Das „Atemnot-Monster“ zähmen

Ein angemessener Umgang mit Atemnot-Ängsten ist mitentscheidend für die Krankheitsbewältigung. Dabei kommt es auf eine Frage an: Habe ich Angst – oder hat die Angst mich? Die Psychopneumologie weiß hier zu helfen!
 | 27.02.2018

Patienten mit Asthma oder COPD beschreiben ihre Angst bei Atemnot gelegentlich als „Monster“. An diesem Ungetüm würden sie sich gerne vorbeimogeln. Leider gelingt das oft nicht. Die Psychopneumologie liefert zu diesem Thema interessante neue Ansatzpunkte.

Begeben Sie sich also mit mir auf eine kleine „Forschungsreise ins Land der Atemnot-Monster“ – Sie werden staunen!

Bevor es losgeht, möchte ich jedoch ein paar grundlegende Fakten klären:

  • Angst bei körperlichen Erkrankungen ist begründet und nachvollziehbar.
  • Bei chronischen Lungenerkrankungen (z. B. COPD und Asthma) spielen Atemnot-Ängste eine zentrale Rolle.
  • Atemnot-Ängste haben Einfluß auf das Erleben und den Verlauf der Krankheit.

Atemnot vorbeugen

1. Auslöse-Situationen erkennen

Manchmal fühlen sich COPD-Patienten von der Atemnot regelrecht überfallen. Bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch oft Auslöse-Situationen erahnen:

  • „Mein Motto war immer: schnell, schnell! Wenn ich morgens möglichst rasch fertig werden will, geht plötzlich gar nichts mehr.“
  • „Wenn ich einen Termin habe, stehe ich sofort unter Druck. Dann kommt auch noch die Atemnot.“

In diesen oder ähnlichen Situationen schleicht sich (oft unmerklich) ein ungünstiges Atemmuster ein. Schwupps steckt der Patient in der „Überblähungs-Falle“ und das „Atemnot-Monster“ freut sich diebisch …

2. Atemphysiotherapie: Techniken zur Atemnot-Vorbeugung

Für die „Überblähungs-Falle“ gilt: Möglichst gar nicht hineintappen! Mit Techniken der Atemphysiotherapie kann man der Lungenüberblähung und der Angst bei Atemnot vorbeugen. Dazu zählen u. a.

  • Entblähungsverfahren (PEP-Ventil, RC-Cornet)
  • Stenoseatmung (Lippenbremse, Strohhalm)
  • Atemerleichternde Haltungen(Torwartstellung, Kutschersitz)

3. Psychopneumologie: Übungen zur Atemnot-Vorbeugung

Auch die Psychopneumologie bietet effektive Übungen. Als Asthma- oder COPD-Patient kann man durch regelmäßige Achtsamkeits-Übungen dem „Atemnot-Monster“ und seiner „Überblähungs-Falle“ ein Schnippchen schlagen:

Und das sind die entscheidenden Schritte:

  1. Ich nehme die Existenz des „Atemnot-Monsters“ an und betrachte es nicht als Feind.
  2. Ich lerne meine „Überblähungs-Falle“ kennen und akzeptiere sie.
  3. Ich kümmere mich liebevoll um mich selbst.

Sich liebevoll um sich selbst kümmern, kann für jeden etwas anderes bedeuten:

  • Der „Aktive“ übt statt „schnell, schnell“ ein ruhiges Morgen-Ritual mit angemessenen Pausen ein.
  • Die „Perfektionistin“ handelt bei Termindruck konsequent nach dem Motto: „Eile mit Weile – so komme ich mit Luft ans Ziel.“

Aus Sicht der Psychopneumologie stärken all diese Übungen die Selbstwirksamkeits-Überzeugung:

  • Ich nehme meine Gefühle in einer bestimmten Situation wahr (Fühlen).
  • Ich weiß, was ich tun kann (Wissen).
  • Ich wende mein Wissen an (Motivation und Handeln).
  • Ich kann Einfluß auf die Situation nehmen (Verändern).

