Endoskopische Behandlung des schweren Lungenemphysems
Die schwere bis sehr schwere COPD in den Stadien III und IV ist meist mit einem ausgeprägten Lungenemphysem verknüpft. Verschiedene Varianten der Lungenvolumenreduktion wie der Einsatz von Ventilen oder Spiralen in die Lunge versprechen Linderung.
Das Lungenemphysem stellt eine Zerstörung der Lungenbläschen dar und geht mit einer Lungenüberblähung einher, die die Belastbarkeit und die Lebensqualität der Patienten stark einschränkt. Die Langzeitergebnisse der chirurgischen Lungenvolumenreduktion ergaben bei ausgewählten Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität und einen Überlebensvorteil.
Dennoch ist es wünschenswert, Patienten mit schwerer bis sehr schwerer COPD keiner chirurgischen Maßnahme zu unterziehen, um mögliche Komplikationen infolge der Operation zu vermeiden.
Die Verfahren zur endoskopischen Lungenvolumenreduktion unterscheiden sich nach der örtlichen Verteilung des Lungenemphysems. Ist das Lungenemphysem ungleich im Brustkorb verteilt, so spricht man von einem heterogenen Lungenemphysem im Unterschied zu einer gleichmäßigen Verteilung, die als homogenes Lungenemphysem bezeichnet wird. Die meisten endoskopischen Verfahren zur Lungenvolumenreduktion beziehen sich auf das heterogene Lungenemphysem:
(1) Reversible blockierende Verfahren
Für diese Krankheitsgruppe sind Verfahren entwickelt worden, die mit einer Blockade bestimmter Atemwege einhergehen. In der Regel handelt es sich um so genannte Ventile, die sich während der Einatmung verschließen und bei der Ausatmung Luft passieren lassen. Der Unterschied zwischen dem eingeatmeten und dem ausgeatmeten Volumen soll zu einer Verkleinerung des erkrankten Lungengebietes führen. Die Ventile können über flexible Bronchoskope eingebracht werden. Da die Ventile entfernt werden können, spricht man von reversiblen (d.h. wieder aufhebbaren) blockierenden Verfahren.
Unter kollateraler Ventilation versteht man eine krankhafte Verbindung zwischen Lungenstrukturen, die üblicherweise aufgrund ihrer anatomischen Gegebenheiten voneinander getrennt sind. Ist eine kollaterale Ventilation in größerem Ausmaß vorhanden, so führt die Belüftung eines mittels Ventil verlegten Bronchialastes (Bronchus) dazu, dass sich keine Verminderung der Lungenüberblähung entwickelt. Um dies zu beheben, sind mittlerweile Verfahren entwickelt worden, die auch im Alltag eingesetzt werden könnten. Leider sind die Geräte jedoch nicht für die klinische Routine verfügbar, so dass nur wenige Erfahrungen über den Zusammenhang zwischen der kollateralen Ventilation und der möglichen klinischen Besserung nach endoskopischer Lungenvolumenreduktion vorliegen.
(2) Reversible, nicht blockierende Verfahren
Bei einem anderen Verfahren zur Lungenvolumenreduktion werden bronchoskopisch Spiralen in die erkrankten Anteile der Lunge eingeführt, die das Lungenvolumen verkleinern sollen. Sobald der Katheter entfernt wird, zieht sich die Spirale zusammen und verändert dadurch die Lungenarchitektur in der Hoffnung, die erkrankten emphysematösen Anteile zu verringern. Das Verfahren ist bisher bei relativ wenigen Patienten mit unterschiedlichen Ergebnissen durchgeführt worden. Das Ausmaß einer langfristigen Verbesserung sowie der womöglich schwergradigen Nebenwirkungen sind bisher nicht sicher abschätzbar.
(3) Nicht reversible, nicht blockierende Techniken
A: Bronchologische Wasserdampfablation
Es ist bekannt, dass erhitzter Wasserdampf zur Schrumpfung von Gewebe führen kann. Daher wurde Wasserdampf über ein Bronchoskop bei Patienten mit heterogenem Lungenemphysem eingesetzt. Dieses Verfahren ist interessant, da ein möglicher Effekt unabhängig von der kollateralen Ventilation auftreten sollte. Die ersten Ergebnisse bestätigen sowohl die Machbarkeit als auch das Potenzial für eine Verbesserung der Lungenfunktion. Es müssen jedoch Erfahrungen bei größeren Patientengruppen abgewartet werden.
B: Polymerische Lungenvolumenreduktion (PLVR)
Bei der PLVR wird über ein Bronchoskop ein Gelschaum in die Lunge eingeführt, der sich an das Gewebe anbindet. In der Folge verkleinert sich der Schaum und führt dadurch zu einer Verminderung der überblähten Lungenareale. Die Verfahren gehen mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil einher und lassen ein klinisch erfreuliches Resultat erwarten.
C: Airway Bypass System beim homogenen Lungenemphysem
Bei diesem Verfahren werden mittels spezieller Nadeln Löcher in Atemwegswänden geschaffen, die durch einen Stent eine dauerhafte Verbindung zwischen den erkrankten Lungenanteilen und den normalen, zentralen Atemwegen schaffen. Dadurch soll sich Luft aus den überblähten Lungenarealen in die gesunden Atemwegsbereiche entleeren können. Diese Methode ist relativ kompliziert aber machbar, wie die bisher vorliegenden Daten zeigen. Auch hier müssen vor einer klinischen Bewertung weitere Ergebnisse abgewartet werden.
Quelle: Prof. Dr. Helgo Magnussen, vom Pneumologischen Forschungsinstitut am Krankenhaus Großhansdorf (Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie)
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