COPD: Medikamente im Überblick

Welche Medikamente helfen bei COPD? In Abhängigkeit vom Krankheitsstadium und von der Wirksamkeit im Einzelfall kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz.

 

Medikamente bei COPD

 

Die bei COPD zu verordnende medikamentöse Therapie ist in der nationalen Versorgungsleitlinie geregelt. Die hier dargestellten Leitlinien dienen einer einheitlichen und an wissenschaftlicher Beweisbarkeit orientierten Behandlung der COPD.

Die Entscheidung für die im Einzelfall passenden Medikamente und ihre Anwendung sollte jeder Patient in Absprache mit einem Lungenfacharzt treffen.

Bronchialerweiternde Medikamente

Die Basis der COPD-Therapie bilden bronchialerweiternde Medikamente, die so genannten Bronchodilatatoren. Sie reduzieren Atemnot und Husten, indem sie eine Weitung der Atemwege bewirken.

Grundsätzlich unterscheiden kann man kurz- und langwirksame Bronchodilatatoren. Kurzwirksame Bronchodilatatoren sind Notfallmedikamente, die bei Bedarf schnell wirken. Langwirksame Bronchodilatatoren gehören zur Basistherapie und werden ab dem Stadium COPD 2 regelmäßig eingenommen.

  kurwirksam                
langwirksam
Anticholinergika      
z.B. Ipratropium z.B. Tiotropium, Aclidinium
Beta-2-Mimetika z.B. Salbutamol z.B. Formoterol, Salmeterol, Indacaterol

Anticholinergika

Der Wirkstoff Tiotropium (Handelsname: Spiriva®) ist wohl das bekannteste Anticholinergikum. Ein neueres Präparat ist Aclidinium (Bretaris®, Eklira®), das ähnlich wirkt, aber zweimal täglich eingenommen wird.

Beta-2-Mimetika

Das neueste Beta-2-Mimetikum auf dem Markt ist Indacaterol (Onbrez®). In Studien konnte bei Indacaterol eine erhöhte Dauer der Wirksamkeit gegenüber den älteren Beta-2-Mimetika Salmeterol und Formoterol erzielt werden.

Theophyllin

Auch der Wirkstoff Theophyllin stellt eine weitere Option dar. Er kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Medikamente aus der Gruppe der Anticholinergika oder der Beta-2-Mimetika im Einzelfall (z.B. aufgrund von Wechsel- oder Nebenwirkungen) nicht verabreicht werden können.

Antientzündliche Medikamente

In der aktuellen Leitlinie bilden antientzündliche Medikamente (ICS = Inhalative Corticosteroide) die zweite Säule der medikamentösen Basistherapie. Sie dienen der Behandlung bzw. der Vermeidung von akuten Verschlechterungen der COPD, den so genannten Exazerbationen und hemmen die entzündlichen Prozesse in den Atemwegen. Eine dauerhafte Gabe dieser Medikamente ist jedoch nur für Patienten mit schwerer COPD und einem erhöhten Exazerbationsrisiko vorgesehen.

Kortisonhaltige Medikamente          
z.B. Budesonid, Fluticason, Beclometason               
PDE-4-Hemmer Roflumilast

Im Anschluss an neuerere Erkenntnisse wird im aktuellen GOLD-Report 2017 der Einsatz von kortisonhaltigen Wirkstoffen zur Reduzierung von Exazerbationen nur dann empfohlen, wenn die Behandlung mit einer Kombination zweier langwirksamer Bronchodilatatoren (LAMA/LABA) nicht zum Erfolg führt. Diese Empfehlung könnte auch Eingang in die nächste Version der nationalen Leitlinien finden.

Kortison

Kortisonhaltige Medikamente zur Inhalation sind gegenüber der Tablettenform zu bevorzugen. Wenn überhaupt sollte die Verabreichung von Kortison-Tabletten wegen der erheblichen Nebenwirkungen nur kurzfristig zum Einsatz kommen.

Inhalationstherapie

Inhalationstherapie

Medikamente bei COPD werden meist als Dosieraerosole zur Inhalation verschrieben. Inhalierhilfen erleichtern die Anwendung und verringern Nebenwirkungen im Mund und Rachenraum.

