Oxidativer Stress: Was schützt vor COPD?

Neun von zehn Menschen mit COPD sind ehemalige Raucher:innen – über diese Zahl wissen viele Bescheid. Doch längst nicht alle Tabakkonsument:innen erkranken an der obstruktiven Lungenerkrankung. Aber was ist es, das diese Menschen vor einer COPD schützt?
 | 07.11.2023

Beim Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und dem Auftreten einer COPD-Erkrankung treiben Forscher:innen wie Betroffene verschiedene Fragen um. Doch eine davon brennt ganz besonders unter den Nägeln: Warum bekommen einige (langjährige) Raucher:innen eine COPD – und warum andere nicht? Was schützt sie also vor COPD?

Bisher hätte man eine magische Glaskugel gebraucht, um diese Frage beantworten zu können. Doch Forscher:innen des Deutschen Zentrums für Lungenforschung haben nun möglicherweise einen Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage gefunden.

Ein Schutzschild gegen die chronische Lungenerkrankung

Das Forschungsteam erkundete, was Nichtraucher:innen vor einer COPD eigentlich schützt. Ihre Entdeckung: Ein spezifisches Enzym in den sogenannten „alveolären Epithelzellen“, also winzig-kleinen Zellen im Inneren unserer Atemwege, bietet Schutz vor den verheerenden Auswirkungen des Tabakrauchs.

Was ist ein Enzym?

Die meisten Enzyme bestehen zum Großteil aus Proteinen. Sie sorgen dafür, dass chemische Reaktionen – zum Beispiel in unserem Körper – beschleunigt werden. Das tun sie, indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen, die es zu dieser Reaktion benötigen würde. Sie sind Spezialist:innen auf ihrem Gebiet, das bedeutet, dass sie nur für eine spezifische Stoffklasse und Reaktion zur Verfügung stehen. Enzyme beziehungsweise ihre Wirkungsweise sind uns nicht neu – und in der Medizin werden sie in den vielfältigsten Bereichen eingesetzt, zum Beispiel, um die Abwehrkräfte zu steigern, Wunden oder Entzündungen zu heilen oder Erkrankungen der Blutgefäße zu behandeln.

Dieses Enzym wirkt wie eine Art Schutzschild. Denn es reduziert den oxidativen Stress, der durch Zigarettenrauch und Umweltgifte verursacht wird – und der dafür sorgt, dass eine COPD überhaupt entsteht. Doch was bedeutet das eigentlich genau – und wie entsteht oxidativer Stress überhaupt?

Sorgt oxidativer Stress für ein höheres COPD-Risiko?

Das Rauchen und schädliche Umweltfaktoren – also beispielsweise Gase, denen wir durch ein Leben in der Großstadt oder am Arbeitsplatz ausgesetzt sind – erzeugen eine spezielle Art von Molekülen. Man nennt diese auch freie Radikale. Obwohl die Zellen einen Abwehrmechanismus gegen diese Teilchen besitzen, führt eine übermäßige Aktivität zu oxidativem Stress. Dieser Stress beeinträchtigt die normale Zellfunktion und macht sie anfälliger für verschiedene Krankheiten.

Die Forscher:innen machten jedoch noch eine weitere entscheidende Entdeckung: Ein bestimmtes Molekül, das das schützende Enzym herunterreguliert, erhöht die Anfälligkeit der Zellen für oxidativen Stress. Wer dementsprechend viele dieser Moleküle in sich trug, dessen Zellen waren auch weniger geschützt – was eine Krankheitsdiagnose wie COPD wiederum wahrscheinlicher machen würde.

Auch wenn es noch viel zusätzlicher Forschung bedarf, so kann man eine wichtige Erkenntnis bereits jetzt daraus ablesen – und zwar zur Risikoabschätzung von COPD. Denn die Interaktion zwischen diesem regulierenden Molekül und dem schützenden Enzym könnte als Ausgangspunkt für innovative Behandlungsansätze dienen, die das Leben von COPD-Patient:innen verbessern könnten.

Was macht Rauchen mit unseren Atemwegen?

Auch wenn dieses Forschungsergebnis zeigt, dass es unter anderem eine Frage der Veranlagung ist, ob man an COPD erkrankt oder nicht, ist wichtig zu betonen: Rauchen hat immer negative Auswirkungen auf unseren Organismus. Denn nicht nur unsere Bronchien werden (teilweise irreparabel) dadurch geschädigt: Mit jeder gerauchten Zigarette gelangen etwa 4000 verschiedene, teils giftige Stoffe in die Atemwege.

Je mehr Zigaretten Raucher:innen zudem konsumieren und je länger sie das bereits tun, umso höher ist auch ihr Risiko, einiges Tages zusätzlich noch Diabetes, Osteoporose oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Man tut sich daher einen Gefallen, wenn man eine Tabakentwöhnung durchzieht – oder besser noch: gar nicht erst mit dem Rauchen anfängt.

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Noch immer ist es nicht möglich, eine hundertprozentig genaue Aussage darüber zu treffen, ob jemand mal an COPD erkranken wird oder nicht. Sicher ist jedoch: Die Forschung ist auf einem guten Weg, sodass das individuelle Risiko immer besser und präziser abgeschätzt werden kann – und eröffnet so auch neue Möglichkeiten zur Prävention. Denn entsteht eine Krankheit gar nicht erst, so sind die Chancen für ein langes Leben in Wohlbefinden selbstverständlich höher.

Quellen:
– Wu, C.Y. et al.: CEACAM6 as a Novel Therapeutic Target to Boost HO-1-mediated Antioxidant Defense in COPD. In: Am J Respir Crit Care Med. 2023, doi:10.1164/rccm.202208-1603OC
– Helmholtz Zentrum München, 2023. Was schützt Raucher:innen vor COPD? Lungeninformationsdienst. Abgerufen bei https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/artikel/was-schuetzt-raucherinnen-vor-copd am 10. Oktober 2023
– Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V., o.D. Enzym-Therapie. Internisten im Netz. Abgerufen bei https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/komplementaermedizin/naturheilkundliche-alternative-verfahren/enzym-therapie.html am 12. Oktober 2023
– Simple Club, o.D. Enzyme. Abgerufen bei https://simpleclub.com/lessons/biologie-enzyme am 12. Oktober 2023
– Foto: Arek Socha / Pixabay.com

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