
Bei chronischen Atemwegserkrankungen ist Atemnot (Dyspnoe) ein Symptom, das sich besonders stark auf das psychische Wohlbefinden auswirkt. Auslöser für akute Atemnot können Infekte, körperliche Anstrengung, Allergene, Stress oder auch Angst sein. Mit guter Vorbereitung, hilfreichen Strategien und dem passenden Training können Sie auch in schwierigen Situationen besser zurechtkommen.
Was hilft bei akuter Atemnot? Notfall-Checkliste
Routine schafft Sicherheit! Wer sich auf Notfälle vorbereitet, wird weniger überrascht und überfordert sein. Wenn Sie einen festen Ablauf einüben, können Sie im Ernstfall ruhiger und gezielter handeln und wissen bei Atemnot, was zu tun ist.
Checkliste: Erste Hilfe bei Atemnot
- Ruhe bewahren: Hektik steigert die Atemnot und erschwert es, sich auf die notwendigen Maßnahmen zu konzentrieren.
- Notfallmedikamente einnehmen: Halten Sie Ihre Notfallmedikamente stets bereit. Informieren Sie Ihr Umfeld, wo diese zu finden sind (Notfallplan).
- Lippenbremse anwenden: Langsam durch die locker aufeinanderliegenden Lippen ausatmen. Das hält die Atemwege offen und kann Atemnot schnell lindern.
- Atemerleichternde Haltung einnehmen: Der Kutschersitz (nach vorne gebeugt, Unterarme auf den Oberschenkeln) oder die Torwartstellung verschaffen Ihrem Brustkorb mehr Platz und erleichtern die Atmung.
- Hilfsmittel nutzen: Atemtherapiegeräte können die Atmung beruhigen und ergänzen Atemübungen bei Atemnot.
- Kühler Luftzug: Ein tragbarer Handventilator direkt auf Nase und Mund gerichtet kann helfen. Dieser Effekt wurde in Studien nachgewiesen und ist ein einfaches Hausmittel bei leichter Atemnot.
- Notruf wählen: Wählen Sie den Notruf, wenn sich die Symptome nicht bessern oder starke Atemnot, blaue Lippen oder Schwellungen auftreten. Das ist ein wichtiger Teil der Erste Hilfe bei Atemnot.
Die Atemnot-Spirale verstehen
Angst und Unsicherheit können Atemnot zusätzlich verstärken und so eine Atemnot-Spirale auslösen. Dieser Teufelskreis beschreibt das Muster, in dem viele Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD und Asthma gefangen sind.
- Atemnot (Dyspnoe) ist ein belastendes Symptom mit körperlichen und psychischen Folgen.
- Aus Angst vor weiteren Beschwerden vermeiden Betroffene oft körperliche Aktivitäten. Dies führt zu einem Abbau wichtiger Muskulatur und einer Verschlechterung der körperlichen Fitness.
- In der Folge kann sich die Atemnot weiter verstärken – und der Teufelskreis schließt sich.

Atemübungen bei Atemnot – die Angstspirale durchbrechen
Wer schon einmal Atemnot erlebt hat, kennt den beängstigenden Charakter dieser Erfahrung. Genau diese Angst kann die Sorge vor einem erneuten Notfall weiter verstärken und eine Atemnot-Panikspirale auslösen. Es gibt jedoch Atemübungen bei Atemnot, die helfen können, mehr Sicherheit und Wohlbefinden zu gewinnen.
Folgende Ansätze lassen sich kombinieren und geben Ihnen konkrete Hilfe bei Atemnot:
1. Anker etablieren: Sicherheit in schwierigen Momenten
In der Psychologie versteht man unter einem Anker einen Reiz oder eine Handlung, die dabei hilft, in belastenden Situationen ruhig zu bleiben. Übertragen auf Atemnot kann das eine einfache Atemübung, eine beruhigende Bewegung oder auch ein Atemtherapiegerät sein.
Ein solcher Anker kann besonders dann helfen, wenn Atemnot und Panikattacke sich gegenseitig verstärken. Wenn Sie Ihre persönliche Strategie bei Atemnot vorher einüben, können Sie sie im Ernstfall schneller abrufen und fühlen sich weniger ausgeliefert.

2. Die Lippenbremse – Anleitung für die wichtigste Atemtechnik
Regelmäßiges Üben kann die Sicherheit erhöhen, weil routinierte Abläufe auch in Stresssituationen leichter abrufbar sind. Die Lippenbremse ist die bekannteste und bewährteste Technik bei Atemnot.
Die Ausatmung wird verlangsamt und der Innendruck in den Bronchien erhöht. Das hält die Atemwege länger offen und verbessert den Gasaustausch. Gleichzeitig wirkt die verlängerte Ausatmung beruhigend auf das vegetative Nervensystem (das unbewusste Nervensystem, das Herzschlag und Atmung steuert) und hilft, Atemnot und Angst zu lindern.
Lippenbremse – kurze Anleitung:
- Atmen Sie ruhig durch die Nase ein.
- Legen Sie die Lippen locker aufeinander, als wollten Sie eine Kerze sanft ausblasen.
- Atmen Sie langsam und gleichmäßig durch die Lippen wieder aus.
- Versuchen Sie, die Ausatmung etwas länger als die Einatmung zu gestalten.
3. Die verlängerte Ausatmung üben
Die verlängerte Ausatmung ist eine Art Wundertechnik, denn sie gibt dem Körper das Signal für Ruhe und Entspannung. Diese Atemübung bei Atemnot können Sie leicht im Alltag trainieren. Das regelmäßige Üben – vorzugsweise mit kleinen Atempausen – ist fast immer und überall möglich.

