
Inhaltsübersicht
Reha bei COPD: Das Wichtigste auf einen Blick
- Wer hat Anspruch? Alle sozialversicherten COPD-Patient:innen, die rehabilitationsbedürftig und -fähig sind.
- Wie oft? In der Regel alle vier Jahre. Bei Verschlechterung auch früher.
- Wie lange? Stationär meist drei Wochen. Verlängerung möglich.
- Wer zahlt? Rentenversicherung (Erwerbstätige) oder Krankenkasse (Rentner:innen).
- Was bringt es? Bessere Belastbarkeit, weniger Atemnot, mehr Sicherheit im Alltag.
Ist eine Reha bei COPD sinnvoll?
Ja, und das ist wissenschaftlich gut belegt. Eine pneumologische Rehabilitation, kurz Reha genannt, kann die Belastbarkeit steigern, Atembeschwerden verringern und sogar die Lebenserwartung verlängern. Gleichzeitig lernen Teilnehmer:innen, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen. Der GOLD-Report 2025, die weltweit wichtigste Leitlinie für COPD, empfiehlt die Reha ausdrücklich als Baustein der nicht-medikamentösen Behandlung.
Trotzdem wird eine Reha von ärztlicher Seite nur selten angeregt. Für Patient:innen gilt daher: Werden Sie selbst aktiv!
In diesem Beitrag erfahren Sie,
- wann und wie oft COPD-Patient:innen Anspruch auf eine Reha haben,
- wie man einen erfolgreichen Antrag einreicht,
- wie eine Reha für COPD-Patient:innen genau abläuft und
- wo man als Lungenpatient:in eine Reha machen kann, ob ambulant oder stationär.
Anspruch auf Reha bei COPD: Voraussetzungen und Zeitpunkt
Für einen erfolgreichen Antrag sollten Sie die Voraussetzungen kennen. Laut Sozialgesetzbuch (SGB IX, § 1) soll eine Rehabilitation die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern und eine drohende Behinderung abwenden.
Gut zu wissen : Nicht nur bei COPDkann sich eine pneumologische Reha auszahlen: Auch bei Asthma, Long- oder Post-COVID oder einem Lungenemphysem könnte sich ein Antrag lohnen.
Welche Voraussetzungen gibt es für eine COPD-Reha?
Wer in Deutschland sozialversichert sind, hat prinzipiell einen Anspruch auf eine Reha. Privatversicherte sollten in ihren Vertragskonditionen prüfen, ob eine Kostenübernahme enthalten ist.
Darüber hinaus müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Rehabilitationsbedürftigkeit: Sie leiden unter chronischen Beschwerden, die Ihre Belastbarkeit im Alltag einschränken oder die Erwerbsfähigkeit bedrohen. . Mit einer COPD-Diagnose ist dies häufig gegeben. Gerade ab GOLD-Stadium 3 oder 4 wird die Reha besonders empfohlen.
- Rehabilitationsfähigkeit: Betroffene sind körperlich und geistig in der Lage, an einer Reha teilzunehmen und davon zu profitieren. Wichtig: Auch Sauerstoffpflichtige und beatmete Patient:innen sind ausdrücklich nicht ausgeschlossen! Viele Reha-Kliniken sind auf diese Versorgung eingestellt.
- Positive Rehabilitationsprognose: Die im Antrag formulierten Ziele lassen sich durch die gewählte Reha realistisch erreichen.
Wann bekommt man eine Reha bei COPD?
Auch bezüglich des Zeitpunktes gibt es bestimmte Regularien, wann eine Reha am ehesten bewilligt wird und Sinn ergibt. So kann man als COPD-Patient:in rein vorsorglich eine Reha beantragen – etwa, um einer drohenden Verschlechterung der Symptome
vorzubeugen und den richtigen Umgang mit der Erkrankung zu erlernen. Eine weitere Möglichkeit: Die Reha als Anschlussbehandlung, beispielsweise nach einer Exazerbation (= akute Verschlechterung) oder einer Operation.
