsträger bewilligt die Maßnahme vor dem Beginn. Bei bewilligtem Rehabilitationssport dürfen keine Zuzahlungen oder Eigenbeteiligungen verlangt werden. Praktische Anleitungen für Atemübungen mit Therapeutin Michaela Frisch
  3. Pneumologische Rehabilitation

    Wenn die COPD Ihren Alltag deutlich beeinträchtigt, kann eine pneumologische Reha sinnvoll sein. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt unterstützt Sie bei der Antragstellung. Der zuständige Kostenträger prüft den Antrag. Eine erneute Reha ist in der Regel nach vier Jahren möglich. Wenn sie aus medizinischen Gründen früher dringend nötig ist, kann sie auch früher bewilligt werden. Nach der Bewilligung übernimmt der zuständige Kostenträger die Reha-Kosten. Eventuell kann eine gesetzliche Zuzahlung anfallen. Ein physiotherapeutisches Bewegungsprogramm ist in der Regel fester Bestandteil jeder Reha für Menschen mit Atemwegserkrankungen. Dazu gehören Lungensport, eine gerätegestützte medizinische Trainingstherapie und eine Atemphysiotherapie. Gerade bei schwerer COPD und starker Atemnot ist dies eine gute Möglichkeit, um unter ärztlicher Aufsicht an eine angemessene Physiotherapie herangeführt zu werden. Wie Sie eine Reha beantragen.
  4. Atemtraining

    Beim Atemtraining trainieren Sie gezielt die Muskeln, die Sie zum Einatmen brauchen (Atemhilfsmuskulatur). Hierbei atmen Sie gegen einen einstellbaren Widerstand ein. Das ähnelt einem Krafttraining für Ihre Einatemmuskulatur. Fachleute sprechen dabei von inspiratorischem Atemmuskeltraining, kurz IMT. Inspiratorisch bedeutet: die Einatmung betreffend.

    Die Kombination des inspiratorischen Atemtraining mit Atemtherapie bei der Ausatmung kann für Atemwegserkrankte sehr hilfreich sein. Beim Ausatmen gegen einen Widerstand entsteht ein positiver Ausatemdruck. Zusätzlich können Oszillationen (Schwingungen) erzeugt werden, die sich auf die Atemwege übertragen. Fachleute sprechen hierbei von OPEP (Oscillating Positive Expiratory Pressure). Diese Methode kann die Sekretmobilisation unterstützen und das Abhusten erleichtern.

    Studien zeigen: Regelmäßiges Atemtraining kann die Kraft Ihrer Atemmuskulatur stärken. Ob sich auch Atemnot, Belastbarkeit oder Lebensqualität verbessern, ist individuell verschieden. Atemtraining kann Ihnen in der Atemphysiotherapie oder in einer Reha erklärt werden. Fragen Sie auch in Ihrer Lungensportgruppe, ob dort ein solches Training angeboten wird. Nach einer Anleitung können Sie das Training zu Hause mit einem passenden Handgerät fortführen. Wie oft und wie lange Sie üben sollten, besprechen Sie am besten in Ihrer Atemphysiotherapie.

    Atemtraining und Atemphysiotherapie schließen einander nicht aus. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele und lassen sich gut miteinander verbinden.
  5. Atemphysiotherapie

    Atemphysiotherapie ist Physiotherapie, die das Atmen, Husten und den Umgang mit Atemnot unterstützt. Atemphysiotherapeut:innen arbeiten mit chronischen Atemwegskranken stationär in Kliniken und Rehabilitationszentren oder ambulant in der eigenen Praxis. Eine Atemphysiotherapie bei COPD kann Ihnen Ihre haus- oder lungenfachärztliche Praxis verordnen. Pro Rezept sind in der Regel bis zu 6 Einheiten möglich, meist ein- bis dreimal pro Woche. Als Orientierung gelten insgesamt bis zu 18 Behandlungen. Wenn das Therapieziel noch nicht erreicht ist, kann Ihre Praxis weitere Behandlungen verordnen und medizinisch begründen. Hauptziel der Atemphysiotherapie ist es, den Patient:innen Atem- und Hustentechniken zu vermitteln, um die Atemnot zu reduzieren, festsitzenden Schleim in den Bronchien zu lösen und das Abhusten zu erleichtern. Atemtherapie – Richtig husten, leichter atmen

Atemtherapie- und Atemtrainingsgeräte bei COPD

Zu einer Atemphysiotherapie kann auch das Training mit speziellen Geräten gehören. Dabei gibt es zwei Gruppen, die unterschiedliche Ziele verfolgen:

Atemtherapiegeräte arbeiten beim Ausatmen. Fachleute nennen sie PEP-Systeme. PEP steht für positiven Ausatemdruck. Beim Ausatmen in diese Geräte entsteht ein Widerstand.