Wichtig: Jeder Mensch ist einzigartig. Starten Sie deshalb sanft und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit zunächst auf eine verlängerte Ausatmung. Wenn Ihnen das gut gelingt, fügen Sie nach und nach kleine Atempausen hinzu.
Um weiter zu üben, können diese Atemmuster hilfreich sein:
| Atmung/Pause | Einatmen | Pause | Ausatmen | Pause |
|---|---|---|---|---|
| Dauer in Sekunden | 2 | 1 | 4 | 1 |
| 2 | 2 | 4 | 2 | |
| 2 | 2 | 6 | 2 |
Atemmuskulatur stärken
Für 80 bis 90 Prozent unserer Atemkraft sorgt das Zwerchfell, es ist unser Hauptatemmuskel. Mit der bewussten Atmung in den Bauch (auch tiefe Bauchatmung oder diaphragmatische Atmung genannt) lernen wir, das Zwerchfell aktiv zu nutzen.
Im körperlichen Training werden Gewichte wie Bänder oder Hanteln eingesetzt, um Muskeln zu kräftigen. Auch für die Atemmuskulatur gibt es vergleichbare Prinzipien: Durch sanfte Atemübungen gegen einen Widerstand – wie sie Atemtrainer ermöglichen – lassen sich Kraft und Ausdauer der Atemmuskulatur verbessern.
Ein zusätzlicher Vorteil ist die Kombination mit Oszillation: Sanfte Schwingungen (Oszillationen) können das muskuläre Training angenehmer und leichter wirken lassen. Gezieltes Training der Atemmuskulatur kann so Atemnot bei COPD und Asthma im Alltag reduzieren und Ihnen mehr Belastbarkeit geben.
Richtiges Atmen bei Asthma und COPD
Richtiges Atmen – klingt so einfach, oder? Doch unsere Atmung ist viel mehr als „Luft holen“. Denn wer es richtig macht, beeinflusst Körper und Geist positiv. Weiterlesen
Nervensystem beruhigen: Töne als Helfer
„Mit Musik geht alles leichter.“ Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die positiven Effekte von Musik auf Körper und Geist. Besonders sanfte und rhythmische Musik kann diesen Effekt verstärken. Auch bestimmte Tonfolgen, wie der Wechsel einer Terz (ein bestimmter Tonabstand in der Musik), wirken beruhigend auf das Nervensystem.
Das RC-FIT® CLASSIC vereint diese Ansätze in einem handlichen Gerät. Es unterstützt das Üben der verlängerten Ausatmung und ermöglicht durch die Anpassung der Widerstände ein gezieltes Kräftigen der Atemmuskulatur – ähnlich wie das Hinzunehmen von leichten Gewichten beim Sport.
Die Kombination mit Oszillationen und Tönen ist einzigartig: Die Schwingungen wirken wie eine Vibrationsplatte und lassen das Training leichter erscheinen. Während der Ein- und Ausatmung entstehen zwei warm klingende Töne, die als akustisches Feedback dienen und beruhigend wirken können.
So verbindet das RC-FIT® CLASSIC psychologische, körperliche und neuronale Aspekte und kann Ihnen im Alltag mit Atemwegserkrankungen mehr Sicherheit und Gelassenheit geben.
Atemnot: Wann sollten Sie zum Arzt?
Atemnot kann viele Ursachen haben. Viele Patient:innen fragen sich, wann sie bei Atemnot zum Arzt oder zur Ärztin gehen sollten. Wichtig ist, Warnzeichen zu kennen und zu wissen, wann Sie medizinische Hilfe brauchen.
Warnzeichen – bitte ärztlichen Rat suchen:
- Die Atemnot bessert sich trotz Maßnahmen nicht.
- Blaue Verfärbung der Lippen oder Fingernägel.
- Schwellungen im Gesicht oder Hals.
- Starke Brustschmerzen oder Herzrasen.
- Bewusstseinsveränderungen oder Verwirrtheit.
Im Notfall: Wählen Sie die 112, wenn die Atemnot plötzlich stark wird, Sie kaum sprechen können oder eines der oben genannten Warnzeichen auftritt. Zögern Sie im Zweifel nicht, Hilfe zu holen.
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung bei Atemnot
Was tun bei Atemnot? Mit den richtigen Atemübungen, regelmäßigem Training und guter Vorbereitung können Sie die Angstspirale durchbrechen und mit Atemnot im Alltag besser zurechtkommen.
Was aus Erfahrung vielen Patient:innen hilft:
- Sich selbst Zeit geben: Jeder Fortschritt ist wertvoll, auch wenn er klein erscheint.
- Es ist in Ordnung, Pausen einzulegen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
Hilfe bei Atemnot ist möglich – mit der richtigen Vorbereitung und Übung gewinnen Sie Stück für Stück mehr Sicherheit und Lebensqualität zurück.
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit der Zeitschrift Atemwege & Lunge eine Patientenbibliothek. Unsere Redaktion hat den Text für die Veröffentlichung aufbereitet.
Quellen:
– Patientenzeitschrift COPD in Deutschland (Patienten-Bibliothek), Ausgabe 3 | 2025
– Morélot-Panzini C. Fooling the brain to alleviate dyspnoea. Eur Respir J. 2017 Aug 17;50(2):1701383. doi: 10.1183/13993003.01383-2017. PMID: 28818880; PMCID: PMC5593357.
– Abb. mod. nach Buttery et al. Respirology 2021;26(5):419 – 41
– Eder, U. & Sperlich, F. J. (2020): Das Parasympathikus-Prinzip. 3. Auflage. München: Gräfe und Unzer.
– Foto: LordHenriVoton / istock.com









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