Die folgenden Gründe für eine Reha bei COPD werden in der Regel anerkannt:
- Betroffene fühlen sich durch die Erkrankung in ihrem Alltag eingeschränkt.
- Die Erwerbsfähigkeit ist bedroht, etwa durch häufige Krankentage .
- Die Symptome haben sich deutlich verschlechtert.
- Der oder die Patient:in hatte aufgrund einer exazerbierten COPD einen längeren Krankenhausaufenthalt.
- Betroffene leiden unter den psychosozialen Folgen der Erkrankung – darunter fallen beispielsweise Depressivität, Ängste oder Rückzugstendenzen.
- Es droht die Pflegebedürftigkeit.
Wie oft habe ich Anspruch auf eine Reha bei COPD?
In der Regel können Sie alle vier Jahre eine Reha beantragen. In Einzelfällen können jedoch auch dringende Gründe dafür sprechen, diesen Zeitraum zu verkürzen – beispielsweise eine deutliche Verschlechterung der Symptome, das Hinzukommen einer neuen Erkrankung
oder ein Aufenthalt im Krankenhaus.
Im folgenden Video erklärt Tessa Schneeberger von der Philipps-Universität Marburg die Vorteile der pneumogischen Rehabilitation für COPD-Patient:innen:
Wer übernimmt die Kosten für eine Reha bei COPD?
Grundsätzlich gibt es zwei Wege: Sie finanzieren die Reha selbst oder Sie beantragen eine Kostenübernahme. Als Kostenträger kommen in Frage:
- Die gesetzliche Rentenversicherung, wenn Sie erwerbstätig sind und eine frühzeitige Verrentung droht.
- Die gesetzliche Krankenversicherung, zum Beispiel wenn Sie bereits in Rente sind und eine Pflegebedürftigkeit abgewendet werden soll.
Die Kostenübernahme schließt in der Regel Reise, Verpflegung und Unterkunft ein. Je nach Versicherung kann eine Zuzahlung von maximal zehn Euro pro Reisetag anfallen.
Wohin zur Reha bei COPD: ambulant oder stationär?
Eine Reha bei COPD kann ambulant oder stationär in einer zertifizierten Klinik durchgeführt werden. Bei der stationären Reha wohnen Sie für mehrere Wochen in der Einrichtung und nehmen ganztags am Programm teil. Die ambulante Reha ermöglicht es, abends nach Hause zu fahren. Sie eignet sich besonders, wenn eine geeignete Klinik in Wohnortnähe liegt. Über die genaue Art, Ort und Dauer der Reha hat jedoch der oder die Kostenträger:in das letzte Wort. Patient:innen steht allerdings zu, Wünsche zu äußern. Achten Sie dabei auf folgende Punkt:
- Begründen Sie im Antrag, warum eine bestimmte Klinik für Ihre Situation geeignet ist.
- Prüfen Sie, ob die Klinik einen Schwerpunkt auf Pneumologie hat und Erfahrung mit COPD-Patient:innen mitbringt.
- Fragen Sie nach speziellen Angeboten wie Atemphysiotherapie, Bewegungstherapie oder psychologischer Betreuung.
Wer sich frühzeitig informiert und gut vorbereitet, erhöht die Chancen auf eine passende Reha deutlich.
Wie beantrage ich eine Reha bei COPD?
Der Weg zur Reha führt über einen Antrag auf Kostenübernahme. Damit er erfolgreich ist, kommt es auf die richtige Reihenfolge an.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor:
- Zu Beginn solte man das Gespräch mit dem oder der Fachärzt:in suchen. Zusammen sollte man zunächst einmal klären, ob eine Reha grundsätzlich in Frage kommt.
- Hat man dies beantwortet, folgt der nächste Schritt: Wer (noch) im Beruf steht, benötigt einen ärztlichen Befundbericht für den Antrag bei der Rentenversicherung. Wer bereits in (Früh-)Rente ist, kann sich von der Praxis eine Reha über die Krankenkasse verordnen lassen.
