Chronischer Husten – Die häufigsten Ursachen

Schätzungen zufolge leben zehn Prozent der Bevölkerung mit chronischem Husten. Doch ab wann ist Husten eigentlich chronisch? Und was können mögliche Ursachen sein?
 | 17.08.2021

Generell gilt: Wer länger als acht Wochen hustet, leidet an chronischem Husten. Doch Husten kommt oft nicht allein – oft steht er in Verbindung mit verschiedenen anderen Symptomen und kann mehrere Ursachen haben. Zudem ist Husten nicht gleich Husten, denn hier gibt es verschiedene Arten und Typen. Eines haben aber alle gemein: Für die Betroffenen ist chronischer Husten eine lästige Angelegenheit – er beeinträchtigt die Lebensqualität deutlich und kann sogar dazu führen, dass Betroffene sich aus dem aktiven, sozialen Leben zurückziehen.

Positiv ist jedoch: Für sehr viele Hustenarten gibt es eine geeignete Therapie. Doch im Vorfeld muss die richtige Diagnose gestellt werden, um die Beschwerden behandeln zu können. Der Ursachenforschung kommt daher eine ganz entscheidende Bedeutung zu.

Die häufigsten Ursachen von chronischem Husten

Grundsätzlich unterscheiden lassen sich zwei Arten von chronischem Husten:

1. Chronischer Husten ohne Auswurf (trocken)

Chronischer Reizhusten, also Husten ohne vermehrte Schleimproduktion, ist die seltenere Variante. Die Ursache ist meist eine dauerhafte Reizung der unteren oder oberen Atemwege. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, woher der Reiz kommen kann:

Ursachen von chronischem Husten ohne Auswurf

  • Entzündung in den unteren Atemwegen (Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien)
  • Entzündung der Nasennebenhöhlen (siehe Postnasal-Drip-Syndrom)
  • Asthma bronchiale
  • Herzerkrankung
  • Allergien
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • Tumore, beispielsweise bei Lungenkrebs
  • Fremdkörper
  • Schnarchen
  • Regelmäßiger Kontakt mit Schadstoffen
  • Lungenembolie

2. Chronischer Husten mit Auswurf (produktiv)

Produktiver Husten, also Husten mit vermehrter Schleimproduktion in den Bronchien, ist die häufiger vorkommende Art des chronischen Hustens. Die Verschleimung der Lunge ist ein Leitsymptom von vielen chronischen Atemwegserkrankungen. Darunter: Die Volkskrankheiten Asthma bronchiale und COPD, auch als Raucherhusten bekannt. Sie sind mit jeweils über fünf Millionen Patient:innen in Deutschland weit verbreitet.

Ursachen von chronischem Husten mit Auswurf

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Chronisch persisitierender Husten

Grundsätzlich gibt es also zwei übergreifende Arten von Husten, die diverse Ursachen haben können. Bei einem Teil der Patient:innen mit chronischem Husten lässt sich jedoch auch nach umfangreichen Untersuchungen keine Diagnose finden. Dieses Phänomen ist als chronisch persistierender Husten (CPH) bekannt. Die häufigsten Ursachen, die sich hinter einem chronisch persistierenden Husten verbergen:

Gastroösophagealer Reflux

Sodbrennen oder häufige Heiserkeit deuten in Verbindung mit chronischem Husten darauf hin, dass es eine Fehlfunktion des Schließmuskels der Speiseröhre im Mageneingang geben könnte. Besonders im Liegen fließt dabei Magensaft unbehindert in die Speiseröhre und verursacht dort entzündliche Prozesse, die zu einem trockenen Reizhusten führen können.

Postnasal-Drip-Syndrom

Beim Postnasal-Drip-Syndrom ist es ein ständiger Schleimfluss im Rachen, der die Atemwege reizt. Die Ursache ist meist eine Entzündung der Schleimhaut in den oberen Atemwegen, also im Bereich der Nebenhöhlen. Wie es dazu kommt? Führt eine vermehrte Schleimbildung nach einiger Zeit zum Verstopfen der Nasennebenhöhlen, wird der Schleim nicht mehr oder nur noch unzureichend über die Nase abtransportiert. Ein Teil des Sekrets fließt stattdessen über den Rachen direkt in das Bronchialsystem.

