Atemwegserkrankungen der oberen und unteren Atemwege besser verstehen

Atemwegserkrankungen zählen beim Menschen zu den häufigsten Leiden überhaupt. Doch welche Atemwegserkrankungen gibt es eigentlich und wie hängen obere und untere Atemwege zusammen?
 | 10.03.2026

Chronische Atemwegserkrankungen wie COPD und Asthma gelten heute als deutsche Volkskrankheiten, von denen Millionen Menschen betroffen sind. Gleichzeitig hat fast jede Person im Laufe des Lebens immer wieder akute Infekte der Atemwege, etwa Schnupfen, Bronchitis oder eine Nasennebenhöhlenentzündung.

Solche „normalen“ Atemwegsinfekte verbreiten sich vor allem in der kalten Jahreszeit schnell und verursachen regelrechte Grippewellen. Doch wie entsteht aus immer wiederkehrenden Infekten irgendwann eine chronische Atemwegserkrankung – und welche Rolle spielen dabei die oberen und unteren Atemwege?

Ursachen von Atemwegserkrankungen

Erkrankungen der Atemwege sind in den meisten Fällen entzündlicher Natur. Die Lunge ist ein offenes System: Mit der Atmung gelangen neben dem lebenswichtigen Sauerstoff auch Krankheitserreger und Schadstoffe in die Atemwege. So können zum Beispiel Staub, Zigarettenrauch, Bakterien und Viren Entzündungen in den oberen und unteren Atemwegen auslösen.

Neben solchen äußeren Faktoren spielen auch innere Ursachen eine Rolle. Dazu gehören angeborene Fehlbildungen, Gendefekte, Verletzungen oder besondere anatomische Engstellen, die den Luft- und Schleimfluss stören. Manche Menschen werden zum Beispiel mit einem Gendefekt geboren, der einen besonders zähen Schleim verursacht. Diese Patient:innen leiden an einer zystischen Fibrose, auch Mukoviszidose genannt.

Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege

Atemwegserkrankungen kann man grob nach dem Ort der Beschwerden  unterscheiden: in obere und untere Atemwege.

  • Obere Atemwege: Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Kehlkopf
  • Untere Atemwege: Luftröhre, Bronchien, Lunge

In den oberen Atemwegen machen vor allem unterschiedliche Formen der Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) vielen Betroffenen zu schaffen. Dabei entzünden sich die Hohlräume um die Nase, die sogenannten Nebenhöhlen. Häufig liegen Engstellen zwischen Nase und Nebenhöhlen vor, die den natürlichen Schleimfluss behindern. In schweren Fällen kann sogar eine Operation nötig werden. In den meisten Fällen versucht man jedoch zuerst, die Schleimhaut mit Kortisonsprays zu beruhigen, damit sie weniger schnell anschwillt.

Auch Atemtherapie bzw. Atemtraining der oberen Atemwege können hilfreich sein, um die physiologische Atmung über die Nase beizubehalten oder wiederherzustellen. Bei dauerhaft entzündeten oberen Atemwegen kann es zu einem  „Etagenwechsel“ kommen:

  • Entzündung bleibt lange in Nase und Nebenhöhlen bestehen
  • Sekret läuft nach hinten in den Rachen (Post-Nasal-Drip)
  • Husten und Reizung der Bronchien treten auf
  • chronische Erkrankungen der unteren Atemwege können begünstigt werden
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In den unteren Atemwegen ist eine Bronchitis die häufigste Erkrankung. Dabei entzündet sich die Schleimhaut in den Bronchien und es kommt zu einer vermehrten Schleimproduktion. Die chronische Form der Bronchitis, die häufig bei Raucher:innen anzutreffen ist, birgt die Gefahr, in eine COPD, also eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, überzugehen. Sie ist vor allem durch eine fortschreitende Verengung der Atemwege gekennzeichnet.

Häufige Atemwegserkrankungen im Überblick

Erkrankungen der oberen Atemwege

  • Akute und chronische Rhinitis (Schnupfen)
  • Akute und chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Kehlkopfentzündung (Laryngitis)

Erkrankungen der unteren Atemwege

  • Akute und chronische Bronchitis
  • Asthma bronchiale
  • Bronchiektasen
  • COPD
  • Lungenemphysem
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Lungenhochdruck
  • Lungenkrebs
  • Mukoviszidose

Akute und chronische Atemwegserkrankungen

Atemwegserkrankungen können akut auftreten oder sich chronisch entwickeln. Akute Infekte beginnen meist plötzlich, dauern nur kurze Zeit und klingen von selbst wieder ab. Chronische Erkrankungen halten über Monate oder Jahre an und brauchen eine gezielte Behandlung.

Was sind akute Atemwegserkrankungen?

Akute Atemwegserkrankungen treten plötzlich auf, zum Beispiel im Rahmen einer Erkältungswelle. Typisch sind:

  • schneller Beginn der Beschwerden
  • Symptome wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, manchmal Fieber
  • Dauer meist nur einige Tage bis etwa zwei Wochen

In vielen Fällen bessern sich akute Infekte von allein. Werden die Beschwerden jedoch deutlich stärker, kommen Atemnot oder hohes Fieber dazu oder halten die Symptome länger als zwei bis drei Wochen an, sollte eine Ärzt:in die Ursache klären.

Was sind chronische Atemwegserkrankungen?

Von chronischen Atemwegserkrankungen spricht man, wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen oder immer wiederkehren. Häufige Auslöser sind:

  • langjähriger Zigarettenkonsum
  • Allergien (z.B. Pollen, Hausstaub)
  • dauerhafte Schadstoffbelastung in Beruf oder Umwelt

Illustration von mit Schadstoffen gefüllten Lungen, Fabriken, Autos, Rauch, Gebäuden und einer Zigarette.

