
Dass viele Menschen zuerst an die Lunge denken, ist verständlich – schließlich findet dort der lebenswichtige Vorgang „Gasaustausch“ statt. Und wir sprechen umgangssprachlich häufig von „Lungenerkrankungen“. Doch unsere Atmung hat noch einen zweiten wichtigen Partner, der oft weniger bekannt ist: die Atempumpe.
Beide arbeiten bei jedem Atemzug eng zusammen. Die Lunge sorgt dafür, dass Sauerstoff ins Blut gelangt und Kohlendioxid wieder ausgeatmet wird. Unsere Atempumpe bewegt die Luft in die Lunge hinein.
Die Lunge – unser Atemorgan
Die Lunge ist unser Atemorgan. Beim Einatmen gelangt Sauerstoff über die Atemwege bis in die Lungenbläschen. Fachleute nennen sie Alveolen. Dort wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen. Gleichzeitig wird Kohlendioxid, ein Stoffwechselprodukt unseres Körpers, aus dem Blut an die Ausatemluft abgegeben. Dieser Vorgang wird als Gasaustausch bezeichnet.
Damit dieser Austausch möglichst gut funktioniert, müssen die Atemwege ausreichend offen sein. Bei chronischen Atemwegserkrankungen kann genau das eingeschränkt sein. Entzündungen, Schleimhautschwellungen, vermehrte Sekretbildung oder eine Verengung der Atemwege können dazu führen, dass Luft nicht mehr so frei strömen kann, wie es eigentlich vorgesehen ist.
Atemtherapeutische Maßnahmen zielen deshalb häufig darauf ab,
- die Atemwege zu unterstützen,
- Sekret zu mobilisieren,
- die Belüftung der Lunge zu verbessern,
- die Atmung zu erleichtern.
Hier wird deutlich: Atemtherapie richtet sich häufig direkt an unser Atemorgan, die Lunge.
Was ist die Atempumpe?
Die Lunge kann ihre Aufgabe nicht erfüllen, wenn keine Luft hinein- und hinausbewegt wird. Dafür braucht es die Atemmuskulatur: das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskulatur. Wichtigster Spieler ist das Zwerchfell. Es ist unser wichtigster Atemmuskel und damit der Hauptmotor der Atmung.
Zieht sich das Zwerchfell zusammen, bewegt es sich nach unten. Dadurch entsteht in der Lunge ein Unterdruck, die Luft strömt ein. Entspannt sich das Zwerchfell wieder, wird die Luft ausgeatmet. Zusammen mit der Atemhilfsmuskulatur sorgt es dafür, dass sich bei jedem Atemzug Luft bewegen kann. Dieses Zusammenspiel nennen wir Atempumpe. Sie ist der Motor unserer Atmung.
Bei körperlicher Belastung oder Atemnot springen zusätzliche Atemmuskeln ein. Viele kennen das: Wer außer Atem ist, stützt sich auf die Oberschenkel oder auf eine Tischkante. In dieser Haltung können die Atemhilfsmuskeln besser arbeiten und eine leichtere Atmung unterstützen. Eine wichtige Eigenschaft der Atempumpe ist: Sie besteht größtenteils aus Muskeln. Und Muskeln können trainiert werden.
Was ist der Unterschied zwischen Atemtherapie und Atemtraining?
Im Alltag werden die Begriffe häufig gleichbedeutend verwendet. Dabei verfolgen sie oft unterschiedliche Schwerpunkte.
Atemtherapie: Unterstützung für das Atemorgan
Hier steht die Lunge im Mittelpunkt. Ziele können sein,
- die Atemwege offen zu halten,
- Sekret zu lösen,
- das Abhusten zu erleichtern,
- die Belüftung einzelner Lungenabschnitte zu verbessern.
Atemtraining: Unterstützung für die Atempumpe
Hier richtet sich der Blick stärker auf die Atemmuskulatur. Ziele können sein,
- die Wahrnehmung der Atmung zu verbessern,
- das Zwerchfell gezielter einzusetzen,
- die Atemmuskulatur zu aktivieren,
- die Belastbarkeit zu erhalten oder zu verbessern.
In der Praxis überschneiden sich beide Bereiche häufig. Dennoch hilft die Unterscheidung dabei, die eigenen Möglichkeiten besser zu verstehen.
Therapie oder Training – was ist das Beste für meine Lunge?
Wenn man „Dr. Google” fragt, dann gibt es eine Vielzahl von Einträgen zu Atemtherapie, Atemtraining oder auch dem gerne benutzten Begriff „Lungentraining“. Aber was davon ist für mich als Atemwegspatient:in das Richtige und wo liegen die Unterschiede? Weiterlesen
Was kann ich selbst für meine Atmung tun?
Das ist eine der besten Fragen. Und auf sie gibt es eine schöne Antwort: Viele Aspekte der Atmung lassen sich im Alltag positiv beeinflussen.
In Bewegung bleiben
- Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Belüftung der Lunge. Schon tägliche Spaziergänge können dazu beitragen, die Atmung aktiv zu nutzen. Dabei wird nicht nur die Beinmuskulatur trainiert, sondern auch die Atemmuskulatur gefordert.