- Weiter geht es nun mit dem Antragsformular: Hier sollte man die individuellen Gründe für den Antrag genau beschreiben. Antragsformulare erhält man bei der eigenen Krankenkasse, dem oder der Lungenfachärzt:in oder auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung.
- Danach kann man sich erst einmal zurücklehnen: Nach Einreichung des Antrags werden die Kostenträger:innen prüfen, ob die medizinischen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Reha erfüllt sind.
Tipps für einen erfolgreichen Reha-Antrag
Mit der richtigen Vorbereitung steigen Ihre Chancen auf eine Bewilligung deutlich. Diese Tipps helfen:
- Antrag und Befundbericht aufeinander abstimmen: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärzt:in, warum eine stationäre Reha notwendig ist und welche Ziele erreicht werden sollen. Die beschriebenen Symptome und Reha-Ziele sollten in allen Antragsdokumenten übereinstimmen.
- Alltagseinschränkungen konkret beschreiben: Entscheidend sind weniger die medizinischen Diagnosen als die konkreten Auswirkungen auf Ihren Alltag. Schildern Sie, wie Atemnot Ihr Leben beeinflusst: zum Beispiel beim Treppensteigen, im Beruf oder bei der Hausarbeit.
- Lieber zu viele als zu wenige Details nennen: Beschreiben Sie Ihre Krankheitssituation und Ihre Erwartungen an die Reha möglichst genau. Die Krankenkasse muss erkennen können, dass die Reha zu einer Besserung führen kann.
- Unterstützung nutzen: Sie sind nicht allein. Die Beratungsstellen der Kostenträger helfen beim Ausfüllen. Auch Selbsthilfe-Organisationen und Sozialverbände wie der VdK oder der Sozialverband Deutschland unterstützen bei sozialrechtlichen Fragen.
- Bei Ablehnung Widerspruch einlegen: Wird der Antrag abgelehnt, lohnt es sich, hartnäckig zu bleiben. Innerhalb eines Monats können Sie Widerspruch einlegen. Das zahlt sich häufig aus: Über die Hälfte der zunächst abgelehnten Anträge werden in zweiter Instanz doch noch bewilligt. Es lohnt sich also, nicht aufzugeben.
So läuft eine pneumologische Reha ab
Der Antrag ist bewilligt und die Koffer sind gepackt. Wie geht es jetzt weiter? Eine stationäre Reha bei COPD dauert in der Regel drei Wochen. In begründeten Fällen ist eine Verlängerung möglich. Eine ambulante Reha kann sich über mehrere Wochen erstrecken, da die Einheiten auf einzelne Tage verteilt sind. Das betreuende Reha-Team besteht aus Fachärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Psycholog:innen und Ernährungsberater:innen, die eng zusammenarbeiten.
Zu Beginn steht meistens eine Eingangsuntersuchung durch eine:n Lungenfachärzt:in auf dem Plan. Mit diesen legen die Reha-Teilnehmer:innen dann gemeinsam die Ziele und Inhalte der Rehabilitation fest.
Mögliche Ziele einer Reha bei COPD sind u. a.:
- Die Rauchentwöhnung zu schaffen
- Atemnot und Belastbarkeit gezielt verbessern
- Psychologische Unterstützung erhalten, zum Beispiel bei Depression oder Ängsten
- Strategien für den Umgang mit Notfällen wie akuter Atemnot erlernen
- Unterstützende atemtherapeutische Maßnahmen für den Alltag mitzugeben: Beispielsweise die Vermittlung von Atem- und Hustentechniken oder die korrekte Anwendung von Atemtherapiegeräten und Inhalationssystemen
- Die Begleitung bei einer Ernährungsumstellung, etwa um Über- oder Untergewicht zu reduzieren
- Training bei COPD: die körperliche Leistungsfähigkeit durch Bewegungstherapie und Atemübungen steigern
Was erwartet mich in einer pneumologischen Rehabilitation?
Die Tage in der Reha sind abwechslungsreich und gut gefüllt. Um ihre Ziele zu erreichen, können Lungen-Patient:innen an verschiedensten Kursen und Schulungen teilnehmen und dabei so einiges über den Umgang mit ihrer Erkrankung lernen.