Eine besondere Form sind OPEP-Systeme. OPEP steht für oszillierenden positiven Ausatemdruck. Oszillierend bedeutet: Der Druck schwankt in feinen, regelmäßigen Schwingungen. Der wechselnde Druck und Luftstrom können helfen, festsitzenden Schleim zu mobilisieren. Das Abhusten kann dadurch leichter werden. Die Anwendung eignet sich vor allem für Patient:innen mit zäher Verschleimung und Problemen beim Abhusten. Ein Beispiel ist das RC-Cornet® PLUS.

Atemtrainingsgeräte arbeiten beim Einatmen. Sie trainieren die Muskeln, die Sie zum Einatmen brauchen, gegen einen einstellbaren Widerstand. Manche Geräte verbinden beide Prinzipien. Das RC-FIT® CLASSIC kann zum Einatemtraining und zur Atemtherapie beim Ausatmen genutzt werden.

Kurz gesagt: Atemtherapiegeräte können bei zähem Schleim das Abhusten unterstützen. Atemtrainingsgeräte können die Atemhilfsmuskulatur trainieren. Welche Variante zu Ihnen passt, hängt von Ihren Beschwerden ab. Besprechen Sie das in Ihrer Praxis oder in der Atemphysiotherapie. Beide Hilfsmittel können ärztlich verordnet werden. Sie sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung gelistet. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, prüft sie im Einzelfall.

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So bleiben Sie mit Physiotherapie bei COPD auch im Alltag aktiv!

Damit Sie langfristig von den vorgestellten Maßnahmen profitieren, ist es entscheidend, dass Sie das Gelernte in Ihren Alltag überführen. Denn durch regelmäßiges Training lassen sich die Effekte der Physiotherapie bei COPD erhalten und unterstützen.

Ein tägliches Training von mindestens 20–30 Minuten ist weitaus effektiver als z. B. nur einmal pro Woche körperlich aktiv zu sein. Tun Sie also möglichst jeden Tag etwas für Ihre Ausdauer, führen Sie Kraft- und Atemübungen durch und schließen Sie sich einer Lungensportgruppe an!

Um die Ausdauer zu trainieren, bieten sich wenn möglich z. B. Treppensteigen, ein täglicher Spaziergang, eine Runde Schwimmen oder Fahrradfahren an. Die Kraft- und Atemübungen, die Sie im Lungensport, in der Reha oder in der Atemphysiotherapie gelernt haben, lassen sich mitunter auch leicht zu Hause durchführen und in den Alltag integrieren.

Was auch immer Sie tun: Bewegung tut Ihnen gut!

Quellen:
– Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (2026). S2k-Leitlinie: Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). AWMF-Register-Nr. 020-006, Version 5.2. S2k-Leitlinie COPD 2026. Abrufdatum: 10.08.2026.
– Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich. (2026, 10. März). COPD: Verbesserung durch Kräftigung der Atemmuskulatur? COPD und Atemmuskeltraining: Nutzen und Studienlage. Abrufdatum: 10.08.2026.Ammous, O., Feki, W., Lotfi, T., Khamis, A., Gosselink, R., Rebai, A., & Kammoun, S. (2023). Inspiratorisches Atemmuskeltraining mit oder ohne begleitende pulmonale Rehabilitation bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Cochrane Database of Systematic Reviews, 2023(1), CD013778. https://doi.org/10.1002/14651858.CD013778.pub2. Abrufdatum: 10.08.2026.
– Worth, H., Bock, R., Frisch, M., Göhl, O., Grünig, E., Glöckl, R., Limbach, M., Schultz, K., Spielmanns, M., Taube, K., Teschler, S., & Watz, H. (2021). Ambulanter Lungensport und körperliches Training bei Patienten mit Atemwegs- und Lungenkrankheiten: Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland und der Deutschen Atemwegsliga. Pneumologie, 75(1), 44–56. Abrufdatum: 10.08.2026.
– Gemeinsamer Bundesausschuss. (2025). Richtlinie über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung: Heilmittel-Richtlinie. Fassung vom 15.05.2025, in Kraft seit 05.08.2025. Heilmittel-Richtlinie. Abrufdatum: 10.08.2026.
– Bundesrepublik Deutschland. (o. J.). Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch: Gesetzliche Krankenversicherung, § 40 Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. § 40 SGB V: Medizinische Rehabilitation. Abrufdatum: 10.08.2026.
– Foto: Wavebreakmedia / istock.com

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2 Kommentare

  1. das ist recht und schön. aber bei mir ist es so, daß ich erst einmal das rauchen aufhören müßte und das fällt mir unheimlich schwer, da ich gleizeitig noch an schweren depressionen leide. vielleicht kann mir da jemand einen tip geben.

    Antworten
  2. Das hört sich immer gut an. Treppensteigen haha ich bin froh wenn ich 3 Stufen auf einmal überwinden kann.

    Antworten

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