Entlang der Rachenwand entsteht dabei eine Schleimstraße, die einen beständigen Reiz für die Bronchien darstellt. Daher sind die typischen Symptome ein starker Hustenreiz, ein Kloßgefühl im Hals und ständiger Räusperzwang. Langfristig kann daraus auch eine Verlagerung der entzündlichen Prozesse in die unteren Atemwege erfolgen und beispielsweise die Entstehung von Asthma bronchiale begünstigt werden.

Zur Behandlung des Postnasal-Drip-Syndroms muss die Ursache des Problems in den oberen Atemwegen abgestellt werden. Die Methoden reichen hier von kortisonhaltigen Nasensprays über die Atemtherapie mit PEP-Systemen bis hin zu operativen Eingriffen.

Bronchiale Hyperreagibilität

Was kompliziert klingt, lässt sich einfach erklären: Die bronchiale Hyperreagibilität bezeichnet eine Überempfindlichkeit der Bronchien, wie sie typisch für asthmatische Patient:innen ist. Diese reagieren dabei übermäßig stark auf äußere Reize wie kalte oder schadstoffhaltige Luft, indem sie sich zusammenziehen und einen Hustenreiz auslösen.

Allerdings kann diese Überempfindlichkeit auch eigenständig auftreten – also ohne weitere Asthma-Symptomatik wie Atemnot oder Schleimbildung. Das ist zum Beispiel häufig im Anschluss an einen akuten Infekt der Fall. Im Rahmen eines Lungenfunktionstests kann die bronchiale Hyperreagibilität daher aber nicht diagnostiziert werden. Doch welche Möglichkeiten bestehen noch?

Hier kann ein inhalativer Provokationstest, bei dem die Bronchien absichtlich einem Reiz ausgesetzt werden, Indizien für die bronchiale Hyperreagibilität liefern. Bei positivem Befund lassen sich die Beschwerden mithilfe von inhalierbarem Kortison therapieren, was häufig zum kompletten Verschwinden des Hustens führt.

Chronische Bronchitis (Raucherhusten)

Die chronische Bronchitis ist eine der häufigsten Ursachen für produktiven Husten. Eine Bronchitis ist laut WHO dann chronisch, wenn produktiver Husten länger als drei Monate in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren anhält. Oft wird diese Symptomatik auch als Raucherhusten bezeichnet, weil sie zumeist langjährige Raucher:innen betrifft.

Eine eindeutige Diagnose kann allerdings immer nur dann gestellt werden, wenn eine erkennbare Ursache vorliegt. Dabei handelt es sich häufig um mehrjähriges (Passiv-)Rauchen oder auch eine beständige Schadstoffbelastung, beispielsweise am Arbeitsplatz.

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Besonders auf langfristige Symptome sollte man achten und rechtzeitig zum oder zur Lungenfachärzt:in gehen. Der Grund: Wenn eine chronische Bronchitis voranschreitet und nicht therapiert wird, kann sich eine COPD daraus entwickeln. Dann kommt zur bestehenden Symptomatik eine dauerhafte Verengung der Atemwege hinzu, die sich mit einem Lungenfunktionstest messen lässt.

Hustenauslösende Medikamente

Neben Entzündungsprozessen und anderen physischen Ursachen gibt es auch Medikamente, die Husten auslösen können. Darunter zählen beispielsweise Betablocker, die zur Absenkung des Blutdrucks verschrieben werden, ACE-Hemmer zur Gefäßerweiterung oder Kortison gegen Entzündungen. Ein Gespräch mit dem oder der Hausärzt:in kann hier Aufklärung schaffen – ebenso wie eine (regelmäßige) Überprüfung des Medikamentenplans durch Apotheker:innen oder die behandelnde Arztpraxis.

Psychogener Husten

Nicht zuletzt gibt es auch Hustenarten, bei denen keine organische Ursache zu finden ist. Dieser “Hustentick” wird als psychogener Husten bezeichnet, der vor allem in emotionalen Stresssituationen auftritt. Er sollte dennoch genauso ernst genommen und beobachtet werden wie ein organisch verursachter Husten.

Es gibt viele Ursachen für chronischen Husten und nicht alle davon sind leicht zu diagnostizieren oder zu behandeln. Doch auch wenn die Fehlersuche etwas zeitintensiver ausfällt, lohnt sie sich – denn nur mit der richtigen Diagnose kann eine zielgerichtete Therapie für ein möglichst beschwerdefreies Leben eingeleitet werden.

Quellen:
– Kardos P. (et al.): Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zur Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten. In: Pneumologie 2019; 73(03): 143-180.
– Foto: Image Point Fr / Shutterstock.com

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