Selbst konsequentes Üben kann nicht verhindern, dass manchmal „nichts mehr geht“. Dann war das „Atemnot-Monster“ gerissener und der Patient sitzt plötzlich in der „Überblähungs-Falle“. Hier helfen die Maßnahmen aus dem „Notfall-Koffer“, z. B. Handventilator, Notfallspray – und bei Erfolglosigkeit: der Rettungsdienst.

Wer allerdings regelmäßig Achtsamkeits-Übungen aus der Psychopneumologie praktiziert, kann damit sogar in akuten Atemnot-Situationen auf die Angst einwirken. Hilfreich sind beispielsweise Ablenkungs-Techniken wie die „5-4-3-2-1-Methode“. Diese und ähnliche Techniken finden Sie in der Broschüre „Ängste bei Atemnot – Wege aus dem Teufelskreis“.

Es kommt auf Ihren Mut an, denn Menschen haben Angst. Jedenfalls die lebendigen!

Angst vor Atemnot bewältigen

1. Theorie: Auswirkungen von Atemnot-Erfahrungen

Die Auswirkungen von Atemnot-Erfahrungen werden momentan in zahlreichen Studien erforscht. Dabei zeigen sich erstaunliche Ergebnisse:

  • Atemnot-Erfahrungen verändern die Gehirnstruktur.
  • Sie führen zu einer intensiveren Atemnot-Wahrnehmung.
  • Gelernte Verknüpfungen von Atemnot-Schlüsselreizen mit Atemnot-Angst führen zu ungünstigen Bewältigungs-Strategien.

Diese spannenden Erkenntnisse, wie Atemnot-Erfahrungen die Angst vor Atemnot beeinflussen, nutzt die Psychopneumologie für die Entwicklung von effektiven Behandlungsansätzen.

2. Praxis: Bewältigung der Atemnot-Angst

Als Grundsatz für die Bewältigung der Angst vor Atemnot gilt: Sei stärker als Deine stärkste Ausrede! Denn die Angst vor Atemnot ist leider ein typischer Einstieg in die „Dekonditionierungs-Spirale“:

Dekonditionierungs-Spirale

Tipps für einen angemessenen Umgang mit der Angst vor Atemnot erhält man in der Pneumologischen Rehabilitation. Auch im Lungensport lernen viele Patienten in einer sicheren Umgebung den Umgang mit Atemnot-Angst-Auslösern (Treppe, Steigung, Stress,…).

Bei Angst vor Atemnot entfalten Achtsamkeits-Übungen aus der Psychopneumologie besonders segensreiche Wirkungen. Die Anleitung zu einer Übung (in Anlehnung an Matthias Wengenroth) finden Sie hier zum Ausdrucken: Übung (PDF)

Nur Mut: Sie erproben damit Ihre Möglichkeiten zum Umgang mit dem „Angst-vor-Atemnot-Monster“. Ob es klappt und ob Sie mit Ihrem Handeln erreichen, was Sie wollen, können Sie im Vorfeld nicht wissen. Aber nur, wenn Sie handeln, haben Sie die Chance, eine Wirkung zu erzielen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Zähmung Ihres „Atemnot-Monsters“!

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10 Kommentare
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Daniel
2 Monate zuvor

Hallo, habe schon seit ca einem jahr angst das. Ich nicht atmen könnte, da ich es einmal Von einer freundin gehört habe das sie an dem leidet, ich habe mich ein wenig. Anstecken lassen von ihr. Vobei bie mir ist es so, ich denke. Immer daran aber es passiert. Nichts und dan weis ich nixht weiter.
Ich kan aber nur raten, weil. Ich früher pannickatacken hatte: konfrontationstherapie. Einfach wirklich in den kampf gehen und es herausfordern… Man siehe da es passiert weniger bis nichts.

Annemarie G.
9 Monate zuvor

Hallo Heidi K.

Ich bin zwar kein Arzt, habe aber als ich noch wegen einer anderen Erkrankung MTX spritzen musste, nach dem spritzen eine solche Atemnot gehabt. Aufstehen und einen Notruf absetzen war in diesem Moment nicht möglich. Das einzige was mir nach einiger Zeit geholfen hat, war, mir immer zu sagen: ruhig bleiben und einatmen und ausatmen.
Wie lange es so ging kann ich nicht mehr sagen, aber es hat geholfen.