Typische Inhalte sind zum Beispiel die richtige Inhalationstechnik, das Erkennen von Warnsignalen bei einer Verschlechterung oder Tipps für Bewegung bei COPD im Alltag.
Gut zu wissen: Digitale Anwendungen nach der Reha
Die Reha ist vorbei, der Alltag beginnt wieder. Doch wie lassen sich die erreichten Fortschritte langfristig halten? Digitale Trainingsprogramme können dabei helfen. In wissenschaftlichen Studien wurde zum Beispiel eine Smartphone-App untersucht, die individuelle Übungen, Atemtechniken und ein telemedizinisches Coaching kombiniert. Die Bewegungen werden über die Kamera erfasst und korrigiert, sodass ein sicheres Training zu Hause möglich ist.
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Patient:innen, die die App regelmäßig nutzten, konnten ihre tägliche Aktivität über Monate besser halten. Bei häufiger Nutzung stieg die Schrittzahl sogar um rund 1.000 Schritte pro Tag. Das ist klinisch bedeutsam, denn bereits 600 bis 1.000 zusätzliche Schritte täglich können dazu beitragen, eine Exazerbation (= akute Verschlechterung) zu vermeiden.
Solche digitalen Anwendungen ersetzen keine strukturierte Reha, können aber das Selbstmanagement im Alltag stärken. Die GOLD-Leitlinie 2025 betont ebenfalls die Möglichkeit einer Tele-Reha als Ergänzung, weist aber darauf hin, dass persönliche Betreuung weiterhin wichtig bleibt.
Wie der Übergang von der Reha in den Alltag gelingen kann und welche Rolle digitale Anwendungen und Prävention dabei spielen, lesen Sie in diesem Fachbeitrag von Univ.-Prof. Dr. Rembert Koczulla.
Von Rehabilitation
zur Prävention bei COPD?
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Reha bei COPD: Ihr nächster Schritt
Eine Reha bei COPD kann vieles verändern: mehr Luft, mehr Kraft, mehr Sicherheit im Alltag. Der Weg dorthin beginnt mit einem Gespräch in Ihrer Lungenarztpraxis. Auch wenn der Antrag etwas Geduld erfordert, lohnt sich der Aufwand. Denn eine Reha gibt Ihnen Wissen und Werkzeuge an die Hand, mit denen Sie Ihre Erkrankung selbst aktiv mitgestalten können.
Quellen:
– Fischer, J. (et al.): Rehabilitation von Patienten mit Chronisch Obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften (DGRW). Pneumologie 2007, 61: 233 – 248.
– Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). (2025). Global strategy for the diagnosis, management, and prevention of chronic obstructive pulmonary disease: 2025 report. Abgerufen am 08.02.2026 bei https://goldcopd.org/2025-gold-report/
– Gloeckl, R. (et al.): Pulmonary rehabilitation and exercise training in chronic obstructive pulmonary disease. In: Deutsches Ärzteblatt 2018; 115 (8): 117–23.
– CEGLA Medizintechnik. (2025). Von Rehabilitation zur Prävention bei COPD? CEGLA Wissen. Abgerufen am 08.02.2026 bei https://www.cegla.de/wissen/von-rehabilitation-zur-praevention-bei-copd/
– Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e. V. (BAR). (2025). Teilhabeverfahrensbericht 2025. Berichtsjahr 2024 (Kap. 4.15.1, S. 131 ff.). Abgerufen am 08.02.2026 bei https://www.bar-frankfurt.de/themen/teilhabeverfahrensbericht/teilhabeverfahrensberichte.html
– Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen. § 1 Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Am 25.05.2022
– Foto: FatCamera / istock.com








Ich habe COPD Gold II, Emphysem und Lungenkrebs. Fragte meinen Lungenfacharzt, was er von einer Reha hält. Knallharte Antwort: Nichts! Und jetzt? Viele Grüße