Juttas Blog

Hier bloggt COPD-Patientin und Lungentrainerin Jutta. Ihr Leben von der Diagnose COPD bis hin zur Lungentrainerin ist voller praktischer Erfahrungen, die sie im Blog mit uns teilen möchte.

Ihre Rechte als COPD-Patient

Bestimmte Rechte, Zuschüsse und Ansprüche erleichtern das Leben mit einer chronischen Lungenerkrankung. Die wichtigsten davon stelle ich Euch in diesem Beitrag vor.

Gesundheitliche Beschwerden wie Husten und Atemnot, abnehmende körperliche Belastbarkeit, eine eingeschränkte Mobilität sowie zusätzliche Ausgaben für Medikamente & Co. – viele von uns Lungenpatienten müssen mit so einigen zusätzlichen Belastungen fertig werden.

Wie gut, dass uns das Gesundheitssystem einige Hilfestellungen bietet, um uns im Alltag mit der Erkrankung zu unterstützen! Von „B“ wie Behindertenausweis bis „Z“ wie Zuzahlungsbefreiung stelle ich euch hier die wichtigsten Möglichkeiten vor.

Behindertenausweis

Mit einem Behindertenausweis sind verschiedene finanzielle Erleichterungen und bestimmte Sonderrechte verbunden, die durch die Behinderung entstandene Benachteiligungen ausgleichen sollen. Für behinderte Menschen ist z. B. die Benutzung von öffentlichen Nahverkehrsmitteln wie Busse und Bahnen kostenlos, man hat Anspruch auf eine zusätzliche Woche bezahlten Urlaub und auf einen Behindertenpauschalbetrag.

So weit, so gut. Allerdings gibt es auch einige Voraussetzungen, die ihr dafür erfüllen müsst:

  • Einen Behindertenausweis bekommt jeder, der nach dem Sozialgesetzbuch als schwer behindert gilt bzw. bei dem ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 Prozent vorliegt. In der Regel trifft das auf Patienten im COPD-Stadium III zu.
  • Der Antragsteller muss einen Wohnsitz in Deutschland haben, hier berufstätig sein oder sich zumindest regelmäßig in Deutschland aufhalten.

Zuständig für die Bearbeitung eines Antrags sind die Versorgungsämter.

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Erwerbsminderungsrente

Wenn Ihr das Renteneintrittsalter noch nicht erreicht habt, könnt Ihr unter bestimmten Voraussetzungen eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen:

  • Wer nur noch unter drei Stunden täglich arbeiten kann, erfüllt die medizinischen Voraussetzungen für eine volle Erwerbsminderungsrente.
  • Wer noch bis zu sechs Stunden täglich arbeiten kann, erfüllt damit die medizinischen Voraussetzungen für eine halbe Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.
  • Wer trotz COPD noch mindestens sechs Stunden täglich arbeiten kann, ist nicht erwerbsgemindert.

Erster Ansprechpartner ist Euer Hausarzt.

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Erstattungsfähige Hilfsmittel

Viele medizinische Hilfsmittel unterstützen uns COPD’ler im Alltag. Dazu gehören z. B. Gehhilfen, Inhalier-, Mess- und Therapiegeräte. Sie erleichtern alltägliche Handlungen, liefern wichtige Messwerte oder lindern die Symptome. Da sie mitunter sehr hilfreich für den Erfolg der Behandlung sind, werden die Kosten vieler Hilfsmittel für COPD-Patienten von den Krankenkassen teilweise oder vollständig erstattet.

Zudem umfasst der Anspruch auf Versorgung mit einem Hilfsmittel auch die Versorgung mit der zum Betrieb des Hilfsmittels erforderlichen Energie. Somit müssen die Krankenkassen nicht nur die Anschaffung und die Wartung von Hilfsmitteln bezahlen, sondern auch die Stromkosten für elektrische Hilfsmittel (z. B. im Rahmen der Sauerstofftherapie).

Überblick über die verschiedenen Hilfsmittel


Krankengeld

Über die Krankenversicherung hat jeder Anspruch auf Krankengeld, der länger als sechs Wochen arbeitsunfähig ist und das vom Arzt lückenlos bestätigt bekommt. Jede Krankmeldung müsst Ihr als Arbeitnehmer daher unverzüglich an die jeweilige Krankenkasse weiterleiten, falls Euer Arzt das nicht automatisch für Euch übernimmt. Die Krankenkasse ist auf diese Weise über den Startzeitpunkt der Erkrankung informiert.