Nachdem sich mein Rheumatologe auf meine Anrufe nicht reagiert hat, habe ich die letzte Spritze in einem alten Spülschwamm versenkt.

Heidi K.
9 Monate zuvor

Hallo an meine mitleidenden COPD Patienten,

Ich habe eigentlich eine Frage an alle Lungenärzte:
Ward ihr schon einmal nah einer Erstickung t? Hat euch jemand den Hals zugedrückt bis kurz vor der Ohnmacht, wie in vielen Filmen zu sehen ?
Es ist unmöglich in dieser Situation eines der Hilfsmittel zu nehmen. Weder Spray, noch Tabletten von anrufen eines Arzt oder Rettungsdienst ganz abgesehen.
Ich habe mich gut im Griff und lebe seit 10 Jahren mit der Krankheit, mache Lungensport und halte mich an die Anweisungen der Mediziner . Doch ich würde es schon sehr begrüßen wenn es endlich ein Mittel gibt das sofort hilft.
Diabetiker, Herzkranke, Allergiker haben Sofortmittel. Lungenkranke sollen mit der
schlimmsten Todesart, den ersticken allein fertig werden. WARUM ?

Heike Hennrich
1 Jahr zuvor

Hallo Frau Kara.
Mit dem Notfall Spray von Hexal habe ich die gleichen Erfahrungen gemacht.
Hatte all die Jahre das von sambutmol. Letztens in der Apotheke war es nicht zu bekommen und ich habe das von hexal bekommen. Aber es bringt mir nichts.

Heike Hennrich
1 Jahr zuvor

Hallo Allerseits. Ich bin Heike, habe
Copd 4. 25%beim 1 Sekunden Test.
Auch einen kleinen Defekt beim Alfa 1 Anti trepzin gen. 1 gutes und ein schlechtes.
Als ich 2007 mit dem Rauchen aufgehört habe dachte ich meine damaligen 47% würden sich nicht weiter verschlechtern.
Leider war dem nicht so. Ich meide seit 2007 alles was meiner Lunge nicht gut tut.
Trotzdem wird es immer schlechter.
Ich habe ausser starker Atemnot keinen Husten und keinen Schleim.
Die Atemnot macht mir oft zu schaffen.
Lungensport mache ich zur Zeit zu Hause. Wegen Corona Angst

Christian
1 Jahr zuvor

Hallo Christina,habe die gleichen Probleme wie du sie hast.Lungenarzt und Krankenhaus sagen es sei Copd 3,habe aber keinen Husten.Atemmessung sagt aus das ich nur 47 Prozent Lungen Volumen habe,rauche seit Mai nicht mehr.Davor maximal 12-15 Zigaretten pro Tag.Am meisten leide ich an der Tagesmüdigkeit durch Schlafmangel LG Christian

Christina
1 Jahr zuvor

Hallo.
Ich habe momentan Probleme beim schlafen ich wache auf und erschrecke vor keine Ahnung was oder denke ich bekomme schlecht Luft.
Ich hatte sowas schonmal vor längerer Zeit, ich glaube das es eine „Kopfsache“ ist . Ich weiß aus Erfahrung was der Kopf einen vorspielen kann. Was kann ich tun?
Ich sag mir schon dauernd selbst “ schau doch ich hab kein Fieber kein lungenrasseln oder so keinen husten“
Hab das jetzt seit 3.tage. aufgehört zu rauchen (iqos) habe ich vor 5 Tagen.
Bin so genervt von mir selber, keine Ahnung was ich nun machen soll 🙁
Lg Christina

Heidi
1 Jahr zuvor

Wie krieg ich die luft aus meiner Lunge lg heidi

Heidi
1 Jahr zuvor

Ich hab eine lungenemphysem kann das sein das sie oben aus der schulter wäscht

Klara
2 Monate zuvor
Reply to  Heidi

Jaa hab ich auch

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