PDE-4-Hemmer

Neben den kortisonhaltigen Medikamenten gibt es auch einen relativ neuen Wirkstoff, den PDE-4-Hemmer Roflumilast (Daxas®). Der Wirkstoff hemmt die Produktion des schädlichen Enzyms PDE-4, welches die entzündlichen Prozesse in der Lunge fördert. Insbesondere bei COPD-Patienten vom Typ ‚blue bloater‘ mit starkem Husten und viel Auswurf senkt Roflumilast die Anzahl von Exazerbationen deutlich.

Schleimlösende Medikamente

Zusätzlich zur Basistherapie können pflanzliche Schleimlöser mit den Wirkstoffen N-Acetylcystein, Ambroxol oder Myrtol helfen, festsitzendes Sekret zu verflüssigen. In der Leitlinie wird der Einsatz dieser Medikamente jedoch nicht allgemein empfohlen.

Allen COPD-Patienten werden hingegen Maßnahmen zur Sekretmobilisation empfohlen, damit sich der Bronchialschleim nicht festsetzt und die Atemwege weiter verengt. Hier helfen spezielle Atemtherapiegeräte, sogenannte PEP-Systeme (z.B. RC-Cornet®, Flutter VRP1®). Das regelmäßige Training mit diesen Geräten löst den zähen Bronchialschleim und erleichtert das Abhusten.

Medikamente in den einzelnen COPD-Stadien

COPD Stufe I: Für Patienten mit einer COPD im Stadium 1 reicht die Anwendung eines kurzwirksamen Bronchodilatator im Bedarfsfall.
COPD Stufe II: Mittelschwer erkrankte Patienten mit einer COPD im Stadium 2 werden zusätzlich mit einem oder mehreren langwirksamen Bronchodilatatoren behandelt.
COPD Stufe III: Schwer erkrankte Patienten mit einer COPD im Stadium 3 werden ergänzend zur Basistherapie mit einem inhalativen Kortisonpräparat behandelt, sofern eine erhöhte Exazerbationsrate vorliegt.
COPD Stufe IV: Bei einer COPD im Stadium 4 kann vor allem eine Sauerstofftherapie die Lebensqualität der Patienten positiv beeinflussen.

Unabhängig vom COPD-Stadium empfiehlt die Ständige Impfkomission STIKO allen Patienten eine jährliche Grippeimpfung sowie eine Impfung gegen Pneumokokken zum Schutz vor Infektionen.

Medikamente im Notfall

Kortison: Die akute, häufig infektbedingte Exazerbation kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Im Notfall muss die Dosis der basistherapeutischen Medikamente erhöht und auch hochdosiertes Kortison gegeben werden; es kann nach 14 Tagen abgesetzt oder mit absteigender Dosis verabreicht werden.

Antibiotika: Der Einsatz von Antibiotika ist dann gerechtfertigt, wenn ein bakterieller Infekt vorliegt. Bakterielle Infekte der Atemwege sind bei COPD eine häufige Ursache von Exazerbationen. ABER: Nicht jeder Infekt muss gleich mit Antibiotika therapiert werden, denn häufig werden Atemwegsinfekte durch Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika keine Wirkung zeigen.

Für bestimmte Patienten kann auch eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika sinnvoll sein. Aufgrund des Risikos der Entstehung von Resistenzen ist die langfristige Gabe von Antibiotika allerdings nur bei sehr schwerer COPD und einem hohen Exazerbationsrisiko angezeigt.

Kombi-Präparate im Kommen

Derzeit geht die Entwicklung dahin, Kombi-Präparate zu entwickeln, die verschiedene Wirkstoffarten in einem Medikament kombinieren. Voraussetzung für die Zulassung neuer Kombi-Präparate ist, dass sie kombiniert besser wirken als ihre einzelnen Komponenten.

Bei COPD sind in den letzten Jahren viele Kombi-Präparate auf den Markt gekommen, die einen solchen Zusatznutzen nachweisen konnten. Diese Entwicklung zeigt, dass Ärzten und Patienten heute neue und verbesserte Behandlungswege zur Verfügung stehen.

Quelle:

Nationale Versorgungsleitlinie COPD (Langfassung). Version 1.9, Januar 2012, basierend auf der Fassung vom Februar 2006. Herausgegeben von der Bundesärztekammer (et al.).

Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease: Global Strategy for the Diagnosis, Management and Prevention of COPD (2017 Report). November 2016.

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