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Von Heuschnupfen (auch „allergische Rhinitis“ genannt) sind in Deutschland Millionen Menschen betroffen. Dabei lösen Pollen eine Entzündung der Nasenschleimhaut aus: Die Nase ist verstopft oder läuft, oft kommen Niesreiz und Juckreiz hinzu. Bleibt diese Entzündung über längere Zeit bestehen oder wird sie nicht ausreichend behandelt, kann sie sich in chronische Erkrankungen wie Asthma oder eine chronische Sinusitis fortentwickeln.

Bei der chronischen Form der Bronchitis kommt es zu einer dauerhaften Veränderung der Bronchialschleimhaut. Sie schwillt an, bildet vermehrt Schleim, und die Bronchialmuskulatur zieht sich zusammen. Zusätzlich werden die feinen Flimmerhärchen (Zilien) geschädigt, die normalerweise den Schleim nach oben zu befördern in Richtung Rachen transportieren. Dadurch bleibt Schleim in den Bronchien liegen, und das Abhusten wird immer mühsamer.

COPD und das Lungenemphysem werden in den meisten Fällen durch langjähriges Rauchen verursacht. Schädliche Stoffe aus dem Rauch regen Zellen in Bronchien und Lungenbläschen (Alveolen) dazu an, vermehrt Enzyme (Elastasen) freizusetzen, die elastisches Gewebe auflösen. So können Lungenbläschen nach und nach zerstört werden – es entsteht ein Emphysem. Die Folge sind dauerhaft entzündete, verengte Atemwege und eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion. Internationale Organisationen wie die WHO sehen  COPD heute weltweit als eine der drei häufigsten Todesursachen. Aktuelle Leitlinien betonen deshalb, wie wichtig es ist, Verschlechterungsschübe (Exazerbationen) zu vermeiden und früh gegenzusteuern.

Asthma bronchiale unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt: Die Bronchien sind überempfindlich und verengen sich anfallsweise – zum Beispiel als Reaktion auf Allergene, Infekte oder kalte Luft. In Deutschland sind Millionen Kinder und Erwachsene betroffen. Die gute Nachricht: Mithilfe einer passenden medikamentösen Therapie, richtiger Inhalationstechnik und einem persönlichen Behandlungsplan lässt sich Asthma heute meist  gut kontrollieren.

Atemwegserkrankungen – was tun, was hilft?

Atemwegserkrankungen betreffen oft sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege und können somit als Einheit betrachtet werden Wiederkehrende akute Infekte können so zu einem chronischen Problem beitragen. Umso wichtiger ist es, früh aktiv zu werden.

Wann zur Ärzt:in?

  • bei Atemnot oder deutlich erschwerter Atmung
  • bei hohem Fieber, das nicht nachlässt
  • bei Brustschmerzen oder blutigem Auswurf
  • wenn Beschwerden länger als zwei bis drei Wochen anhalten

Was Sie selbst unterstützen können:

  • mit dem Rauchen aufhören – der wichtigste Schritt, um COPD, Lungenemphysem und andere chronische Schäden zu verhindern oder zu verlangsamen
  • sich regelmäßig bewegen und einfache Atemübungen machen, um die Atmung zu unterstützen
  • ausreichend trinken und für befeuchtete, möglichst saubere Raumluft sorgen, um Schleim zu lösen
  • Allergien ernst nehmen und frühzeitig behandeln lassen, um die unteren Atemwege zu schützen

Die Pflege der oberen Atemwege ist dabei ein wichtiger Baustein. Eine freie Nasenatmung hat viele Vorteile, so filtert, erwärmt und befeuchtet sie die Luft, bevor sie in die Bronchien und die Lunge gelangt – und kann so helfen, die unteren Atemwege zu entlasten.

Atemwegserkrankungen besser verstehen und früh handeln

Wichtig für das Verständnis von Atemwegserkrankungen ist: Sie kommen selten alleine. Häufig sind sowohl die oberen als auch die unteren Atemwege betroffen – etwa, wenn sich aus einem „einfachen“ Schnupfen Husten und Bronchitis entwickeln. Wiederkehrende akute Infekte können so nach und nach in ein chronisches Leiden übergehen.

Trotzdem sind Ihnen nicht die Hände gebunden. Wer seinen Körper aufmerksam beobachtet, Warnzeichen ernst nimmt und frühzeitig mit einem oder einer Lungenfachärzt:in oder HNO-Ärzt:in spricht, kann viel für seine Atemwege tun. Mit Rauchstopp, guter Nasen- und Bronchialpflege, regelmäßiger Bewegung und einer passenden Behandlung lässt sich der Verlauf vieler Atemwegserkrankungen günstig beeinflussen – für mehr Luft im Alltag und mehr Wohlbefinden.

Quellen:
– Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). (2026). Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstructive pulmonary disease: 2026 report. Abgerufen am 24.02.2026 bei https://goldcopd.org/2026-gold-report-and-pocket-guide/
– Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). (2025). Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Kurzfassung, 2. Auflage. Abgerufen am 24.02.2026 bei https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-003k_S3_COPD_2026-02.pdf
– Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). (2024). Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, 3. Auflage. Abgerufen am 24.02.2026 bei https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-002l_S3_Asthma_2024-08.pdf
– Weltgesundheitsorganisation (WHO) / European Respiratory Society. (2025). Chronic respiratory diseases in the WHO European Region: A spotlight on COPD and asthma. Abgerufen am 24.02.2026 bei https://www.who.int/europe/publications/i/item/WHO-EURO-2025-12340-52112-79990
– Lungeninformationsdienst. (2026). Lungenkrankheiten: Welche Krankheitsbilder gibt es? Abgerufen am 24.02.2026 bei https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten
– Foto: wsfurlan, iStock.com

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