Die Höhe des Krankengelds ist stets niedriger als das Nettoeinkommen und wird individuell berechnet. Umfassende Informationen zum Thema Krankengeld erhaltet Ihr direkt bei Eurer Krankenkasse oder auf der Webseite der Unabhängigen Patientenberatung.


Krankentransport

Wer aufgrund der COPD mobil eingeschränkt ist, kann sich die Kosten für Taxifahrten zu Arztpraxen oder Krankenhäusern von seiner gesetzlichen Krankenkasse erstatten lassen. Dafür braucht es ein Rezept, das Ärzte nur verordnen dürfen, wenn die Fahrt medizinisch notwendig ist.

Patienten mit bestimmten Pflegegraden und Schwerbehinderungen können auch ohne vorherige Erlaubnis ihrer Krankenkasse ein Taxi nehmen und sich die Fahrtkosten erstatten lassen.

Die Verbraucherzentrale informiert zum Thema auf ihrer Webseite.


Lungensport

Für mich als Lungentrainerin ein besonders wichtiges Thema: Lungensport ist ein speziell auf Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen abgestimmtes Training, das jeder COPD-Patient nutzen sollte!

Lungensport wird in ganz Deutschland von Sportvereinen oder Reha-Einrichtungen angeboten. Ich selbst leite derzeit 10 solcher Gruppen. Zum Training gehören gezielte Übungen zur Stärkung der Atemmuskulatur ebenso wie das Üben von Atemtechniken, die uns das Atmen erleichtern.

Zur Teilnahme ist eine Verordnung durch Euren Haus- oder Lungenfacharzt notwendig. Die Kosten für viele Kurse werden anteilig oder komplett von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei schweren chronischen Atemwegserkrankungen werden Zuschüsse für 120 Übungseinheiten (Richtwert) innerhalb eines Zeitraums von 36 Monaten gewährt. Eine Weiterverordnung ist möglich.

Eine Gruppe in Eurer Nähe findet Ihr auf der Webseite der AG Lungensport.


Parkerleichterung

Seit einigen Jahren gibt es einen Parkausweis, der einige Sonderrechte beim Parken mit sich bringt: die orangene Parkerleichterung für Behinderte, auch „Sonderregelung zu Parkerleichterungen für besondere Gruppen Schwerbehinderter“ genannt. Zu diesen Gruppen zählen u. a. Menschen mit einem Grad der Behinderung von wenigstens 50 und einer Funktionsstörung der Atmungsorgane.

Zu den Sonderrechten gehören z. B. das Parken im eingeschränkten Halteverbot bis zu drei Stunden und das kostenlose Parken in Bereichen mit Parkscheinautomaten. Den Antrag auf den orangenen Sonderparkausweis könnt Ihr bei der für Euren Wohnort zuständigen Straßenverkehrsbehörde stellen.

Mehr Informationen findet Ihr auf der Webseite des Sozialverbands VdK.


Patientenschulung

Die Teilnahme an einem Schulungsprogramm kann ich jedem COPD-Patienten nur ans Herz legen. Ziel einer solchen Patientschulung ist es, uns Patienten zu einem möglichst selbständigen Umgang mit der Erkrankung anzuleiten.

Geklärt werden z. B. folgende Fragen:

  • Wie kann ich den Verlauf meiner Erkrankung kontrollieren und dokumentieren?
  • Wie nehme ich meine inhalativen Medikamente richtig ein?
  • Wie verhalte ich mich bei Atemnot?

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern solche Programme zur kostenlosen Teilnahmen an.

Mehr Infos und Links zu den Programmen einiger Krankenkassen findet Ihr hier.


Pflege

Pflegebedürftige Menschen, die ihre Grundbedürfnisse wie Ernährung, Körperpflege und Mobilität nicht mehr selbständig erfüllen können, haben die Möglichkeit, eine gesetzliche Pflegestufe zu beantragen.