- Beweglichkeit erhalten: Schultergürtel, Brustkorb und Wirbelsäule sollten beweglich bleiben. Schon einfache Mobilisationsübungen können dazu beitragen.
- Körperkraft ist Atemkraft: Ein aufgerichteter Brustkorb schafft Raum für die Atmung. Eine eingesunkene Haltung kann die Arbeit der Atempumpe erschweren. „Kopf hoch, Brust raus“ ist mehr als ein Spruch: Es ist eine Kurzanleitung für die atemfreundliche Haltung. So erhalten Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur den Platz, den sie für ihre Arbeit brauchen. Lungensportgruppen, Krafttraining im Fitnessstudio, Sportverein, Yoga oder zuhause – was auch immer möglich ist.
Was hilft meiner Atmung sonst noch?
- Ausreichend trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr kann dazu beitragen, dass Sekret besser beweglich bleibt.
- Verordnete Therapien konsequent nutzen: Inhalationen oder andere ärztlich empfohlene Maßnahmen entfalten ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie regelmäßig angewendet werden.
- Bewusst atmen: Achtsamkeits- und Atemübungen können helfen, die eigene Atmung besser wahrzunehmen und günstige Atemmuster zu fördern. Beispielsweise für die Verbesserung der Atemtiefe („in den Bauch atmen“) und die Verlängerung der Atemzüge („langsam und lange ausatmen“).
Wichtig: Es geht nicht um Leistungssport. Viele kleine Maßnahmen können zusammen im Alltag den Unterschied machen.
Aller guten Dinge sind drei, denn zu Lunge, unserem Atemorgan, und Atempumpe, dem Zwerchfell, gesellt sich im besten Fall unsere Nase.
Warum ist die Nasenatmung wichtig?
Zum Team gehört auch die Nase. Sie ist der natürliche Eingang in unser Atmungssystem. Sie findet häufig zu wenig Beachtung, weil die ersten beiden (Atemorgan und Atempumpe) sehr viel Aufmerksamkeit fordern. Doch wenn die Nasenatmung möglich ist, bietet sie gegenüber der Mundatmung einige bemerkenswerte Vorteile.
Die Nase bereitet die Atemluft auf ihrem Weg in die Lunge vor.
- Die Nase filtert: Feine Härchen und die Nasenschleimhaut helfen dabei, Staubpartikel, Pollen und andere Fremdstoffe zurückzuhalten.
- Die Nase befeuchtet: Die eingeatmete Luft wird angefeuchtet. Das schützt die nachfolgenden Atemwege vor dem Austrocknen.
- Die Nase erwärmt: Kühle Außenluft wird auf ihrem Weg in Richtung Lunge erwärmt. Besonders empfindliche Atemwege profitieren von dieser „natürlichen Klimaanlage“.
- Die Nase bildet Stickstoffmonoxid: In den Nasennebenhöhlen wird Stickstoffmonoxid (NO) produziert. Dieser körpereigene Stoff kann eine Rolle bei der Regulation von Vorgängen in den Atemwegen spielen.
- Die Nase unterstützt eine ruhigere Atmung: Viele Menschen atmen über die Nase langsamer und kontrollierter als über den Mund. Das kann die Atemökonomie verbessern und dazu beitragen, dass die Atemwege weniger gereizt werden.
Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Mensch kann problemlos durch die Nase atmen. Eine ausgeprägte Nasenscheidewandverkrümmung, Nasenpolypen oder andere anatomische Besonderheiten können die Nasenatmung erschweren. In solchen Fällen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Fazit: Lunge, Atempumpe und Nase – drei Partner im Team Atmung
Die Lunge übernimmt den Gasaustausch. Die Atempumpe bewegt die Luft. Und die Nase bereitet die Atemluft optimal auf ihren Weg in die Lunge vor.
Alle drei arbeiten bei jedem Atemzug zusammen und erfüllen dabei unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Aufgaben. Wer den Unterschied zwischen Atemorgan und Atempumpe kennt, versteht besser, warum es sowohl Atemtherapie als auch Atemtraining gibt. Und wer – soweit möglich – über die Nase atmet, nutzt die natürliche Filter-, Befeuchtungs- und Klimaanlage seines Körpers.
Bewegung, Atemübungen, eine günstige Körperhaltung und die bewusste Nutzung der Nasenatmung sind Möglichkeiten, die eigene Atmung aktiv zu begleiten und zu unterstützen – besonders dann, wenn sie durch eine chronische Atemwegserkrankung bereits eingeschränkt ist. Das erfordert häufig Kraft, Ausdauer und Aufmerksamkeit und ist nicht immer einfach. Doch jeder kleine Schritt lohnt sich.
Wenn Lunge, Atempumpe und Nase als starkes Team zusammenarbeiten, kann das dazu beitragen, leichter zu atmen, Belastbarkeit zu erhalten und Lebensqualität zu gewinnen.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der Zeitschrift Atemwege & Lunge eine Patientenbibliothek. Unsere Redaktion hat den Text für die Veröffentlichung aufbereitet.
Quellen:
– Nach einem Webinar von Atemphysiotherapeutin Beate Konietzko: „Atmen ist Teamarbeit – Das respiratorische System“
Atmen ist Teamarbeit – Das respiratorische System erklärt von Beate Konietzko









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