  • Grundsätzlich steht dabei die Grundpflege im Vordergrund, also z. B. die körperliche Hygiene, die Nahrungsaufnahme und die alltägliche Mobilität wie Aufstehen, Anziehen, Treppensteigen etc.
  • Aber auch speziellere Leistungen werden erbracht. Dazu können z. B. die Unterstützung bei der Einnahme von Medikamenten oder bei der Anwendung von Hilfsmitteln sowie eine vom Arzt empfohlene Bewegungstherapie gehören.

Um einen Pflegeanspruch geltend zu machen, müsst Ihr eine gesetzliche Pflegestufe bei Eurer Pflegekasse beantragen. Wenn die Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, übernimmt die Pflegeversicherung je nach Stufe die Kosten für bestimmte Leistungen.

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Reha

Die Vorzüge eine Reha liegen auf der Hand: In einer Rehaklinik können wir eine Rauchentwöhnung durchführen, an einer Medikamentenschulung oder einer Ernährungsberatung teilnehmen, eine Atem- und Trainingstherapie machen oder Techniken zum Husten- und Schleimlösen lernen.

Diese Chance solltet Ihr unbedingt nutzen! Als chronischer Patient hat man – insofern die Krankheit den Alltag behindert – alle 4 Jahre ein Recht auf Reha. Den Großteil der Kosten übernimmt in diesem Fall z. B. die gesetzliche Krankenkasse oder die Deutsche Rentenversicherung.

Meine Tipps für einen erfolgreichen Antrag lest ihr hier.


Zuzahlungsbefreiung

Grundsätzlich müssen gesetzlich Krankenversicherte für bestimmte Leistungen eine Zuzahlung an ihre Krankenkasse leisten. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten beträgt die Zuzahlung 10 Prozent des Preises bzw. mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Auch für Behandlungen im Krankenhaus oder Reha-Maßnahmen ist eine Zuzahlung notwendig.

Gesetzlich Krankenversicherte können sich von den Zuzahlungen befreien lassen, wenn die Kosten zwei Prozent ihres Bruttoeinkommens überschreiten - für chronisch Kranke gilt die Regelung sogar schon ab einem Prozent.

Den entsprechenden Antrag müsst Ihr jedes Jahr aufs Neue bei Eurer Krankenkasse einreichen.



Wer von Euch kann die Liste ergänzen oder eigene Erfahrungen
mit den genannten Erleichterungen schildern? Freue mich auf Eure Kommentare!

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Kommentare:

Kommentar von Peter |

Hallo und einen schönen guten Tag.
Habe seit über 10 Jahren COPD-GOLD VI-3 schwere Lungen OP´s 2009 links(wg. Komplikationen 3 x operiert) Lungenvolumenreduktion, dann 2010 noch 1 x rechts.
Zuerst 70 % GdB nach den OP´s, seit 2013 -80 % GdB u. a.G.(somit den blauen Parkausweis sofort ohne Zögern erhalten)
Inzwischen habe ich seit Febr.2019 Sauerstoff und Pflegegrad 3.
ich trinke jetzt Fresubin(zahlt die Krankenkasse, ohne zögern)
Schmeckt nicht so prickelnd.
Wir machen das Beste aus allem.
Alle guten Wünsche
Peter

Kommentar von Wilma Klein |

Sehr geehrte Damen und Herrn !

Ich habe seit fünfJahren COPD habe auch Pflegestufe 3 inzwinzwischen,. Seit drei Jahren Versuch ich sogar mit VDK den aG Ausweis zu bekommen der wurde abgewiesen obwohl bei mir hochgradige pulmonale Insuffienz vorliegt habe auch Pflegestufe 3 inzwischen ,kann keine 50m gehen und bin auch zeitweise auf Hilfe angewisen. Habe auch verschiedene orthopädische Einschränkungen, Aber das Landratsamt und die Gerichte meinen eine höhere Merkzeichen sei nicht notwendig.

Kommentar von Taudien Martina |

Hallo zusammen ,
ich habe COPD Gold3D , Habe vor 2 Jahren den Behindertenausweis beantragt und 30% bekommen, Erhöhung wegen Verschlechterung gestellt und wurde nicht erhöht . Reha hat für mich den Antrag auf erhöhung wegen Verschlechterung gestellt , bleibt bei 30 %. Astma und COPD Gold 3D und Depressionen in Behandlung reichen nicht für 50%. Nun auf Anraten des Arztes und des Arbeitsamtes,Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt. Nun wieder warten. Von der AOK hab ich eine Befreiungskarte bekommen und muß nirgends mehr was Zuzahlen , ausser 1x pro Jahr 49,98€ an die Krankenkasse
MfG
Martina

Kommentar von Achim Collette |

orangene Parkerleichterung für Behindert
Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,

so einfach ist das nicht mit dem Parkausweis. Meine Straßenbehörde kennt z.B. diesen Ausweis überhaupt nicht und wüssten auch nicht wo er beantragt werden könnte.
Die Kriterien den Ausweis zu bekommen, sind dermaßen hoch, dass nur ganz wenige Hilfsbedürftige ihn auch wirklich bekommen.
Hier ein Ausschnitt aus der VDK Info zur orangenen Parkerleichtung:
Schwerbehinderte Menschen mit den Merkzeichen G und B und einem Grad der Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein für Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken).
Schwerbehinderte Menschen mit den Merkzeichen G und B und einem GdB von wenigstens 70 allein für Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen (und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirken) und gleichzeitig einen GdB von wenigstens 50 für Funktionsstörungen des Herzens oder der Atmungsorgane.
Schwerbehinderte Menschen, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erkrankt sind, wenn hierfür ein GdB von wenigstens 60 vorliegt.
Schwerbehinderte Menschen mit künstlichem Darmausgang und zugleich künstlicher Harnableitung, wenn hierfür ein GdB von wenigstens 70 vorliegt.

So schreibt es der VDK!
Möchte erwähnen, ich habe GdB von 100% mit Merkzeichen G, bin Krebskrank und habe COPD Stufe III Gold. Hatte bis vor einer Woche noch einen GdB von 50% mit Merkzeichen G unbefristet gehabt.
Der Krebs hat nichts mit der COPD zu tun.
MfG aus der Eifel

Achim

Kommentar von Margrid Franz |

Sehr geehrte Damen und Herren
Ich habe COPD ( 3/ C) und mir wurde ein Teil des rechten Lungenoberlappen entfernt (Juli 2016 Diagnose Bronchialkarzinon)seitdem habe ich auch Sauerstoff- nach der OP und 3 Wochen Reha habe ich eine Pfegestufe beantragt, leider wurde diese abgelehnt und ich hatte nicht die Kraft, auch wegen Depressionen,Einspruch einzulegen. Schwerbeschädigten Ausweis habe ich beantragt (100%) das bringt mir 50% KFZ-Steuererleichterung( 40 Euro jährlich)Ich bin Jahrgang 52
MfG
Margrid

Kommentar von leichter-atmen Team |

Hallo Herr/Frau Kraft,

grundsätzlich sind wir keine Fachleute auf diesem Gebiet, aber auf der Seite vom Sozialverband Schleswig-Holstein finden sich gute Zusatzinfos zu dieser Frage: https://www.sovd-sh.de/2018/03/27/verschlimmerungsantrag-darauf-muessen-sie-vorher-achten/

Vielleicht helfen die Infos Ihnen weiter.

Kommentar von Kraft |

Hallo, was nutzen die Rechte von COPD Patienten, wenn sie nicht umgesetzt werden, ich habe drei mal einen Verschlechterungsantrag beim Versorgungsamt gestellt, drei mal abgelehnt und ich erfülle die Richtlinien des Versorgungsamt für die Verschlechterung... und doch abgelehnt.

Kommentar von leichter-atmen Team |

Stimmt, lieber Wolfgang!

Für die schwerbehinderten Menschen, die den Nahverkehr unentgeltlich nutzen wollen, wird eine Eigenbeteiligung von 80 Euro im Jahr erwartet. Dafür erhält man eine Wertmarke, die zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis als Nachweis der Freifahrtberechtigung dient.

Danke für die Ergänzung!

Kommentar von Körber Wolfgang |

Sehr geehrte Damen und Herren
Die Benutzung des öffentlichen Nahverkers ist nicht kostenlos ,man muss bei dem Versorgungsamt eine Wertmarke kaufen ,diese kostet ca. 80 Euro im Jahr und muss jedes Jahr neu beantragt werden.Habe einen Behindertenausweiss
mit den Buchstaben aG , G und B 100 .
PS : sehr gute Seite und informativ
Mfg
Wolfgang

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